Kernkraftwerk Leningrad II

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Kernkraftwerk Leningrad II
Leningrad Nuclear Power Plant 20JUL2010-4 (cropped).jpg
Standort
Land Flag of Russia.svg Russische Föderation
Oblast Leningrad
Ort Sosnowy Bor
Koordinaten 59° 49′ 49″ N, 29° 3′ 23″ OTerra globe icon light.png 59° 49′ 49″ N, 29° 3′ 23″ O
Reaktordaten
Eigentümer JSC Konzern Rosenergoatom
Betreiber JSC Konzern Rosenergoatom
Vertragsjahr 2007
Geplant 2 (2340 MW)
Im Bau 2 (2340 MW)
Zusatzfunktion Fernwärme
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Leningrad II (russisch Ленинградская АЭС II anhörenBeschreibungsseite der Audiodatei mit Lizenzangaben, kurz LAES II, russisch ЛАЭС II) entsteht nahe der Stadt Sosnowy Bor in der russischen Oblast Leningrad. Die Planungen begannen bereits in den 1990ern, allerdings mit anderer Konzeption. Es entsteht direkt neben dem bestehenden Kernkraftwerk Leningrad, welches das Kernkraftwerk Leningrad II ersetzen soll. Die Reaktoren dienen als Export-Demonstrationsmodelle.

Geschichte

Ab dem Jahr 1994 plante Russland den Bau eines neuen Kernkraftwerks am bestehenden Kernkraftwerk Leningrad. Vorgesehen war ein neues Reaktormodell vom Typ WWER-640, der den letzten Technologiestand in Russland darstellte und ein Modell der Generation III war. Bestellt wurde der Reaktor allerdings bereits 1993.[1] Am 17. März 1998 stellte Gosatomnadzdor die Baulizenz für das ab diesem Zeitpunkt als Kernkraftwerk Sosnowy Bor geführte Werk aus. Bis zum ersten April 2000 sollte die Baugrube ausgehoben und der Block am 11. Juni 2005 am Netz sein. Obwohl noch 1998 mit der Standorterschließung begonnen wurde, kam es nie zum Bau des Werkes. Im April 2003 wurde das Kernenergieprogramm der russischen Föderation neu orientiert. Der Standort wurde fortan als Kernkraftwerk Leningrad II geführt. Der Plan war es als ersten Block einen WWER-640 zu errichten, gefolgt von einem zweiten Block mit WWER-1500. Bei beiden Blöcken sollte es sich um Prototypen handeln, die bisher nicht erprobt waren und deshalb nicht als eigentliches Kernkraftwerk betrieben werden sollten, sondern für wissenschaftliche Zwecke. Die Auslegung beider Anlagen sollte als AES-88 vorgenommen werden und als Referenzprojekt für zukünftige Anlagen dienen.[1]

Neuplanung

Bereits im Jahre 2005 kündigte Rosenergoatom aufgrund der auslaufenden Standzeit der Reaktoren des anliegenden Kernkraftwerks Leningrad an, ein neues Kernkraftwerk am Standort errichten zu wollen. Die ersten Reaktoren des Kernkraftwerks Leningrad würden spätestens nach einer 15-jährigen Betriebsverlängerung im Jahre 2018 und 2020 vom Netz gehen.[2] Als mögliches Reaktormodell kam der WWER-1500/448 infrage,[3] sowie der MKER-1000, ein direktes Nachfolgemodell der im Kernkraftwerk Leningrad zum Einsatz kommenden RBMK-1000. Das Modell wurde bereits durch NIKIET, dem Kurtschatow Institut und Atomenergoprojekt Moskau für das Kernkraftwerk Leningrad projektiert und auch von seiten des Personals befürwortet, da durch die RBMK-Blöcke bereits Betriebserfahrungen bestehen.[4] Die Kosten für das Kernkraftwerk, genannt Kernkraftwerk Leningrad II, hätten sich nach Schätzungen aus dem Jahr 2006 auf 146 Millionen Dollar belaufen. Der erste Block sollte 2013, der zweite 2016 in Betrieb gehen und bis 2025 zwei weitere. Ein früher Plan für die Neustrukturierung des Kernkraftwerksparks sah bereits den Zubau von insgesamt 40 Reaktoren in ganz Russland in den nächsten 25 Jahren vor, die zusammen 60 Milliarden Dollar kosten würden.[2]

