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Benutzer:TZV/Reaktorunfall: Unterschied zwischen den Versionen

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In der ganzen Sowjetunion war das Kernkraftwerk Tschernobyl als einziges Kernkraftwerk bereit, diesen Versuch durchzuführen und die Spannungshalter zu Testen.<ref name="INIS-mf-10523"/> Der Direktor des Kernkraftwerks Kursk, Tom Nikolaew, lehnte die Versuchsreihe offen ab. Nikolaew war viele Jahre lang an der Entwicklung von Kernreaktoren beteiligt gewesen und arbeitete viele Jahre in Tomsk als Chefingenieur beim Betrieb der dortigen [[ADE-Reaktor]]en. 1975 wurde er schließlich zum Kernkraftwerksdirektor in Kursk ernannt. Als Argument dagegen nannte er insbesondere, dass wenige zehntel Sekunden dazu führen könnten, dass der Reaktor einen Schaden davon trägt. Er lehnte es deshalb ab die Versuche im Kernkraftwerk Kursk durchzuführen.<ref name="RIA_Novosti_25-04-2011">РИА Новости: ''Инженер, который спас Курчатов от участи Чернобыля'', 25.04.2011. [http://ria.ru/ocherki/20110425/367993671.html Abgerufen] am 24.01.2015. ([http://www.webcitation.org/6Vosn3YLC Archivierte Version] bei [http://www.webcitation.org/ WebCite])</ref> Im Normalfall wird dieser Versuch bei jeder Inbetriebnahme vor dem kommerziellen Betrieb durchgeführt. Weil die Kraftwerksleitung allerdings darauf drängte den Block bereits früher in Betrieb zu nehmen, hatte man die Versuche bis auf weiteres aufgeschoben. Ein weiterer Grund war der fehlgeschlagene Versuch in Block drei. Block drei und vier gehören einer neuen Generation der RBMK an und haben teilweise neue Systeme. Aufgrund dessen wurde die Auslegung der Spannungshalter neu Konzipiert. Ein zweiter Versuch war direkt anschließend vorgesehen und sollte die Kühlung des Reaktors mit einen Luftkühlsystem gewährleisten. Im Normalfall kann die Wärme des Reaktors auch bei einer Abschaltung über das Gassystem abgeführt werden.<ref name="ISBN_349806505X"/><ref name="ISBN_3923875746"/> Dadurch am 25.&nbsp;April die erste Revision des vierten Blocks vorgesehen war und der Block vom Netz gehen musste, wurde der Versuch für den vierten Block des Kernkraftwerks Tschernobyl vorgesehen.<ref name="INIS-mf-10523"/>
 
In der ganzen Sowjetunion war das Kernkraftwerk Tschernobyl als einziges Kernkraftwerk bereit, diesen Versuch durchzuführen und die Spannungshalter zu Testen.<ref name="INIS-mf-10523"/> Der Direktor des Kernkraftwerks Kursk, Tom Nikolaew, lehnte die Versuchsreihe offen ab. Nikolaew war viele Jahre lang an der Entwicklung von Kernreaktoren beteiligt gewesen und arbeitete viele Jahre in Tomsk als Chefingenieur beim Betrieb der dortigen [[ADE-Reaktor]]en. 1975 wurde er schließlich zum Kernkraftwerksdirektor in Kursk ernannt. Als Argument dagegen nannte er insbesondere, dass wenige zehntel Sekunden dazu führen könnten, dass der Reaktor einen Schaden davon trägt. Er lehnte es deshalb ab die Versuche im Kernkraftwerk Kursk durchzuführen.<ref name="RIA_Novosti_25-04-2011">РИА Новости: ''Инженер, который спас Курчатов от участи Чернобыля'', 25.04.2011. [http://ria.ru/ocherki/20110425/367993671.html Abgerufen] am 24.01.2015. ([http://www.webcitation.org/6Vosn3YLC Archivierte Version] bei [http://www.webcitation.org/ WebCite])</ref> Im Normalfall wird dieser Versuch bei jeder Inbetriebnahme vor dem kommerziellen Betrieb durchgeführt. Weil die Kraftwerksleitung allerdings darauf drängte den Block bereits früher in Betrieb zu nehmen, hatte man die Versuche bis auf weiteres aufgeschoben. Ein weiterer Grund war der fehlgeschlagene Versuch in Block drei. Block drei und vier gehören einer neuen Generation der RBMK an und haben teilweise neue Systeme. Aufgrund dessen wurde die Auslegung der Spannungshalter neu Konzipiert. Ein zweiter Versuch war direkt anschließend vorgesehen und sollte die Kühlung des Reaktors mit einen Luftkühlsystem gewährleisten. Im Normalfall kann die Wärme des Reaktors auch bei einer Abschaltung über das Gassystem abgeführt werden.<ref name="ISBN_349806505X"/><ref name="ISBN_3923875746"/> Dadurch am 25.&nbsp;April die erste Revision des vierten Blocks vorgesehen war und der Block vom Netz gehen musste, wurde der Versuch für den vierten Block des Kernkraftwerks Tschernobyl vorgesehen.<ref name="INIS-mf-10523"/>
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==== Ablauf nach Versuchsprogramm ====
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{| class="prettytable"
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| class="generation3-grad" colspan="83" style="color:#000000; height:10px; font-weight:bold; padding: 6px; line-height:1.1em;" | Teil 1. - Allgemeiner Teil
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|-
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! Punkt
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! Beschreibung
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| 1.1
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| Der Zweck des Versuchs ist es, experimentell die Möglichkeit zu testen, die mechanische Energie des Nachlaufs zu nutzen, um die Leistung für den Eigenbedarf aufrecht zu erhalten während eines Blackouts.
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|
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|-
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| 1.2
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| Der Versuch wird durchgeführt wenn der Block für die geplante vorbeugende Wartung abgeschaltet wird.
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|
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|-
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| 1.3
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| Testdauer 4 Stunden
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|
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|-
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| class="generation3-grad" colspan="83" style="color:#000000; height:10px; font-weight:bold; padding: 6px; line-height:1.1em;" | Teil 2. - Versuchsbedingungen
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|-
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! Punkt
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! Beschreibung
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! Verantwortliche Person
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|-
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| 2.1
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| Reduzierung der Leistung auf 700 bis 1000&nbsp;MW thermische Leistung
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| Kraftwerksschichtleiter
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|-
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| 2.2
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| Turbogenerator&nbsp;7 vom Netz trennen und stoppen (oder in den Leerlauf überführen)<br/>Öffnen des Schalters WTG-7 und des Trennschalters RTG-7
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| Blockschichtleiter, Schichtleiter Elektrowerkstatt
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|-
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| 2.3
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| Eigenbedarfsverbraucher von Turbogenerator&nbsp;7 auf Abschnitt 7RA und 7RB auf Transformator 6T umschalten.
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| Schichtleiter Elektrowerkstatt
 +
|-
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| 2.4
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| Turbogenerator&nbsp;8 arbeitet mit Eigenerregung, Auslaufblöcke ARW-SD und ARW-WG werden eingeschaltet.
 +
| Schichtleiter Elektrowerkstatt
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|-
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| 2.5
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| Integration des MPA-Signalkreises in den elektrischen Teil des Schrittlast-Einstellkreises der Dieselgeneratoren und in das Auslaufsystem in den beiden Automatisierungskomplexen 4SchANP-3 wie folgt: An der Panele Nummer&nbsp;2 (linke Seite) verbinden Sie die Kontakte des zusätzlichen Tasters in der Blockschaltwarte-4 mit der Klemme 10 (091-1) von 18 (09-1) und einschalten.
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| Elektrotechnisches Labor
 +
|-
 +
| 2.6
 +
| Versorgungssektion 8RA, 8RB und 8RNA folgen weitere Schalthandlungen des Personals.
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| Schichtleiter Elektrowerkstatt
 +
|-
 +
| 2.7
 +
| In der Versorgungssektion 8RA sind folgende Aktoren enthalten: {{Akronym|4PN3|Speisewasserpumpe 3}}, {{Akronym|4|Speisewasserpumpe 4}}: {{Akronym|4GZN-13|Hauptumwälzpumpe 13}}, {{Akronym|23|Hauptumwälzpumpe 23}}: {{Akronym|41KN-73|###TBD###}},  {{Akronym|82|###TBD###}}:  {{Akronym|42KN-73|###TBD###}}, {{Akronym|82|###TBD###}}: {{Akronym|4NGO-81|###TBD###}}: {{Akronym|2ZN-10|###TBD###}}
 +
| Schichtleiter Elektrowerkstatt, Blockschichtleiter
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|-
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| 2.8.
 +
| In der Versorgungssektion 8RB sind folgende Aktoren enthalten: {{Akronym|2NPRT-5|###TBD###}}: {{Akronym|4|Speisewasserpumpe 4}}:  {{Akronym|41KN-83|###TBD###}}: {{Akronym|42KN-83|###TBD###}}: {{Akronym|4GZN-14|Hauptumwälzpumpe 14}}, {{Akronym|24|Hauptumwälzpumpe 24}}: {{Akronym|4PN5|Speisewasserpumpe 5}}: {{Akronym|4NGO-82|###TBD###}}: {{Akronym|WK-15|###TBD###}}: {{Akronym|2ZN-11|###TBD###}}, {{Akronym|12|###TBD###}}:
 +
| Blockschichtleiter, Schichtleiter Elektrowerkstatt
 +
|-
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| 2.9
 +
| Versorgungssektion 0,4&nbsp;kV wird auf die Notstromversorgung umgeschaltet: Abschnitt 164N auf Trafo 24TR
 +
* 74N auf 21TR
 +
* 78N auf 23TR
 +
* 232N auf 231T
 +
* 180N auf 179T
 +
* 225N auf 226T
 +
* 75N auf 22TR
 +
* 167N auf 24TR
 +
* 228N auf 227T
 +
* 165N auf 24TR
 +
* 220N auf 221T
 +
* 208N auf 208T
 +
* 160N auf 159T
 +
|
 +
|-
 +
| 2.10
 +
| In der Versorgungssektion 8RNA sind folgende Verbindungen enthalten: {{Akronym|92TNZ|###TBD###}}, {{Akronym|91TIP|###TBD###}}, {{Akronym|93TIP|###TBD###}}, {{Akronym|224T|###TBD###}}, {{Akronym|4NSOS-3|###TBD###}}, {{Akronym|4-3TNPS|###TBD###}},
 +
| Blockschichtleiter, Schichtleiter Elektrowerkstatt
 +
|-
 +
| 2.11
 +
| Reserve-Versorgungssektion 0,4&nbsp;kV
 +
| Schichtleiter Elektrowerkstatt
 +
|-
 +
|}
 +
<!-- http://atomas.ru/isp/shernobl/app7.html -->
  
 
РБМК системы удаления водорода СУВ
 
РБМК системы удаления водорода СУВ
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 +
<center><div class="imageMapHighlighter" style="border:1px solid; border-color:rgb(204,204,204); height:auto; width:auto; overflow:auto; background-color:rgb(249,249,249); padding:4px; font-size:14px; text-align:left;">
 +
<imagemap>
 +
Datei:ChAES-4 Eigenbedarfsversorgung Auslaufversuch.svg|1800px|center
 +
desc bottom-right
 +
</imagemap>
 +
Elektrische Übersicht des Auslaufversuchs
 +
</div></center>
  
  
Zeile 534: Zeile 626:
 
* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41878
 
* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41878
 
* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41879
 
* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41879
 +
 +
 +
 +
<gallery widths="200px" heights="200px">
 +
Datei:Tschernobyl-4 A-A Fassade.png|A-A Schnitt durch Block&nbsp;4
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Datei:Tschernobyl-4 A-A Fassade nach Unfall.png|A-A Schnitt durch Block&nbsp;4 mit Zerstörungen:<br /><span style="background-color:rgb(255,201,14);">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span> - Zerstörte Gebäudeteile<br /><span style="background-color:rgb(37,45,139);">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span> - Intakte Fensterscheiben<br /><span style="background-color:rgb(0,162,232);">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span> - Zersprungene Fensterscheiben
 +
</gallery>
 +
 +
{| style="background: #f9f9f9; color: #000; font-size:85%; line-height:0.9em; clear:right; margin:0 0 .5em 1em; border: 1px solid #aaa; padding: 0.1em;" cellspacing="5"
 +
|-
 +
| class="generation3-grad" colspan="8" style="color:#000000; height:10px; font-weight:bold; padding: 6px; line-height:1.1em;" | Wetterdaten, 26. April
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|-
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Station
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Mosyr {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue UpperLeft 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Nordwesten}}<ref name="Wetter_1_Mosyr">Tutiempo Network: ''Climate MOZYR April - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-330360.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-330360.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Sarny {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Left 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Westen}}<ref name="Wetter_1_Sarny">Tutiempo Network: ''Climate SARNY April - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-330880.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-330880.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Tschernobyl {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Down 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Süden}}<ref name="Wetter_1_Chornobyl">Tutiempo Network: ''Climate CHORNOBYL April - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-332310.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-332310.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Tschernigow {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Right 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Osten}}<ref name="Wetter_1_Chernigov">Tutiempo Network: ''Climate CHERNIHIV April - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-331350.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-331350.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Gomel {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue UpperRight 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Nordosten}}<ref name="Wetter_1_Gomel">Tutiempo Network: ''Climate HOMYL April - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-330410.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-330410.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Kiew {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Down 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Süden}}<ref name="Wetter_1_Kiew">Tutiempo Network: ''Climate KYIV April - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-333450.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/04-1986/ws-333450.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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|-
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| '''Windrichtung:'''
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| class="hintergrundfarbe7" | {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NW.svg|50px]]|Nordwesten}}
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| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb W.svg|50px]]|Westen}}
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| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NW.svg|50px]]|Nordwesten}}
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| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NW.svg|50px]]|Nordwesten}}
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| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NW.svg|50px]]|Nordwesten}}
 +
| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb W.svg|50px]]|Westen}}
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|-
 +
| '''Temperatur Ø:'''
 +
| 15,1 °C
 +
| 12,5 °C
 +
| 15,2 °C
 +
| 15,6 °C
 +
| 16,7 °C
 +
| 12,7 °C
 +
|-
 +
| '''Temperatur min.:'''
 +
| 8,4 °C
 +
| 6,9 °C
 +
| 7,3 °C
 +
| 7,7 °C
 +
| 11,4 °C
 +
| 5,5 °C
 +
|-
 +
| '''Temperatur max.'''
 +
| 21,6 °C
 +
| 21,7 °C
 +
| 22,4 °C
 +
| 23,1 °C
 +
| 22,7 °C
 +
| 20,1 °C
 +
|-
 +
| '''Luftdruck'''
 +
| 1019,0 hPa
 +
| 1018,8 hPa
 +
| 1018,3 hPa
 +
| 1018,5 hPa
 +
| 1019,6 hPa
 +
| 1019,0 hPa
 +
|-
 +
| '''Luftfeuchtigkeit'''
 +
| 52 %
 +
| 61 %
 +
| 54 %
 +
| 63 %
 +
| 48 %
 +
| 61 %
 +
|-
 +
| '''Regen/Menge'''
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]] 0 L
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]] 0 L
 +
| [[Datei:Allowed.svg|18px]] 0 L
 +
| [[Datei:Allowed.svg|18px]] 1,02 L
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]] 0 L
 +
| [[Datei:Allowed.svg|18px]] 7,11 L
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|-
 +
| '''Windgeschwindigkeit Ø'''
 +
| 8,5 km/h
 +
| 4,8 km/h
 +
| 7,2 km/h
 +
| 8,5 km/h
 +
| 11,7 km/h
 +
| 7,2 km/h
 +
|-
 +
| '''Sturm'''
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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|-
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| '''Nebel'''
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
 +
|}
  
 
==== 27. April ====
 
==== 27. April ====
 +
{| style="background: #f9f9f9; color: #000; font-size:85%; line-height:0.9em; clear:right; margin:0 0 .5em 1em; border: 1px solid #aaa; padding: 0.1em;" cellspacing="5"
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|-
 +
| class="generation3-grad" colspan="8" style="color:#000000; height:10px; font-weight:bold; padding: 6px; line-height:1.1em;" | Wetterdaten, 27. April
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|-
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Station
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Mosyr {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue UpperLeft 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Nordwesten}}<ref name="Wetter_1_Mosyr"/>
 +
! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Sarny {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Left 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Westen}}<ref name="Wetter_1_Sarny"/>
 +
! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Tschernobyl {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Down 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Süden}}<ref name="Wetter_1_Chornobyl"/>
 +
! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Tschernigow {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Right 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Osten}}<ref name="Wetter_1_Chernigov"/>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Gomel {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue UpperRight 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Nordosten}}<ref name="Wetter_1_Gomel"/>
 +
! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Kiew {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Down 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Süden}}<ref name="Wetter_1_Kiew"/>
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|-
 +
| '''Windrichtung:'''
 +
| class="hintergrundfarbe7" | {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NW.svg|50px]]|Nordwest}}
 +
| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NW.svg|50px]]|Nordwest}}
 +
| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NW.svg|50px]]|Nordwest}}
 +
| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NW.svg|50px]]|Nordwest}}
 +
| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NW.svg|50px]]|Nordwest}}
 +
| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NW.svg|50px]]|Nordwest}}
 +
|-
 +
| '''Temperatur Ø:'''
 +
| 15,3 °C
 +
| 13,8 °C
 +
| 14,7 °C
 +
| 13,8 °C
 +
| 15,5 °C
 +
| 11,7 °C
 +
|-
 +
| '''Temperatur min.:'''
 +
| 7,4 °C
 +
| 5,5 °C
 +
| 10,0 °C
 +
| 9,4 °C
 +
| 11,1 °C
 +
| 6,4 °C
 +
|-
 +
| '''Temperatur max.'''
 +
| 22,7 °C
 +
| 22,0 °C
 +
| 19,8 °C
 +
| 21,6 °C
 +
| 22,6 °C
 +
| 16,4 °C
 +
|-
 +
| '''Luftdruck'''
 +
| 1014,1 hPa
 +
| 1014,0 hPa
 +
| 1014,7 hPa
 +
| 1014,5 hPa
 +
| 1014,7 hPa
 +
| 1015,1 hPa
 +
|-
 +
| '''Luftfeuchtigkeit'''
 +
| 59 %
 +
| 62 %
 +
| 65 %
 +
| 79 %
 +
| 58 %
 +
| 79 %
 +
|-
 +
| '''Regen/Menge'''
 +
| [[Datei:Allowed.svg|18px]] 0 L
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]] 0 L
 +
| [[Datei:Allowed.svg|18px]] 0,51 L
 +
| [[Datei:Allowed.svg|18px]] 9,91 L
 +
| [[Datei:Allowed.svg|18px]] 0 L
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]] 0,25 L
 +
|-
 +
| '''Windgeschwindigkeit Ø'''
 +
| 6,3 km/h
 +
| 6,7 km/h
 +
| 6,7 km/h
 +
| 5,0 km/h
 +
| 8,5 km/h
 +
| 7,2 km/h
 +
|-
 +
| '''Sturm'''
 +
| [[Datei:Allowed.svg|18px]]
 +
| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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| '''Nebel'''
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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Über den 27.&nbsp;April drehte der Wind in den Morgenstunden in Richtung Nord-Nordwest, was insbesondere zu einer verschlechternden Situation in der Stadt Pripjat führte.<ref name="EMRAS_2006"/>
 
Über den 27.&nbsp;April drehte der Wind in den Morgenstunden in Richtung Nord-Nordwest, was insbesondere zu einer verschlechternden Situation in der Stadt Pripjat führte.<ref name="EMRAS_2006"/>
  
Gegen 12:00&nbsp;Uhr Ortszeit in Finnland wurden erstmals bei Messungen in 2000&nbsp;Meter Höhe im Südosten des Landes erhöhte Radioaktivitätswerte festgestellt, die eine Stunde später ebenfalls über den östlichen Teil von Svealand in Schweden ebenfalls registriert wurden.<ref name="ISBN_9781934831014">David S. Ensor: ''Aerosol Science and Technology: History and Reviews'', 2011. ISBN 9781934831014. [https://www.rti.org/pubs/bk-0003-1109-chapter12.pdf Abgerufen] am 20.11.2015. ([http://www.webcitation.org/6dAWtSGyq Archivierte Version] bei [http://www.webcitation.org/ WebCite])</ref>
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Gegen 12:00&nbsp;Uhr Ortszeit in Finnland wurden erstmals bei Messungen in 2000&nbsp;Meter Höhe im Südosten des Landes erhöhte Radioaktivitätswerte festgestellt, die eine Stunde später ebenfalls über den östlichen Teil von Svealand in Schweden ebenfalls registriert wurden. In Kajaani im Nordosten Finnlands kam es in den Abendstunden zu einem leichten Regenschauer, der jedoch in Richtung Schweden abzog. Das Innenministerium stellte aber fest, dass bei diesem Regenschauer die Hintergrundaktivität um etwa 1&nbsp;µSv/h angestiegen ist. Die Luftmassen am Boden waren allerdings frei von Radionukliden.<ref name="ISBN_9781934831014">David S. Ensor: ''Aerosol Science and Technology: History and Reviews'', 2011. ISBN 9781934831014. [https://www.rti.org/pubs/bk-0003-1109-chapter12.pdf Abgerufen] am 20.11.2015. ([http://www.webcitation.org/6dAWtSGyq Archivierte Version] bei [http://www.webcitation.org/ WebCite])</ref> Um 21:00&nbsp;Uhr regestrierten erstmals Bodenmessstationen in Polen einen Anstieg der Radioaktivität in der Luft, weshalb kurze Zeit darauf alle 200&nbsp;Beobachtungsstationen von den Langzeit-Beobachtungsbetrieb in den Nostandbetrieb umgestellt wurden.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986">Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: ''Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 31''. Handelsblatt GmbH, Juni 1986. Seite 270 bis 273, 275 bis 277, 282.</ref>
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In Kajaani im Nordosten Finnlands kam es in den Abendstunden zu einem leichten Regenschauer, der jedoch in Richtung Schweden abzog. Das Innenministerium stellte aber fest, dass bei diesem Regenschauer die Hintergrundaktivität um etwa 1&nbsp;µSv/h angestiegen ist. Die Luftmassen am Boden waren allerdings frei von Radionukliden.<ref name="ISBN_9781934831014"/>
 
  
 
In den Abendstunden hat sich die Situation in der Stadt Pripjat stark verschlechtert. Während über den 26.&nbsp;April die Hintergrundstrahlung bei {{Konvert|0.014|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h bis {{Konvert|0.134|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h lag, stieg die Strahlung auf {{Konvert|0.4|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h bis {{Konvert|1|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h in den Abendstunden des 27.&nbsp;April an. Andere Angaben zufolge lag die Strahlung Ortsweise bei {{Konvert|4|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h bis {{Konvert|7|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h.<ref name="EMRAS_2006"/>
 
In den Abendstunden hat sich die Situation in der Stadt Pripjat stark verschlechtert. Während über den 26.&nbsp;April die Hintergrundstrahlung bei {{Konvert|0.014|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h bis {{Konvert|0.134|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h lag, stieg die Strahlung auf {{Konvert|0.4|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h bis {{Konvert|1|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h in den Abendstunden des 27.&nbsp;April an. Andere Angaben zufolge lag die Strahlung Ortsweise bei {{Konvert|4|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h bis {{Konvert|7|rem|µSv}}&nbsp;µSv/h.<ref name="EMRAS_2006"/>
 
  
 
==== 28. April ====
 
==== 28. April ====
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{| style="background: #f9f9f9; color: #000; font-size:85%; line-height:0.9em; clear:right; margin:0 0 .5em 1em; border: 1px solid #aaa; padding: 0.1em;" cellspacing="5"
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| class="generation3-grad" colspan="8" style="color:#000000; height:10px; font-weight:bold; padding: 6px; line-height:1.1em;" | Wetterdaten, 28. April
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Gomel {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue UpperRight 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Nordosten}}<ref name="Wetter_1_Gomel"/>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Kiew {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Down 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Süden}}<ref name="Wetter_1_Kiew"/>
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| '''Windrichtung:'''
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| class="hintergrundfarbe7" | {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb N.svg|50px]]|Norden}}
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| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb N.svg|50px]]|Norden}}
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| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb N.svg|50px]]|Norden}}
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| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NE.svg|50px]]|Nordost}}
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| class="hintergrundfarbe7" | {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb N.svg|50px]]|Norden}}
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| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb NE.svg|50px]]|Nordost}}
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|-
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| '''Temperatur Ø:'''
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| 12,6 °C
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| 14,7 °C
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| 12,8 °C
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| 11,6 °C
 +
| 12,6 °C
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| 13,2 °C
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|-
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| '''Temperatur min.:'''
 +
| 6,4 °C
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| 10,3 °C
 +
| 7,8 °C
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| 7,5 °C
 +
| 8,8 °C
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| 4,9 °C
 +
|-
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| '''Temperatur max.'''
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| 20,0 °C
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| 20,4 °C
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| 18,1 °C
 +
| 16,5 °C
 +
| 16,9 °C
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| 18,6 °C
 +
|-
 +
| '''Luftdruck'''
 +
| 1011,8 hPa
 +
| 1011,4 hPa
 +
| 1012,6 hPa
 +
| 1012,5 hPa
 +
| 1012,2 hPa
 +
| 1012,5 hPa
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|-
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| '''Luftfeuchtigkeit'''
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| 64 %
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| 70 %
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| 80 %
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| 65 %
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|-
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| '''Regen/Menge'''
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]] 0 L
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]] 0 L
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]] 0 L
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]] 0 L
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|-
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| '''Windgeschwindigkeit Ø'''
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| 2,8 km/h
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| 3,5 km/h
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| 4,1 km/h
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| 7,2 km/h
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| 6,7 km/h
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| 6,7 km/h
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|-
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| '''Sturm'''
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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| '''Nebel'''
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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| [[Datei:Allowed.svg|18px]]
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| [[Datei:Allowed.svg|18px]]
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| [[Datei:Not allowed.svg|18px]]
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|}
 
[[Datei:Forsmark aerial.jpg|mini|Areal des Kenkraftwerks Forsmark]]
 
[[Datei:Forsmark aerial.jpg|mini|Areal des Kenkraftwerks Forsmark]]
 
Zwischen dem 27. und 28.&nbsp;April gab es in der Umgebung der Gemeinde Forsmark nahe Östhammer in Schweden Regenfälle. Am Morgen des 28.&nbsp;April kam es im [[Kernkraftwerk Forsmark]] zur Detektion von erhöhten Radioaktivitätswerten innerhalb des Messnetzes des Kraftwerks, weshalb es einen Alarm ausgab. Die Situation verschärfte sich nachdem der morgentliche Schichtwechsel absolviert wurde und alle Personen, die in das Kernkraftwerk hinein wollten, aufgrund der Detektion von abnormaler Radioaktivität gehindert wurden. Die schwedische Aufsichtsbehörde STUK, die über den Vorfall informiert wurde, forderte daher eine schnelle Aufklärung über die Herkunft, da ansonsten das Kernkraftwerk vom Netz hätte gehen müssen.<ref name="ISBN_9781934831014"/> Im ersten Moment ging man davon aus, dass es zu einem schleichenden Reaktorunfall in Forsmark selbst handelte,<ref name="IAEA_Bulletin_28-3">Anneli Salo: ''Information exchange after Chernobyl'', 1986. [https://www.iaea.org/sites/default/files/publications/magazines/bulletin/bull28-3/28302741822.pdf Abgerufen] am 20.11.2015. ([http://www.webcitation.org/6dAXnuxcS Archivierte Version] bei [http://www.webcitation.org/ WebCite])</ref> allerdings war die Radioaktivität nur bei Personen feststellbar, die das Kernkraftwerk betreten wollten, nicht aber bei Personen, die das Kernkraftwerk verließen, weshalb man davon ausgehen konnte, dass die Blöcke in Formsark kein Problem aufwiesen.<ref name="ISBN_9781934831014"/> Cliff Robinson, Chemiker im Kernkraftwerk Forsmark, hatte am Morgen bei seinem Eintritt in das Kernkraftwerk ebenfalls Probleme die Anlage zu betreten. Während zwei mal der Detektor anschlug, ging er beim dritten mal ohne Beachtung durch die Detektoren. Da Robinson noch nicht im [[Kontrollbereich]] war, ist ein Alarm eigentlich ausgeschlossen. Robinson prüfte die Abluftwerte des Kernkraftwerks, die allerdings im Normalbereich lagen, ebenfalls direkt entnommene Proben wiesen keine Auffälligkeiten auf. Nachdem ebenfalls andere Arbeiter nicht durch die Schleuse kamen, analysierte Robinson einen Schuh eines Arbeiters, der bei einer Gammaspektroskopie zu sehr auffälligen Ausschlägen führte. Die Nuklidzusammensetzung war so zusammengesetzt, dass die Quelle für die Radioaktivität unmöglich aus dem Kernkraftwerk Forsmark stammen konnte. Kurze Zeit später löste der Alarm des Kernkraftwerks aus, der zu einer Evakuierung des Kraftwerks auffordert. Dem Alarm schenkte man allerdings keine Aufmerksamkeit, da die Analysen zeigten, dass es kein Problem im Kernkraftwerk gab, allerdings die Messungen in der Umgebung eine stärkere Strahlenbelastung registrierten. Zunächst ging man davon aus, dass es sich um einen [[Kernwaffe]]ntest handelte, Robinson ging allerdings einige zeit später aufgrund der Isotopenzusammensetzung von einem Reaktorunfall aus. Da es keine eindeutigen Nachweise gab, musste Forsmark vom Netz gehen und die Anlage wurde weitestgehend geräumt.<ref name="Radio_Sweden_22-04-2011">Radio Sweden: ''25 years after Chernobyl, how Sweden found out'', 22.04.2011. [http://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2054&artikel=4468603 Abgerufen] am 20.11.2015. ([http://www.webcitation.org/6dAb6IKGJ Archivierte Version] bei [http://www.webcitation.org/ WebCite])</ref>
 