Noch im Jahr 2006 wurde der Standort des neuen Werks neben dem Forschungsinstitut der Stadt Sosnowy Bor festgelegt,[5] dem Testgelände für den Bau der Reaktoren vom Typ WWER-640 und WWER-1500,[1] unweit des bestehenden Kernkraftwerks. Geplant waren allerdings nunmehr Reaktoren vom Typ WWER-1000, die bauähnlich zu den Reaktoren die für die Volksrepublik China am Standort Tianwan errichtet werden sollten. Bis 2007 rechnete man mit dem Baubeginn des ersten Reaktors. Die vier Blöcke sollten zusammen sechs Milliarden Dollar kosten, finanziert vom staatlichen Budget. Neben dem Ersatz für die bestehenden Blöcke wurde eine Strombrücke nach Finnland geprüft, für den möglichen Export von Elektrizität aus dem neuen Werk. Für das Planungsverfahren beteiligte Rosenergoatom die Bevölkerung der Oblast Leningrad. Sergei Wladilenowitsch Kirijenko, der Ministeriale Vorstand des Konzerns Rosatom versicherte, dass wenn die Bevölkerung gegen einen Bau sei, würde die Anlage nicht errichtet werden. Seitens der Umweltschutzorganisation Bellona wurde das Verfahren jedoch kritisiert, da nach russischen Recht aufgrund der grenzüberschreitenden Auswirkungen im Falle eines Unfalles auch die umliegenden Oblasten und Länder beteiligt werden müssten. Da der größte Teil der Einwohner der Stadt Sosnowy Bor auch im Kernkraftwerk Leningrad arbeitet, sind diese wegen ihrer Jobs direkt von der Entscheidung betroffen und daher vorbelastet. Während Finnland auch Russland über den Bau des Kernkraftwerks Olkiluoto informierte, erhielten die angrenzenden Länder von Russland keine Dokumente über das Kernkraftwerk Leningrad II und dessen geplante Anlagen, noch über die genauen Reaktortypen.[5]

Im Oktober 2006 wurde ein Föderales Zielprogramm für die Entwicklung der Kernenergie von 2007 bis 2010 und 2015 verabschiedet. Im Rahmen des Programms wurden Änderungen für die geplanten Reaktormodelle vorgenommen, sodass ein neues Reaktordesign, genannt AES-2006 mit WWER-1200 zukünftig zum Einsatz kommen soll, auch für Leningrad II. Die ersten Reaktoren des neuen Werkes sollten nunmehr bereits 2013 und 2014 ans Netz gehen. Die Kosten liegen damit pro Block bei 2,5 Milliarden Dollar, die Gesamtkosten für vier Reaktoren sollen aber nach Aussage von Sergei Wladilenowitsch Kirijenko die 6 Milliarden-Dollar-Grenze nicht überschreiten. Sollte Finnland der Überseeleitung noch zustimmen, wäre der Zubau von zwei weiteren Reaktoren zwischen den Jahren 2014 und 2018 nötig, da alleine mindestens ein Reaktor für den Stromexport zur Verfügung stehen müsste.[6] Obwohl der Standort ehemals als Versuchsstandort für den WWER-1500 dienen sollte wurde dieser Reaktortyp nicht weiter als Projekt für die Region Leningrad erwogen. Einerseits war die Entwicklung noch nicht abgeschlossen, andererseits ist der Hauptgrund beim Stromnetz zu finden, das nicht für Reaktoren dieser Leistungsklasse ausgelegt war. So würden zu wenig Ersatzkapazitäten im Falle eines unvorhergesehenen Ausfalls eines WWER-1500 zur Verfügung stehen, weiter verkraften es die Stromnetze in der Region nicht wenn plötzlich 1500 MW, oder beim Ausfall von zwei Blöcken 3000 MW Kapazität aus dem Netz verschwinden. Als Ausgleichsregelung hätte man bei einem etwaigen Ausfall nur Stromabschaltungen bei Verbrauchern vornehmen können. Der WWER-1500 eignet sich deshalb nur für eine geringe Zahl an Standorten in Russland, und ist vornehmlich zum Export und Bau in anderen Ländern gedacht. Der WWER-1200 hingegen wurde passend für das russische Stromnetz ausgelegt und bietet deshalb Vorteile für den Standort Leningrad.[7]

Die Hearings im Februar 2007 fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Sosnowy Bor statt. Die größten Befürchtungen waren die Auswirkungen der Abwärme aus dem Kernkraftwerk auf die Umwelt. Während das Kernkraftwerk Leningrad die Abwärme in den Finnischen Meerbusen ableitet, werden die ersten beiden Blöcke je zwei 150 Meter hohe Kühltürme erhalten, wobei hier die Befürchtung einer lokalen Erwärmung der Luft gegeben war. Durch die Dampfschwaden befürchtete man, dass radioaktive Aerosole aus der Luft gewaschen werden könnten und einen Fallout verursachen. Allerdings würden die Kühltürme nur einen lokalen Fallout von radioaktiven Partikeln um das Kernkraftwerk verursachen und verhindern, dass radioaktive Aerosole bis nach Sosnowy Bor treiben.[8] Neben dem Kernkraftwerk Nowoworonesch II ist das Kernkraftwerk Leningrad II eines der fortschrittlichsten Kernkraftwerksprojekte im Land.[9]

Abschnitt 1

Im August 2007 wurde der Bauvertrag mit Atomenergoprojekt Sankt Petersburg geschlossen und im September 2007 die Standortgenehmigung bewilligt,[10] sodass bereits erste Vorarbeiten am Standort vorgenommen werden konnten.[11] Die Reaktoren sollen weiterentwickelte Modelle der im chinesischen Tianwan zum Einsatz kommenden Modelle sein, deren Bau bereits im Oktober 2008 am Standort Leningrad II hätte beginnen können.[10] Der Auftrag für die Turbogeneratoren des Kernkraftwerks wurde zusammen mit dem Kernkraftwerk Nowowoonesch II an Power Machines mit einem Wert von 1,7 Milliarden Dollar vergeben. Insgesamt wurden für alle vier Reaktoren je ein Turbogenerator bestellt. Die Turbine vom Typ K-1200-6.8/50 wird einen Generator vom Typ TZV-1200-2 antreiben, der Turbosatz wurde parallel zum Kernkraftwerkstyp entwickelt.[12] Den Zuschlag für die Fertigung der Reaktoren und anderes Equipment erhielten die Ischora Werke in Sankt Petersburg. Der Auftragswert beläuft sich auf 118 Millionen Dollar oder drei Milliarden Rubel.[13] Die Vorarbeiten am Standort und die Verladung des ausgehobenen Schüttgutes wurde Mitte 2008 stark kritisiert. Die bereits ausgehobenen rund 300.000 Kubikmeter Erde wurden unsachgemäß an öffentlichen Gebieten abgeladen. Um die Stadt Lomonossow wurden mehrere Frachten Schüttgut abgeladen, jedoch teilweise in Trinkwasserschutzgebieten und an Flüssen, die durch die Erden verschlammten, sowie Nutzflächen. Die Stadt Sosnowy Bor selbst stoppte mehrmals Lastwagen, die auf dem Weg von der Baustelle zu einer Abladestelle Schutt verloren. Das zuständige Ministerium schritt nicht ein, nur die Polizei, die diverse Geldstrafen verhängte, was jedoch nutzlos war, da die meisten Fuhren andernorts abgeschüttet wurden.[14]