Zwischen dem 27. und 28.&nbsp;April gab es in der Umgebung der Gemeinde Forsmark nahe Östhammer in Schweden Regenfälle. Am Morgen des 28.&nbsp;April kam es im [[Kernkraftwerk Forsmark]] zur Detektion von erhöhten Radioaktivitätswerten innerhalb des Messnetzes des Kraftwerks, weshalb es einen Alarm ausgab. Die Situation verschärfte sich nachdem der morgentliche Schichtwechsel absolviert wurde und alle Personen, die in das Kernkraftwerk hinein wollten, aufgrund der Detektion von abnormaler Radioaktivität gehindert wurden. Die schwedische Aufsichtsbehörde STUK, die über den Vorfall informiert wurde, forderte daher eine schnelle Aufklärung über die Herkunft, da ansonsten das Kernkraftwerk vom Netz hätte gehen müssen.<ref name="ISBN_9781934831014"/> Im ersten Moment ging man davon aus, dass es zu einem schleichenden Reaktorunfall in Forsmark selbst handelte,<ref name="IAEA_Bulletin_28-3">Anneli Salo: ''Information exchange after Chernobyl'', 1986. [https://www.iaea.org/sites/default/files/publications/magazines/bulletin/bull28-3/28302741822.pdf Abgerufen] am 20.11.2015. ([http://www.webcitation.org/6dAXnuxcS Archivierte Version] bei [http://www.webcitation.org/ WebCite])</ref> allerdings war die Radioaktivität nur bei Personen feststellbar, die das Kernkraftwerk betreten wollten, nicht aber bei Personen, die das Kernkraftwerk verließen, weshalb man davon ausgehen konnte, dass die Blöcke in Formsark kein Problem aufwiesen.<ref name="ISBN_9781934831014"/> Cliff Robinson, Chemiker im Kernkraftwerk Forsmark, hatte am Morgen bei seinem Eintritt in das Kernkraftwerk ebenfalls Probleme die Anlage zu betreten. Während zwei mal der Detektor anschlug, ging er beim dritten mal ohne Beachtung durch die Detektoren. Da Robinson noch nicht im [[Kontrollbereich]] war, ist ein Alarm eigentlich ausgeschlossen. Robinson prüfte die Abluftwerte des Kernkraftwerks, die allerdings im Normalbereich lagen, ebenfalls direkt entnommene Proben wiesen keine Auffälligkeiten auf. Nachdem ebenfalls andere Arbeiter nicht durch die Schleuse kamen, analysierte Robinson einen Schuh eines Arbeiters, der bei einer Gammaspektroskopie zu sehr auffälligen Ausschlägen führte. Die Nuklidzusammensetzung war so zusammengesetzt, dass die Quelle für die Radioaktivität unmöglich aus dem Kernkraftwerk Forsmark stammen konnte. Kurze Zeit später löste der Alarm des Kernkraftwerks aus, der zu einer Evakuierung des Kraftwerks auffordert. Dem Alarm schenkte man allerdings keine Aufmerksamkeit, da die Analysen zeigten, dass es kein Problem im Kernkraftwerk gab, allerdings die Messungen in der Umgebung eine stärkere Strahlenbelastung registrierten. Zunächst ging man davon aus, dass es sich um einen [[Kernwaffe]]ntest handelte, Robinson ging allerdings einige zeit später aufgrund der Isotopenzusammensetzung von einem Reaktorunfall aus. Da es keine eindeutigen Nachweise gab, musste Forsmark vom Netz gehen und die Anlage wurde weitestgehend geräumt.<ref name="Radio_Sweden_22-04-2011">Radio Sweden: ''25 years after Chernobyl, how Sweden found out'', 22.04.2011. [http://sverigesradio.se/sida/artikel.aspx?programid=2054&artikel=4468603 Abgerufen] am 20.11.2015. ([http://www.webcitation.org/6dAb6IKGJ Archivierte Version] bei [http://www.webcitation.org/ WebCite])</ref>
  
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* http://edition.cnn.com/WORLD/9604/26/chernobyl/230pm/index2.html
  
 
Über den Tag hinweg gab es neben Schweden auch in Finnland und Norwegen einen Anstieg der Radioaktivitätsmesswerte in Teilen des Landes.<ref name="Radio_Sweden_22-04-2011"/> Die Mixtur des Radionuklidgemisches, in dem die Abwesenheit von Neutronenaktivierungsprodukten festzustellen war, sowie bestimmte Isotopenverhältnisse vorlagen, wies allerdings auf eine Kernspaltung hin, die bereits vor einiger Zeit stattgefunden haben muss.<ref name="ISBN_9781934831014"/> Dies wurde auch von anderen Ländern bestätigt.<ref name="Radio_Sweden_22-04-2011"/> Insbesondere die Tatsache, dass sich Graphit in der Zusammensetzung befand, sowie Stoffe nachgewiesen werden konnten, die auf eine sehr hohe Temperatur Rückschließen lassen, wiesen darauf hin, dass die Stoffe aus einem Reaktorunfall resultieren müssen.<ref name="IAEA_Bulletin_28-3"/><ref name="ISBN_9781934831014"/> Hinsichtlich der Wetterverhältnisse war es zu vermuten, dass die Stoffe aus dem Westen der Sowjetunion stammten.<ref name="ISBN_9781934831014"/> Aufgrund der Wetterlage war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Radioaktivität, wie vermutet wurde, aus einem Kernkraftwerk in den baltischen Staaten stammte. In einer Karte, die seitens Schweden angefertigt wurde, waren mehrere Nuklearanlagen aufgelistet worden, aus denen die Radioaktivität hätte stammen können, namentlich aus dem [[Kernkraftwerk Ignalina]], [[Kernkraftwerk Leningrad|Leningrad]], Tschernobyl, [[Kernkraftwerk Smolensk|Smolensk]], [[Kernkraftwerk Kursk|Kursk]]. Aufgrund der Situation wurde die schwedische Botschaft in Moskau aktiv und hatte entsprechende Anfragen an die sowjetischen Aufsichtsbehörden über etwaige Reaktorunfälle in der Sowjetunion innerhalb der letzten Tage gesendet. Diese wiegelten allerdings ab und erklärten, dass es keinen Nuklearunfall auf sowjetischen Territorium gegeben habe.<ref name="Radio_Sweden_22-04-2011"/> Aufgrund der ungewissen Lage verständigten die schwedischen Behörden die [[IAEA]] und erfragten, ob der Behörde in den letzten Stunden ein Reaktorunfall gemeldet wurde, was die Behörde verneinte.<ref name="IAEA_Bulletin_28-3"/>
 
Über den Tag hinweg gab es neben Schweden auch in Finnland und Norwegen einen Anstieg der Radioaktivitätsmesswerte in Teilen des Landes.<ref name="Radio_Sweden_22-04-2011"/> Die Mixtur des Radionuklidgemisches, in dem die Abwesenheit von Neutronenaktivierungsprodukten festzustellen war, sowie bestimmte Isotopenverhältnisse vorlagen, wies allerdings auf eine Kernspaltung hin, die bereits vor einiger Zeit stattgefunden haben muss.<ref name="ISBN_9781934831014"/> Dies wurde auch von anderen Ländern bestätigt.<ref name="Radio_Sweden_22-04-2011"/> Insbesondere die Tatsache, dass sich Graphit in der Zusammensetzung befand, sowie Stoffe nachgewiesen werden konnten, die auf eine sehr hohe Temperatur Rückschließen lassen, wiesen darauf hin, dass die Stoffe aus einem Reaktorunfall resultieren müssen.<ref name="IAEA_Bulletin_28-3"/><ref name="ISBN_9781934831014"/> Hinsichtlich der Wetterverhältnisse war es zu vermuten, dass die Stoffe aus dem Westen der Sowjetunion stammten.<ref name="ISBN_9781934831014"/> Aufgrund der Wetterlage war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Radioaktivität, wie vermutet wurde, aus einem Kernkraftwerk in den baltischen Staaten stammte. In einer Karte, die seitens Schweden angefertigt wurde, waren mehrere Nuklearanlagen aufgelistet worden, aus denen die Radioaktivität hätte stammen können, namentlich aus dem [[Kernkraftwerk Ignalina]], [[Kernkraftwerk Leningrad|Leningrad]], Tschernobyl, [[Kernkraftwerk Smolensk|Smolensk]], [[Kernkraftwerk Kursk|Kursk]]. Aufgrund der Situation wurde die schwedische Botschaft in Moskau aktiv und hatte entsprechende Anfragen an die sowjetischen Aufsichtsbehörden über etwaige Reaktorunfälle in der Sowjetunion innerhalb der letzten Tage gesendet. Diese wiegelten allerdings ab und erklärten, dass es keinen Nuklearunfall auf sowjetischen Territorium gegeben habe.<ref name="Radio_Sweden_22-04-2011"/> Aufgrund der ungewissen Lage verständigten die schwedischen Behörden die [[IAEA]] und erfragten, ob der Behörde in den letzten Stunden ein Reaktorunfall gemeldet wurde, was die Behörde verneinte.<ref name="IAEA_Bulletin_28-3"/>
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==== 29. April ====
 
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{| style="background: #f9f9f9; color: #000; font-size:85%; line-height:0.9em; clear:right; margin:0 0 .5em 1em; border: 1px solid #aaa; padding: 0.1em;" cellspacing="5"
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| class="generation3-grad" colspan="8" style="color:#000000; height:10px; font-weight:bold; padding: 6px; line-height:1.1em;" | Wetterdaten, 29. April
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Tschernigow {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Right 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Osten}}<ref name="Wetter_1_Chernigov"/>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Gomel {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue UpperRight 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Nordosten}}<ref name="Wetter_1_Gomel"/>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Kiew {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Down 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Süden}}<ref name="Wetter_1_Kiew"/>
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| '''Windrichtung:'''
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| {{Akronym|[[Datei:Compass-icon bb W.svg|50px]]|Westen}}
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| 15,7 °C
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| '''Temperatur min.:'''
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| 7,2 °C
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| 10,1 °C
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| '''Temperatur max.'''
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| '''Luftfeuchtigkeit'''
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| '''Windgeschwindigkeit Ø'''
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| 4,6 km/h
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| 2,6 km/h
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| '''Sturm'''
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Der Wind drehte im Laufe des Tages direkt in Richtung Süden.<ref name="EMRAS_2006"/>
 
Der Wind drehte im Laufe des Tages direkt in Richtung Süden.<ref name="EMRAS_2006"/>
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Polen nahm am gleichen Tag erstmals Beobachtungen in hohen Luftschichten auf, indem Flugzeuge in sechs Luftschichten zwischen 1 und 15&nbspü;Kilometer Höhe diverde Luftproben sammelten.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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In 705&nbsp;Kilometer Höhe flog der Erdbeobachtungssattelit Landsat&nbsp;5 über den Norden der Ukraine.<ref>''Bild der Wissenschaft, Band 23'', Deutsche Verlags-Anstalt., 1986. Seite 60.</ref> Da man sich mehr Informationen im Westen über den Reaktorunfall erhoffte, wurden im Eilverfahren die Bilder von dem Sattelliten aufbereitet und analysiert. Der Aufwand war relativ hoch. Gespeichert wurden die Bilder auf einen Negativfilm des Typs Kodak&nbsp;2445 mit einem Color FIRE&nbsp;240 Filmrekorder. Der Rekorder erzeugte für jeder der drei Spektralfarben jeweils ein Bild, sowie zusätzliche Bilder um die Spiegelung des Sonnenlichts am Erdboden zu filtern, sowie die Helligkeit der Aufnahmen zu gewährleisten und um die Infrarotwellenlänge festzulegen. Aus diesen sieben Kanälen war es möglich mit Landsat&nbsp;5 nicht nur Farbaufnahmen zu machen, sondern auch Rückschlüsse auf Temperaturen der Erdoberfläche zu machen. Neben den Aufnahmen vom 29.&nbsp;April lagen zudem Aufnahmen des Kernkraftwerks Tschernobyl und dessen Umgebung vom 22.&nbsp;April 1986 und 6.&nbsp;Juni 1985 vor. Bei dem Vergleich der Bilder konnte man nahe dem Block&nbsp;4 des Kernkraftwerks einen sich nach Westen ausdehnenden dunklen Streifen am 29.&nbsp;April feststellen, der bei den vorherigen Aufnahmen nicht vorhanden war. Außerdem war im roten Farbband festzustellen, dass ein heller roter Fleck in Block&nbsp;4 zu sehen war, während in den anderen beiden Farbbändern keine Verfärbung auftauchte, was auf eine sehr hohe Temperatur Rückschließen ließ. Analysen der anderen Bänder ergab, dass die Umgebungstemperatur bei zirka 290&nbsp;K (17&nbsp;°C) lag, der helle Fleck jedoch eine Temperatur von 1000&nbsp;K (727&nbsp;°C) überstieg.<ref name="Landsat_5_USGS">FRANK G. SADOWSKI, u.a.: ''Processing and Analysis of Commercial Satellite Image Data of the Nuclear Accident Near Chernobyl, USSR'', UNITED STATES GOVERNMENT PRINTING OFFICE, 1987. [https://pubs.usgs.gov/bul/1785/report.pdf Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/web/20190504174936/https://pubs.usgs.gov/bul/1785/report.pdf Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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Datei:ChAES 1986-04-29 Landsat 5.png|Umgebung am 29. April
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Datei:ChAES 1986-04-29 Landsat 5 closeup.png|Nahaufnahme des Kernkraftwerks
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Datei:ChAES 1986-04-29 Landsat 5 closeup 2.png|Nahe Aufnahme mit roten Fleck in Block&nbsp;4
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==== 30. April ====
 
==== 30. April ====
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{| style="background: #f9f9f9; color: #000; font-size:85%; line-height:0.9em; clear:right; margin:0 0 .5em 1em; border: 1px solid #aaa; padding: 0.1em;" cellspacing="5"
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|-
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| class="generation3-grad" colspan="8" style="color:#000000; height:10px; font-weight:bold; padding: 6px; line-height:1.1em;" | Wetterdaten,30. April
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Gomel {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue UpperRight 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Nordosten}}<ref name="Wetter_1_Gomel"/>
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| '''Windrichtung:'''
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| '''Temperatur Ø:'''
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| 15,7 °C
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| 17,3 °C
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| 17,5 °C
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| '''Temperatur min.:'''
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| '''Temperatur max.'''
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| 25,8 °C
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| 3,5 km/h
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| 3,5 km/h
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| '''Sturm'''
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Aufgrund der Maßnahmen, die die ersten Tage ergriffen wurden, kam es zu einem Absinken der Temperatur im zerstörten Block und einen fast sechsfachen Rückgang der Strahlenfreisetzung. Allerdings förderte dies wiederum die weitere Oxidation des Brennstoffs, weshalb man bereits im vorneherein erwartete, dass aufgrund der schlechteren Wärmeübertragung durch das Zuschütten des Kerns möglicherweise eine neue Freisetzung und Erwärmung zu erwarten sei.<ref name="EMRAS_2006"/>
 
Aufgrund der Maßnahmen, die die ersten Tage ergriffen wurden, kam es zu einem Absinken der Temperatur im zerstörten Block und einen fast sechsfachen Rückgang der Strahlenfreisetzung. Allerdings förderte dies wiederum die weitere Oxidation des Brennstoffs, weshalb man bereits im vorneherein erwartete, dass aufgrund der schlechteren Wärmeübertragung durch das Zuschütten des Kerns möglicherweise eine neue Freisetzung und Erwärmung zu erwarten sei.<ref name="EMRAS_2006"/>
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Am gleichen Tag gab die IAEA erstmals bekannt, dass man eine offizielle Mitteilung des Staatskomitees der Sowjetunion erhalten habe die bestätigt, dass es in Block&nbsp;4 des Kernkraftwerks Tschernobyl einen Reaktorunfall gegeben habe. Nach dessen Angabe gab es eine teilweise Zerstörung des Einrichtungen des Reaktorgebäudes und am Reaktorgebäude, sowie zum Auftritt von radioaktiven Materials. Unterrichtet wurde die IAEA weiter, dass eine Regierungskommission um den Unfall zu untersuchen. Im Rahmen dessen wurde der Weltöffentlichkeit erstmals bekanntgegeben, dass sich der Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Nacht vom 25.&nbsp;April auf den 26.&nbsp;April ereignete. Seitens der IAEA wurde Rat und Unterstützung der Sowjetunion angeboten um Hilfe bei der Koordination und der Beseitigung des Unfalls zu leisten.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
  
 
==== 1. Mai ====
 
==== 1. Mai ====
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{| style="background: #f9f9f9; color: #000; font-size:85%; line-height:0.9em; clear:right; margin:0 0 .5em 1em; border: 1px solid #aaa; padding: 0.1em;" cellspacing="5"
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| class="generation3-grad" colspan="8" style="color:#000000; height:10px; font-weight:bold; padding: 6px; line-height:1.1em;" | Wetterdaten, 1. Mai
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Mosyr {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue UpperLeft 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Nordwesten}}<ref name="Wetter_2_Mosyr">Tutiempo Network: ''Climate MOZYR May - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-330360.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-330360.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Sarny {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Left 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Westen}}<ref name="Wetter_2_Sarny">Tutiempo Network: ''Climate SARNY May - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-330880.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-330880.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Tschernobyl {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Down 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Süden}}<ref name="Wetter_2_Chornobyl">Tutiempo Network: ''Climate CHORNOBYL May - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-332310.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-332310.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Tschernigow {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Right 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Osten}}<ref name="Wetter_2_Chernigov">Tutiempo Network: ''Climate CHERNIHIV May - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-331350.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-331350.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Gomel {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue UpperRight 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Nordosten}}<ref name="Wetter_2_Gomel">Tutiempo Network: ''Climate HOMYL May - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-330410.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-330410.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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! style="background-color:#E1E1E1; color:#000000" | Kiew {{Akronym|[[Datei:Arrow Blue Down 001.svg|15px]]|Lage zum Kernkraftwerk: Süden}}<ref name="Wetter_2_Kiew">Tutiempo Network: ''Climate KYIV May - 1986''. [https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-333450.html Abgerufen] am 04.05.2019. ([https://web.archive.org/save/https://en.tutiempo.net/climate/05-1986/ws-333450.html Archivierte Version] bei [https://web.archive.org/web/ Internet Archive])</ref>
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| '''Windrichtung:'''
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| '''Temperatur Ø:'''
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| 14,8 °C
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| 17,4 °C
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| 17,3 °C
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| 15,9 °C
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| '''Temperatur min.:'''
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| 10,0 °C
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| 9,6 °C
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| 11,3 °C
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| 5,6 °C
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| 11,6 °C
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| '''Temperatur max.'''
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| 21,1 °C
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| 23,8 °C
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| 13,9 °C
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| '''Luftdruck'''
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| 1015,1 hPa
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| 1018,0 hPa
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| '''Luftfeuchtigkeit'''
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| 50 %
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| 46 %
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| 51 %
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| '''Regen/Menge'''
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| 12,2 km/h
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| '''Sturm'''
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* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41881
 
* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41881
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Einen Tag nach der ersten Erklärung der Sowjetunion wies auch am 1.&nbsp;Mai die ständige Vertretung der Sowjetunion bei der IAEA noch mal in einer offizielle Mitteilung auf die Lage am Kernkraftwerk Tschernobyl hin: ''„Die Arbeiten zur Beseitigung der Unfallfolgen am Kernkraftwerk Tschernobyl werden fortgesetzt. Durch die in den letzten 24&nbsp;Stunden getroffenen Maßnahmen ist der Austritt radioaktiver Substanzen zurückgegangen, die Strahlungswerte in der Umgebung des Kernkraftwerks und in der Kraftwerkssiedlung haben sich verringert. Von Spezialisten mit Hilfe von Meßgeräten durchgeführte Messungen zeigen, daß die Kettenreaktion der Spaltung nuklearen Brennstoffs nicht stattfindet, der Reaktor ist stillgelegt. Der Ministerrat der Ukraine berichtete, dass sich die Lage hinsichtlich radioaktiver Strahlung beim Kernkraftwerk Tschernobyl und in der unmittelbaren Umgebung verbessert. Der Zustand der Atmosphäre in der übrigen Region Kiew und in der Stadt Kiew gibt keinen Anlaß zur Besorgnis. Die Güte des Trinkwassers sowie des Wassers in Flüssen und Stauseen entspricht den Vorschriften.“''<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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Eine weitere Meldung gab es durch die Vertretung der Sowjetunion bei den Vereinten Nationen, die der IAEA zusätzlich eine weitere Mittteilung zukommen lies: ''„Arbeiten zur Durchführung umfassender technischer Maßnahmen wurden am 30.&nbsp;April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl fortgesetzt. Die Radioaktivität auf dem Gelände des Kernkraftwerks und der Kraftwerkssiedlung ist um das Eineinhalb- bis Zweifache gesunken. Arbeiten zur Dekontaminierung des kontaminierten Geländes in unmittelbarer Umgebung des Kernkraftwerks werden durchgeführt. Den betroffenen Personen wird ärztliche Hilfe geleistet, 18&nbsp;Personen sind in kritischem Zustand. Ausländer sind keine betroffen.
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Die Botschafter Großbritanniens, Finnlands und der Niederlande und die Geschäftsträger Frankreichs und Österreichs wurden am 30.&nbsp;April und 1.&nbsp;Mai 1986 im sowjetischen Außenministerium empfangen. Auf Anweisung der sowjetischen Regierung wurden sie vom 1. Stellvertretenden Außenminister, Kowalew, über den Stand der Dinge bei der Beseitigung der Unfallfolgen am Kernkraftwerk Tschernobyl informiert.“''<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
  
 
==== 2. Mai ====
 
==== 2. Mai ====
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{| style="background: #f9f9f9; color: #000; font-size:85%; line-height:0.9em; clear:right; margin:0 0 .5em 1em; border: 1px solid #aaa; padding: 0.1em;" cellspacing="5"
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| class="generation3-grad" colspan="8" style="color:#000000; height:10px; font-weight:bold; padding: 6px; line-height:1.1em;" | Wetterdaten, 2. Mai
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| '''Temperatur Ø:'''
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| 10,8 °C
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| 9,5 °C
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| '''Temperatur min.:'''
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| 5,6 °C
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| '''Temperatur max.'''
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| 14,7 °C
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| 16,0 °C
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| '''Luftdruck'''
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| '''Luftfeuchtigkeit'''
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| '''Sturm'''
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Abschluss der Evakuierung der 10-Kilometer-Zone<ref name="ISBN_1420034626">R.F Mould: ''Chernobyl Record: The Definitive History of the Chernobyl Catastrophe'', CRC Press, 2000. ISBN 1420034626. Seite 108.</ref> https://books.google.de/books?id=WjHpBwAAQBAJ&pg=PA107&lpg=PA107&dq=evacuation+pripyat+routes&source=bl&ots=NYgd3RcyZS&sig=gCXZPbvaLY2GdWVkRZYgGVM8gY8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwja8arP8JfXAhVBYlAKHYiQA78Q6AEIYTAL#v=onepage&q=evacuation%20pripyat%20routes&f=false
 
Abschluss der Evakuierung der 10-Kilometer-Zone<ref name="ISBN_1420034626">R.F Mould: ''Chernobyl Record: The Definitive History of the Chernobyl Catastrophe'', CRC Press, 2000. ISBN 1420034626. Seite 108.</ref> https://books.google.de/books?id=WjHpBwAAQBAJ&pg=PA107&lpg=PA107&dq=evacuation+pripyat+routes&source=bl&ots=NYgd3RcyZS&sig=gCXZPbvaLY2GdWVkRZYgGVM8gY8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwja8arP8JfXAhVBYlAKHYiQA78Q6AEIYTAL#v=onepage&q=evacuation%20pripyat%20routes&f=false
  
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==== 3. Mai ====
 
==== 3. Mai ====
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| '''Nebel'''
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|}
 
Über den 3.&nbsp;Mai hinweg heizte sich der Reaktor weiter auf, was zu einer erneuten Freisetzung von radioaktiven Partikeln, insbesondere ein großer Anteil von fragmentierten Brennstoffpartikeln.<ref name="EMRAS_2006"/>
 
Über den 3.&nbsp;Mai hinweg heizte sich der Reaktor weiter auf, was zu einer erneuten Freisetzung von radioaktiven Partikeln, insbesondere ein großer Anteil von fragmentierten Brennstoffpartikeln.<ref name="EMRAS_2006"/>
  
 
==== 4. Mai ====
 
==== 4. Mai ====
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|-
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| '''Luftfeuchtigkeit'''
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| '''Sturm'''
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| '''Nebel'''
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Am 4.&nbsp;Mai wurde die Wetterstation in Tschernobyl abgeschaltet und übermittelte keine Daten mehr.<ref name="Wetter_2_Chornobyl"/>
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* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41882
 
* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41883
 
* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41883
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Auf einer Pressekonferenz zeolte die IAEA mit, dass Hans Blix, Generaldirektor der IAEA, am 5.&nbsp;Mai auf Einladung der sowjetischen Regierung nach Moskau reisen würde um über zum Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl unterrichtet zu werden.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
  
 
==== 5. Mai ====
 
==== 5. Mai ====
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|-
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| '''Temperatur Ø:'''
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| 10,4 °C
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| '''Luftdruck'''
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|-
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| '''Luftfeuchtigkeit'''
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| 47 %
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| 9,8 km/h
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| 22,0 km/h
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| '''Sturm'''
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| '''Nebel'''
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* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41885
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==== 6. Mai ====
 
==== 6. Mai ====
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Die Wetterverhältnisse waren seit dem 29.&nbsp;April nahezu unverändert. Im laufe des Tages kam es zu einem starken Rückgang der Freisetzung auf rund 1&nbsp;% der ursprünglichen Freisetzung.<ref name="EMRAS_2006"/>
 
Die Wetterverhältnisse waren seit dem 29.&nbsp;April nahezu unverändert. Im laufe des Tages kam es zu einem starken Rückgang der Freisetzung auf rund 1&nbsp;% der ursprünglichen Freisetzung.<ref name="EMRAS_2006"/>
  
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==== 8. Mai ====
 
==== 8. Mai ====
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Am 8. Mai überflog der Erdbeobachtungssattellit Landsat&nbsp;5 erneut den Standort. Der Vergleich mit den Bildern vom 29.&nbsp;April zeigte, dass die Temperaturen um Block&nbsp;4 stark zurückgegangen sind. Festgestellt wurde außerdem, dass die Vorflutbecken der Blöcke geleert wurden und auch die Wärmeabgabe an den Kühlsee im Vergleich zur Aufnahme vom 22.&nbsp;April zurückgegangen ist, was auf den vollständigen Stillstand aller Blöcke hinwies.<ref name="Landsat_5_USGS"/>
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Datei:ChAES 1986-04-22 Landsat 5 pond.png|Wärmebelastung des Kühlsees am 22.&nbsp;April mit 4 Reaktoren in Betrieb
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Datei:ChAES 1986-04-29 Landsat 5 pond.png|Wärmebelastung des Kühlsees am 29.&nbsp;April ohne Reaktoren in Betrieb
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==== 9. Mai ====
 
==== 9. Mai ====
 
* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41907
 
* KGB http://www.sbu.gov.ua/sbu/doccatalog%5Cdocument?id=41907
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* KGB-Dokumente: http://www.sbu.gov.ua/sbu/control/uk/publish/article%3Bjsessionid=977204E278B3E7EBF600751DFCC59DA6?art_id=43297&cat_id=39895
 
* KGB-Dokumente: http://www.sbu.gov.ua/sbu/control/uk/publish/article%3Bjsessionid=977204E278B3E7EBF600751DFCC59DA6?art_id=43297&cat_id=39895
  
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Am 13.&nbsp;Mai gab die ständige Vertretung der Sowjetunion bei den Vereinten Nationen eine öffentliche Mitteilung aus: ''„Den gesamten 10.&nbsp;Mai 1986 hindurch wurden die Arbeiten zur Beseitigung der Unfallfolgen im Kernkraftwerk Tschernobyl fortgesetzt. Die Temperaturen im Reaktor sind aufgrund der getroffenen Maßnahmen erheblich zurückgegangen. Nach Meinung der Wissenschaftler und Experten ist dies ein Anzeichen dafür, daß der Graphitbrand im Reaktor so gut wie beendet ist. Der Austritt radioaktiver Substanzen ist stark zurückgegangen. Den Daten des Staatlichen Komitees der UdSSR für Hydrometeorologie und Umweltüberwachung zufolge betragen die Strahlungswerte 60&nbsp;km vom Kraftwerk {{Konvert|0.33|mrem|µSv}}&nbsp;µSv/h und in Kiew {{Konvert|0.32|mrem|µSv}}&nbsp;µSv/h. Das Kühlen des beschädigten Reaktors wird erfolgreich durchgeführt, das Eingießen des Reaktors in Beton wurde fortgesetzt. Außerhalb der 30-km-Unfallzone geht die Landarbeit weiter, die Industriebetriebe arbeiten normal. Auch der Fremdenverkehr wird routinemäßig fortgesetzt. 35&nbsp;Personen befinden sich im ernsten Zustand. 6&nbsp;Personen, die Verbrennungen und Strahlenschäden erlitten, sind gestorben.“''<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
  
 
https://www.youtube.com/watch?v=yww5nbrYa1w
 
https://www.youtube.com/watch?v=yww5nbrYa1w
  
 
14. Mai
 
14. Mai
 
  
 
Guten Abend, Genossen!
 
Guten Abend, Genossen!
  
 
Sie alle wissen, dass wir vor kurzem eine Katastrophe erlitten haben - den Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl. http://pripyat.com/documents/pravda-15-maya-1986-g-vystuplenie-m-s-gorbacheva-po-sovetskomu-televideniyu.html
 
Sie alle wissen, dass wir vor kurzem eine Katastrophe erlitten haben - den Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl. http://pripyat.com/documents/pravda-15-maya-1986-g-vystuplenie-m-s-gorbacheva-po-sovetskomu-televideniyu.html
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Der ehemalige sowjetische Botschafter in Bonn und jetzige Chef der sowjetischen Nachrichtenagentur „Nowosti“, W. Falin, erklärte in einem am 12.5.86 veröffentlichten „Spie- gel“-Interview u. a.: „Im Westen wird behauptet, es habe einen Brand im Reaktor gegeben, der Tage andauerte. Dabei war seine aktive Phase nach ein paar Stunden vorbei...“<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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Am 25.&nbsp;Mai war die Freisetzung nahezu unterbunden.<ref name="EMRAS_2006"/>
 
Am 25.&nbsp;Mai war die Freisetzung nahezu unterbunden.<ref name="EMRAS_2006"/>
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* http://www.fatom.lt/files/recom_s08.pdf
 
* http://www.fatom.lt/files/recom_s08.pdf
  
Am 21.&nbsp;Mai 1986 erklärte Boris Semenow, stellvertretender Vorsitzender des Staatskomitees zur Anwendung von Kernenergie, dass es nach dem Zusammenbruch der Kühlung, dessen Grund noch nicht bekannt gewesen sei, das Aufkochen des Kühlwassers dazu führte, dass die Temperatur im Reaktor zunahm und eine Dampf-Zirkonium-Reaktion stattfand, die zur Bildung von Wasserstoff führte und letztendlich zur einer eventuelle Exoplosion.<ref name="Strategic_Digest_Bd-16">Institute for Defence Studies and Analyses: ''Strategic Digest, Band 16''. Institute for Defence Studies and Analyses., 1986. Seite 1351.</ref>
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Während in den ersten vier Wochen keinerlei Informationen über den Unfallablauf weltweit bekannt waren, kristallisierte sich erst danach langsam ein Unfallablauf heraus, den sowjetische Experten in der Folge ermittelten. Diese späte Informationsweitergabe, insbesondere über den Unfall selber, wurde nicht nur von Staaten westlich des eisernen Vorhangs kritisiert, sondern auch von Staaten des Ostblocks. Dadurch war es nur möglich durch erheblichen Mehraufwand und zusätzlichen Messungen erst festzustellen, welche Stoffe in der Luft waren und welche Schutzmaßnahmen für die eigene Bevölkerung zu treffen sind.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/> Am 21.&nbsp;Mai 1986 erklärte Boris Semenow, stellvertretender Vorsitzender des Staatskomitees zur Anwendung von Kernenergie, dass es nach dem Zusammenbruch der Kühlung, dessen Grund noch nicht bekannt gewesen sei, das Aufkochen des Kühlwassers dazu führte, dass die Temperatur im Reaktor zunahm und eine Dampf-Zirkonium-Reaktion stattfand, die zur Bildung von Wasserstoff führte und letztendlich zur einer eventuelle Exoplosion.<ref name="Strategic_Digest_Bd-16">Institute for Defence Studies and Analyses: ''Strategic Digest, Band 16''. Institute for Defence Studies and Analyses., 1986. Seite 1351.</ref>
  
 
Am 24.&nbsp;Juli 1986 gab Morris Rosen, Direktor der Division für nukleare Sicherheit bei der IAEA, offiziell bekannt, dass die sowjetische Seite die Datensätze aus Block&nbsp;4 analysiert hätten, jedoch keine Gründe hierfür gefunden hätten, was zu dem Unfall geführt haben könnte. Zu diesem Zeitpunkt war der IAEA auch nicht bekannt, dass es einen Versuchlauf in dem Block gegeben hatte. Bekannt war nur eine andere Version, nach der bei 7&nbsp;% Reaktorleistung die Leistung plötzlich innerhalb von 10&nbsp;Sekunden auf 50&nbsp;% angestiegen sei. Bekannt war zudem ein Video, das einen Tag nach dem Unfall aufgenommen wurde, in dem man sieht, dass der Kran und die Lademaschine auf dem Boden der Reaktorhalle lagen und der Graphitmoderator rot glühte.<ref name="Strategic_Digest_Bd-16"/>
 
Am 24.&nbsp;Juli 1986 gab Morris Rosen, Direktor der Division für nukleare Sicherheit bei der IAEA, offiziell bekannt, dass die sowjetische Seite die Datensätze aus Block&nbsp;4 analysiert hätten, jedoch keine Gründe hierfür gefunden hätten, was zu dem Unfall geführt haben könnte. Zu diesem Zeitpunkt war der IAEA auch nicht bekannt, dass es einen Versuchlauf in dem Block gegeben hatte. Bekannt war nur eine andere Version, nach der bei 7&nbsp;% Reaktorleistung die Leistung plötzlich innerhalb von 10&nbsp;Sekunden auf 50&nbsp;% angestiegen sei. Bekannt war zudem ein Video, das einen Tag nach dem Unfall aufgenommen wurde, in dem man sieht, dass der Kran und die Lademaschine auf dem Boden der Reaktorhalle lagen und der Graphitmoderator rot glühte.<ref name="Strategic_Digest_Bd-16"/>
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=== Kosten ===
 
=== Kosten ===
 
* [http://books.google.de/books?id=dZTwAAAAMAAJ&q=%22Tschernobyl%22++-ungl%C3%BCck+-katastrophe+-unfall&dq=%22Tschernobyl%22++-ungl%C3%BCck+-katastrophe+-unfall&hl=de&sa=X&ei=RPvJT8KWFY_ZsgbYtr2UBw&ved=0CGgQ6AEwCThk]
 
* [http://books.google.de/books?id=dZTwAAAAMAAJ&q=%22Tschernobyl%22++-ungl%C3%BCck+-katastrophe+-unfall&dq=%22Tschernobyl%22++-ungl%C3%BCck+-katastrophe+-unfall&hl=de&sa=X&ei=RPvJT8KWFY_ZsgbYtr2UBw&ved=0CGgQ6AEwCThk]
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=== Völkerrecht ===
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Insbesondere im Ausland war die Frage der Haftung für die Feldfrüchte, die nicht verkauft werden konnten und deren Kosten.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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Völkerrechtliche Prinzipien:
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Nach den Prinzipien der Staatenverantwortlichkeit haftet ein Staat für einen Schaden, den er durch schuldhaftes Verhalten auf dem Territorium eines anderen Staates verursacht. Hierbei stellt sich die Frage, ob bei dem technischen Standard und dem Sicherheitskonzept der sowjetischen Anlage nach heutigem Wissensstand ein grenzüberschreitender Schaden voraussehbar war.
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Vertrag:
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Das Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung vom 13.11.79 (BGBl. II, 1982, S. 374), das sowohl für die Bundesrepublik Deutschland als auch für die Sowjetunion am 16.3.83 in Kraft getreten ist (BGBl. II, 1983, S. 548), enthält die Verpflichtung zur Verringerung grenzüberschreitender Luftverschmutzungen (Art. 4) und bei einer Luftverunreinigung auf Ersuchen einer Partei frühzeitig in Konsultationen einzutreten (Art. 5). Es könnte die Aufgabe einer gern, diesem Übereinkommen einzusetzenden Arbeitsgruppe sein, multilateral über die Eingrenzung des Schadens und zukünftige Vorsorgemaßnahmen zu beraten. Konkrete Ansätze für einen Schadensausgleich enthält das Übereinkommen nicht. Atomgesetz:
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Für den Fall, daß die Sowjetunion für die Folgeschäden nicht oder nicht in ausreichendem Maße eintritt, begründet § 38 des Deutschen Atomgesetzes (BGBl. 1,1985, S. 1565) eine Ausgleichspflicht des Bundes.
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Die Bundesregierung hat bereits mehrfach öffentlich erklärt, daß sie die Schäden vorab aus- gleichen werde. Für die weitere Behandlung dieser Fragen wurde im Bundesjustizministerium ein Arbeitsstab eingerichtet.
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* https://books.google.de/books?id=zkX40ZG4bioC&pg=PA739&dq=Tschernobyl+haftung&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjD68Kuis3hAhUHwqYKHYkfCzMQ6AEILjAB#v=onepage&q=Tschernobyl%20haftung&f=false
  
 
== Folgen des Unfalls ==
 
== Folgen des Unfalls ==
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* Belarus: https://books.google.de/books?id=nm-iBQAAQBAJ&pg=PA218&lpg=PA218&dq=prozess+tschernobyl&source=bl&ots=ipuFeA1whQ&sig=hLUMGoKGZmlMW09dhGpx9l6VuhY&hl=de&sa=X&ved=0CDMQ6AEwA2oVChMIjPfwrfeVyQIVBkwUCh0_uAna#v=onepage&q=prozess%20tschernobyl&f=false
 
* Belarus: https://books.google.de/books?id=nm-iBQAAQBAJ&pg=PA218&lpg=PA218&dq=prozess+tschernobyl&source=bl&ots=ipuFeA1whQ&sig=hLUMGoKGZmlMW09dhGpx9l6VuhY&hl=de&sa=X&ved=0CDMQ6AEwA2oVChMIjPfwrfeVyQIVBkwUCh0_uAna#v=onepage&q=prozess%20tschernobyl&f=false
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==== Deutschland ====
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Adolf Birkhofer von der Reaktorsicherheitskommission erklärte in der Sondersitzung des deutschen Bundestags zu Tschernobyl am 14.&nbsp;Mai 1986, dass man nicht von Konsequenzen infolge des Unfalls in Tschernobyl für die deutschen Kernkraftwerke ausgehe, da das Sicherheitskonzept dieser Anlagen sich fundamental unterscheiden. Was man bis dahin über den Unfallablauf wusste, war nicht auf Anlagen in Deutschland übertragbar. Er hob zudem hervor, dass die Effekte, die während oder infolge des Unfalls auftraten, den deutschen Sicherheitsbehörden nicht unbekannt gewesen und in der Projektierung, als auch Sicherheitsanalysen, von deutschen Kernkraftwerken bereits berücksichtigt worden.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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Die SPD bekräftigte infolge des Unfalls ihren Beschluss von 1984 zum mittelfristigen Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie in Deutschland. Unter Leitung des ehemaligen Bundesforschungsministers Volker Hauff wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die den Zeitraum ermitteln sollte, wie lange die Kernenergie in Deutschland noch unersetzlich genutzt werden muss und bis wann ein Ausstieg theoretisch umsetzbar wäre.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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Die Grünen bekräftigten auf dem Parteitag in Hannover ihre Position, kompromisslos und sofort aus der Nutzung der Kernenergie aussteigen zu wollen. Rainer Trampert erklärte dazu wortwörtlich: ''„Wer nach Tschernobyl das Atomprogramm fortsetzt, der organisiert wissentlich den Atomtod. Das heißt für mich: Alle Atomparteien sind unsere Gegner. Auch die Atom-SPD.“'' Im Rahmen dessen drohten die Grünen ihre Koalition in Hessen mit der SPD zu beenden, wenn die SPD nicht der Stilllegung aller Kernkraftwerke bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 1987 abwickeln werde.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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==== Österreich ====
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Trotz der jahrelangen Konservierung des [[Kernkraftwerk Tullnerfeld|Kernkraftwerks Tullnerfeld]] infolge der Volksabstimmung und der folgenden Nichtinbetriebnahme, prognostizierten Politikbeobachter, dass die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks nun infolge des Reaktorunfalls in Tschernobyl nun unmöglich geworden ist. Die EVN hemmte sich über Jahre die Anlage wegen der hohen Investitionen aufzugeben, wobei allerdings Tschernobyl nun ein eleganter Grund sein könnte, diese Abschreibung doch umzusetzen. Auch infolge der Tatsache, dass es diverse Verkaufsverbote auch in Österreich gab.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
  
 
=== Wirtschaftlich ===
 
=== Wirtschaftlich ===
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Das im Vereinigten Königreich ansässige ''National Radiological Protection Board'' hatte am 15.&nbsp;Mai 1986 verschiedene Messwerte veröffentlicht, die bis zum 14.&nbsp;Mai 1986 in COMECON-Ländern erfasst wurden. Dabei wurden die höchsten Strahlendosen in der Sowjetunion in Moskau (0,2&nbsp;µSv/h), Litauen (0,1&nbsp;µSv/h), Kiew (30&nbsp;µSv/h) und Tschernobyl (150&nbsp;µSv/h) gemessen. In Jugoslawien lag der höchste Wert bei 1,6&nbsp;µSv/h, in Bulgarien bei 0,8&nbsp;µSv/h, in Nordosten von Polen bei 4,5&nbsp;µSv/h, in Warschau bei 0,4&nbsp;µSv/h, in der Tschechoslowakei bei 0,9&nbsp;µSv/h, in Ungarn bei 0,42&nbvsp;µSv/h und in Rumänien bei 3,6&nbsp;µSv/h.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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Die Iod-131-Konzentration in Blattgemüse erreichte:<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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* Moskau 100 bis 500 Bq/kg
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* Kiew 300.000 bis 1.000.000 Bq/kg
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* Jugoslawien 200 bis 1000 Bq/kg
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* Warschau 10 bis 3000 Bq/kg
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* Polen 100 bis 70.000 Bq/kg
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* Tschechoslowakei 400 bis 15.000 Bq/kg
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* Ungarn 500 bis 9000 Bq/kg
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* Rumänien 1400 bis 3200 Bq/kg
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Die Iod-131-Konzentration in Milch erreichte:<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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* Moskau 20 bis 40 Bq/l
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* Jugoslawien 50 bis 150 Bq/l
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* Nordosten von Polen 200 bis 2000 Bq/l
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* Tschechoslowakei 100 bis 500 Bq/l
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* Ungarn 50 bis 2600 Bq/l
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* Rumänien 420 Bq/l
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Die Iod-131-Konzentration in Leitungswasser erreichte:<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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* Moskau 3 bis 5 Bq/l
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* Kiew 40 Bq/l
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* Bulgarien bis zu 10 Bq/l
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* Polen 0,2 bis 110 Bq/l
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* Tschechoslowakei 4 bis 10 Bq/l
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* Ungarn 0,1 bis 8 Bq/l
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* Rumänien 1 bis 3 Bq/l
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In Deutschland legte am 1.&nbsp;Mai die Strahlenschutzkommission erstmals Grenzwerte fest, die sich auf eine Aktivität von Iod-131 in Milch von maximal 500&nbsp;Bq/l und bei Blattgemüse auf 250&nbsp;Bq/kg belaufen dürfen. Die Annahme war, dass dabei bei einem Kleinkind die Dosis des in der Schilddrüse aufgenommenen Iod-131 die Dosis von {{Konvert|3|mrem|µSv}}&nbsp;µSv nicht überschreite. Die einzelnen zuständigen Behörden in den Ländern jedoch setzten die Grenzwerte noch niedriger an, wie beispielsweise Hessen mit 20&nbsp;Bq/l Milch. Der Verkauf von Blattgemüse wurde über eine weile eingeschränkt, so gab es in Bayern diese Einschränlkung bis zum 10.&nbsp;Mai, in Nordrhein-Westfahlen bis zum 16.&nbsp;Mai. Insgesamt ging man davon aus, dass die durchschnittliche Mehrbelastung der Bevölkerung durch die belastete Nahrungsaufnahme bei {{Konvert|5|mrem|µSv}} bis {{Konvert|3|mrem|µSv}}&nbsp;µSv/Jahr lag.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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Die Belastung der Luft lag 10&nbsp;Tage nach dem Reaktorunfall in der Bundesrepublik und West-Berlin wieder bei den Normalwerten, während das Erdreich nach wie vor Ende Mai erheblich über den normalen Werten lag.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
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In Deutschland führten Messwerte und Erläuterungen zu diesen zu Unruhen, obwohl keine Gefährdung durch die erhöhten Werte vorlag. Dies führte dazu, dass einige Länder im Gegensatz zu den Bundesbehörden alleingänge vornahmen. Das Gesundheitministerium von Nordrhein-Westfahlen empfahl nach Bekanntgabe des Unfalls die nächsten 14&nbsp;Tage nur noch in Schutzkleidung in Regen zu gehen, Kinder nicht in Sandkästen spielen zu lassen und Kontakt mit dem Boden zu vermeiden. Hessen gab die Anweisung Sportstätten mit Außengelände zu schließen, sowie Sand- und Rasenflächen zu meiden. Am weitesten ging die Umweltbehörde von Hamburg, die bei Regen den Pausengang der Schüler untersagte, sowie den Verkauf von Blattgemüse und Freilandanbau untersagte.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
  
 
http://www.proatom.ru/files/as71.pdf
 
http://www.proatom.ru/files/as71.pdf
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Schweden: http://www.nytimes.com/1987/10/20/science/science-watch-lightning-in-fallout.html
 
Schweden: http://www.nytimes.com/1987/10/20/science/science-watch-lightning-in-fallout.html
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* Rentierwirtschaft https://books.google.de/books?hl=de&id=KOskAQAAMAAJ&dq=Landsat+Tschernobyl&focus=searchwithinvolume&q=%22Der+Super-Gau+von%22
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Seitens der Europäischen Gemeinschaft gab es infolge des Unfalls Verhandlungen über gemeinsame Grenzwerte. Es gab die Initiative der Kommission aus den Mitgliedsstaaten verschiedene Vorschläge einzuholen über mögliche Grenzwerte. Zwei Wochen nach den Reaktorunfall gab es daher einen Einfuhrstopp für Obst und Gemüse aus Ostblockstaaten aufgrund eventueller Kontamination der Produkte. Hinzu kam zudem ein Importstopp für Fleischprodukte und lebende Nutztierte. Auf einen generellen Grenzwert für die gesamte europäische Gemeinschaft konnte man sich allerdings nicht einigen.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
  
 
=== Technisch ===
 
=== Technisch ===
  
 
KKW: http://www.iaea.org/inis/collection/NCLCollectionStore/_Public/32/024/32024201.pdf
 
KKW: http://www.iaea.org/inis/collection/NCLCollectionStore/_Public/32/024/32024201.pdf
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=== International ===
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Infolge der schlechten Informationspolitik der Sowjetunion sicherte diese 14&nbsp;Tage nach dem Reaktorunfall der IAEA zu, dass man zukünftig über schwere Unfälle in Nuklearanlagen auf dem Gebiet der Sowjetunion schneller informiere.<ref name="AtW_Bd-31_6-1986"/>
  
 
== Personal und Personen mit Lebensläufen ==
 
== Personal und Personen mit Lebensläufen ==
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Dawletbajew''', ''Rasim Ilgamowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Давлетбаев, Разим Ильгамович; * 15. Februar 1950), Leiter der Turbinenwerkstatt&nbsp;Nr.&nbsp;2.
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Dawletbajew''', ''Rasim Ilgamowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;">[[Datei:Razim Davletbaev.jpg|mini]] (russisch Давлетбаев, Разим Ильгамович; * 15. Februar 1950), Leiter der Turbinenwerkstatt&nbsp;Nr.&nbsp;2.
 
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Kasatschkow ''', ''Igor Iwanowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Казачков, Игорь Иванович), Operator, Leitender Blockschichtleiter (начальник смены блока (НСБ)).
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Stoljartschuk''', ''Boris Wasilewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Столярчук, Борис Васильевич; * ??. ?? ????)
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Juwtschenko''', ''Aleksandr''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Ювченко, Александр; * ??? ; † 2008)
 
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Konowal''', ''Juri Iwanowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Коновал, Юрий Иванович; * 1. Januar 1942; † 28. Mai 1986), Elektroniker an den Dieselgeneratoren, beschäftigt im Kernkraftwerk Tschernobyl seit dem 2. März 1981.
 
<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Konowal''', ''Juri Iwanowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Коновал, Юрий Иванович; * 1. Januar 1942; † 28. Mai 1986), Elektroniker an den Dieselgeneratoren, beschäftigt im Kernkraftwerk Tschernobyl seit dem 2. März 1981.
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Korneew''', ''Juri Wiktorowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Корнеев, АЮрий Викторович; * ??. ?? ????)
 
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Kurjazew''', ''Aleksandr Gennadjewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Кудрявцев, Александр Геннадьевич; * 11. Dezember 1957; † 14. Mai 1986), Seniorreaktorbetriebsingenieur in der zweiten Baustufe, beschäftigt im Kernkraftwerk Tschernobyl seit dem 15. April 1981.
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Kudrjawzew''', ''Aleksandr Gennadjewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Кудрявцев, Александр Геннадьевич; * 11. Dezember 1957; † 14. Mai 1986), Seniorreaktorbetriebsingenieur in der zweiten Baustufe, beschäftigt im Kernkraftwerk Tschernobyl seit dem 15. April 1981.
 
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Rogoschkin''', ''Boris Wasilewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Рогожкин, Борис Васильевич), Kraftwerksschichtleiter.
 
<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Rogoschkin''', ''Boris Wasilewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Рогожкин, Борис Васильевич), Kraftwerksschichtleiter.
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Rusanowskij''', ''Gennadij''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Русановский, Геннадий; * ??. ?? ????), zweiter Operator der Hauptumwälzpumpenwerkstatt in Block-2.
 
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Sitnikow''', ''Anatoli Andreewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Ситников, Анатолий Андреевич; * 21. Januar 1940; † 30. Mai 1986), Operator, stellvertretender leitende Chefingenieur der ersten Baustufe (Block 1 und 2), beschäftigt im Kernkraftwerk Tschernobyl seit dem 14. Mai 1975.
 
<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Sitnikow''', ''Anatoli Andreewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Ситников, Анатолий Андреевич; * 21. Januar 1940; † 30. Mai 1986), Operator, stellvertretender leitende Chefingenieur der ersten Baustufe (Block 1 und 2), beschäftigt im Kernkraftwerk Tschernobyl seit dem 14. Mai 1975.
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Stoljartschuk''', ''Boris Wasilewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Столярчук, Борис Васильевич; * ??. ?? ????)
 
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* 12.12.2008 - Orden für Mut dritten Grades - Aufgrund seiner Tapferkeit und Mut in den ersten Stunden nach dem Unfall, verliehen per Präsidentenerlass 1156/2008.
 
* 12.12.2008 - Orden für Mut dritten Grades - Aufgrund seiner Tapferkeit und Mut in den ersten Stunden nach dem Unfall, verliehen per Präsidentenerlass 1156/2008.
 
* 26.04.2011 - Gedenktafel - Zur Eröffnung eines neuen Gebäudes am Forschungszentrum Obninsk wurde eine Gedenktafel seitens des russischen Tschernobylforums gespendet mit Namen derer Lehrer, die ihn geschult haben.
 
* 26.04.2011 - Gedenktafel - Zur Eröffnung eines neuen Gebäudes am Forschungszentrum Obninsk wurde eine Gedenktafel seitens des russischen Tschernobylforums gespendet mit Namen derer Lehrer, die ihn geschult haben.
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Tregub''', ''Juri Jurewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Вершинин, Юрий Анатольевич; * ??. ?? ???),
 
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Schaschenok''', ''Wladimir Nikolaewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Шашенок, Владимир Николаевич; * 1951; † 26. April 1986 im Krankenhaus Pripjat), Ingenieur bei Smolenskatomenergo, ein Subunternehmen, dass zu dieser Zeit im Kernkraftwerk tätig war.</div></div>
 
<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Schaschenok''', ''Wladimir Nikolaewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Шашенок, Владимир Николаевич; * 1951; † 26. April 1986 im Krankenhaus Pripjat), Ingenieur bei Smolenskatomenergo, ein Subunternehmen, dass zu dieser Zeit im Kernkraftwerk tätig war.</div></div>
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=== Turboatom Charkiw ===
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* http://www.atomic-energy.ru/news/2016/12/16/70953
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Popowa''', ''Georija Illarionowitscha''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Попова, Георгия Илларионовича; * 21. Februar 1940; † 13. Juni 1986), Forscher im Vibrationslabor des Turbinenwerks Turboatom Charkiw.
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Sawenkowa''', ''Wladimira Iwanowitscha''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Савенкова, Владимира Ивановича; * 15. Februar 1958; † 21. Mai 1986), führender Ingenieur des Turbinenwerks Turboatom Charkiw.
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=== Dontechenergo ===
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Metlenko''', ''Gennadij Petrowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Метленко, Геннадий Петрович; * 15. Februar 1958; † 21. Mai 1986),
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* http://zaotvet.info/library/glava_5_rassledovanie
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=== Feuerwehr ===
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* https://my.mail.ru/community/zona_13300/6781CBF2F4488980.html
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Ignatenko''', ''Wasilij Iwanowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Игнатенко, Василий Иванович; * 13. März 1961; † 13. Mai 1986)
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Kibenok''', ''Wiktor Nikolaewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Кибенок, Виктор Николаевич; * 17. Februar 1963; † 11. Mai 1986)
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Prawik''', ''Wladimir Pawlowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Правик, Владимир Павлович; * 13. Juni 1962; † 11. Mai 1986)
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Teljatnikow''', ''Leonid Petrowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Телятников, Леонид Петрович; * 25. Januar 1951; † 2. Dezember 2004)
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Tischura''', ''Wladimir Iwanowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Тишура, Владимир Иванович; * 15. Dezember 1959; † 10. Mai 1986)
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Titenok''', ''Nikolai Iwanowitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Тытенок, Николай Иванович; * 5. Dezember 1962; † 16. Mai 1986)
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Ignatenko''', ''Nikolaj Wasilewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Ващук, Николай Васильевич; * 5. Juni 1959; † 14. Mai 1986)
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=== Wissenschaftler ===
 
=== Wissenschaftler ===
 
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Legasow''', ''Waleri Alexejewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Легасов, Валерий Алексеевич; * 1. September 1936 in Tula; † 27. April 1988 in Moskau).</div></div>
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Legasow''', ''Waleri Alexejewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;">[[Datei:IAEA 02790039 (5612537521).jpg|mini]] (russisch Легасов, Валерий Алексеевич; * 1. September 1936 in Tula; † 27. April 1988 in Moskau).</div></div>
 
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Legasow''', ''Waleri Alexejewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Легасов, Валерий Алексеевич; * 1. September 1936 in Tula; † 27. April 1988 in Moskau).</div></div>
 
<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">'''Legasow''', ''Waleri Alexejewitsch''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (russisch Легасов, Валерий Алексеевич; * 1. September 1936 in Tula; † 27. April 1988 in Moskau).</div></div>
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=== Beteiligte Schlüsselpersonen ===
 
=== Beteiligte Schlüsselpersonen ===
 
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">[[Datei:Flag of Sweden.svg|rand|22px|verweis=]] '''Blix''', ''Hans Martin''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;"> (* 28.&nbsp;Juni 1928 in Uppsala), 1981 bis 1997 Generaldirektor der IAEA.</div></div>
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<div class="collapsibleheader header" style="display:none; display:inline;"><span class="headertext">[[Datei:Flag of Sweden.svg|rand|22px|verweis=]] '''Blix''', ''Hans Martin''</span></div><div class="body show-on-commons" style="height:auto; width:auto; overflow:auto; text-align:left; display:inline;">[[Datei:IAEA 02790055 (5612554241).jpg|mini]] (* 28.&nbsp;Juni 1928 in Uppsala), 1981 bis 1997 Generaldirektor der IAEA.</div></div>
  
 
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Version vom 3. Februar 2020, 22:05 Uhr

Der Reaktorunfall von Tschernobyl (russisch Черно́быльская авария, transkripiert Tschernobylskaya Awarija, deutsch daher eigentlich Tschernobyler Unfall) ereignete sich am 26. April 1986 im vierten Block des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken, kurz Sowjetunion. Der Reaktorunfall gilt bis heute als der schwerste in der Geschichte der zivilen Nutzung der Kernenergie und als schlimmste Umweltkatastrophe weltweit. Verursacht wurde der Unfall durch unsachgemäßen Betrieb des Reaktors sowie durch die Konstruktion selbst. Dies führte zu einer unkontrollierten Reihenfolge von Ereignissen und letztlich zur Explosion und vollständigen Zerstörung des Reaktors. Dabei wurden große Mengen radioaktiver Partikeln freigesetzt, die sich besonders regional, aber partiell auch auf der Nordhalbkugel ausbreiteten. Die Bekämpfung des Reaktorunfalls selbst dauerte bis zum 10. Mai 1986 an; sie war mit der Unterbindung weiterer Wärmefreisetzung durch den geschmolzenen Reaktorkern und dem brennenden Graphit aus dem Reaktor physikalisch gesehen beendet. Langfristige Maßnahmen wurden durch die anschließende Liquidation von Tschernobyl und dem Bau des Objekts „Ukrytije“ (im Volksmund als „Sarkophag“ bezeichnet) eingeleitet. Anschließend wurde eine Sperrzone um die Anlage eingerichtet, die sich primär nach der radiologischen Situation richtete.

Vorerläuterungen

Beim Unfall spielten auch die Faktoren Standort, Anlagentyp und Ereignisse aus der Vorzeit einige wichtige Rolle. Daher sind die Vorerläuterungen sowohl zum Kernkraftwerk als auch zu den baulichen Modifikationen von Block 4 relativ wichtig.