Bau

Der russische Präsident Dimitri Medwedew besuchte im Mai 2010 die Baustelle

Am 25. Oktober 2008 wurde offiziell mit dem Bau des ersten Reaktors begonnen.[15] Der Baubeginn wurde durch das Gießen des ersten Betons für das Fundament des ersten Blocks markiert. Das Kernkraftwerk Leningrad II soll zudem als Referenzanlage für zukünftige Reaktoren am Standort Tianwan in der Volksrepublik China dienen.[16] Das Fundament des ersten Reaktors wurde bis zum Juni 2009 vollständig gegossen.[17] Am 14. Juli 2009 wurde die Baugenehmigung für den zweiten Block bewilligt, mit einer zehnjährigen Gültigkeit bis zum 14. Juli 2019. Da der Standort des zweiten Blocks bereits vollständig vorbereitet worden ist, sollte mit dem Bau etwas früher begonnen werden als geplant, sodass noch im Jahre 2009 die Arbeiten am Fundament abgeschlossen werden könnten.[18] Das Gießen des ersten Betons, und damit der offizielle Baubeginn des zweiten Blocks, erfolgte jedoch erst am 15. April 2010.[19][15] Im Dezember 2010 kam es zu starken Schneefall in der Region um das Kernkraftwerk. Trotz dieser markanten Wettereinwirkungen wurde der Bau fortgesetzt, obwohl das Wetter die Bauarbeiten nachhaltig einschränkte, sodass mehrmals am Tag die Zufahrtsstraßen geräumt werden mussten. Am 29. Dezember 2010 wurde seitens des lokalen Gerichts in Sosnowy Bor ein Baustopp für die gesamte Anlage verhängt, beschränkt auf 30 und 40 Tage. Grund waren mangelhafte Feuerschutzmaßnahmen und mangelhafte sanitäre Einrichtungen. Die Wasserleitungen für Nutzwasser wiesen mehrere Lecks auf, es bestanden Mängel an der Baustromversorgung, eine schlechte Lebensmittelversorgung auf der Baustelle sowie eine schlechte Versorgung mit Löschwasser. Je nach Schwere des Falls wurde der Stopp auf 30 bis 40 Tage beschränkt. Bereits bei einer vorhergegangenen Inspektion im Juli 2010 wurde Atomenergoprojekt Sankt Petersburg aufgefordert diese Probleme zu beseitigen, was jedoch nicht geschah.[20]

Am 17. Juli 2011 kam es zu einem weiteren Zwischenfall am Bau, als am ersten Reaktorblock ein Teil der Stahlarmierung des Reaktorgebäudes einstürzte. Dies geschah nach Angaben von Rosenergoatom während Betonierarbeiten am äußeren Containment, als sich unter dem Gewicht des Stahls zu verformen begann. Dies führte zu einem Bauverzug von mehreren Wochen. Nach Angabe der russischen Behörden ist der Unfall auf die Bautechnik eines Subauftragnehmers zurückzuführen. Als weitere Folge gab es starke Kritik aus Litauen, an dessen Grenze in Kaliningrad eine baugleiche Anlage entstehen sollte. Litauen stellte die Integrität und die Sicherheit des Reaktormodells infrage. Die Kritik hing allerdings mit dem Bau des Kernkraftwerks Visaginas zusammen, dass Litauen zusammen mit Lettland, Estland und Polen errichten will um aus der energetischen Isolation durch Russland und Weißrussland, dass in Ostrowets ebenfalls eine baugleiche Anlage errichten wollte, herauszukommen.[21] Im November 2012 wurden die Planungen für den zweiten Block des Kernkraftwerks abgeändert und beschlossen anstatt der zwei 150 Meter hohen Kühltürmen nur einen einzelnen 170 Meter hohen Kühlturm zu errichten.[22]

Im März 2015 kritisierte der Rechnungshof der russischen Föderation die Ausgaben beim Bau der Anlage, die sich in Relation zur Bauleistung zwischen 2011 und 2013 im Jahr 2014 etwa 2,5 mal höher waren und bei 342,6 Milliarden Rubel lagen. Verantwortlich gemacht wurde sowohl Rosatom und der Generalprojektant Atomprojekt (vormals Atomenergoprojekt Sankt Petersburg). Die Prüfung ergab eine schlechte Planung im Bezug auf die Termine, bei dem Bau der Netze und bei der Auftragsvergabe an Subunternehmen. Eine Folge daraus ist ein technisches Problem: Da die Leitungen nicht wie benötigt rechtzeitig vollendet werden können, besteht ein Engpass im Stromnetz, das es erlaubt an den Standorten maximal fünf Blöcke gleichzeitig zu betreiben. Dies schließt die vier noch laufenden Blöcke des Kernkraftwerks Leningrad mit ein, sowie einen Block von Leningrad II. Dies führt dazu, dass die Inbetriebnahme der folgenden Blöcke nach Block 1 von Leningrad II jeweils erst erfolgen kann, wenn ein Reaktor des Altwerks zuvor endgültig vom Netz genommen wurde.[23]

Betrieb

Nach Plan sollte der erste Block im Jahre 2013 ans Netz gehen, der zweite im Jahre 2014. Allerdings verschob sich die Inbetriebnahme des zweiten Blocks um zwei Jahre in das Jahr 2016.[20]