Standort und Kernkraftwerk

Satellitenaufnahme des Kühlsees mit dem Kernkraftwerk am nordwestlichen Ende

Die Initiative zum Bau des Kernkraftwerks Tschernobyl ging aus der sowjetischen Planwirtschaft hervor zur Deckung des entstehenden Stromdefizits im zentralen Energienetz der Sowjetunion im europäischen Teil. Im Jahr 1966 evaluierte Teploelektroprojekt dazu 16 Standorte in den Oblasten Winnyzja, Kiew und Schytomyr, woraus 1967 als potentielle Standorte. Eine 1966 gefällte Entscheidung zum Bau der Anlage 4 Kilometer nördliche Kopatschi im Rajon Tschernobyl, etwa 100 Kilometer nördlich von Kiew, der Hauptstadt der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Der Rajon war gleichzeitig Namensgeber für die Anlage. Im Rahmen des Baus wurde die Stadt Pripjat errichtet, die die Arbeiter des Werkes beherbergen sollte und damit ein Monogorod war. Durch die Lage im ukranisch-weißrussischen Waldgebiet, den Pripjatsümpfen, gibt es mit dem Fluss Pripjat und dem Dnjepr große Wasservorkommen in der Region. Der Grundwasserleiter liegt in einer Tiefe von 10 bis 15 Metern und damit etwa auf dem Wasserniveau des Pripjats. Die Hauptwindrichtung in der Region ist hauptsächlich West-Nordwest mit einer Geschwindigkeit 3 bis 5 Metern pro Sekunde. Die Projektierung des Kernkraftwerks erfolgte in den 1960er Jahren. Während die ersten beiden Blöcke der ersten Baustufe des Kernkraftwerks Leningrad entsprachen, richteten sich die späteren Blöcke 3 und 4 an der zweiten Generation der RBMK-Linie aus. Sie enthielten weitere Sicherheitssysteme nach dem Muster des Kernkraftwerks Smolensk. Erreichtet wurde die Anlage in dieser Form zwischen 1970 und 1983. Zwei weitere Blöcke befanden sich 1986 im Bau. Um das Kernkraftwerk befand sich eine sanitäre Zone, in der der Anbau von agrarwirtschaftlichen Produkten, die Viehhaltung und das Wohnen verboten war. Als Radiusmittelpunkt dient der Fortluftkamin der ersten und der zweiten Baustufe.[1]

Das Kühlwasser bekam die Anlage nicht direkt aus dem Fluss Pripjat, sondern aus dem 22,9 Quadratkilometer großen Kühlsee, der rund 98 Millionen Kubikmeter Wasser fassen kann. Das Wasser für diesen See stammt dennoch aus dem Pripjat, an dem eine Pumpstation den Wasserpegel im Fluss wieder auffüllt.[1] Ausgelegt war der See für die Kühlung von maximal sechs Reaktorblöcken.[2] Daher wäre mit den Blöcken 5 und 6, die 1986 voll im Bau waren, der Ausbau auf die Endleistung von 6000 MWel erreicht gewesen.[3][4] Wiktor Brjuchanow erzählte in einem Interview im Jahr 2010, dass deshalb am gegenüberliegenden Ufer des Pripjats eine weitere, ähnlich große Anlage vorgesehen gewesen war.[5] Allerdings war bereits vor 1980 eine Standortsicherung im etwas südlich von der Kreisstadt Tschernobyl gelegenen Otaschew vorgenommen worden, das als Standort für das Kernheizkraftwerk Kiew infrage kam.[6]

Der Unfall betraf vornehmlich den zweiten Abschnitt (russ. Второй очереди - Wtoroj otschredi) des Werkes, bestehend aus dem dritten und vierten Reaktorblock. Die beiden Blöcke sind eine Doppelblockanlage. Sie teilen sich einige der Reaktorhilfssysteme in den anliegenden Gebäuden, stellen aber ansonsten autonom voneinander arbeitende Einheiten dar. Die Blöcke und die Hilfssysteme sind mit der Turbinenhalle zusammen im Hauptgebäude (russ. Главная корпус - Glawnaja korpus) zusammengefasst. Der gesamte Gebäudekomplex weist keine eindeutige Trennung zwischen den Blöcken auf, dennoch ist das Gebäude so ausgelegt, dass es einen baulichen Unterschied zwischen den Blöcken gibt. Während der Block A (Block 3) und der Hilfsanlagenblock W (Gebäude zwischen den Blöcken) eine zusammengehörige bauliche Struktur bilden, wurde der Block B (Block 4) lediglich als Anbau des Hilfsanlagenblocks realisiert und ist nur an wenigen Stellen tatsächlich strukturell mit diesem verbunden. Südlich dieser Blöcke schließt sich auf einem eigenen Fundament stehend der Block G (Entgaserbühne und Turbinenhalle) an. Jeder der Blöcke setzt sich zusammen aus einem Kernreaktor, vier Dampfabscheidern, acht Hauptumwälzpumpen und zwei Turbosätzen. Die folgende Darstellung zeigt eine Draufsicht des zweite Abschnitts mit beiden Blöcken.

ReaktorfahrpultVersorgungspultTurbinenpultBlockschaltwarte Raum G360 (russ. Блочный щит управления - БЩУ)ReaktorAbklingbecken BW-1 Öffnung P505/1Abklingbecken BW-2 Öffnung P505/2Reaktorhalle Raum P914/1 (russ. Центральный зал - ЦЗ)Dampfabscheider linke SeiteHauptumwälzpumpen linke Seite (Nord)Hauptumwälzpumpen rechte Seite (Süd)Dampfabscheider rechte SeiteTurbogenerator 7Turbogenerator 8OPB-82 halboffen.png

Zweite Baustufe des Kernkraftwerks Tschernobyl ohne Dächer über Block-4. Die Draufsicht zeigt die wichtigsten Komponenten und ihre Positionen über verschiedene Ebenen verteilt. Gebäudebeschreibung per Mouseover

Block 4 und Besonderheiten

Block 4 war ausgestattet mit einem Reaktor des Typs RBMK-1000. Charakteristisch für diese Siedewassereaktoren in Kanalbauweise ist die charakteristische Reaktorabdeckung, die im russischen Sprachgebrauch als Pjatak (russ. Пятак) bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um die russische Bezeichnung für die 5-Kopeken-Münze. Diese bildet sich aufgrund der 1661 Druckröhren und den 211 Steuerstäben. Das Kühlsystem besteht aus acht Umwälzpumpen, von denen im Normalbetrieb immer sechs für die Kühlung zur Verfügung stehen. Nach Erhitzen wird das Wasser an die Dampfabscheider weitergeleitet, von denen der Block vier Stück besaß. Dort wird der Sattdampf zur Turbinenanlage abgeleitet. Von dort wird das Wasser mittels elektrischer Speisewasserpumpen über das Intgasersystem und direkt in die Dampfabscheider zurückgeleitet und dort erneut über die Fallleitungen zu den Pumpen und in den Reaktor geleitet. Als aktives Notkühlsystem kommt das Kernnotkühlsystem SAOR (russisch САОР, voll Система Аварийного Охлаждения Реактора, Transkription Sistema Awarijnogo Ochlaschdenija Reaktora) zum Einsatz, das aus drei Subsystemen besteht. Das erste Subsystem (PEN) dient zur schnellen Wirkung und besteht aus vier Drucktanks je Reaktorhälfte, die Halb/Halb mit Stickstoff und Wasser gefüllt sind. Bei Aktivierung des Systems wird das Kühlwasser mit einem Druck von 100 Kilopond pro Quadratzentimeter direkt in die Kollektoren, an denen die Druckröhren angebunden sind, eingespeist. Aufgrund des großen Temperaturunterschiedes und der Tatsache, dass das Wasser im SAOR-Drucktanksystem nur 20 °C, wird das System ungern eingesetzt da es einen thermischen Schlag und zu Verspannungen im Material führen kann, eventuell auch zum Reißen von Leitungen oder Druckröhren. Als zweites langsames System (MPEN) stehen Pumpen zu Verfügung, die Wasser aus den Speisewasserbehältern der Entgaser dem System zuführen über die Dampfabscheider. Im Falle eines Auslegungsunfalls, dem Bruch einer Druckröhre, einer Zu- oder einer Ableitung, kommt zusätzlich das Subsystem APN zum Einsatz, das den Dampf aus den Räumen oder aus dem Reaktorbehälter in die Kondensationskammern leitet. Die Kondensationskammern sind für einen Druck von 200 Kilopond pro Quadratzentimeter ausgelegt. Wird der Druck überschritten, so öffnen sich Abblaseventile, die den Dampf, bei Bruch im Reaktorbehälter auch das Gas, des Primärsystems direkt in die Atmosphäre ablässt. Das kondensierte Wasser aus den Kondensationskammern kann mittels zusätzlicher vier SAOR-Pumpen direkt in die Kollektoren der Druckröhrenzuleitung eingespeist werden. Dieses letzte Subsystem wird allerdings nur aktiviert, wenn das Notprogramm BAZ betätigt wird.

Im Gegensatz zu anderen RBMK-1000 der zweiten Generation besaß Block 4 einige Modifikationen, die sich so nicht in anderen baugleichen Blöcken wiederfinden lassen, teilweise auch nicht im anliegenden Zwillingsblock Block 3. Baulich besaß Block 4, sowie dessen anliegender Zwillingsblock breitere Kondensationskammern, die mehr Wasser und mehr Kapazität hatten im Falle des Bruchs einer Druckröhre im Reaktor. Auch im Falle des Bruchs einer Leitung zwischen den Headern und dem unteren biologischen Schild OR waren nicht nur vier, sondern acht Ventile in den oberen Kondensationskorridor vorhanden. Dadurch lag die Dampfkapazität der Kondensationskammern beträchtlich höher. Dass diese Konstruktion nur in Tschernobyl zum Einsatz kam lag daran, dass die Pläne für das technische Projekt der zweiten Baustufe in Tschernobyl 1974 als letztes genehmigt wurden. Als Referenz galt zwar Smolensk 1 und 2 (genehmigt 1969), nach deren Referenz identisch die Blöcke 3 und 4 in Kursk (genehmigt 1971). Die Aufsichtsbehörde Gosatomnadsor bemängelte insbesondere, dass nach den Inkrafttreten der OPB-73 die Kondensationskammern zu klein dimensioniert waren. Zum Zeitpunkt der Bemängelung waren allerdings bereits alle anderen Blöcke genehmigt, bis auf die zweite Baustufe am Kernkraftwerk Tschernobyl, weshalb eine Änderung nur für dieses RBMK-Projekt der zweiten Generation möglich war. Zwar entsprachen die Anlagen auch noch den in der Ausarbeitung befindlichen OPB-82, Gidroprojekt vergrößerte dennoch freiwillig die Kammern für das technische Projekt in Tschernobyl und erhöhte durch den Einsatz von acht statt vier Ventilen in der unteren Reaktorkammer die Kapazität. Die Anpassung erfolgte an die Auslegung der dritten Generation des RBMK-1000, die bereits zu diesem Zeitpunkt in der Projektion war und eine vom Volumen her gleichgroße Kondensationskammer hatte, die allerdings mit doppelter Kapazität arbeiten konnte und insgesamt 16 Ventile zum Druckabbau im unteren Reaktorraum besaß. Zwar blieb die Kritik, dass sich diese Kammer unterhalb des Reaktors befindet und daher eine Gefahr darstelle, geändert werden musste dieser Entwurf aber erst mit dem Aufkommen der OPB-88, denen auch RBMK der dritten Generation entsprechen würden, die aber von neuen Reaktoren, die unter diesen Leitlinien entworfen werden, nicht erfüllt werden konnten. Lediglich ab dem RBMK-1500 wurde die Einführung von Kondensationstürmen begonnen, die weniger Gefahr im Falle eines Berstens für den Reaktor darstellen.

Eine weitere Verbesserung an dem Block fand mit der Installation des zusätzlichen Notprogramms MPA statt, das der Versuch im April 1986 unter anderem erproben sollte. MPA sieht den Ausfall der externen Stromversorgung des Blocks vor mit Bruch einer Druckröhre. Durch den Spannungshalter der Erregermaschine sollte über einen einzelnen oder beide Turbosätze die Stromversorgung sichergestellt werden, solange die Turbosätze auslaufen. Die Dieselgeneratoren benötigen für das volle Anlaufen zwischen 40 und 60 Sekunden, weshalb die gesicherte Stromversorgung erst ab diesem Zeitpunkt zur Verfügung gestanden hätte. Parallel dazu startet MPA die Abschaltung des Reaktors das Notsystem SAOR und speist über die schnelle Drucktankreserve Wasser in den Reaktor ein. Um den Block zu kühlen wird die Energie der auslaufenden Turbosätze genutzt um die vier SAOR-Pumpen am Laufen zu halten. Das Betriebs- und Steuersystem der Blocks besteht wie bei allen RBMK-1000 aus 211 Steuer- und Trimmstäbe, analog zu 1661 technologischen Kanälen und 12 Neutronendetektoren. Die Steuerstäbe sind allerdings etwas abweichend konfiguriert. Während die Anordnung weitestgehend der Anordnung von Block 3 gleicht, wurden die gekürzten Trimmstäbe (USP) in den Außenbereich des Reaktors durch manuelle Steuerstäbe ersetzt. Wie bereits Block 3 besitzt Block 4 das 6-Zonen-System, das allerdings visuell auf dem SUZ-Schaltpult integriert wurde und nicht zwischen den Synchronanzeigen, die die Einfahrweite jedes einzelnen Steuerstabes angeben, eine Abgrenzungslinie gezogen wie in Block 3, womit die Übersicht der einzelnen Steuerstabgruppen nicht voll ersichtlich ist, insbesondere da einige Steuerelemente anders Wirken.

Die Schaltwarte des Blocks ist im Gegensatz zu den vorherigen Anlagen anders aufgebaut und die Anzeigen zur Übersichtlichkeit gebündelter reorganisiert. Einige Anzeigen fielen gänzlich weg. Die Auslegung entspricht damit weitestgehend der dritten Generation. Eine ähnliche Auslegung erhielten auch die Schaltwarten von Kursk 3 und 4. Elektrotechnisch entspricht die Anlage dennoch eher den Stand der OPB-82, während einige Verbesserungen vorgenommen wurden, so reagierte unter anderem das Prozessrechnersystem SKALA etwas schneller als bei anderen Blöcken, dennoch im internationalen Schnitt sehr langsam. Von der Auslegung entspricht der Block zwar RBMK der zweiten Generation, hat aber bereits Systeme und Züge der dritten Generation und stellt damit einen modifizierten RBMK-1000 dar, der in dieser Art kein zweites mal auf dem Territorium der Sowjetunion im Bau war.

Einige wichtige Punkte betreffen das Steuer- und Schutzsystem des Blocks, das bei dem Reaktorunfall eine sehr wichtige Rolle spielte. Ein Vergleich der beiden Pulte des dritten und vierten Block zeigt, dass es eine Anordnung nach Zonen gibt, nicht nach Bestimmung des einzelnen Steuerlemente. Tatsächlich könnte dies auch eine Ursache für den Unfall sein, da eine Zeugenaussage im Bezug auf die Fahrweise seitens des zuständigen Operators und des Unfallbildes des Reaktors, auf ein irritierendes Fahrverhalten schließen ließen, auf Basis des SUZ-Pult-Aufbaus.

Steuerelement Tschernobyl 3
(Standard)
Tschernobyl 4
     AZ - Notabschaltstäbe 24 24
     PK-AZ - Kompensations- und Notabschaltstäbe 24 24
     AR - Automatische Steuerstäbe 12 12
     USP - Gekürzte Trimmstäbe 32 24
     RR - Manuelle Steuerstäbe 119 127
     TK - Technologische Kanäle 1661 1661
     DKE - Neutronendetektoren 12 12
Kartogramm RBMK Reaktor ChNPP-3.svg RBMK Reactor ChNPP-4.svg
SUZ-Steurpult SUZ Reaktor ChNPP-3.png SUZ Reaktor ChNPP-4.png
A-A Schnitt Tschernobyl-3 A-A.png Tschernobyl-4 A-A.png

Das Gebäude der Anlage besteht im Bereich des Confinements vornehmlich aus monolithischen Beton. Das bedeutet, dass die Wände aus einem Guss gegossen wurden und massiv miteinander verbunden sind. Die Dicke der Wände fluktuiert zwischen 0,80 und 1,80 Meter. Die Umbauung und Unterteilung der einzelnen Räume erfolgt durch dünnere Wände. Ansonsten ist der gesamte Gebäudeaufbau relativ offen ausgelegt, weshalb es nördlich und südlich an der Reaktorhalle Öffnungen gibt, die direkt zu den Ventilationsebenen oberhalb der Umwälzpumpen führen und sämtliche Räume außerhalb des Confinements, inklusive der Reaktorhalle, direkt mit Frischluft belüften. Die Abluft aus den Räumen beider Reaktorblöcke wird anschließend über das Ventilationszentrum mit Filteranlage über den Fortluftkamin abgeleitet.

Das Confinement des Blocks ist die Sicherheitseinrichtung zur Rückhaltung von radioaktiven Stoffen im Falle eines Unfalls. Im Gegensatz einem Sicherheitsbehälter oder einem plattierten Containment ist das plattierte Confinement nicht druckfest und kann daher nur kleine Unfälle kompensieren. Aufgeteilt ist das Confinement in zwei Bereiche: er untere Bereich dient zum Einschluss und Druckabbau bei etwaigen Leckagen einzelner Druckröhren, deren einzelne Zuleitungen und deren gemeinsame Zuleitungen, über die Hauptumwälzpumpen bis zu den Fallleitungen der vier Dampfabscheider. Diesem Bereich steht unterhalb des Reaktors auf zwei Ebenen eine Kondensationskammer zu Verfügung, in der sich ständig 3300 Kubikmeter Wasser befinden, um den Druck, verursacht durch austretenden Dampf, abzubauen. Wirksam werden diese allerdings erst, wenn der Druck einen Wert von 4,4 Bar erreicht.Referenzfehler: Ungültige Verwendung von <ref>: Der Parameter „ref“ ohne Namen muss einen Inhalt haben.

Steuer- und Kontrollsystem

Steuerelement Tschernobyl 3
(Standard)
Tschernobyl 4 Absorberlänge Verdrängerlänge Einfahrzeit Einfallzeit Reaktivität
Absorber/Verdränger
Prinzipdarstellung
Ein-/Ausgefahren
     AZ - Notabschaltstäbe 24 24 7,247 m N/A 6 bis 7 s 2,5 s -2 β / N/A
     PK-AZ - Kompensations- und Notabschaltstäbe 24 24 6,772 m 4,560 m 17 bis 18 s 12 s  ? β / +0,5 β
     AR - Automatische Steuerstäbe 12 12 7,035 m 4,510 m 17 bis 18 s 12 s  ? β / +0,5 β
     USP - Gekürzte Trimmstäbe 32 24 4,088 m 6,700 m
     RR - Manuelle Steuerstäbe 119 127 6,772 m 4,560 m 17 bis 18 s 12 s  ? β / +0,5 β


Im oberen Teil hingegen ist das System nicht zum Abbau des Drucks ausgelegt, sodass bei Überschreiten des kritischen Drucks der Dampf direkt durch einen 

Посмотрел "Маршруты".

Как идут у нас этажи по плану. +12.5 - 401/2, широкий транспортный коридор.

+19.5 - 502/8 коридор кабельных коммуникаций. На видео мелькает западная стена, окон нет.

+24 - 601/2 коридор обслуживания. Вот это похоже коридор со вторым уровнем окон. Хороших кадров мало, но похоже западной стены частично нет, в одном отрывке виден дневной свет, приникающий в щели опорной стены.

+27.0 - 701/2 Коридор трубопроводов пара и парового сброса питательной воды +31.5 - 801/2 Коридор трубопроводов пара и парового сброса на отм. 31.8 А вот как раз где-то тут видимо и располагается та группа вышибных панелей, выбиты плиты стен и виднеется непонятная машинерия. Стены кроме наружной повышенной толщины, гермодвери.

+35.5 - 910/2 Коридор. Просто узкий коридор. Плюс в двух местах к стене примыкают помещения импульсных клапанов, с тонкими стенами. Вот тут похоже в коридоре и помещениях тоже есть остекление.

+39.5 - 1001/2 - 1001/4 Коридоры обслуживания, переходящие в большое центральное помещение электрощитовой СУЗ. Похоже тут тоже есть остекление - та вторая узкая полоска окон наверху. Несколько странно что электрощитовая СУЗ имеет окна прямо на улицу. Впрочем, пока не уверен в какие именно помещения выходит отстекление, уж больно небольшая разность высот между окнами. Может кто-то из посещающих 3-й блок подскажет.

И, наконец, +43.0 - широкий безымянный коридор вентцентра. Где-то тут должна быть вторая полоса высоких окон, но есть ли они определить не удалось. С коридора есть вход в операторскую РЗМ, а на севере он прямо переходит лестничный блок.

Больше никаких уровней выше +12.5 и нет.


Leningrad-1: РБМ-К.Сб.01 ПЧ инв. № 4.146-8198

Leningrad-2: РБМ-К1.С6.01 ПЧ инв. № 4.246-2041

Kursk-1 and 2, Chernobyl-1 and 2 (same project): РБМ-К2.С6.01 ПЧ инв. № 4.297-713

Smolensk-1: РБМ-К5.С6.01 ПЧ инв. № 4. 306-2517

Leningrad-3 and 4: РБМ-К7.С6.01 инв. № Е4.529-3657

Smolensk-2, Kursk-3 and 4, Chernobl-3 and 4: РБМ-К9.С6.01 инв. № Е4. 609-018


РБМ-К9.С6.01 - third unit (main building) РБМ-К9. Сб. 01-01 - fourth unit (annex to the main building,)

Chernobyl-5 and 6, Kursk 5 and 6, Smolensk 3 and 4: РБМ-К11.С6 01 инв. № Е4.611-160384


РБМ-К11.С6.01 - third unit (main building) РБМ-К11.С6.01-01 - fourth unit (annex to the main building,)

Ignalina-1 and 2, Kostroma-1 and 2: РБМ-К15.С6.01 инв. № Е4. 479-111183


РБМ-К15.С6.01 - first unit РБМ-К15.С6.01-01 - second unit

Sicherheitssysteme

  • AZ-Schaltungen
  • BAZ
  • Block 4: MPA

Für die erste Baustufe stehen insgesamt acht Dieselgeneratoren mit einer Leistung von je 3,5 MW bereit, während für den dritten und vierten Block insgesamt sechs Aggregate mit je 5,5 MW zur Verfügung stehen. Die Leistung wurde lediglich für die Versorgung der wichtigsten Einrichtungen bemessen und daher relativ knapp.[1]

Das Steuersystem des RBMK-1000 hat einen sehr großen Anteil an analogen Komponenten, die größtenteils durch den Operator gesteuert werden müssen, so auch die Abschaltprogramme des Blocks. Ein eindeutiges automatisch wirkendes Sicherheitssystem ist nicht vorhanden. Auf Basis von Störmeldungen und Analysen, die durch das Prozessrechnersystem SKALA und analogen Signalen übermittelt werden muss der Operator selbst entscheiden, welches Notprogramm er initiiert und ob er es initiiert oder das Signal ignorieren kann. Die Notprogramme bestehen aus:

  • AZ-1: Verringerung der Reaktorleistung auf 60 % der Nennleitung - bei Ausfall einer Pumpe, sinkender Wasser in den Dampfabscheidern oder Verringerung der Speisewasserdurchsatzrate
  • AZ-2: Verringerung der Reaktorleistung auf 50 % der Nennleitung - bei Lastabwurf oder Ausfall eines Turbosatzes
  • AZ-5: Verringerung der Reaktorleistung auf Nachwärmeleistung (unkontrolliertes Einfahren aller Steuerstäbe) - bei Ausfall beider Turbosätze oder mehrerer Pumpen, Bruch einer Druckröhre
  • BAZ: Schnellabschaltung des Blocks, zunächst Einfahren aller schnelleren AZ-Stäbe danach Einfahren aller langsameren verbleibenden Steuerstäbe, Initiierung von SAOR
  • MPA: Schnellabschaltung des Reaktors, zunächst Einfahren aller schnelleren AZ-Stäbe danach Einfahren aller langsameren verbleibenden Steuerstäbe, Initiierung von SAOR, initiiert Start der Dieselgeneratoren, initiiert Abschaltung der Turbosätze und Spannungsrückgewinnung während des Auslaufes - für vollen Verlust der externen Spannungsversorgung

Versuchsprogramm

Regelung einer Erregermaschine (G1), die über den Läufer direkt mit dem Turbogenerator (SG) verbunden ist
Eigenbedarfsversorgung des Blocks im 20 kV bis 6 kV-Bereich

Der Versuch, der in Block vier stattfinden sollte, sah vor, den Ausfall eines Turbogenerators zu Simulieren und mit ihr vier der acht Hauptumwälzpumpen auslaufen zu lassen. Dabei soll normalerweise der Spannungshalter der Erregermaschine die Ausgangsspannung des Generators aufrecht halten um etwa 60 Sekunden die Stromversorgung durch die auslaufende Turbine aufrecht zu halten. Das ist die Zeit in der die Notstromaggregate, die mit Diesel betrieben werden, voll angelaufen sind und die Stromversorgung sichern.[7][8] Der Versuch stellt einen Auslegungsunfall der Reaktorlinie dar und muss unter diesen Bedingungen vor dem Betrieb getestet werden. Im Jahr 1982 wurden diese Versuche unter der Genehmigung von Dontekhehnergo und dem Generalprojektanten Gidroprojekt erstmals im dritten Block vorgenommen. Allerdings stellte man fest, dass die bisherigen Systeme nicht den Anforderungen der neuen Generation angemessen sind.[9] Bei den vorherigen Versuchen wurde festgestellt, dass die Spannung an den Stromschienen schneller abgefallen war, bevor man die ganze Rotationsenergie der auslaufenden Läufer nutzen konnte.[10] Aufgrund dessen bauten die Charkiwer Turbinenwerke neue Spannungshalter in Block drei und vier ein.[7][8]

Der Grund für die Erprobung ist das Kernnotkühlsystem, das nur RBMK-1000 ab der zweiten Generation besitzen. Dies besteht aus drei schnell eingreifenden Systemen und drei langsameren Systemen. Nach dem größten möglichen vorgesehenen Auslegungsfall mit Bruch einer Speisewasserleitung eines großen Durchmessers mit Verlust der externen Energieversorgung. Nach einem Bruch einer solchen Leitung greifen die drei schnellen Systeme. Zwei der Systeme drücken mit in Drucktanks gespeicherten Stickstoff neues Wasser direkt in das Reaktorsystem, während das dritte System zusätzliches Speisewasser über eine Pumpe speist, für die genau die auslaufende Rotationsgeschwindigkeit der Turbine für die Energieversorgung benötigt wurde, bis die Dieselgeneratoren voll zur Verfügung stehen würden. - djatlow

In den Jahren 1982 und 1984 wurden die Versuche im dritten Block mit je einer Hauptumwälzpumpe auf jeder Seite durchgeführt, 1984 und 1985 folgten Versuche mit insgesamt vier Pumpen, zwei je Seite. Die Testprogramme für 1984, 1985 und 1986 sahen zusätzlich die Isolation des Kernnotkühlsystems vor.[9] Der Versuch gilt als reines elektrotechnisches Programm, das keinen Einfluss auf den reaktorphysischen Teil der Anlage haben soll, was im nachhinein anders bewertet wurde. Weiter stellt man fest, dass normal der Generalprojektant, der leitende Kraftwerksingenieur, die wissenschaftliche Leitung und die zuständige Regierungsbehörde dem Test hätten zustimmen müssen. Allerdings stellten die Vorgaben NSR-04-74 und GSP-82 eindeutig klar, dass die Kraftwerksverwaltung keinerlei Anfragen an diese Behörden und Personen stellen muss.[9] Abgesehen von den technischen Eingriffen in den reaktorphysischen Teil, beispielsweise die Freischaltung des Notkühlsystems zur Verringerung der Last des Generators, obwohl dieses System des Turbogenerators für das Notkühlsystem vorgesehen war, sah die ermittelnde Komission aus der Sowjetunion einen fahrlässigen Eingriff in den Betrieb der Reaktoranlagen, so war die Freischaltung des Notkühlsystem für vier Stunden, die das Experiment in Anspruch nehmen sollte, eine Verringerung der Betriebssicherheit des Kernkraftwerks gewesen. Vor dem Unfall war allerdings die Frage der Sicherheit des Experiments nicht gestellt worden, ebenso die Qualifikation des Personals, das auf solche Notsituationen nie vorbereitet wurde, dadurch das Risiko als gering eingeschätzt wurde. Alle vier Blöcke der Anlage befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Betrieb.[10]

In der ganzen Sowjetunion war das Kernkraftwerk Tschernobyl als einziges Kernkraftwerk bereit, diesen Versuch durchzuführen und die Spannungshalter zu Testen.[10] Der Direktor des Kernkraftwerks Kursk, Tom Nikolaew, lehnte die Versuchsreihe offen ab. Nikolaew war viele Jahre lang an der Entwicklung von Kernreaktoren beteiligt gewesen und arbeitete viele Jahre in Tomsk als Chefingenieur beim Betrieb der dortigen ADE-Reaktoren. 1975 wurde er schließlich zum Kernkraftwerksdirektor in Kursk ernannt. Als Argument dagegen nannte er insbesondere, dass wenige zehntel Sekunden dazu führen könnten, dass der Reaktor einen Schaden davon trägt. Er lehnte es deshalb ab die Versuche im Kernkraftwerk Kursk durchzuführen.[11] Im Normalfall wird dieser Versuch bei jeder Inbetriebnahme vor dem kommerziellen Betrieb durchgeführt. Weil die Kraftwerksleitung allerdings darauf drängte den Block bereits früher in Betrieb zu nehmen, hatte man die Versuche bis auf weiteres aufgeschoben. Ein weiterer Grund war der fehlgeschlagene Versuch in Block drei. Block drei und vier gehören einer neuen Generation der RBMK an und haben teilweise neue Systeme. Aufgrund dessen wurde die Auslegung der Spannungshalter neu Konzipiert. Ein zweiter Versuch war direkt anschließend vorgesehen und sollte die Kühlung des Reaktors mit einen Luftkühlsystem gewährleisten. Im Normalfall kann die Wärme des Reaktors auch bei einer Abschaltung über das Gassystem abgeführt werden.[7][8] Dadurch am 25. April die erste Revision des vierten Blocks vorgesehen war und der Block vom Netz gehen musste, wurde der Versuch für den vierten Block des Kernkraftwerks Tschernobyl vorgesehen.[10]

Ablauf nach Versuchsprogramm

Teil 1. - Allgemeiner Teil
Punkt Beschreibung
1.1 Der Zweck des Versuchs ist es, experimentell die Möglichkeit zu testen, die mechanische Energie des Nachlaufs zu nutzen, um die Leistung für den Eigenbedarf aufrecht zu erhalten während eines Blackouts.
1.2 Der Versuch wird durchgeführt wenn der Block für die geplante vorbeugende Wartung abgeschaltet wird.
1.3 Testdauer 4 Stunden
Teil 2. - Versuchsbedingungen
Punkt Beschreibung Verantwortliche Person
2.1 Reduzierung der Leistung auf 700 bis 1000 MW thermische Leistung Kraftwerksschichtleiter
2.2 Turbogenerator 7 vom Netz trennen und stoppen (oder in den Leerlauf überführen)
Öffnen des Schalters WTG-7 und des Trennschalters RTG-7
Blockschichtleiter, Schichtleiter Elektrowerkstatt
2.3 Eigenbedarfsverbraucher von Turbogenerator 7 auf Abschnitt 7RA und 7RB auf Transformator 6T umschalten. Schichtleiter Elektrowerkstatt
2.4 Turbogenerator 8 arbeitet mit Eigenerregung, Auslaufblöcke ARW-SD und ARW-WG werden eingeschaltet. Schichtleiter Elektrowerkstatt
2.5 Integration des MPA-Signalkreises in den elektrischen Teil des Schrittlast-Einstellkreises der Dieselgeneratoren und in das Auslaufsystem in den beiden Automatisierungskomplexen 4SchANP-3 wie folgt: An der Panele Nummer 2 (linke Seite) verbinden Sie die Kontakte des zusätzlichen Tasters in der Blockschaltwarte-4 mit der Klemme 10 (091-1) von 18 (09-1) und einschalten. Elektrotechnisches Labor
2.6 Versorgungssektion 8RA, 8RB und 8RNA folgen weitere Schalthandlungen des Personals. Schichtleiter Elektrowerkstatt
2.7 In der Versorgungssektion 8RA sind folgende Aktoren enthalten: 4PN3, 4: 4GZN-13, 23: 41KN-73, 82: 42KN-73, 82: 4NGO-81: 2ZN-10 Schichtleiter Elektrowerkstatt, Blockschichtleiter
2.8. In der Versorgungssektion 8RB sind folgende Aktoren enthalten: 2NPRT-5: 4: 41KN-83: 42KN-83: 4GZN-14, 24: 4PN5: 4NGO-82: WK-15: 2ZN-11, 12: Blockschichtleiter, Schichtleiter Elektrowerkstatt
2.9 Versorgungssektion 0,4 kV wird auf die Notstromversorgung umgeschaltet: Abschnitt 164N auf Trafo 24TR
  • 74N auf 21TR
  • 78N auf 23TR
  • 232N auf 231T
  • 180N auf 179T
  • 225N auf 226T
  • 75N auf 22TR
  • 167N auf 24TR
  • 228N auf 227T
  • 165N auf 24TR
  • 220N auf 221T
  • 208N auf 208T
  • 160N auf 159T
2.10 In der Versorgungssektion 8RNA sind folgende Verbindungen enthalten: 92TNZ, 91TIP, 93TIP, 224T, 4NSOS-3, 4-3TNPS, Blockschichtleiter, Schichtleiter Elektrowerkstatt
2.11 Reserve-Versorgungssektion 0,4 kV Schichtleiter Elektrowerkstatt

РБМК системы удаления водорода СУВ

Chronologische Geschichte

Status von Block-4

Block 4 war innerhalb des ersten Brennstoffzyklus und wurde zu diesem Zeitpunkt noch mit dem Erstkern gefahren. Entgegen der ursprünglichen Fahrweise wurde begonnen den Brennstoff von RBMK-Anlagen voll auszufahren, sodass mit dem Erstkern ein möglichst hoher Abbrand erreicht werden sollte. In den 1661 Technologischen Kanälen befanden sich ab dem erstmaligen Anfahren des Reaktors 1386 Brennelemente und 234 Zusatzabsorber. 41 Kanäle waren ungeladen. Dass weniger Brennelemente geladen wurden und eine höhere Zahl an Zusatzabsorbern verwendet werden liegt daran, dass sich dadurch die Reaktivität während der physikalischen Experimente im Probebetrieb des Reaktors während der Kritikalität des Blocks keinen Einfluss auf den Betrieb hat. Tschernobyl-4 war allerdings der erste Block, der nicht mit voll geladenen Kern angefahren wurde und nach diesem Modell, allerdings wurde es auch später so in anderen RBMK-Anlagen wie bei der Inbetriebnahme von Smolensk-3 und Ignalina-1 angewandt.[12]

Bis zum 26. April 1986 war der Kern größtenteils ausgefahren, die Absorberelemente bis auf ein Element durch Brennelemente gesetzt und de Kanal 61-33 blieb entladen.

Zu dieser Zeit befanden sich 1659 Brennelemente im Reaktor mit einem durchschnittlichen Abbrand von 10,3 Megawatttagen pro Kilo Brennmaterial. Über 75 % des Brennstoffs gehören zum Erstkern, der bei der Inbetriebnahme im Jahre 1983 geladen wurde. Diese haben einen maximalen Abbrand von 12 bis 12 Megawatttagen je Kilo Brennmaterial. Eine Druckröhre ist mit einem zusätzlichen Absorber ausgestattet, ein weiterer Kanal ist leer.[10]

Die Genehmigung für das Versuchsprogramm, das ehemals am Nachmittag des 25. Aprils stattfinden sollte, wurde für Block vier von dem Chefingenieur des Kernkraftwerks, Nikolai Fomin, in Auftrag gegeben. Infolge der Verschiebung des Versuchs übertrug Fomin den Test auf die Schicht des Chefingenieur der zweiten Ausbaustufe des Kernkraftwerks, Anatoli Djatlow. Das Experiment wurde unter der Leitung des Ingenieurs Grigorij Petrowitsch Metlenko durchgeführt von der Firma Dontechnenergo, der wiederum das Management und die Vorbereitungen für den Versuch an Anatoli Djatlow übertrug.[13] Insgesamt befanden sich in der Nacht vom 25. April auf den 26. April 176 Personen alleine von Fremdfirmen auf dem Kernkraftwerksgelände, die für verschiedene Versuchs- und Wartungsarbeiten geordert wurden, nicht mit Einberechnet sind die 268 Bauarbeiter auf der Baustelle der Blöcke fünf und sechs.[10]

Reaktorbetrieb (Technische Zusammenfassung)

Aufgrund der genauen Nachverfolgbarkeit wird der Reaktorbetrieb ab dem 24. April um 15:20 Uhr rekonstruiert auf Basis des eindeutigen dokumentierten Ablaufes, sowie der Operatorenjournale 20 PU, 21 PU, 33 PU, 34 PU, 36 PU und 1223. Das Format umfasst Datum; HH:MM:SS Uhr. Faktische Aufzeichnungen, sowohl aus der allgemeinen Literatur als auch aus dem internen Bericht zum Betrieb durch interne Ermittlungen seitens NIKIET, sind in normaler schwarzer Schrift gehalten, Aufzeichnungen aus den Operatorenjournalen in grün und Aufzeichnungen aus dem DREG-Prgramm in blau. Die Signalkodierungen enthalten als Erstes eine systemspezifische Nummer, mit einem Anhang, der entweder -1 oder -0 lautet. 1 bedeutet, dass das Signal aktiviert wurde, während 0 bedeutet, dass das Signal deaktiviert wurde. Bei Signaldeaktivierung ist zur Verständlichkeit die Meldung am Ende mit dem Text Signal erloschen gekennzeichnet.

  • 24. April; 15:20:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 3100 MW.[14]
  • 24. April; 21:45:00 Uhr: Aufgrund eines Austausch einer Schnellverbindung im Schaltschrank SAS M kommt es in der operativen Blockschaltwarte (kurz BSchU-O, russ. БЩУ-О, voll Блочный щит управления оперативный, Transkription Blotschnij Schit Uprawlenija) zu einer unerwarteten Änderung der Synchronanzeige für die Steuerstabgruppen LAR, AR-1 und AR-2. Der Defekt wurde notiert.[14]
  • 24. April; 22:30:00 Uhr: Lokale Schnellabschaltung (kurz LAZ, russ. ЛАЗ, voll Локальная аварийная защита, Transkription Lokalnaja awarijnaja saschita) in Reaktorzone 11 aus belanglosem Grund, weshalb diese durch Betätigung von LAZ-USO (USO: russ. УСО - Усилитель сигналов отклонения, Transkription Usiliteli signalow otklonenija → dt. Vorrangiges Abbruchsignal) blockiert wird. Die thermische Reaktorleistung lag zu diesem Zeitpunkt bei 3200 MW.[14]
  • 24. April; 23:45:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 3100 MW. Die elektrische Blockleistung liegt bei 930 MW.[14]
  • 25. April; 00:00:00 Uhr: Schichtwechsel, Blockleitung wird durch Akimow, Aleksandr Fedorowitsch übernommen.[15]
  • 25. April; 01:04:00 Uhr: Notiz im Operatorenjournal 20 PU über den Beginn der Absenkung der thermischen Reaktorleistung.[14]
  • 25. April; 01:05:00 Uhr: Notiz im Operatorenjournal 1223 über die stufenweise thermische Leistungsabsenkung um jeweils 150 MW.[14] Die Reaktivitätsreserve liegt bei 31 manuellen Steuerstäben.[15]
  • 25. April; 01:06:00 Uhr: Beginn der thermischen Leistungsabsenkung, die Operative Reaktivitätsreserve beträgt 31 manuellen Steuerstäben.[14]
  • 25. April; 01:40:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 2760 MW.[14]
  • 25. April; 01:50:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 2500 MW.[14]
  • 25. April; 02:00:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 2350 MW.[14]
  • 25. April; 02:10:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 2240 MW.[14]
  • 25. April; 02:20:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 2200 MW.[14]
  • 25. April; 03:00:00 Uhr: Fortfahren der Leistungsabsenkung des Reaktors. Auf Anweisung des Schichtleiters Akimow von Block 4 (russ. НСБ-4, voll Начальник смены четвертого блока, Transkription Natschalnik smeni tschetwertogo bloka) wurden die Signale MPA-1, MPA-2 und MPA-3 dem System zugeschalten, allerdings nicht alle initiiert, sondern lediglich einer der Signale initiiert um den Systemdruck zu reduzieren für die weitere Leistungsabsenkung des Blocks.[14]
  • 25. April; 03:10:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 1800 MW.[14]
  • 25. April; 03:15:00 Uhr: Abschaltung der elektrischen Speisewasserpumpe 4PN-2, Überführung des Turbogenerator 7 in den Leerlauf.[15]
  • 25. April; 03:40:00 Uhr: Abschluss des Inspektionsgang des Schichtleiter der Wärmemesstechnik und Automatisierung an den Dieselgeneratoren des Blocks. Die elektrische Blockleistung lag bei 520 MW.[15]
  • 25. April; 03:45:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 1600 MW. Es wird begonnen das Helium-Stickstoff-Gemich, dass im Reaktor zwischen dem Graphit zirkuliert, durch reinen Stickstoff zu ersetzen.[14][15]
  • 25. April; 04:14:00 Uhr: Erfassung der Vibrationscharakteristika des Turbogenerator 7.[15]
  • 25. April; 04:20:00 Uhr: Netztrennung des Turbogenerator 7 für Testlauf mit Überdrehzahl.[15]
  • 25. April; 04:30:00 Uhr: Auf Anweisung des Schichtleiters von Block 4 wird mit der Entladung des Turbogenerator 7 begonnen.[14]
  • 25. April; 05:40:00 Uhr: Lastloser Testlauf des Turbogenerator 7 für Erfassung statistischer Eigenschaften.[15]
  • 25. April; 06:58:00 Uhr: Abschluss der Datenerfassung und Synchronisation des Turbogenerator 7 mit dem Elektrizitätsnetz. Entladung des Turbogenerator 8 wurde begonnen und die Lasten auf Turbogenerator 7 übertragen.[15]
  • 25. April; 07:10:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 1500 MW. Die operative Reaktivitätsreserve liegt bei 13,2 manuellen Steuerstäben,[14] aufgrund eines Rechenfehlers des Prozessleitsystems SKALA wurde allerdings eine Reaktivitätsreserve von 12 manuellen Steuerstäben angegeben und damit unzulässig um zwei Steuerstäbe gerundet (Auslegungsfehler), tatsächliche Reaktivitätsreserve betrug 18 manuelle Steuerstäbe.[15]

25. April; 07:11:00 Uhr: Sperrung des Signals für die automatische Steuergruppe AR-2 aufgrund fehlerhafter Signale.[15]

  • 25. April; 07:20:00 Uhr: Auf Anweisung des Schichtleiters von Block 4 wurde AZ-1 blockiert durch Überbrückung um eine Reduzierung des Wasserstandes in den Dampfabscheidern bei AZ-5 zu verhindern.[14]
  • 25. April; 07:35:00 Uhr: Die Blockierung von zwei AR-2-Steuerstabkanälen schlägt fehlt. Ein Defekt an den beiden Steuerstäben wurde notiert.[14][15]
  • 25. April; 07:45:00 Uhr: Entladung des Turbogenerator 8 auf 50 MW.[15]
  • 25. April; 08:00:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 1520 MW.[14] Schichtwechsel, Blockleitung wird durch Kasatschkow, Igor Iwanowitsch übernommen.[15]
  • 25. April; 08:18:00 Uhr: AZ-2 wird blockiert.[15]
  • 25. April; 08:53:00 Uhr: Netztrennung des Turbogenerator 8 für Testlauf mit Überdrehzahl und zur Erfassung der Vibrationscharakteristika.[15]
  • 25. April; 10:10:00 Uhr: Auf Anfrage vom leitenden Blockbetriebsingenieur (kurz SIUB, russ. СИУБ, voll Старший инженер управления блоком, Transkription Starschij inschener uprawlenija blokom) wurde der Öldruck in den oberen Lagern der Hauptumwälzpumpen 13 und 24 ohne genaue Begründung erhöht.[14] (Vorbereitung auf Inbetriebnahme)[15]
  • 25. April; 12:36:00 Uhr: Abschluss der Datenerfassung und Synchronisation des Turbogenerator 8 mit dem Elektrizitätsnetz. Entladung des Turbogenerator 7 wurde begonnen und die Lasten auf Turbogenerator 8 übertragen.[15]
  • 25. April; 13:05:00 Uhr: Netztrennung des Turbogenerators 7. Die elektrtische Leistung des Turbogenerators 8 lag bei 450 MW.[14][15]
  • 25. April; 13:50:00 Uhr: Umschaltung von der elektrischen Speisewasserpumpe 4PN-5 auf die elektrische Speisewasserpumpe 4PN-3.[15]
  • 25. April; 14:00:00 Uhr: Isolation des Noteinspeisesystems SAOR vom Zwangsumlauf des Reaktorsystems,[14] Schalten der Dieselgeneratoren 2DG-4 und 2DG-5 in die Eigenversorgung des Blocks in Vorbereitung für das Versuchsprogramm.[15]
  • 25. April; 14:06:00 Uhr: Die Hauptumwälzpumpe 13 wird zugeschaltet.[15]
  • 25. April; 14:12:00 Uhr: Die Hauptumwälzpumpe 12 wird abgeschaltet.[15]
  • 25. April; 14:24:00 Uhr: Die Hauptumwälzpumpe 35 wird zugeschaltet.[15]
  • 25. April; 14:30:00 Uhr: Die Hauptumwälzpumpe 22 wird abgeschaltet.[15]
  • 25. April; 14:50:00 Uhr: Schluss des Überströmventil an Turbogenerator 7 und Austrocknung des Kondensators.[15]
  • 25. April; 15:10:00 Uhr: Umschaltung von der elektrischen Speisewasserpumpe 4PN-3 auf die elektrische Speisewasserpumpe 4PN-5.[15]
  • 25. April; 15:10:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 1500 MW.[14]
  • 25. April; 15:20:00 Uhr: Die Operative Reaktivitätsreserve beträgt 16,8 manuelle Steuerstäbe.[14]
  • 25. April; 16:00:00 Uhr: Schichtwechsel, Blockleitung wird durch Tregub, Juri Jurewitsch übernommen.[15]
  • 25. April; 16:30:00 Uhr: Notiz im Operatorenjournal 34 PU über die Erhöhung der thermischen Reaktorleistung auf 1600 MW.[14][15]
  • 25. April; 16:50:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 1600 MW.[14][15]
  • 25. April; 18:50:00 Uhr: Die Hilfssysteme des Blocks, die nicht Teil des Versuchs sind, werden auf den Transformator T-6 umgeschaltet, der Leistung aus Turbogenerator 4 von Block 2 transformiert.[14][15]
  • 25. April; 22:45:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 1600 MW, die Operative Reaktivitätsreserve beträgt 26 manuellen Steuerstäben.[15]
  • 25. April; 23:10:00 Uhr: Notiz im Operatorenjournal 34 PU über den Beginn der Absenkung der thermischen Reaktorleistung.[14][15]
  • 25. April; 23:30:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 1240 MW.[14] Bei 1200 MW wurde das Abfahren gestoppt.[15]
  • 25. April; 23:45:00 Uhr: Fortsetzung des Abfahrvorgangs, automatische Steuergruppe AR-2 meldet fehlerhaftes Signal.[15]
  • 25. April; 23:50:00 Uhr: Aktuelle Abluftwerte des Fortluftkamins der zweiten Baustufe mit Abgabe von radioaktiven Aerosolen mit einer Aktivität von 411 Curie pro Tag.[15]
  • 26. April; 0:00:00 Uhr: Die Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 760 MW. Dazu wird folgende Notiz im Operatorenjournal 21 PU hinterlassen: Achtung Schichtleiter der Wärmemesstechnik und Automatisierung: Am 27. April 1986 wird ein Test des Auslegungsunfalls in Block 4 vorgenommen. Dazu unbedingt alle erkannten Defekte umschreiben um die Aufmerksamkeit des Wartungspersonals zu bekommen.[14] Die operative Reaktivitätsreserve liegt bei 24 manuellen Steuerstäben. Turbogenerator 8 fährt mit einer elektrischen Leistung von 200 MW. Schichtwechsel, Blockleitung wird durch Akimow, Aleksandr Fedorowitsch übernommen.[15]
  • 26. April; 00:05:00 Uhr: Unterbrechung der weiteren Leistungsabsenkung des Reaktors. Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 720 MW.[14] Die elektrische Speisewasserpumpe 4PK-1 wird außer Betrieb genommen und auf Anforderung von Djatlow, Anatoli Stepanowitsch die thermische Reaktorleistung auf 200 MW abgesenkt um die eigenen Anforderungen für das Versuchsprogramm zu erfüllen.[15]


  • 26. April; 00:28:00 Uhr (NIKIET): Abfall der Reaktorleistung auf 520 MW, daher Umschaltung von der lokalen automatischen Leistungsregelung auf die globale automatische Leistungsregelung, allerdings nur auf die Gruppe AR-1 - Eigentlich ungültige Maßnahme - und Gruppe AR-2 abgeschaltet wurde, woraufhin die Leistung des Reaktors rapide und instabil zunahm und deshalb AZSR (russ. АЗСР - аварийная защита по скорости в рабочем диапазоне мощности реактора, Transkription Awarinaja zaschita po skorosti w rabotschem diapazone moschnosti reaktora → dt. Schnelle Notabschaltung im Betriebsleistungsbereich des Reaktors) ausgelöst wurde. Dadurch wurde AR-1 erneut zugeschaltet und zusätzlich AR-2 wieder aktiviert, woraufhin die unzulässige Instabilität des Reaktors unter Kontrolle gebracht werden konnte. Die Reaktorleistung steig durch die Umschaltung zunächst sprunghaft auf 1200 MW an und fiel danach stark ab. Um den Versuch dennoch durchzuführen wurde trotz der Tatsache, dass sich bei diesem Fahrmanöver der Reaktor stark mit Xenon vergiftete und dadurch der Neutronenfluss auf allen Ebenen unterhalb der Kritikalität absackte, die Leistung des Reaktors binnen vier bis fünf Minuten wieder angehoben.[14]
  • 26. April; 00:34:03 Uhr (NIKIET): Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 160 MW.[14]
  • 26. April; 00:28:00 Uhr (Zeugen): Umschaltung von der lokalen automatischen Leistungsregelung (Abschaltung von LAR) auf die globale automatische Leistungsregelung (Zuschalten von AR-1). Da AR-1 voll ausgefahren war, wurde der obere Endschalter betätigt, sodass AR-2 ebenfalls abschaltete und den Reaktor außer Balance brachte und die Leistung des Reaktors abgefallen war.[15]
  • 26. April; 00:30:50 Uhr (Zeugen): Fehlerhaftes Signal von AR-2.[15]
  • 26. April; 00:31:35 Uhr (Zeugen): Überstromventil BRUK-2 an Turbogenerator 8 öffnet, damit Einleitung von Frischdampf in die Kondensatoren.[15]
  • 26. April; 00:32:46 Uhr (Zeugen): Überstromventil BRUK-2 an Turbogenerator 8 schließt.[15]
  • 26. April; 00:34:03 Uhr (Zeugen): Signalalarm in der Schaltwarte wegen Wasserabfall in den Dampfseperatoren.[15]
  • 26. April; 00:35:00 Uhr (Zeugen): Betätigung von BSM (russ. БСМ - быстрое снижение мощности, Transkription Bisrtroe snischenie moschnosti → dt. Schnelle Leistungsreduktion) um den Sollstand der automatischen Steuerstäbe zu reduzieren.[15]
  • 26. April; 00:36:24 Uhr (Zeugen): Absenkung des Mindestdruckwerts für Schnellabschaltung in den Dampfabscheidern von 55 kg/cm2 auf 50 kg/cm2.[15]
  • 26. April; 00:37:49 Uhr (Zeugen): Signalalarm in der Schaltwarte wegen Wasserabfall in den Dampfseperatoren aufgehoben.[15]
  • 26. April; 00:38:00 Uhr (Zeugen): Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 0 bis 30 MW. Auf Anforderung von Djatlow, Anatoli Stepanowitsch wurde die thermische Reaktorleistung auf die eigenen Anforderungen für das Versuchsprogramm angehoben.[15]


  • 26. April; 00:39:32 Uhr: Programm DREG außer Betrieb aufgrund des Tausch der Magnetbänder für den Versuch.[15]
  • 26. April; 00:41:00 Uhr: Netztrennung des Turbogenerators 8 zur Erfassung der Vibrationscharakteristika des Turbosatzes im Leerlauf.[14]
  • 26. April; 00:42:32 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 160 MW, bei einer operativen Reaktivitätsreserve von 19,7 manuellen Steuerstäben (nach Angabe von Tregub, Juri Jurewitsch und Rogoschkin, Boris Wasilewitsch). Erfassung der Vibrationscharakteristika an Turbogenerators 8 mit anliegendem Erregerstrom am Generator. BRUK meldet Dampf in den Kondensatoren.[15]
  • 26. April; 00:43:27 Uhr: Überbrückung von AZ-5 beim Abschalten beider Turbosätze.[15]
  • 26. April; 00:43:35 Uhr: Programm DREG wieder in Betrieb nach Tausch der Magnetbänder für den Versuch. Signalalarm in der Schaltwarte wegen ausfahren von Kompensations- und Notabschaltstäben (PK-AZ).[15]
  • 26. April; 00:43:36 Uhr: Signalalarm in der Schaltwarte wegen fehlerhaftes Signal von AR-2.[15]
  • 26. April; 00:43:37 Uhr: Blockierung der Abschaltung beider Turbosätze. Es erfolgt aufgrund des niedrigen Wasserstandes in den Dampfabscheidern zu einer Änderung des Mindestwasserstands zur Anregung der Notabschaltung auf ein Niveau von 600 Millimeter, womit der Mindestwert von 1100 Millimeter unterschritten wurde.[14] Um die Dampfqualität zu verbessern wurde der Stand des Kondensat in den Dampfüberhitzern erhöht. Signalalarm in der Schaltwarte wegen zu niedrigen Wasserstand in den Dampfabscheidern.[15]
  • 26. April; 00:44:40 Uhr: Signalalarm in der Schaltwarte wegen ausfahren von Kompensations- und Notabschaltstäben (PK-AZ) aufgehoben.[15]
  • 26. April; 00:49:19 Uhr: Signalalarm in der Schaltwarte wegen einfahren von Kompensations- und Notabschaltstäben (PK-AZ).[15]
  • 26. April; 00:51:23 Uhr: Signalalarm in der Schaltwarte wegen fehlerhaftes Signal von AR-2 aufgehoben. Signalalarm in der Schaltwarte wegen einfahren von Kompensations- und Notabschaltstäben (PK-AZ) aufgehoben. Überstromventil BRUK-1 an Turbogenerator 8 öffnet.[15][15]
  • 26. April; 00:51:45 Uhr: Signalalarm in der Schaltwarte wegen zu niedrigen Wasserstand in den Dampfabscheidern aufgehoben.[15]
  • 26. April; 00:52:27 Uhr: Signalalarm in der Schaltwarte wegen zu niedrigen Wasserstand in den Dampfabscheidern.[15]
  • 26. April; 01:00:02 Uhr: Signalalarm in der Schaltwarte wegen fehlerhaftes Signal von AR-2.[15]
  • 26. April; 01:02:20 Uhr: Erhöhung der Speisewasserzufuhr in die linken Dampfabscheider von 104 Tonnen pro Stunde auf 424 Tonnen pro Stunde um den Wasserpegel zu erhöhen.[15]
  • 26. April; 01:03:00 Uhr: Der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 200 MW. Die elektrische Blockleistung liegt bei 40 MW. Die Hauptumwälzpumpe 12 wird zugeschaltet.[14] Turbogenerator 8 wird zur Erfassung der Vibrationscharakteristika vom Netz getrennt und der Generator lastfrei betrieben.[15]
  • 26. April; 01:04:00 Uhr: Zuschaltung der Hauptumwälzpumpe 12 erfolgt.[15]
  • 26. April; 01:06:00 Uhr: Der Wasserdruchsatz durch die Dampfabscheider erreicht mit einem Wert von 1200 bis 1400 Tonnen pro Stunde einen unzulässig hohen Wert.[14] Aufgrund des nach wie vor bestehenden niedrigen Wasserstands wird der Wert wird auf 1170 Tonnen pro Stunde reduziert.[15]
  • 26. April; 01:07:00 Uhr: Die Hauptumwälzpumpe 22 wird zugeschaltet.[14][15]
  • 26. April; 01:09:00 Uhr: Reduzierung der Speisewasserzufuhr auf 90[14] bis 100 Tonnen pro Stunde[15] auf der rechten Seite und 180 Tonnen pro Stunde auf der linken Seite. Der gesamte Durchsatz beträgt 56000 bis 58000 Kubikmeter pro Stunde. Als Resultat daraus lag die Temperatur an der Saugseite der Hauptumwälzpumpen bei 280,8 °C auf der linken und 283,2 °C auf der rechten Seite des Reaktors.[14]
  • 26. April; 01:09:45 Uhr: Signalalarm in der Schaltwarte wegen zu niedrigen Wasserstand in den Dampfabscheidern, wird quittiert.[15]
  • 26. April; 01:12:10 Uhr: Programm DREG außer Betrieb für die Behebung eines Fehlers.[15]
  • 26. April; 01:15:00 Uhr: Abschaltung der Speisewasserpumpen PN-3 und 4 im Rahmen des Versuchsprogramms aufgrund der Vorgabe.[15]
  • 26. April; 01:16:00 Uhr: Ende der Erfassung der Vibrationscharakteristika des Turbosatzes im Leerlauf.[14]
  • 26. April; 01:18:00 Uhr: Synchronisation des Turbogenerator 8 mit dem Elektrizitätsnetz, elektrische Leistung nach Operatorenjournal 32,7 MW.[15]
  • 26. April; 01:18:49 Uhr: Programm DREG wieder in Betrieb.[15]
  • 26. April; 01:18:52 Uhr: MPA-Signal durch DREG. Ursache des Signals unbekannt.[14] Signal für MPA-1 und MPA-3 vorhanden, MPA-2 durch DREG initiiert.[15]
  • 26. April; 01:18:54 Uhr: Fehlerhaftes Signal von AR-2, BRUK-1 an Turbogenerator 8 lässt Dampf in die Kondensatoren strömen, Grenzwerte für Abschaltung an der Dampfbox-2 erhöht, Grenzwerte für Abschaltung im Turbinensystem-2 erhöht.[15]
  • 26. April; 01:19:39 Uhr: Kurzer Signalalarm in der Schaltwarte wegen ausfahren von Kompensations- und Notabschaltstäben (PK-AZ).[15]
  • 26. April; 01:22:00 Uhr: Impuls zur Aktivierung des MPA-Signals gegeben.
  • 26. April; 01:22:30 Uhr: Die operativen Reaktivitätsreserve liegt bei 15 manuellen Steuerstäben (nach SKALA), Nachberechnungen des Instituts für Kernenergie (Kurtschatow-Institut) nach dem Unfall ergaben, dass sich die Reaktivitätsreserve auf 6 bis 8 manuelle Steuerstäbe belief. Diese Berechnung wird allerdings angezweifelt.[15]