Abschnitt 2

Für den zweiten Bauabschnitt, bestehend aus Block 3 und 4, erhielt bereits im September 2008 Atomenergoprojekt Sankt Petersburg den Zuschlag für die Planung. Die Blöcke werden bis auf einige Abänderungen nahezu baugleich mit den Reaktoren 1 und 2 der ersten Baustufe sein.[13] Im Juni 2009 fanden hierzu die öffentlichen Anhörungen statt, die eine größere öffentliche Beteiligung aufwiesen als bei den ersten beiden Blöcken, auch in Hinsicht auf Verbesserungsvorschläge am neuen Projekt.[17] Im Juni 2010 wurde die Standortlizenz für die beiden Blöcke 3 und 4 genehmigt, die eine Gültigkeit bis zum April 2013 aufwies. Innerhalb dieser Zeit muss mit dem Bau der Reaktoren begonnen werden, nach Plan Ende des Jahres 2010 oder Anfang 2011.[24] Aufgrund von Verzögerungen und dem de facto nicht begonnenen Bau, plant Rosenergoatom die Baugenehmigung bis 2015 neu zu beantragen.[25]

Bau

Nach aktuellem Plan soll mit dem Bau des dritten Blocks im Jahre 2011 begonnen werden, Block 4 soll im Jahre 2014 folgen.[26]

Betrieb

Nach Plan soll der dritte Block erstmals 2016 in Betrieb gehen, gefolgt vom vierten Block im Jahre 2019.[26]

Abschnitt 3

Im Falle, dass eine Überseeleitung nach Finnland verwirklicht werden sollte, ist der Zubau von zwei weiteren Reaktoren in einem dritten Bauabschnitt geplant, da für den Export mindestens ein Block zur Verfügung stehen müsste.[6] Das Projekt für den Bau dieser Gleichstromübertragungsleitung wurde allerdings durch United Power im Dezember 2006 mit dem Argument verworfen, dass die Energieversorgung durch Russland zu unzuverlässig sei.[27]

Technische Details

Die Reaktoren des Kernkraftwerks Leningrad II sind alle vom Typ WWER-1200/491 in der Bauform des AES-2006.[26] Die elektrische Leistung der einzelnen Blöcke liegt bei je 1170 MW brutto, von denen 1085 MW netto in das Stromnetz eingespeist werden.[15][28][29] Die vier ersten Blöcke sollen zusammen 9,17 Petajoule an Fernwärme ausspeisen.[17]

Die beiden Kühltürme des ersten Blocks haben jeweils eine Höhe von 150 Metern und wurden aus jeweils 10.000 Kubikmetern Beton gegossen. Beide Kühltürme zusammen können 170.000 Kubikmeter Kühlwasser pro Stunde umwälzen. Der zweite, dritte und vierte Block sind jeweils mit einem 167 Meter hohen Kühlturm ausgestattet, von dem jeder aus insgesamt 11.400 Kubikmeter Beton gegossen wurde. Ein einzelner Kühlturm für einen Block kann 150.000 Kubikmeter Kühlwasser pro Stunde umwälzen. Die 150 Meter hohen Kühltürme gleichen denen, wie sie am Kernkraftwerk Kalinin errichtet wurden. Die 167 Meter hohen Kühltürme wurden 2010 für die Blöcke 3 und 4 des Kernkraftwerks Nowoworonesch II seitens Atomenergoprojekt Moskau entwickelt und sind die Standardkühltürme für alle folgenden Kernkraftwerke des Typs AES-2006 und AES-2010.[30]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Leningrad II besteht aus zwei Reaktoren, die sich im Bau befinden. Zwei weitere sind in Planung.

Reaktorblock[15] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Leningrad II-1 DWR WWER-1200/491 1085 MW 1170 MW 25.10.2008 (2013 geplant)
Leningrad II-2 DWR WWER-1200/491 1085 MW 1170 MW 15.04.2010 (2014 geplant)
Leningrad II-3[28] DWR WWER-1200/491 1085 MW 1170 MW (Anfang 2016)
Leningrad II-4[29] DWR WWER-1200/491 1085 MW 1170 MW (Anfang 2016)