  • 26. April; 01:23:04 Uhr: Signal K08L053-1: Absperrventile geschlossen - Beginn des Versuchs.
  • 26. April; 01:23:06,5 Uhr: Betätigung des MPA-Schalters, Trennung der Sektion 8RNA der Eigenbedarfsversorgung von der Sektion 8RA und Zuschaltung des mit Überdrehzahl laufenden Turbogeneratoprs 8, Anfahren des Dieselgenerators 2DG-6.[15]
  • 26. April; 01:23:11 Uhr: Signal K07L203-0: Steuerstabgruppe AR setzt sich in Bewegung - Signal erloschen.
  • 26. April; 01:23:19,1 Uhr: Zuschaltung der ersten Laststufe von fünf an den Dieselgenerator 2DG-6.[15]
  • 26. April; 01:23:23 Uhr: Signal K10L064-0: Druckabfall aufgrund von Wassereinspeisung im Niederdruckkondensator 1 - Signal erloschen.
  • 26. April; 01:23:24,4 Uhr: Zuschaltung der zweiten Laststufe von fünf an den Dieselgenerator 2DG-6.[15]
  • 26. April; 01:23:29,6 Uhr: Zuschaltung der dritten Laststufe von fünf an den Dieselgenerator 2DG-6.[15]
  • 26. April; 01:23:34,8 Uhr: Zuschaltung der vierten Laststufe von fünf an den Dieselgenerator 2DG-6.[15]
  • 26. April; 01:23:39 Uhr: Die thermische Reaktorleistung ist seit Versuchsbeginn um 30 MW gestiegen. Seit Beginn des Versuchs ist der Kühlmitteldruchsatz durch die Hauptumwälzpumpen von 56.800 Kubikmeter pro Stunde auf 51.000 Kubikmeter pro Stunde gefallen bei einem problemlosen Druchsatzverlust von 180 Kubikmeter pro Sekunde. Die Steuerstabgruppe AR konnte aufgrund der Tatsache, dass sie fast voll eingefahren ist, die Leistung nicht niedrig halten, da AR-1 bereits voll eingefahren war, AR-3 als Kompensatoren per Computer 5,6 Meter eingefahren waren und AP-2 sich bereits beim Einfahren befanden. Um den Reaktor weiter im niedrigen Leistungsbereich zu halten, fiel die Entscheidung AZ-5 zu betätigen.[15]
  • 26. April; 01:23:39,9 Uhr: Zuschaltung der fünften Laststufe von fünf an den Dieselgenerator 2DG-6.[15]
  • 26. April; 01:23:40 Uhr: Folge von 7 Signalen:
    • Signal K06L015-1: AZ-5 wurde betätigt. Steuerstäbe setzen sich in Bewegung.
    • Signal K06L042-1: Notabschaltsystem ist nicht verfügbar.
    • Signal K06L040-0: AR-2 Messsystem ist fehlerhaft - Signal erloschen.
    • Signal K06L151-1: Automat P2-1332 im Reaktorkonfinment löst AZ-5 aus.
    • Signal K06L146-1: Automat P1-1332 im Reaktorkonfinment löst AZ-5 aus.
    • Signal K07L202-1: AR-2 bleibt stehen aufgrund Fehlfunktion - Blockierung der automatischen Steuerung.
    • Signal K06L045-1: Lastabwurf der Turbosätze aufgrund AZ-5.
  • 26. April; 01:23:40 Uhr: Aufgrund der Aufzeichnungen durch DREG wurde das Dignal Nichtverfügbarkeit AZ gegeben, dass allerdings übergangen wird und nur für die Registrierung so aufgezeichnet wurde. Die Reaktivität des Reaktors sank in dieser ersten Sekunde.[15]
  • 26. April; 01:23:41 Uhr: Aufgrund der Steuerstabkonstruktion stieg die Reaktivität und die Leistung des Reaktors stark an, die Druchflussrate durch den Zwangsumlaufkreis des Reaktorsystems begann mit 500 Kubikmeter pro Sekunde stark abzufallen. Grund ist die durch die Notabschaltung AZ-5 initiierte Abschaltung aller Hauptumwälzpumpen, die sich im Eigenbedarfsbersorgungssystem 8RA und 8RB befanden, darunter die Hauptumwälzpumpen 14, 24, 13 und 23, die am Versuch aktiv beteiligt waren.[15]
  • 26. April; 01:23:42 Uhr: Leistungsüberschuss seitens AZSR, AZM, PS und Notabschaltung für alle acht Leistungsgeber des Reaktors. Verdopplung der Reaktorperiode (d.h. der Reaktorleistung und Verkürzung der Periode) ist niedriger als eine Sekunde, der Reaktor fährt mit einer thermischen Leistung von 530 MW mit progressiv steigender Leistungszunahme.[15]
  • 26. April; 01:23:43 Uhr: Zu kurze Diskrepanz zwischen den Signalen, weshalb DREG die folgenden 16 Signale stetig wiederholt:[15]
    • Signal K06L017-1: AZSR - Reaktorperiode nimmt ab im Basismessbereich.
    • Signal K06L016-1: AZM - Leistungsüberschuss im Basismessbereich.
    • Signal K06L053-1: Notfall-Leistungsüberschuss auf 2APP-1.
    • Signal K06L052-1: Notfall-Leistungsüberschuss auf 2APP-2.
    • Signal K06L051-1: Notfall-Leistungsüberschuss auf 2APP-3.
    • Signal K06L050-1: Notfall-Leistungsüberschuss auf 2APP-4.
    • Signal K06L047-1: Notfall-Leistungsüberschuss auf 1APP-1.
    • Signal K06L046-1: Notfall-Leistungsüberschuss auf 1APP-2.
    • Signal K06L045-1: Notfall-Leistungsüberschuss auf 1APP-3.
    • Signal K06L044-1: Notfall-Leistungsüberschuss auf 1APP-4.
    • Signal K07L137-1: 1APP-4 zeigt Fehlfunktion.
    • Signal K07L136-1: 1APP-3 zeigt Fehlfunktion.
    • Signal K07L131-1: 1APP-2 zeigt Fehlfunktion.
    • Signal K07L130-1: 1APP-1 zeigt Fehlfunktion.
    • Signal K07L166-1: 2APP-4 zeigt Fehlfunktion.
    • Signal K07L165-1: 2APP-3 zeigt Fehlfunktion.
  • 26. April; 01:23:44 Uhr: Folge von 2 Signalen:
    • Signal K07L145-1: 2APP-2 zeigt Fehlfunktion.
    • Signal K07L144-1: 2APP-1 zeigt Fehlfunktion.
  • 26. April; 01:23:45 Uhr: Anstieg des Wasserpegels in den linken Dampfabscheidern von 330 auf 350 Millimeter unterhalb der Mindestmarke, Druck steigt auf 75,2 kg/cm2. Keine Wasserstandsdaten von den Dampfabscheidern auf der rechten Seite, Druck steigt von 75 auf 88,2 kg/cm2.[15]
  • 26. April; 01:23:47 Uhr: Um den Druck zu senken öffnet sich BRUK-1 um den Druck auf den Sollwert von 71,5 kg/cm2 zu erreichen. Aufgrund des ansteigenden Drucks kam es im gesamten Zwangsumlauf des Reaktorsystems zum Erliegen des Kühlmitteldruchsatzes und zum Wasserhammer in den Leitungen und das Gebäude wurde dadurch erschüttert. Ausfall der Messteile von AR-1 und AR-2.[15]
  • 26. April; 01:23:47 Uhr: Folge von 6 Signalen:
    • Signal K06L040-1: Messteil von AR-2 zeigt Fehlfunktion.
    • Signal K07L144-1: Messteil von AR-1 zeigt Fehlfunktion.
    • Signal K08L201-1: Keine Definition
    • Signal K06L176-1: Drucküberschreitung in den rechten Dampfabscheidern.
    • Signal K06L175-1: Drucküberschreitung in den linken Dampfabscheidern.
    • Signal K06L167-1: 1APR-12 zeigt Fehlfunktion.
  • 26. April; 01:23:48 Uhr: Starker Druckanstieg in den Dampfabscheidern, Wasserstand in den linken Dampferzeugern liegt bei -300 Millimeter, in den rechten Dampfabscheidern im Normalbereich bei +500 Millimeter.[15]
  • 26. April; 01:23:48 Uhr: Folge von 2 Signalen:
    • Signal K10L045-0: Lastabwurf der Turbosätze aufgrund AZ-5 - Lastabwurf beendet.
    • Signal K10L035-1: BRUK-1 in Betrieb.
  • 26. April; 01:23:49 Uhr: Auftreten des Signals Druckanstieg im Reaktorbehälter auf 0,15 kg/cm2, was auf den Bruch von mehreren Druckröhren hinweist. Da diese Daten aus nachkalkulierten Sekundärsignalen stammte konnte nachgewiesen werden, dass zu diesem Zeitpunkt aus Primärsignalen ein Druck von 0,4 kg/cm2 registriert wurde in Form einer Druckwelle, die durch den Reaktor gleitete, die sich zwischen 01:23:47 Uhr und 01:23:48 Uhr ereignete.[15]
  • 26. April; 01:23:49 Uhr: Folge von 13 Signalen:
    • Signal K06L005-1: Druckanstieg im Reaktorbehälter.
    • Signal K06L041-1: Leitender Teil von AR-1 zeigt Fehlfunktion.
    • Signal K06L037-1: Leitender Teil von AR-2 zeigt Fehlfunktion.
    • Signal K06L034-1: Keine 48 Volt Spannung an den Steuerstabmotoren.
    • Signal K06L176-0: Drucküberschreitung in den rechten Dampfabscheidern - Signal erloschen.
    • Signal K06L175-0: Drucküberschreitung in den linken Dampfabscheidern - Signal erloschen.
    • Signal K07L137-0: 1APP-4 zeigt Fehlfunktion - Signal erloschen.
    • Signal K07L136-0: 1APP-3 zeigt Fehlfunktion - Signal erloschen.
    • Signal K07L131-0: 1APP-2 zeigt Fehlfunktion - Signal erloschen.
    • Signal K07L130-0: 1APP-1 zeigt Fehlfunktion - Signal erloschen.
    • Signal K07L167-0: 1APR-12 zeigt Fehlfunktion - Signal erloschen.
    • Signal K07L166-0: 2APP-4 zeigt Fehlfunktion - Signal erloschen.
    • Signal K07L165-0: 2APP-3 zeigt Fehlfunktion - Signal erloschen.

  • 26. April; 01:23:49 Uhr: Stromausfall im gesamten Block, keine Signale mehr Registrierbar. Aufzeichnung von DREG unterbrochen. SKALA ohne Spannungsversorgung.[15]
  • 26. April; 01:36:00 Uhr: Spannungsversorgung für SKALA wiederhergestellt, Signale werden wieder erfasst.[15]
  • 26. April; 01:39:29 Uhr: Niedriger Wasserstand im Notfallbehälter des SUZ-Systems und hoher Druck im Raum der Dampfabscheider.[15]
  • 26. April; 01:40:01 Uhr: Druckanstieg im rechten Teil der Kondensationskammern.[15]
  • 26. April; 01:40:04 Uhr: Signalalarm in der Schaltwarte wegen Druckanstieg im rechten Teil der Kondensationskammern.[15]
  • 26. April; 01:40:21 Uhr: Druckanstieg im rechten Teil der Kondensationskammern, nahe SAOR.[15]
  • 26. April; 01:40:35 Uhr: Spannungsversorgung für DREG wiederhergestellt, Signale werden wieder erfasst.[15]
  • 26. April; 01:40:21 Uhr: Druckbafall in den rechten Dampfabscheidern, keine Daten vom linken Dampfabscheider.[15]
  • 26. April; 01:41:36 Uhr: Wasserstand in den linken Dampfabscheider 750 Millimeter.[15]
  • 26. April; 01:41:49 Uhr: Signalalarm in der Schaltwarte wegen Druckanstieg im rechten Teil der Kondensationskammern, nahe SAOR. Druckabfall in den Kollektoren des SUZ-Systems.[15]


Борис Васильевич Рогожкин

Unfallverlauf (Detailversion)

! - MESSWERTE - ! Auch Reaktorunfall: http://www.rri.kyoto-u.ac.jp/NSRG/en/Karpan2008English.pdf


Am 24. April 1986 fuhr Tschernobyl-4 mit einer thermischen Reaktorleistung von 3100 MW. Über den Tag hinweg gab es, bis auf einer Fehlanzeige der Steuerstabeinfahrtiefe in der operativen Blockschaltwarte (nicht zu verwechseln mit der normalen Blockschaltwarte), keine Auffälligkeiten. Um 22:30 Uhr kam es zur einer lokalen Schnellabschaltung in der Reaktorzone 11 aufgrund eines nicht eindeutig nachweisbaren Signals. Aufgrund der Unauffälligkeit ist es daher dem Personal gestattet, diese lokale Schnellabschaltung abzubrechen. Der Reaktor fuhr zu diesem Zeitpunkt mit einer thermischen Leistung von 3200 MW und damit mit Nennleistung. Bis 23:45 Uhr wurde die Leistung des Reaktors auf 3100 MW verringert, sodass der Block eine elektrische Leistung von 930 MW erzeugte.[15]

25. April

Zonen mit Reaktorabdeckung von Block 4

Um 0:00 Uhr fand der Schichtwechsel statt und der Block wurde durch den Schichtleiter Aleksandr Fedorowitsch Akimow übernommen.[15] Am 25. April um 1:04 Uhr wurde das Abfahren des Reaktors im Operatorenjournal 20 PU festgehalten, um 1:05 Uhr im Operatorenjournal 1223 mit der Anmerkung, dass die Leistungsreduzierung in 150 MWth großen Schritten erfolgen sollte. Das eigentliche Abfahren begann eine Minute später um 1:06 Uhr bei einer operativen Reaktivitätsreserve von 31 manuellen Steuerstäben. Bis 2:20 Uhr wurde die Reaktorleistung auf 2200 MWth reduziert und das Abfahren unterbrochen. Nach 40 Minuten um 3:00 Uhr wurde das Abfahren fortgesetzt. Um das System vom überschüssigen Druck zu entlasten wurden auf Anweisung des Schichtleiters die Notprogramme MPA-1, MPA-2 und MPA-3 initiiert.[14] Durch das Abfahren konnte die elektrische Speisewasserpumpe 4PN-2 um 3:15 Uhr abgeschaltet werden. Der Turbosatz 7 wurde zeitgleich in den Leerlauf gefahren. Um 3:40 Uhr beendete der Schichtleiter der Wärmemesstechnik und Automatisierung an den Dieselgeneratoren einen Inspektionsrundgang.[15] Um 3:45 Uhr erreichte der Reaktor eine Leistung von 1600 MWth.[14] Um 4:14 Uhr wurden die Vibrationscharakteristika des Turbosatzes aufgezeichnet um zu prüfen, welcher der beiden Turbosätze am Versuch teilnehmen wird. Um 4:20 Uhr wurde der Turbogenerator 7 vom Netz getrennt und mit Überdrehzahl gefahren.[15] Laut Operatorenjournal wies um 4:30 Uhr der Schichtleiter an, mit der Entladung des Turbosatzes 7 zu beginnen.[14] Um 4:40 Uhr folgte ein weiterer Testlauf des Turbosatzes im lastlosen Zustand, sodass dieser nach Abschluss der Datensammlung um 6:58 Uhr wieder mit dem Netz synchronisiert und verbunden werden konnte. In Vorbereitung auf eine ähnliche Prüfung wurden die Lasten von Turbogenerator 8 auf Turbogenerator 7 übertragen und damit Nr. 8 entladen.[15]

Um 7:10 Uhr wurde der Reaktor ein weiteres mal leicht abgefahren auf 1500 MWth Leistung. Die Reaktivitätsreserve lag zu diesem Zeitpunkt bei 13,2 manuellen Steuerstäben.[14] Nachweislich handelt es sich jedoch bei der kalkulierten Reakivitätsreserve um eine fehlerhafte Angabe seitens des Prozessrechnersystems SKALA, das sogar tatsächlich nur 12 Steuerstäbe angab. Der tatsächliche Wert wurde auf 18 manuelle Steuerstäbe berechnet.[15] Dass die Reaktivitätsreserve nach dem Abfahren im Schnitt so niedrig lag, obwohl der Reaktor mit den Steuerstäben abgefahren wurde, liegt daran, dass der Reaktor in die Xenonsenke gefahren wird, was beim RBMK-1000 unvermeidlich ist. Das 135Xe entsteht durch den Zerfall von 135I, das als Spaltprodukt Gasförmig in den Hüllrohren der Brennelemente eingeschlossen ist. Zerfällt das 135I über seinen Betazerfall nach 6,57 Stunden, bildet sich 135Xe, das als Absorber im Reaktor wirkt. In der Regel hat135Xe im Reaktor mit einer hohen Energiedichte im Kern keinen Einfluss auf die Reaktorleistung, ist die Dichte jedoch geringer, wirkt sich das 135Xe stärker aus, wie beim RBMK. Man kann damit rechnen, dass ab dem Anfang des Abfahrvorgang bis zum Ende des Abfahrvorgangs aufgrund der verringerten Zahl der Neutronen durch die Absorbation in den Steuerstäben, der Anteil an 135Xe steigt, da immer noch so viel Xenon gebildet wird, wie 135I vor 6,57 Stunden während des Volllastbetriebs entstanden ist. Entsprechend kann man 6,57 Stunden nach Beginn des Abfahrvorgangs damit rechnen, dass die Spitze der Xenonsenke erreicht wurde und das angehäufte 135Xe die nächsten rund Stunden über die Abfahrdauer abgebaut wird, bis wieder ein Gleichgewicht im Reaktor entstanden ist. Da die Größe beim RBMK eine Rolle spielt muss der Absorbation entgegengewirkt werden und teilweise Steuerstäbe wieder entfernt werden bis die Spitze der Xenonsenke erreicht wurde. Um die Leistung danach niedrig zu halten müssen die Steuerstäbe wieder eingefahren werden. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, umso schneller der Reaktor abgefahren wird, umso stärker ist die Xenonsenke und die Auswirkung auf den Reaktorbetrieb. Folglich muss für die stabile Leistungsabgabe aus den Reaktor die Reaktivitätsreserve entsprechend stärker reduziert werden. Dies führt beim RBMK allerdings aufgrund der positiven Reaktivität zu der Gefahr, dass der Reaktor prompt überkritisch wird die Xenonsenke durch eine ausufernde Kettenreaktion zu schnell abgebaut wird und das Nachregeln nicht mehr möglich ist.

Um 7:11 Uhr wurde das Alarmsignal für die Steuerstabgruppe AR-2 gesperrt, da ständig fehlerhafte Signale ausgegeben werden aufgrund eines Defekts an den Messteilen der Steuerstäbe.[15] Um 7:20 Uhr wurde auf Anweisung des Schichtleiters das Notprogramm AZ-1 überbrückt um bei einem Auslösen von AZ-5 den Wasserstand in den Dampfabscheidern zu reduzieren. Zwei Steuerstäbe der Gruppe automatischen Regelgrippe AR-2 sollten ebenfalls blockiert werden, was allerdings nicht möglich war, weshalb um 7:35 Uhr der Defekt notiert wurde.[14] Bis 7:45 Uhr wurde die Last des Turbogenerator 8 auf 50 MW reduziert. Um 8:L00 Uhr erfolgte der Schichtwechsel, sodass die Blockleitung seitens Igor Iwanowitsch Kasatschkow übernommen wurde. Kasatschkow wurde beim Schichtwechsel beauftragt den Block vollständig für den Versuch vorzubereiten, sodass noch in seiner Schicht der Versuch vorgenommen wird. Um 8:53 Uhr erfolgte die Netztrennung von Turbogenerator 8 für einen Teslauf mit Überdrehzahl, sowie zur Erfassung der Vibrationscharakteristika.[15] Um 10:10 Uhr wurde auf Anfrage des Blockbetriebsingenieurs der Öldruck in den Lagern der Hauptumwälzpumpen 13 und 24 erhöht. Eine genaue Begründung wurde nicht notiert.[14] Der Grund ist jedoch, dass diese beiden Pumpen für den Auslaufversuch als Last dienen und bereits vorher eingefahren werden sollten um deren Funktion zu validieren. Um 12:36 Uhr wurde der Turbogenerator 8 wieder mit dem Netz synchronisiert und zugeschaltet. Daraufhin wurde begonnen die Lasten von Turbogenerator 7 auf Turbogenerator 8 zu verlagern und damit Nr. 7 entladen. Rund eine halbe Stunde später konnte um 13:05 Uhr der Turbogenerator 7 vom Netz genommen werden und Turbogenerator 8 mit einer Last von von 450 MW weiter betrieben werden.[15][14] Um 13:50 Uhr wurde die Speisewasserpumpe 4PN-5 abgeschaltet und dafür 4PN-3 in Betrieb genommen. Um mit dem Versuch fortzufahren, der nach Plan bereits um 14:00 Uhr abgeschlossen werden sollte,[15] Isolierte Kasatschkow um 14:00 Uhr das Reaktornotkühlsystem,[14] was in den Testvorgaben so gefordert wurde. Kasatschkow erklärte dazu später, dass dies die einzige Änderung im Versuchsprogramm war und ansonsten die gesamten Vorbereitungen nicht anders mehrfach bereits im anliegenden Block 3 stattgefunden hatten. Neben der Isolation des Kernnotkühlsystems wurden die Dieselgeneratoren 2DG-4 und 2DG-5 an die Blockeigenbedarfsversorgung angebunden. Lediglich 2DG-6 sollte die Lasten der auslaufenden Pumpen übernehmen. Eigentlich sind die Lasten zu groß und der Dieselgenerator zu klein, allerdings war der Spannungsabfall ein essentielles Charakteristika dieses Versuchs, der dabei verfolgt werden sollte. Anatoli Iwanowitsch Baranow, Elektroniker an den Dieselgeneratoren, kritisierte diese Versuchsmethode bei Schichtleiter Kasatschkow offen.[15]

Ab 14:00 Uhr wollte Kasatschkow eigentlich innerhalb der nächsten 15 Minuten den Block weiter abfahren und mit dem Versuch um 14:15 Uhr bis 14:20 Uhr beginnen. Nach einem Anruf beim Lastverteiler Kiew wurde allerdings ein weiteres Abfahren untersagt, weil man noch Energie aus dem Block benötigte, da an diesem Tag ein außergewöhnliches Defizit im Netz von 1000 MW vorlag, dass das Kernkraftwerk Tschernobyl mit Block 4 zu rund 50 % decken konnte. Um 15:10 Uhr wurde wieder die Speisewasserpumpe 4PN-3 in Betrieb genommen und 4PN-5 abgeschaltet. Um 15:20 Uhr lag die Reaktivitätsreserve bei 16,8 manuellen Steuerstäben.[15] Durch die abnehmende Xenonsenke wurde bis 15:20 Uhr die Reaktivitätsreserve auf 16,8 manuelle Steuerstäbe wieder erhöht, sodass der Reaktor seine Leistung von 1500 MWth halten konnte.[14] Um 16:00 Uhr stand der Schichtwechsel an, weshalb Juri Jurewitsch Tregub die Blockleitung übernahm. Da der Versuch auf später verschoben wurde und es nicht klar war, ob der Test bereits um 20:00 Uhr, kurz vor Mitternacht oder in der folgenden Schicht von Akimow vorgenommen werden würde, verblieb Kasatschkow nicht im Kernkraftwerk. Der Lastverteiler gab nur an, dass das Abfahren nach 17:00 Uhr möglich sein wird. Da Tregub immer 40 Minuten vor Schichtbeginn anwesend war, konnte er sich mit dem Status des Blocks immer vertraut machen, allerdings gab es einige Punkte, die ihn stutzig machten: Nach eigener Aussage ist es sehr auffällig, dass der Block über einen so langen Zeitraum mit nur 45 % Leistung betrieben wird, was bisher bei keinen der Blöcke in Tschernobyl in dieser Art der Fall war. Die andere Seite war, dass einige Punkte im Versuchsprogramm aufgelistet waren, die ihn stutzig machten und Fragen aufwarfen. Die Kraftwerksverwaltung war nach 18:00 Uhr allerdings nicht mehr erreichbar war. Insbesondere die Isolation des Reaktornotkühlsystems gefiel Tregub nicht und konnte aus dem Dokument für den Versuch erfahren, dass diese Änderung seitens Gennadij Petrowitsch Metlenko von Dontechenergo vorgenommen wurde. Da Metlenko der Aufbau des System unbekannt war konnte er nicht wissen, dass diese Leitungen mit Handventilen ohne elektronische Betätigung isoliert werden müssen. Pro Ventil dauert es etwa 45 Minuten das Handrad mit mindestens zwei bis drei Personen vollständig zu schließen. Kasatschkow benötigte dazu fast die gesamte Schicht des Blocks.[15]

Um 16:30 Uhr wurde im Operatorenjournal 34 PU eine Erhöhung der Reaktorleistung auf 1600 MWth angemerkt, die der Block nach 20 Minuten erreichte.[14] Als Vorbereitung auf den Versuch wurde um 18:50 Uhr begonnen, Verbraucher der Hilfssysteme auf den Tansformator T-6 umzuschalten. Transformator T-6 ist Teil von Turbogenerator 4 in Block 2 im 330 kV-Stromnetz.[14][15] Gegen 20:00 Uhr rief Tregub bei Anatoli Stepanowitsch Djatlow zuhause an, weil er sich überfordert fühlte mit unklaren Vorgaben im Testprogramm. Djatlow ist der stellvertetende Chefingenieur des Kernkraftwerks und Chefingenieur der zweiten Baustufe, also von Block 3 und 4. Tregub fragte an, ob er das Programm wie beschrieben vornehmen und den Versuch durchführen soll. Djatlow riet Tregub den Chefingenieur des Kernkraftwerks, Nikolaj Maksimowitsch Fomin zu kontaktieren, der in einem Telefonat mit Djatlow und Tregub sagte, dass keinerlei Vorbereitungen vorgenommen werden sollen, solange Djatlow nicht anwesend ist. Um zirka 22:00 Uhr kam Djatlow im Kernkraftwerk an, allerdings wurde er bei einem Rundgang im dritten Block aufgrund eines disziplinarischen Problems aufgehalten.[15] Bis 22:45 Uhr wurde wegen der sich abbauenden Xenonvergiftung die Zahl der manuellen Steuerstäbe auf 26 Stück erhöht. Um 23:10 Uhr wurde im Operatorenjournal 34 PU eine Notiz hinterlassen über den Beginn der Leistungsabsenkung des Reaktors. 20 Minuten später wurde die thermische Leistung über diesen Zeitraum von 1600 MW auf 1200 MW reduziert und bei dieser Leistung kurz unterbrochen. Bereits um 23:45 Uhr konnte das Abfahren fortgesetzt werden. Um 23:50 Uhr wurden die Tagesmittelwerte des Fortluftkamins der zweiten Baustufe aktualisiert, der über den 25. April eine Gesamtaktivität von 411 Curie an radioaktiven Aerosolen an die Umwelt abgab.[14][15]

26. April

Um 0:00 Uhr des 26. April wurde der Schichtwechsel vollzogen und die Blockleitung Aleksandr Fedorowitsch Akimow übergeben, der rund eine halbe Stunde vorher in den Block kam. Etwa zum gleichen Zeitpunkt kam auch Djatlow in der Schaltwarte an. Abseits davon blieb der vorherige Schichtleiter Tregub anwesend aus Eigeninteresse den Versuch zu beobachten. Tregub machte Djatlow auf seine Bedenken aufmerksam, auch darauf, dass die überschüssigen Wärmekapazitäten nicht abgeführt werden könnten. Djatlow plante, den Dampf über die Überströmventile direkt in die Kondensatoren umzuleiten. Da Tregub allerdings die Schicht an Akimow übergeben hatte, war er kein Hauptansprechpartner mehr für Djatlow. Djatlow gab außerdem vor von den ehemals vier geplanten Versuchen nur zwei durchzuführen: Die Messung der Vibrationseigenschaften wie vor jeder Revision und den Auslaufversuch des Turbosatzes unter last. Der lastfreie Versuch, sowie die Wärmeabfuhr über das Reinigungssystem per Luftkühlung wurden seitens Djatlow abgesagt. Auf die Nachfrage, ob es weitere Fragen zu dem Programm gebe, gab Akimow eine eindeutige Rückmeldung, dass ihm die Details dazu aus den Vorbereitungen des Vortages seiner Schicht noch bekannt seien. Djatlow verließ danach aber die Schaltwarte um eine Inspektion des Blocks durchzuführen. Zur Schichtübergabe um 0:00 Uhr lag die Reaktorleistung 760 MWth und die elektrische Leistung des Turbogenerators 8 bei 200 MWel. Die operative Reaktivitätsreserve lag bei 24 Steuerstäben. Nach Anweisung Djatlows wurde um 0:05 Uhr die Speisewasserpumpe 4PK-1 zugeschaltet. Parallel dazu wurde begonnen die Leistung des Reaktors entgegen des ursprünglichen Planungen auf Anweisung von Djatlow auf 200 MW zu reduzieren, sodass der Block lediglich seinen elektrischen Eigenbedarf erzeugt.[15] Djatlow gibt später an, dass die Leistungsminderung nach einer Diskussion zwischen Boris Rogoschkin, Kraftwerksschichtleiter und Alexander Akimow, stattfand, in der man sich einigte, um die Last für den Kondensator zu reduzieren, mit einer niedrigeren Leistung fährt.[16]

Um 0:25 Uhr erfolgte die Umschaltung von der lokalen auf die globale Leistungsregelung. Aufgrund der Unzuverlässigkeit des Systems wurde zwar AR-1 plangemäß abgeschaltet, aufgrund der Fehlfunktion von AR-2, die bereits in den Stunden zuvor aufgetreten war, schaltete sich die Gruppe nicht ab und verursachte eine Disbalance im Reaktor, sodass die Leistung begann abzunehmen. Um 0:30 Uhr wurde erneut eine Störmeldung von AR-2 gemeldet. Aufgrund der sinkenden Reaktorleistung begann etwas mehr als eine halbe Minute später das Einspeisen von Dampf in den Kondensator, sodass der Druck in den Dampfabscheidern sank, weshalb der Knopf BSM für die schnelle Leistungsreduzierung betätigt wurde. Zudem wurde der Ansprechwert für die Reaktorschnellabschaltung bei Druckabfall in den Dampfabscheidern von 55 auf 50 Kg/cm2 gesenkt. Um 0:38 Uhr lag die Reaktorleistung zwischen 0 und 30 MW thermisch. Auf Anweisung von Djatlow wurde der Reaktor wieder angefahren. Zusammen mit dem Reaktorbetriebsingenieur Toptunow begann Tregub die Leistung des Reaktors zu erhöhen.[15]

Parallel dazu kam der Leiter der Turbinenwerkstatt Nr. 2, Dawletbaew, an der Schaltwarte des Blocks vorbei und verweilte dort für einige Zeit. Dabei fiel ihm auf, die das die Personen in der Schaltwarte relativ gestresst waren da sich der Reaktor in einem schwer kontrollierbaren zustand befand. Dabei wurde erzeuge, wie Akimow versuchte die von Djatlow abgeänderte Versuchsprogramme hinsichtlich der Parameter zu erfassen und auf den Block zu übertragen. Als Djatlow wieder in die Schaltwarte kam begann er Akimow mit lauter Stimme anzutreiben, dass er schneller arbeiten solle, woraufhin Akimow begann sich zu beeilen. Parallel dazu half er den Blockbetriebsingenieur Boris Stoljartschuk den Wasserstand in den Dampfabscheidern zu stabilisieren. Dieser fiel immer weiter und stärker. Als Dawletbaew die Schaltwarte verließ erklärte ihm Akimow, dass er nicht in der Lage sei den Wasserstand in den Dampfabscheidern aufrecht zu halten. Um 0:42 Uhr erreichte der Reaktor eine thermische Leistung von 160 MW bei einer operativen Reaktivitätsreserve von 19,7 manuellen Steuerstäben. Diese Angabe wurde durch Tregub und Boris Rogoschkin bestätigt. Die Leistung von Turbogenerator 8 war zu diesem Zeitpunkt bei 0 Watt, sodass er nicht mehr am Netz war und der Generatorschalter geöffnet war. Um 0:43 Uhr gab Djatlow die Anweisung den Ansprechwert für die Schnellabschaltung bei niedrigen Wasserstand in den Dampfabscheider von -600 auf -1100 mm zu senken. Der Ansprechwert der damit Beeinflusst wird bezieht sich auf AZ-2, die Reduktion der Reaktorleistung auf 50 % der Leistung. Da die Leistung des Block allerdings niedriger lag, würde ein Auslösen die gesamte Abschaltung des Reaktors auslösen. Bereits beim konventionellen Abfahren der RBMK-1000 wird in der Regel bei -600 mm AZ-2 blockiert. Dass keine Blockierung des Signals vorgenommen wurde hing damit zusammen, dass Djatlow den Reaktorschutz als Sicherheitsreserve für den Versuch beibehalten wollte, sollte der Wasserstand zu stark absinken.[15]


1:22:30 Uhr

Gegen 1:00 Uhr erreichte der Reaktor eine thermische Leistung von 200 MW. Tregub lies daher Toptunow den Reaktors wieder alleine fahren, um den Stand der Vorbereitungen am Turbinenpult zu beobachten. Zusammen mit Akimow, Djatlow und den Turbinenbetriebsingenieur Kerschenbaum warteten sie am Pult auf ein Zeichen aus der Turbinenhalle. In der Turbinenhalle wurden gegen 1:15 Uhr die Vorbereitungen für den Versuch unter der Leitung von Metlenko abgeschlossen, sodass er in der Schaltwarte anrief und den Befehl zum Einschalten des Oszilloskops gab. Kurz darauf, um 1:23:04 Uhr schloss Kerschenbaum das Hauptdampfventil der Turbine, womit der Versuch begonnen hatte.[15]


ChAES-4 Eigenbedarfsversorgung Auslaufversuch.svg
Über dieses Bild

Elektrische Übersicht des Auslaufversuchs


Nachdem der Turbosatz eine Geschwindigkeit von 2500 Umdrehungen pro Minute erreichte schaltete Akimow den Reaktor ab - es war 1:23:40 Uhr.[15]


[15]



s 337


Der Leiter der Wekstattabteilung der zweiten Baustufe, Waleri Perewostschensko, machte kurz vor Beginn des Versuch noch eine Inspektion der Abklingbecken und sicherte ein Brennelement auf der obersten Balkonebene (Balkon 11) der Reaktorhalle, auf der er ein verstopftes Brennelement vorfand. Ursprünglich wollte Perewostschensko zu den Zentralsaaloperateuren Kurgus und Genrich gehen um ihnen den Reparaturauftrag dafür zu übergeben. Auf dem Weg dorthin gab es allerdings einen Schlag im Reaktor, weshalb er zusammen zuckte. Perewostschensko erkannte, dass die Abdeckungen der einzelnen Druckröhren zu kollabieren begann. Perewostschensko rannte daher kurzfristig auf die Balkonebene 10, auf der sich eine Öffnung des Fortluftkamins befand, durch die man zur Blockschaltwarte von Block 4 gelangte, wo er sofort vom Absacken berichtete.[17]


Chodemtschuk fiel auf, dass die Pumpen starke Erschütterungen aufwiesen weshalb er in den Pumpenraum der linken Reaktorhälfte ging um das Problem zu analysieren. Chodemtschuk rief daher die Blockschaltwarte an und wollte Akimow gerade von dem Problem berichten, als die Explosion ihn tötete.[17]


Der genaue Explosionszeitpunkt ist nicht nachvollziehbar. Während Metlenko erst eine Explosion nach 15 bis 20 Sekunden nach Abschaltung des Reaktors bemerkte (1:23:55 bis 1:24:00 Uhr),[15]


Der Graphitstaub aus dem Reaktor verbreitete sich durch die Explosion vornehmlich um dem vierten Block, innerhalb des Gebäudes, auf dem Kernkraftwerksgelände sowie am Administrationskorpus-2.[14]


Die erste Wolke mit radioaktiven Partikeln, die direkt aus der Explosion resultierte, stieg bis in eine Höhe von 300 bis 500 Metern aus und zog westlich ab in einer bis zu 100 Kilometer langen und sehr schmalen Luftspur. Diese Luftfahne bewegte sich zwischen 1,5 bis 2 Kilometer südlich der Stadt Pripjat und verschonte sie zunächst. Die Wolke riss bei der Explosion relativ große Oxidbrennstoffpartikel in der Größenordnung von 10 bis 100 µm mit sich und verteilte sie auf diesem Abluftpfad die ersten Kilometer. Durch den weiteren Verlauf des Graphitbrands, der sich auf 1800 bis 2000 °K aufwärmte, stiegen die Partikel, die der Block freisetzte, in Luftschichten in eine Höhe von 1000 bis 1200 Meter auf, die direkt nordöstlich abzogen und Pripjat westlich knapp verfehlten. Diese Luftschichten umfassten sehr mobile und wechselhafte Isotope, darunter Iod, Tellur und Cäsium, sowie feine Brennstoffpartikel mit einer Größe von 1 bis 3 µm. Bis zum Abend des 26. April erreichte die Rauchfahne des Blocks die Ortschaft Polleskoe, in der die Hintergrundstrahlung auf 1 µSv/h bis 6 µSv/h stieg, örtlich auf bis zu 20 µSv/h.[18]


Геннадий Петрович Метленко

Фомин,_Николай_Максимович




Wetterdaten, 26. April
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[19] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[20] Tschernobyl Arrow Blue Down 001.svg[21] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[22] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[23] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[24]
Windrichtung: Compass-icon bb NW.svg Compass-icon bb W.svg Compass-icon bb NW.svg Compass-icon bb NW.svg Compass-icon bb NW.svg Compass-icon bb W.svg
Temperatur Ø: 15,1 °C 12,5 °C 15,2 °C 15,6 °C 16,7 °C 12,7 °C
Temperatur min.: 8,4 °C 6,9 °C 7,3 °C 7,7 °C 11,4 °C 5,5 °C
Temperatur max. 21,6 °C 21,7 °C 22,4 °C 23,1 °C 22,7 °C 20,1 °C
Luftdruck 1019,0 hPa 1018,8 hPa 1018,3 hPa 1018,5 hPa 1019,6 hPa 1019,0 hPa
Luftfeuchtigkeit 52 % 61 % 54 % 63 % 48 % 61 %
Regen/Menge Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Allowed.svg 0 L Allowed.svg 1,02 L Not allowed.svg 0 L Allowed.svg 7,11 L
Windgeschwindigkeit Ø 8,5 km/h 4,8 km/h 7,2 km/h 8,5 km/h 11,7 km/h 7,2 km/h
Sturm Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg

27. April

Wetterdaten, 27. April
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[19] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[20] Tschernobyl Arrow Blue Down 001.svg[21] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[22] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[23] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[24]
Windrichtung: Compass-icon bb NW.svg Compass-icon bb NW.svg Compass-icon bb NW.svg Compass-icon bb NW.svg Compass-icon bb NW.svg Compass-icon bb NW.svg
Temperatur Ø: 15,3 °C 13,8 °C 14,7 °C 13,8 °C 15,5 °C 11,7 °C
Temperatur min.: 7,4 °C 5,5 °C 10,0 °C 9,4 °C 11,1 °C 6,4 °C
Temperatur max. 22,7 °C 22,0 °C 19,8 °C 21,6 °C 22,6 °C 16,4 °C
Luftdruck 1014,1 hPa 1014,0 hPa 1014,7 hPa 1014,5 hPa 1014,7 hPa 1015,1 hPa
Luftfeuchtigkeit 59 % 62 % 65 % 79 % 58 % 79 %
Regen/Menge Allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Allowed.svg 0,51 L Allowed.svg 9,91 L Allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0,25 L
Windgeschwindigkeit Ø 6,3 km/h 6,7 km/h 6,7 km/h 5,0 km/h 8,5 km/h 7,2 km/h
Sturm Allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Allowed.svg

Über den 27. April drehte der Wind in den Morgenstunden in Richtung Nord-Nordwest, was insbesondere zu einer verschlechternden Situation in der Stadt Pripjat führte.[18]

Gegen 12:00 Uhr Ortszeit in Finnland wurden erstmals bei Messungen in 2000 Meter Höhe im Südosten des Landes erhöhte Radioaktivitätswerte festgestellt, die eine Stunde später ebenfalls über den östlichen Teil von Svealand in Schweden ebenfalls registriert wurden. In Kajaani im Nordosten Finnlands kam es in den Abendstunden zu einem leichten Regenschauer, der jedoch in Richtung Schweden abzog. Das Innenministerium stellte aber fest, dass bei diesem Regenschauer die Hintergrundaktivität um etwa 1 µSv/h angestiegen ist. Die Luftmassen am Boden waren allerdings frei von Radionukliden.[25] Um 21:00 Uhr regestrierten erstmals Bodenmessstationen in Polen einen Anstieg der Radioaktivität in der Luft, weshalb kurze Zeit darauf alle 200 Beobachtungsstationen von den Langzeit-Beobachtungsbetrieb in den Nostandbetrieb umgestellt wurden.[26]


In den Abendstunden hat sich die Situation in der Stadt Pripjat stark verschlechtert. Während über den 26. April die Hintergrundstrahlung bei 140 µSv/h bis 1340 µSv/h lag, stieg die Strahlung auf 4000 µSv/h bis 10000 µSv/h in den Abendstunden des 27. April an. Andere Angaben zufolge lag die Strahlung Ortsweise bei 40000 µSv/h bis 70000 µSv/h.[18]

28. April

Wetterdaten, 28. April
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[19] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[20] Tschernobyl Arrow Blue Down 001.svg[21] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[22] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[23] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[24]
Windrichtung: Compass-icon bb N.svg Compass-icon bb N.svg Compass-icon bb N.svg Compass-icon bb NE.svg Compass-icon bb N.svg Compass-icon bb NE.svg
Temperatur Ø: 12,6 °C 14,7 °C 12,8 °C 11,6 °C 12,6 °C 13,2 °C
Temperatur min.: 6,4 °C 10,3 °C 7,8 °C 7,5 °C 8,8 °C 4,9 °C
Temperatur max. 20,0 °C 20,4 °C 18,1 °C 16,5 °C 16,9 °C 18,6 °C
Luftdruck 1011,8 hPa 1011,4 hPa 1012,6 hPa 1012,5 hPa 1012,2 hPa 1012,5 hPa
Luftfeuchtigkeit 64 % 65 % 70 % 85 % 80 % 65 %
Regen/Menge Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Allowed.svg 2,29 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L
Windgeschwindigkeit Ø 2,8 km/h 3,5 km/h 4,1 km/h 7,2 km/h 6,7 km/h 6,7 km/h
Sturm Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Allowed.svg Allowed.svg Not allowed.svg
Areal des Kenkraftwerks Forsmark

Zwischen dem 27. und 28. April gab es in der Umgebung der Gemeinde Forsmark nahe Östhammer in Schweden Regenfälle. Am Morgen des 28. April kam es im Kernkraftwerk Forsmark zur Detektion von erhöhten Radioaktivitätswerten innerhalb des Messnetzes des Kraftwerks, weshalb es einen Alarm ausgab. Die Situation verschärfte sich nachdem der morgentliche Schichtwechsel absolviert wurde und alle Personen, die in das Kernkraftwerk hinein wollten, aufgrund der Detektion von abnormaler Radioaktivität gehindert wurden. Die schwedische Aufsichtsbehörde STUK, die über den Vorfall informiert wurde, forderte daher eine schnelle Aufklärung über die Herkunft, da ansonsten das Kernkraftwerk vom Netz hätte gehen müssen.[25] Im ersten Moment ging man davon aus, dass es zu einem schleichenden Reaktorunfall in Forsmark selbst handelte,[27] allerdings war die Radioaktivität nur bei Personen feststellbar, die das Kernkraftwerk betreten wollten, nicht aber bei Personen, die das Kernkraftwerk verließen, weshalb man davon ausgehen konnte, dass die Blöcke in Formsark kein Problem aufwiesen.[25] Cliff Robinson, Chemiker im Kernkraftwerk Forsmark, hatte am Morgen bei seinem Eintritt in das Kernkraftwerk ebenfalls Probleme die Anlage zu betreten. Während zwei mal der Detektor anschlug, ging er beim dritten mal ohne Beachtung durch die Detektoren. Da Robinson noch nicht im Kontrollbereich war, ist ein Alarm eigentlich ausgeschlossen. Robinson prüfte die Abluftwerte des Kernkraftwerks, die allerdings im Normalbereich lagen, ebenfalls direkt entnommene Proben wiesen keine Auffälligkeiten auf. Nachdem ebenfalls andere Arbeiter nicht durch die Schleuse kamen, analysierte Robinson einen Schuh eines Arbeiters, der bei einer Gammaspektroskopie zu sehr auffälligen Ausschlägen führte. Die Nuklidzusammensetzung war so zusammengesetzt, dass die Quelle für die Radioaktivität unmöglich aus dem Kernkraftwerk Forsmark stammen konnte. Kurze Zeit später löste der Alarm des Kernkraftwerks aus, der zu einer Evakuierung des Kraftwerks auffordert. Dem Alarm schenkte man allerdings keine Aufmerksamkeit, da die Analysen zeigten, dass es kein Problem im Kernkraftwerk gab, allerdings die Messungen in der Umgebung eine stärkere Strahlenbelastung registrierten. Zunächst ging man davon aus, dass es sich um einen Kernwaffentest handelte, Robinson ging allerdings einige zeit später aufgrund der Isotopenzusammensetzung von einem Reaktorunfall aus. Da es keine eindeutigen Nachweise gab, musste Forsmark vom Netz gehen und die Anlage wurde weitestgehend geräumt.[28]


Über den Tag hinweg gab es neben Schweden auch in Finnland und Norwegen einen Anstieg der Radioaktivitätsmesswerte in Teilen des Landes.[28] Die Mixtur des Radionuklidgemisches, in dem die Abwesenheit von Neutronenaktivierungsprodukten festzustellen war, sowie bestimmte Isotopenverhältnisse vorlagen, wies allerdings auf eine Kernspaltung hin, die bereits vor einiger Zeit stattgefunden haben muss.[25] Dies wurde auch von anderen Ländern bestätigt.[28] Insbesondere die Tatsache, dass sich Graphit in der Zusammensetzung befand, sowie Stoffe nachgewiesen werden konnten, die auf eine sehr hohe Temperatur Rückschließen lassen, wiesen darauf hin, dass die Stoffe aus einem Reaktorunfall resultieren müssen.[27][25] Hinsichtlich der Wetterverhältnisse war es zu vermuten, dass die Stoffe aus dem Westen der Sowjetunion stammten.[25] Aufgrund der Wetterlage war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Radioaktivität, wie vermutet wurde, aus einem Kernkraftwerk in den baltischen Staaten stammte. In einer Karte, die seitens Schweden angefertigt wurde, waren mehrere Nuklearanlagen aufgelistet worden, aus denen die Radioaktivität hätte stammen können, namentlich aus dem Kernkraftwerk Ignalina, Leningrad, Tschernobyl, Smolensk, Kursk. Aufgrund der Situation wurde die schwedische Botschaft in Moskau aktiv und hatte entsprechende Anfragen an die sowjetischen Aufsichtsbehörden über etwaige Reaktorunfälle in der Sowjetunion innerhalb der letzten Tage gesendet. Diese wiegelten allerdings ab und erklärten, dass es keinen Nuklearunfall auf sowjetischen Territorium gegeben habe.[28] Aufgrund der ungewissen Lage verständigten die schwedischen Behörden die IAEA und erfragten, ob der Behörde in den letzten Stunden ein Reaktorunfall gemeldet wurde, was die Behörde verneinte.[27]


Am Abend des Tages gab es um 7:00&nbspo;Uhr Mitteleuropäischer Zeit eine Ansprache im sowjetischen Fernsehen, in dem international ebenfalls erstmals offiziell bekannt wurde, dass es im Kernkraftwerk Tschernobyl zu einem Unfall gekommen sei. Aufgrund der Tatsache, dass es keine Dimensionsangabe gab, welche Tragweite der Unfall hatte, gab es seitens der schwedischen Aufsichtsbehörden einige Nervosität aufgrund der zuvor festgestellten Messungen im Land, die auf einen sehr schweren Reaktorunfall hinwiesen.[28]

[27]


In den Abendstunden begannen die Luftschichten abzusinken und die Windrichtung drehte von Nord-Nordost auf Nordost.[18]

29. April

Wetterdaten, 29. April
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[19] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[20] Tschernobyl Arrow Blue Down 001.svg[21] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[22] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[23] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[24]
Windrichtung: Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb W.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb E.svg Compass-icon bb SE.svg Compass-icon bb S.svg
Temperatur Ø: 14,2 °C 16,1 °C 13,5 °C 15,0 °C 15,7 °C 15,5 °C
Temperatur min.: 4,7 °C 9,0 °C 10,1 °C 7,2 °C 8,7 °C 10,1 °C
Temperatur max. 23,2 °C 28,0 °C 22,5 °C 22,2 °C 21,5 °C 21,8 °C
Luftdruck 1011,4 hPa 1011,8 hPa 1011,9 hPa 1011,5 hPa 1011,4 hPa 1012,2 hPa
Luftfeuchtigkeit 61 % 61 % 73 % 71 % 58 % 65 %
Regen/Menge Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 2,03 L Not allowed.svg 0,25 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L
Windgeschwindigkeit Ø 2,8 km/h 4,6 km/h 0,0 km/h 2,6 km/h 6,7 km/h 9,8 km/h
Sturm Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg

Der Wind drehte im Laufe des Tages direkt in Richtung Süden.[18]

Polen nahm am gleichen Tag erstmals Beobachtungen in hohen Luftschichten auf, indem Flugzeuge in sechs Luftschichten zwischen 1 und 15&nbspü;Kilometer Höhe diverde Luftproben sammelten.[26]


In 705 Kilometer Höhe flog der Erdbeobachtungssattelit Landsat 5 über den Norden der Ukraine.[29] Da man sich mehr Informationen im Westen über den Reaktorunfall erhoffte, wurden im Eilverfahren die Bilder von dem Sattelliten aufbereitet und analysiert. Der Aufwand war relativ hoch. Gespeichert wurden die Bilder auf einen Negativfilm des Typs Kodak 2445 mit einem Color FIRE 240 Filmrekorder. Der Rekorder erzeugte für jeder der drei Spektralfarben jeweils ein Bild, sowie zusätzliche Bilder um die Spiegelung des Sonnenlichts am Erdboden zu filtern, sowie die Helligkeit der Aufnahmen zu gewährleisten und um die Infrarotwellenlänge festzulegen. Aus diesen sieben Kanälen war es möglich mit Landsat 5 nicht nur Farbaufnahmen zu machen, sondern auch Rückschlüsse auf Temperaturen der Erdoberfläche zu machen. Neben den Aufnahmen vom 29. April lagen zudem Aufnahmen des Kernkraftwerks Tschernobyl und dessen Umgebung vom 22. April 1986 und 6. Juni 1985 vor. Bei dem Vergleich der Bilder konnte man nahe dem Block 4 des Kernkraftwerks einen sich nach Westen ausdehnenden dunklen Streifen am 29. April feststellen, der bei den vorherigen Aufnahmen nicht vorhanden war. Außerdem war im roten Farbband festzustellen, dass ein heller roter Fleck in Block 4 zu sehen war, während in den anderen beiden Farbbändern keine Verfärbung auftauchte, was auf eine sehr hohe Temperatur Rückschließen ließ. Analysen der anderen Bänder ergab, dass die Umgebungstemperatur bei zirka 290 K (17 °C) lag, der helle Fleck jedoch eine Temperatur von 1000 K (727 °C) überstieg.[30]

30. April

Wetterdaten,30. April
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[19] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[20] Tschernobyl Arrow Blue Down 001.svg[21] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[22] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[23] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[24]
Windrichtung: Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg
Temperatur Ø: 17,3 °C 15,7 °C 17,3 °C 17,5 °C 18,2 °C 17,1 °C
Temperatur min.: 6,2 °C 8,0 °C 11,3 °C 9,5 °C 9,9 °C 7,7 °C
Temperatur max. 25,8 °C 24,1 °C 25,4 °C 25,8 °C 25,6 °C 23,5 °C
Luftdruck 1013,7 hPa 1015,0 hPa 1013,4 hPa 1013,0 hPa 1013,5 hPa 1014,0 hPa
Luftfeuchtigkeit 47 % 59 % 53 % 61 % 47 % 58 %
Regen/Menge Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L
Windgeschwindigkeit Ø 4,4 km/h 4,8 km/h 3,5 km/h 3,5 km/h 6,7 km/h 9,4 km/h
Sturm Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg

Aufgrund der Maßnahmen, die die ersten Tage ergriffen wurden, kam es zu einem Absinken der Temperatur im zerstörten Block und einen fast sechsfachen Rückgang der Strahlenfreisetzung. Allerdings förderte dies wiederum die weitere Oxidation des Brennstoffs, weshalb man bereits im vorneherein erwartete, dass aufgrund der schlechteren Wärmeübertragung durch das Zuschütten des Kerns möglicherweise eine neue Freisetzung und Erwärmung zu erwarten sei.[18]

Am gleichen Tag gab die IAEA erstmals bekannt, dass man eine offizielle Mitteilung des Staatskomitees der Sowjetunion erhalten habe die bestätigt, dass es in Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl einen Reaktorunfall gegeben habe. Nach dessen Angabe gab es eine teilweise Zerstörung des Einrichtungen des Reaktorgebäudes und am Reaktorgebäude, sowie zum Auftritt von radioaktiven Materials. Unterrichtet wurde die IAEA weiter, dass eine Regierungskommission um den Unfall zu untersuchen. Im Rahmen dessen wurde der Weltöffentlichkeit erstmals bekanntgegeben, dass sich der Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl in der Nacht vom 25. April auf den 26. April ereignete. Seitens der IAEA wurde Rat und Unterstützung der Sowjetunion angeboten um Hilfe bei der Koordination und der Beseitigung des Unfalls zu leisten.[26]

1. Mai

Wetterdaten, 1. Mai
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[31] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[32] Tschernobyl Arrow Blue Down 001.svg[33] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[34] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[35] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[36]
Windrichtung: Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg
Temperatur Ø: 14,7 °C 14,8 °C 17,4 °C 17,3 °C 15,9 °C 17,4 °C
Temperatur min.: 10,0 °C 9,6 °C 12,3 °C 11,3 °C 5,6 °C 11,6 °C
Temperatur max. 21,1 °C 20,2 °C 23,3 °C 23,8 °C 13,9 °C 24,8 °C
Luftdruck 1015,1 hPa 1018,0 hPa 1013,9 hPa 1012,8 hPa 1014,0 hPa 1013,6 hPa
Luftfeuchtigkeit 50 % 49 % 46 % 54 % 51 % 50 %
Regen/Menge Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L
Windgeschwindigkeit Ø 13,5 km/h 12,8 km/h 19,8 km/h 12,2 km/h 25,2 km/h 14,8 km/h
Sturm Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg

Einen Tag nach der ersten Erklärung der Sowjetunion wies auch am 1. Mai die ständige Vertretung der Sowjetunion bei der IAEA noch mal in einer offizielle Mitteilung auf die Lage am Kernkraftwerk Tschernobyl hin: „Die Arbeiten zur Beseitigung der Unfallfolgen am Kernkraftwerk Tschernobyl werden fortgesetzt. Durch die in den letzten 24 Stunden getroffenen Maßnahmen ist der Austritt radioaktiver Substanzen zurückgegangen, die Strahlungswerte in der Umgebung des Kernkraftwerks und in der Kraftwerkssiedlung haben sich verringert. Von Spezialisten mit Hilfe von Meßgeräten durchgeführte Messungen zeigen, daß die Kettenreaktion der Spaltung nuklearen Brennstoffs nicht stattfindet, der Reaktor ist stillgelegt. Der Ministerrat der Ukraine berichtete, dass sich die Lage hinsichtlich radioaktiver Strahlung beim Kernkraftwerk Tschernobyl und in der unmittelbaren Umgebung verbessert. Der Zustand der Atmosphäre in der übrigen Region Kiew und in der Stadt Kiew gibt keinen Anlaß zur Besorgnis. Die Güte des Trinkwassers sowie des Wassers in Flüssen und Stauseen entspricht den Vorschriften.“[26]

Eine weitere Meldung gab es durch die Vertretung der Sowjetunion bei den Vereinten Nationen, die der IAEA zusätzlich eine weitere Mittteilung zukommen lies: „Arbeiten zur Durchführung umfassender technischer Maßnahmen wurden am 30. April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl fortgesetzt. Die Radioaktivität auf dem Gelände des Kernkraftwerks und der Kraftwerkssiedlung ist um das Eineinhalb- bis Zweifache gesunken. Arbeiten zur Dekontaminierung des kontaminierten Geländes in unmittelbarer Umgebung des Kernkraftwerks werden durchgeführt. Den betroffenen Personen wird ärztliche Hilfe geleistet, 18 Personen sind in kritischem Zustand. Ausländer sind keine betroffen. Die Botschafter Großbritanniens, Finnlands und der Niederlande und die Geschäftsträger Frankreichs und Österreichs wurden am 30. April und 1. Mai 1986 im sowjetischen Außenministerium empfangen. Auf Anweisung der sowjetischen Regierung wurden sie vom 1. Stellvertretenden Außenminister, Kowalew, über den Stand der Dinge bei der Beseitigung der Unfallfolgen am Kernkraftwerk Tschernobyl informiert.“[26]

2. Mai

Wetterdaten, 2. Mai
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[31] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[32] Tschernobyl Arrow Blue Down 001.svg[33] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[34] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[35] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[36]
Windrichtung: Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg
Temperatur Ø: 9,7 °C 10,6 °C 10,8 °C 9,5 °C 8,9 °C 11,3 °C
Temperatur min.: 5,6 °C 5,0 °C 7,6 °C 7,0 °C 5,6 °C 7,4 °C
Temperatur max. 14,7 °C 16,0 °C 15,7 °C 14,3 °C 13,9 °C 17,0 °C
Luftdruck 1015,1 hPa 1018,0 hPa 1013,5 hPa 1011,9 hPa 1013,6 hPa 1013,0 hPa
Luftfeuchtigkeit 50 % 63 % 48 % 62 % 60 % 49 %
Regen/Menge Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L
Windgeschwindigkeit Ø 13,5 km/h 12,8 km/h 21,7 km/h 30,6 km/h 28,7 km/h 30,6 km/h
Sturm Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg

Abschluss der Evakuierung der 10-Kilometer-Zone[37] https://books.google.de/books?id=WjHpBwAAQBAJ&pg=PA107&lpg=PA107&dq=evacuation+pripyat+routes&source=bl&ots=NYgd3RcyZS&sig=gCXZPbvaLY2GdWVkRZYgGVM8gY8&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwja8arP8JfXAhVBYlAKHYiQA78Q6AEIYTAL#v=onepage&q=evacuation%20pripyat%20routes&f=false

Aufgrund der schlechten Wärmeübertragung aus dem zugeschütteten Kern begann sich der zerstörte Reaktor erneut aufzuheizen.

3. Mai

Wetterdaten, 3. Mai
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[31] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[32] Tschernobyl Arrow Blue Down 001.svg[33] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[34] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[35] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[36]
Windrichtung: Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg
Temperatur Ø: 9,0 °C 9,8 °C 10,0 °C 8,8 °C 9,2 °C 9,4 °C
Temperatur min.: 3,4 °C 3,0 °C 5,5 °C 5,2 °C 5,8 °C 6,0 °C
Temperatur max. 13,9 °C 14,6 °C 12,9 °C 13,2 °C 12,6 °C 13,5 °C
Luftdruck 1016,3 hPa 1018,6 hPa 1014,5 hPa 1013,0 hPa 1015,0 hPa 1013,6 hPa
Luftfeuchtigkeit 50 % 55 % 49 % 54 % 51 % 59 %
Regen/Menge Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L
Windgeschwindigkeit Ø 13,9 km/h 16,9 km/h 28,7 km/h 32,4 km/h 23,0 km/h 31,5 km/h
Sturm Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg

Über den 3. Mai hinweg heizte sich der Reaktor weiter auf, was zu einer erneuten Freisetzung von radioaktiven Partikeln, insbesondere ein großer Anteil von fragmentierten Brennstoffpartikeln.[18]

4. Mai

Wetterdaten, 4. Mai
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[31] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[32] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[36] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[34] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[35]
Windrichtung: Compass-icon bb SSW.svg Compass-icon bb SSW.svg Compass-icon bb SSW.svg Compass-icon bb SSW.svg Compass-icon bb SSW.svg
Temperatur Ø: 7,7 °C 6,4 °C 9,2 °C 8,8 °C 8,4 °C
Temperatur min.: 2,4 °C 2,2 °C 2,5 °C 3,1 °C 3,4 °C
Temperatur max. 14,4 °C 15,7 °C 13,2 °C 14,3 °C 13,4 °C
Luftdruck 1019,1 hPa N/A hPa 1015,9 hPa 1015,6 hPa 1018,2 hPa
Luftfeuchtigkeit 43 % N/A % 58 % 45 % 39 %
Regen/Menge Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L
Windgeschwindigkeit Ø 14,4 km/h 9,8 km/h 28,0 km/h 27,4 km/h 21,7 km/h
Sturm Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg

Am 4. Mai wurde die Wetterstation in Tschernobyl abgeschaltet und übermittelte keine Daten mehr.[33]

Auf einer Pressekonferenz zeolte die IAEA mit, dass Hans Blix, Generaldirektor der IAEA, am 5. Mai auf Einladung der sowjetischen Regierung nach Moskau reisen würde um über zum Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl unterrichtet zu werden.[26]

5. Mai

Wetterdaten, 5. Mai
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[31] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[32] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[36] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[34] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[35]
Windrichtung: Compass-icon bb SSW.svg Compass-icon bb SSW.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg
Temperatur Ø: 10,4 °C 10,4 °C 9,8 °C 9,3 °C 10,1 °C
Temperatur min.: -1,4 °C 0,4 °C 2,8 °C 4,0 °C 3,8 °C
Temperatur max. 16,1 °C 16,4 °C 13,4 °C 15,4 °C 15,5 °C
Luftdruck 1020,7 hPa 1021,9 hPa 1019,6 hPa 1019,1 hPa 1020,4 hPa
Luftfeuchtigkeit 34 % 47 % 57 % 36 % 29 %
Regen/Menge Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L
Windgeschwindigkeit Ø 9,6 km/h 9,8 km/h 20,2 km/h 22,0 km/h 18,0 km/h
Sturm Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg

Abschluss der Evakuierung der 30-Kilometer-Zone[37]

6. Mai

Wetterdaten, 6. Mai
Station Mosyr Arrow Blue UpperLeft 001.svg[31] Sarny Arrow Blue Left 001.svg[32] Kiew Arrow Blue Down 001.svg[36] Tschernigow Arrow Blue Right 001.svg[34] Gomel Arrow Blue UpperRight 001.svg[35]
Windrichtung: Compass-icon bb SSW.svg Compass-icon bb SSW.svg Compass-icon bb SSW.svg Compass-icon bb S.svg Compass-icon bb S.svg
Temperatur Ø: 8,1 °C 10,0 °C 7,2 °C 6,7 °C 8,8 °C
Temperatur min.: -0,1 °C 4,0 °C 1,0 °C 1,9 °C 2,5 °C
Temperatur max. 14,6 °C 15,7 °C 11,5 °C 18,1 °C 14,3 °C
Luftdruck 1022,8 hPa 1022,8 hPa 1021,8 hPa 1021,6 hPa 1022,3 hPa
Luftfeuchtigkeit 31 % 42 % 57 % 46 % 31 %
Regen/Menge Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L Not allowed.svg 0 L
Windgeschwindigkeit Ø 12,2 km/h 8,5 km/h 14,8 km/h 9,3 km/h 11,3 km/h
Sturm Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg
Nebel Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg Not allowed.svg

Die Wetterverhältnisse waren seit dem 29. April nahezu unverändert. Im laufe des Tages kam es zu einem starken Rückgang der Freisetzung auf rund 1 % der ursprünglichen Freisetzung.[18]

7. Mai

8. Mai

Am 8. Mai überflog der Erdbeobachtungssattellit Landsat 5 erneut den Standort. Der Vergleich mit den Bildern vom 29. April zeigte, dass die Temperaturen um Block 4 stark zurückgegangen sind. Festgestellt wurde außerdem, dass die Vorflutbecken der Blöcke geleert wurden und auch die Wärmeabgabe an den Kühlsee im Vergleich zur Aufnahme vom 22. April zurückgegangen ist, was auf den vollständigen Stillstand aller Blöcke hinwies.[30]

9. Mai

10. Mai

Folgezeit


Am 13. Mai gab die ständige Vertretung der Sowjetunion bei den Vereinten Nationen eine öffentliche Mitteilung aus: „Den gesamten 10. Mai 1986 hindurch wurden die Arbeiten zur Beseitigung der Unfallfolgen im Kernkraftwerk Tschernobyl fortgesetzt. Die Temperaturen im Reaktor sind aufgrund der getroffenen Maßnahmen erheblich zurückgegangen. Nach Meinung der Wissenschaftler und Experten ist dies ein Anzeichen dafür, daß der Graphitbrand im Reaktor so gut wie beendet ist. Der Austritt radioaktiver Substanzen ist stark zurückgegangen. Den Daten des Staatlichen Komitees der UdSSR für Hydrometeorologie und Umweltüberwachung zufolge betragen die Strahlungswerte 60 km vom Kraftwerk 3,3 µSv/h und in Kiew 3,2 µSv/h. Das Kühlen des beschädigten Reaktors wird erfolgreich durchgeführt, das Eingießen des Reaktors in Beton wurde fortgesetzt. Außerhalb der 30-km-Unfallzone geht die Landarbeit weiter, die Industriebetriebe arbeiten normal. Auch der Fremdenverkehr wird routinemäßig fortgesetzt. 35 Personen befinden sich im ernsten Zustand. 6 Personen, die Verbrennungen und Strahlenschäden erlitten, sind gestorben.“[26]

https://www.youtube.com/watch?v=yww5nbrYa1w

14. Mai

Guten Abend, Genossen!