Einzelnachweise

  1. a b c Николай Кудряков: ПЛОЩАДКА №3. Воспоминания и размышления о проекте ВВЭР-640, 16.07.2012. Abgerufen am 18.09.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  2. a b Vera Ponomareva: Exploring Altternatives To A New Leningrad Nuclear Power Plant, Bellona, 07.03.2006. Abgerufen am 19.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  3. Ian Hore-Lacy, u.a.: Nuclear energy in the 21st century: the World Nuclear University primer. In: World Nuclear University primer. Academic Press, 2006. ISBN 0123736226. Seite 66.
  4. Samuel A. Apikyan, u.a.: Nuclear Power and Energy Security. In: NATO Science for Peace and Security Series B: Physics and Biophysics Series. Springer, 2009. ISBN 9048135036. Seite 243.
  5. a b Rashid Alimov: Rosatom Plans To Build A Second Leningrad Nuclear Power Plant, Bellona, 22.05.2006. Abgerufen am 19.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  6. a b Vera Ponomareva: Public hearings on a second nuclear plant in St. Petersburg to be held in January, Bellona, 29.11.2006. Abgerufen am 19.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  7. Атомный ренессанс - уже настоящее. Abgerufen am 18.09.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  8. Rashid Alimov: Evironmentalists disappointed with sham public hearing on Leningrad NPP 2, Bellona, 09.02.2007. Abgerufen am 19.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  9. World Nuclear News: New units at Novovoronezh, 18.06.2007. Abgerufen am 19.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  10. a b World Nuclear News: Contract signed for Leningrad II construction, 27.03.2008. Abgerufen am 19.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  11. World Nuclear News: Russia plans deployment of small reactors, 13.07.2007. Abgerufen am 19.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  12. World Nuclear News: Power Machines awarded $1.7 billion contract, 28.05.2008. Abgerufen am 23.08.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  13. a b World Nuclear News: Flurry of Russian new build contracts, 29.09.2008. Abgerufen am 23.08.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  14. Vera Ponomareva: Illegal dirt dumping adds to ecological woes at site of second Leningrad Nuclear Power Plant, Bellona, 28.07.2008. Abgerufen am 22.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  15. a b c d Power Reactor Information System der IAEA: „Russian Federation“ (englisch)
  16. World Nuclear News: Construction starts at Leningrad II, 27.10.2008. Abgerufen am 22.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  17. a b c World Nuclear News: Construction milestone at Leningrad II, 18.06.2009. Abgerufen am 22.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  18. World Nuclear News: Go-ahead for second Leningrad II unit, 22.06.2009. Abgerufen am 22.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  19. World Nuclear News: Construction starts on second Leningrad II unit, 19.04.2010. Abgerufen am 22.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  20. a b Andrei Ozharovsky: Court halts construction of second line of Leningrad NPP, Bellona, 07.01.2011. Abgerufen am 22.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  21. UPI.com: Lithuania vexed by Leningrad nuke mishap, 24.08.2011. Abgerufen am 22.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  22. СПбАЭП: СПбАЭП откорректирует проекты двух АЭС, 15.11.2012. Abgerufen am 24.01.2013. (Archivierte Version bei WebCite)
  23. Российское атомное сообщество: Объем незавершенного строительства АЭС в России возрос в 2,5 раза, 02.03.2015. Abgerufen am 06.03.2015. (Archivierte Version bei WebCite)
  24. World Nuclear News: Siting licenses for Leningrad Phase II units, 02.06.2010. Abgerufen am 22.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  25. Российское атомное сообщество: Утверждён план строительства Южноуральской, Татарской, Северской, Костромской и Нижегородской АЭС, 21.11.2013. Abgerufen am 24.12.2013. (Archivierte Version bei WebCite)
  26. a b c World Nuclear Association: Nuclear Power in Russia, August 2011. Abgerufen am 18.09.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  27. Reuters: Russia's Baltenergo eyes new power link to Sweden, 21.05.2007. Abgerufen am 18.09.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  28. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - LENINGRAD 2-3“
  29. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - LENINGRAD 2-4“
  30. Atomenergoprojekt Sankt Petersburg: 'Обоснование выбора системы технического водоснабжения энергоблоков ЛАЭС-2, 05.09.2012. Abgerufen am 27.07.2013. (Archivierte Version bei WebCite)

Weblinks

  • lnpp2.ru - Website des Kernkraftwerks (russisch)
  • Sankt Petersburg Atomenergoprojekt: Design AES-2006 - Concept Solutions by the example of Leningrad NPP-2 (englisch)

Siehe auch