Sie alle wissen, dass wir vor kurzem eine Katastrophe erlitten haben - den Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl. http://pripyat.com/documents/pravda-15-maya-1986-g-vystuplenie-m-s-gorbacheva-po-sovetskomu-televideniyu.html

Der ehemalige sowjetische Botschafter in Bonn und jetzige Chef der sowjetischen Nachrichtenagentur „Nowosti“, W. Falin, erklärte in einem am 12.5.86 veröffentlichten „Spie- gel“-Interview u. a.: „Im Westen wird behauptet, es habe einen Brand im Reaktor gegeben, der Tage andauerte. Dabei war seine aktive Phase nach ein paar Stunden vorbei...“[26]


Am 25. Mai war die Freisetzung nahezu unterbunden.[18]

Erstmaßnahmen

Unterbindung der Wärme- und Partikelfreisetzung

Abschließende Maßnahmen

Unfallursachen

Während in den ersten vier Wochen keinerlei Informationen über den Unfallablauf weltweit bekannt waren, kristallisierte sich erst danach langsam ein Unfallablauf heraus, den sowjetische Experten in der Folge ermittelten. Diese späte Informationsweitergabe, insbesondere über den Unfall selber, wurde nicht nur von Staaten westlich des eisernen Vorhangs kritisiert, sondern auch von Staaten des Ostblocks. Dadurch war es nur möglich durch erheblichen Mehraufwand und zusätzlichen Messungen erst festzustellen, welche Stoffe in der Luft waren und welche Schutzmaßnahmen für die eigene Bevölkerung zu treffen sind.[26] Am 21. Mai 1986 erklärte Boris Semenow, stellvertretender Vorsitzender des Staatskomitees zur Anwendung von Kernenergie, dass es nach dem Zusammenbruch der Kühlung, dessen Grund noch nicht bekannt gewesen sei, das Aufkochen des Kühlwassers dazu führte, dass die Temperatur im Reaktor zunahm und eine Dampf-Zirkonium-Reaktion stattfand, die zur Bildung von Wasserstoff führte und letztendlich zur einer eventuelle Exoplosion.[38]

Am 24. Juli 1986 gab Morris Rosen, Direktor der Division für nukleare Sicherheit bei der IAEA, offiziell bekannt, dass die sowjetische Seite die Datensätze aus Block 4 analysiert hätten, jedoch keine Gründe hierfür gefunden hätten, was zu dem Unfall geführt haben könnte. Zu diesem Zeitpunkt war der IAEA auch nicht bekannt, dass es einen Versuchlauf in dem Block gegeben hatte. Bekannt war nur eine andere Version, nach der bei 7 % Reaktorleistung die Leistung plötzlich innerhalb von 10 Sekunden auf 50 % angestiegen sei. Bekannt war zudem ein Video, das einen Tag nach dem Unfall aufgenommen wurde, in dem man sieht, dass der Kran und die Lademaschine auf dem Boden der Reaktorhalle lagen und der Graphitmoderator rot glühte.[38]


https://books.google.de/books?id=9JZCAAAAYAAJ&q=%22As+part+of+the+recovery+programme+liquid+nitrogen+was+used+to+freeze+the+ground%22&dq=%22As+part+of+the+recovery+programme+liquid+nitrogen+was+used+to+freeze+the+ground%22&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiAtril073LAhUnS5oKHZqlArsQ6AEIHDAA

https://books.google.de/books?hl=de&id=9JZCAAAAYAAJ&dq=%22As+part+of+the+recovery+programme+liquid+nitrogen+was+used+to+freeze+the+ground%22&focus=searchwithinvolume&q=%22nitrogen+was+used+to+freeze+the+ground%22

Nach der Aussage von Rosen nach dem Überflug über Block 4 erklärte er, dass es

Blix, Rosen and the U.N. agency's Soviet deputy director, Leonard Konstantinov, über Block-4 geflogen


Fehlentscheidungen des Personals

Darstellung und Kritik seitens Djatlow

Im November 1991 wurde eine Kritik von Anatoli Djatlow in er Zeitschrift Nuclear Engineering International veröffentlicht, in der er die Verurteilung des Betriebspersonals scharf kritisierte. Hierzu gab es mehrere Punkte:

  • Reaktivitätsreserve: Während des Abfahren des Reaktors wurde eine Routineprogramm abgearbeitet, das bis auf die Abweichung der operativen Reaktivitätsreserve auf einen Wert von 13,2 Steuerstäben infolge der Xenonvergiftung, ohne Probleme verlief. Nicht mit eingerechnet waren in diesem Wert die automatischen Steuerstäbe AR, die so eingestellt sind, dass sind mindestens eine Reaktivitätstreserve von 15 Steuerstäben im Kern halten und so das Ausfahren von zu vielen Steuerstäben kompensieren. Im Normalbetrieb wird im Reaktor zudem, wenn nur eine lokale Xenonvergiftung vorliegt, eine Reaktivitätsreserve von 28 bis 32 Steurerstäben gehalten. Dazu gaben die Vorschriften zusätzlich vor, dass bei einer Reaktivitätsreserve unter 26 Steuerstäben eine Autorisierung seitens des Chefingenieurs für den weiteren Betrieb des Reaktors notwendig war und unter 15 Steuerstäbe der Reaktor abgeschaltet werden musste. Diese Vorschriften wurden nach dem Zwischenfall in Block 1 im Kernkraftwerk Leningrad im Jahr 1975 eingeführt um den Reaktor mehr Spielraum zur Leistungskontrolle im Reaktor zu geben. Es handelte sich dabei um eine rationale Regelung, die für alle RBMK-Anlagen so übernommen wurde, jedoch ohne Erwähnung in der technischen Dokumentation des Reaktors, dass ein Unterschreiten der Reaktivitätsreserve ein Außerkraftsetzen der Notabschaltung durch das Design der Steuerstäbe nach sich führt. Nach Angabe von Djatlow war das Problem sowohl dem Kurtschatow-Institut, als auch dem Designer NIKIET, weitreichend bekannt, was auch andere Dokumente nachweisen, womit die Leistungsexkursion, die durch das Betätigen der Notabschaltung ausgelöst wurde, auf eine Fehlkalkulation bei der Auslegung der Steuerstäbe zurückzuführen war, womit die Schuld beim Designer des Reaktors liegen würde.[16]
  • Testprogramm und Reaktornotkühlsystem: Im Falle eines Ausfalls der Stromversorgung und eines Kühlmittelverluststörfalls, dem größten anzunehmenden Unfall in einem RBMK-Kraftwerk, hatte Block 4 ein Reaktornotkühlsystem, bestehend aus drei schnell greifenden Systemen und drei langsamer greifenden Systemen. Normalerweise drücken zwei schnelle Systeme frisches Speisewasser passiv durch eine Gasblase in den Lagertanks, direkt in den Reaktor, ein drittes schnelles System nutzt elektrische Pumpen um Wasser in den Reaktor zu pumpen. Um diese mit Energie zu versorgen, bis die Dieselgeneratoren zur Verfügung stehen, wollte man durch eine spezielle Erregerschaltung die Restenergie des auslaufenden Turbogenerators nutzen. Nach dem Unfall gab es insbesondere darin Kritik, dass man sicherheitstechnisch nicht genug Vorbereitungen getroffen hatte, was seitens Djatlow so zwar auch bestätigt wurde, allerdings war es nicht möglich mehr Vorsorge zu treffen. Insbesondere die Isolation des Reaktornotkühlsystems wurde kritisiert, allerdings nach Autorisierung des Chefingenieurs nach den damaligen Vorschriften gestattet. Adolf Birkhofer von der Gesellschaft für Reaktorsicherheit bestätigte im Mai 1991, dass solche Vorschriften dazu führen, dass Fehler geschehen können, die zu ernsten Konsequenten führen würden. Djatow stimmte zwar mit dem ersten Teil der Äußerung Birkhofers überein, allerdings dementierte er, dass es eine potentielle Gefahr gebe, da das Eintreten des maximal projektierten Unfalls innerhalb dieser Zeit, in der für einige Zeit das Notkühlsystem isoliert wird, sehr unwahrscheinlich ist. Abseits dieser Kritik erklärte Djatlow, dass selbst ein funktionierendes Reaktornotühlsystem den Unfall nicht hätte aufhalten können und stehe deshalb in keiner direkten Verbindung zum Unfall. Um die Schuld auf die Operatoren zu schieben, erklärte die sowjetische Seite unter der Delegation von Legassow bei der Generalkonferenz in Wien 1987, dass ein aktiviertes Kernnotkühlsystem den Unfall hätte begrenzen können. Djatlow argumentierte insbesondere darauf, dass es zu dem Zeitpunkt, wenn das Notkühlsystem aktiviert worden wäre, bereits nichts mehr zu kühlen vorhanden gewesen wäre, da der Brennstoff bereits fragmentiert war, Druckröhren mehrfach gerissen waren und der Reaktor nicht mehr dort war, wo er hätte sein sollen, da er bereits durch die Explosion zerstört war.[16]
Nach Angabe von Djatlow hat der Unfallhergang im Reaktor keinen Zusammenhang mit dem Testprogramm am Turbogenerator, da dieser keinen Einfluss auf den Reaktor auswirken kann. Auch der Betrieb von vier Hauptumwälzpumpen auf jeder Reaktorseite anstatt drei, stellt kein Problem für den Reaktorbetrieb dar, da solche Betriebssituation auch während der Volllast des Blocks regelmäßig vorkommen, um die Pumpen nach Wartungen oder zu periodischen Prüfungen auf ihre Funktionalität zu testen. Hierzu gab es in der technischen Dokumentation detaillierte Angaben, weshalb es keinen Grund gab den Betrieb von vier Hauptumwälzpumpen zu kritisieren. Begrenzt ist der Einsatz der Pumpen lediglich im Bezug auf die Vibration des Brennstoffs in den Druckröhren durch einen zu hohen Kühlmittelstrom, wovon man aber in der Nacht des Unfalls weit entfernt war. Die sowjetische Delegaton kritisierte dies allerdings nicht in ihrem Bericht, erklärte aber, dass der Kühlmitteldruchsatz von zwei Pumpen unter diesen Umständen zu hoch angesetzt gewesen wäre. Djatlow dementierte dies allerdings, da die Pumpen aufgrund zu hohen Schlupfs bei niedriger Leistung die Förderhöhe nicht erreicht hätten. Daraus resultierte allerdings die nächste Kritik, dass durch den zu hohen Kühlmitteldruchsatz das Wasser am Reaktoreintritt nahe dem Sättigungspunkt erhitzt wurde und vor dem Sieden war. Djatlow dementierte dies, da aufgrund des Drucks der Pumpen solch ein Punkt nicht erreicht werden konnte, während allerdings die Sättigung vor den Hauptumwälzpumpen tatsächlich fast erreicht wurde, was den Normalbetrieb widerspiegelt, allerdings nicht dem Eintritt im Reaktor. Der letzte Punkt betrifft den Reaktor selber. Im ursprünglichen Verlauf wollte man bei 760 MWth den Turbosatz entladen, das heißt abschalten, was aus technischer Sicht nicht vorteilhaft ist, da die gesamte Energie aus dem Reaktor ohne Entspannung des Dampfes direkt in den Kondensator geleitet wird. Nach einem Streitgespräch zwischen de Kraftwerksschichtleiter, Boris Rogoschkin und dem Schichtleiter des vierten Blocks, Alexander Akimow, ließ Akimow nach und einigten sich beide Seiten die Reaktorleistung weiter zu reduzieren.[16]
Masse und Volumen des Dampfblasenkoeffizienten in Relation zur Reaktorleistung in Block-4
  • Niedrigere Leistung: Djatlow gibt an, dass es für diesen Betrieb zu keinem Zeitpunkt einen Verstoß gegen die Betriebsvorschriften gab, da es zum Zeitpunkt des Unfalls keine Restriktionen gab im Bezug auf spezifische Leistungen, die mit dem Reaktor gefahren werden können. Direkt geben die Regelungen sogar an, dass der Betrieb auf einer kleinen Leistung keiner direkten zeitlichen Regelung unterliegt und damit eine unbegrenzte Dauer über eine niedrige Leistung gefahren werden kann. Djatlow wies allerdings nach, dass der Reaktor im niedrigen Leistungsbereich tatsächlich eine Gefahr darstellte. In niedrigeren Leistungsbereich (siehe Grafik) kommt es zu einer größeren Dampfblasenbildung (rote Kennlinie) wodurch das Dampfvolumen höher liegt, als im Nennleistungsbereich unter Volllast. Die starke positive schnelle Reaktivität (Spaltung im schnellen Neutronenbereich), die den Reaktor zur Unfallkondition gebracht haben, resultierten damit aus den sehr großen positiven Voidkoeffizienten und dem zu schwachen negativen Dopplereffekt des Kernbrennstoffs. Berechnet wurde dieser Effekt nie, resultierend auch aus der Tatsache, dass die Reaktoren in der Regel nie in diesem Leistungsbereich über lange Zeit gefahren sind, weshalb dieses Problem im Normalbetrieb nicht auftrat. Ebenfalls war Djatlow oder der Öffentlichkeit bekannt, ob den Designern des Reaktors dieses Phänomen überhaupt bekannt war. Sowohl die Behörden, als auch das Kraftwerk kalkulierten regelmäßig den schnellen Leistungskoeffizienten, der nicht im positiven Bereich liegen darf, da sonst der Reaktor mit einem schnellen Neutronenspektrum arbeiten würde, ähnlich wie ein Brutreaktor. Die letzte Kalkulation für den Block unter Volllast ergab einen schnellen Leistungskoeffizienten von -1.7×10-4β pro MW.[16]
Um 0:28 Uhr des 26. April, als die Leistung des Reaktors abgefallen war, gab es keine anmerkungswürdigen Probleme, die seitens Djatlow angemerkt wurden. Aufgrund der Situation und der Tatsache, dass man den Versuch durchführen wollte, begann das Personal nach Djatlows Beobachtungen den Reaktor wieder anzufahren, hauptsächlich aber über die Änderung des Sättigungspunktes und über das automatische Kontrollsystem, unterstützt durch geringe Entfernung manueller Steuerstäbe. Die Automatik habe aber nach Aussage Djatlows garantiert, dass ständig 15 Steuerstäbe im Reaktor waren. Die so genannte Steinberg-Kommission rechnete diese Ereignisse nach anhand der thermischen Leistung. Djatlow kritisierte dies allerdings, da es keinen fixen Wert gibt, da die Reaktorleistung nur kalkuliert wird anhand der Neutronenaktivität. Alle anderen Parameter werden anhand von Messpunkten im thermohydraulischen Kreislauf des Kühlsystems gesammelt und eine Leistung errechnet. Die korrekte Leistung des Reaktors war daher in diesem Leistungszustand nicht feststellbar. Nach dem Anfahren fixierte man den Wert von 200 MWth, was nach Ansicht von Djatlow genug war für das Durchführen des nötigen Testprogramms. Kritisiert wurde seitens der sowjetischen Delegation bei der IAEA, dass man das Abschaltsignal des Reaktors bei Abschaltung beider Turbogeneratoren blockierte und dann die Turbine für den Versuch abschaltete. Tatsächlich aber gaben die Betriebsvorschriften eindeutig vor, dass bei einer elektrischen Leistung unter 100 MW auf dem verbleibenden Generator der Reaktorschutz bei Turbinenschnellschluss isoliert werden darf, weshalb Akimow dies auch so tat. Aus dem gleichen Grund wurde auch der Ansprechdruck für die Turbinenschnellabschaltung von 55 auf 50 kg/cm2 gesenkt, außerdem die Reaktorschnellabschaltung bei hohen Druck im Reaktorsystem ebenfalls blockiert. Kurz vor dem Versuchsbeginn war der Reaktor in einem stabilen Zustand und unter Konditionen, die keinerlei Verletzung der damals gültigen Reglementierungen darstellten. Aufgrund dessen gab es keinen Grund nicht den Test durchzuführen.[16]
Schematischer Steuerstabaufbau in Block-4: Während das Wasser und der Absorber die Reaktivität senken, schiebt der Graphitverdränger beim Einfahren das Neutronenfeld nach unten und verursacht eine positive Reaktivität im unteren Reaktorbereich
  • Steuerstabdefekt:[16]
Kritik an INSAG-7

Im Jahr 1995 gab im Rahmen der zwei Jahre zuvor geschehenen Veröffentlichung des INSAG-Berichts 7 Anatoli Djatlow eine Stellungnahme in der Zeitschrift Nuclear Engineering International ab. Dabei kritisierte er einige Stellen des Berichts heftig, die teilweise nicht der Physik entsprechen und teilweise gelogen seien. Zwar wurden einige Aktualisierungen der Unfallversion seit der INSAG-1 vorgenommen, dennoch hat Djatlow einige Mängel daran entdeckt, die immer noch falsch formuliert seien:

  • Unterkühlung des Speisewassers
INSAG-7 (para 2.9): „These conditions led to the onset of boiling at or near the bottom of the core.“
INSAG-7 behauptet, dass aufgrund der hohen Kühlmitteldurchsatzes durch den Reaktor das Speisewasser zu heiß wurde und auf der rechten Seite des Reaktor begann vor dem Eintritt in den Kern zu kochen. Der Bericht vermutet, dass daher eine thermohydraulische Instabilität des Reaktors geschaffen wurde, was Djatlow allerdings bereits in einem Brief aus dem Jahr 1987 an den Direktor der IAEA, Hans Blix, sendete. Darin erklärte er, dass die Unterkühlung des Speisewassers die Differenz zwischen der Temperatur in den Dampfabscheidern und am Kerneintritt ist. Er gesteht ein, dass durch einen erhöhten Kühlmitteldurchsatz diese Temperatur ansteigt, allerdings steigt mit der höheren Temperatur auch der Druck stärker an, weshalb das Speisewasser erst nach Austritt aus den Druckröhren beginnen kann zu kochen und zu verdampfen. Bei niedrigem Leistungsstadium des Reaktors beginnt der Kochvorgang in den obersten Bereich der Druckröhrenableitung hin zu den Dampfabscheidern. Umso höher die Leistung des Reaktors erhöht wird, verschiebt sich dieser Punkt näher zu den Druckröhren, bleibt aber auf diese Leitungen beschränkt. Wird allerdings der Kühlmitteldurchsatz durch den Reaktor erhöht, so verschiebt sich der Punkt wieder weiter nach oben, sodass ein Verdampfen im Kern oder davor schlicht unmöglich ist. Auf Basis einer Umrechnungstabelle konnte Djatlow angeben, dass bei einer Reaktorleistung von 200 MW (bei einer Leistung im Kernzentrum von 160 MW) der Punkt, an dem das Speisewasser beginnt zu verdampfen, direkt am Austritt der Druckröhren stattfand und nicht vor dem Kern. Ansicht stimmt nicht mal, dass das Speisewasser zu heiß war, da der Reaktor im Normalbetrieb mit einer gleichbleibenden Temperatur in den Dampfabscheidern und in den Pumpen arbeitete.
INSAG-7 (para 5.2.3): „The reactor was operated with boiling of the coolant water in the core and at the same time with little or no subcooling at the pump intakes and at the core inlet. Such a mode of operation in itself could have led to a destructive accident [...] in view of the characteristics of positive reactivity feedback of the RBMK reactor.“
Djatlow erklärte diese Annahme für falsch, da der Reaktor immer mit siedendem Wasser arbeitet und nach den Regeln für RBMK-Anlagen immer mit einem minimalen oder keinem Temperaturunterschied zwischen Dampfabscheider und Pumpen. Ein Siedevorgang wird beim RBMK normalerweise bei jedem An- oder Abfahren, bei dem es zu Druckschwankungen in den Dampfabscheidern kommt, verursacht und damit zum kurzzeitigen Sieden innerhalb des Reaktors. Djatlow unterstellte der International Nuclear Safety Advisory Group dieses Problem auf das Verhalten des Betriebspersonals im Kernkraftwerk zurückzuführen. Djatlow konnte nachweisen, dass der Temperaturunterschied am 26. April 1986 bei 1 °C lag und mit der Betriebsnorm vereinbar war. Der Druck im Reaktor baute sich langsam auf.
  • Hauptumwälzpumpen

Tabelle http://www.rrc2.ru/book/app3_1.jpg

http://www.neimagazine.com/features/featurehow-it-was-an-operator-s-perspective/

http://www.neimagazine.com/features/featurewhy-insag-has-still-got-it-wrong/

Konstruktion des Reaktors

Explosion durch Erdbeben

Esoterische Behauptungen

Ja, will ich wirklich behandeln, auch wenn es Unsinn ist, will diese Theorien aber auch abspeisen. http://astromoscow.ru/node/500

Logische Zusammenfassung

Verantwortung und Haftung

Gerichtsprozess am 29. Juli 1987

Kosten

Völkerrecht

Insbesondere im Ausland war die Frage der Haftung für die Feldfrüchte, die nicht verkauft werden konnten und deren Kosten.[26]

Völkerrechtliche Prinzipien: Nach den Prinzipien der Staatenverantwortlichkeit haftet ein Staat für einen Schaden, den er durch schuldhaftes Verhalten auf dem Territorium eines anderen Staates verursacht. Hierbei stellt sich die Frage, ob bei dem technischen Standard und dem Sicherheitskonzept der sowjetischen Anlage nach heutigem Wissensstand ein grenzüberschreitender Schaden voraussehbar war. Vertrag: Das Übereinkommen über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigung vom 13.11.79 (BGBl. II, 1982, S. 374), das sowohl für die Bundesrepublik Deutschland als auch für die Sowjetunion am 16.3.83 in Kraft getreten ist (BGBl. II, 1983, S. 548), enthält die Verpflichtung zur Verringerung grenzüberschreitender Luftverschmutzungen (Art. 4) und bei einer Luftverunreinigung auf Ersuchen einer Partei frühzeitig in Konsultationen einzutreten (Art. 5). Es könnte die Aufgabe einer gern, diesem Übereinkommen einzusetzenden Arbeitsgruppe sein, multilateral über die Eingrenzung des Schadens und zukünftige Vorsorgemaßnahmen zu beraten. Konkrete Ansätze für einen Schadensausgleich enthält das Übereinkommen nicht. Atomgesetz: Für den Fall, daß die Sowjetunion für die Folgeschäden nicht oder nicht in ausreichendem Maße eintritt, begründet § 38 des Deutschen Atomgesetzes (BGBl. 1,1985, S. 1565) eine Ausgleichspflicht des Bundes. Die Bundesregierung hat bereits mehrfach öffentlich erklärt, daß sie die Schäden vorab aus- gleichen werde. Für die weitere Behandlung dieser Fragen wurde im Bundesjustizministerium ein Arbeitsstab eingerichtet.

Folgen des Unfalls

http://www.mns.gov.ua/chornobyl/20_year/03/n_report_ru.pdf

Politisch

http://www.pripyat-city.ru/forum/viewtopic.php?f=19&t=16&start=24 http://www.myslenedrevo.com.ua/uk/Sci/HistSources/Chornobyl/1986/05/15/VystuplenieMSGorbacheva.html

Deutschland

Adolf Birkhofer von der Reaktorsicherheitskommission erklärte in der Sondersitzung des deutschen Bundestags zu Tschernobyl am 14. Mai 1986, dass man nicht von Konsequenzen infolge des Unfalls in Tschernobyl für die deutschen Kernkraftwerke ausgehe, da das Sicherheitskonzept dieser Anlagen sich fundamental unterscheiden. Was man bis dahin über den Unfallablauf wusste, war nicht auf Anlagen in Deutschland übertragbar. Er hob zudem hervor, dass die Effekte, die während oder infolge des Unfalls auftraten, den deutschen Sicherheitsbehörden nicht unbekannt gewesen und in der Projektierung, als auch Sicherheitsanalysen, von deutschen Kernkraftwerken bereits berücksichtigt worden.[26]

Die SPD bekräftigte infolge des Unfalls ihren Beschluss von 1984 zum mittelfristigen Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie in Deutschland. Unter Leitung des ehemaligen Bundesforschungsministers Volker Hauff wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die den Zeitraum ermitteln sollte, wie lange die Kernenergie in Deutschland noch unersetzlich genutzt werden muss und bis wann ein Ausstieg theoretisch umsetzbar wäre.[26]

Die Grünen bekräftigten auf dem Parteitag in Hannover ihre Position, kompromisslos und sofort aus der Nutzung der Kernenergie aussteigen zu wollen. Rainer Trampert erklärte dazu wortwörtlich: „Wer nach Tschernobyl das Atomprogramm fortsetzt, der organisiert wissentlich den Atomtod. Das heißt für mich: Alle Atomparteien sind unsere Gegner. Auch die Atom-SPD.“ Im Rahmen dessen drohten die Grünen ihre Koalition in Hessen mit der SPD zu beenden, wenn die SPD nicht der Stilllegung aller Kernkraftwerke bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 1987 abwickeln werde.[26]

Österreich

Trotz der jahrelangen Konservierung des Kernkraftwerks Tullnerfeld infolge der Volksabstimmung und der folgenden Nichtinbetriebnahme, prognostizierten Politikbeobachter, dass die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks nun infolge des Reaktorunfalls in Tschernobyl nun unmöglich geworden ist. Die EVN hemmte sich über Jahre die Anlage wegen der hohen Investitionen aufzugeben, wobei allerdings Tschernobyl nun ein eleganter Grund sein könnte, diese Abschreibung doch umzusetzen. Auch infolge der Tatsache, dass es diverse Verkaufsverbote auch in Österreich gab.[26]

Wirtschaftlich

Gesellschaftlich

In Japan führten bereits angelaufene Proteste und diverse Bücher bereits kurze Zeit nach den Unfall in Tschernobyl dazu, dass viele Menschen in der Bevölkerung gegenüber Kernkraftwerken misstrauisch wurden. Dies führte beispielsweise dazu, dass 1988 ein einfacher Lastfolgetest des zweiten Blocks im Kernkraftwerk Ikata dazu führte, dass es intensive Proteste in der Präfektur Ehime gab, da man eine enge Parallele des Lastfolgeversuchs zum Versuch im Kernkraftwerk Tschernobyl sah. Tatsächlich war der Test jedoch keine Parallele, sondern ein Testbetrieb, ob der Block, der ursprünglich für den Grundlastbetrieb ausgelegt wurde, auch die Lastfolge fahren kann, da in Japan aufgrund des schnellen Zubaus neuer Kernkraftwerke die installierte Leistung den Grundlastbedarf bereits überschritt und daher die Option im Raum stand, Kernkraftwerke auch im Mittellastbereich einzusetzen. Eine direkte Infragestellung der weiteren zivilen Nutzung der Kernenergie in diesem Land stand nicht im Raum, obwohl insbesondere ältere Personen aufgrund der militärischen Evakuierungsmaßnahmen nach den Kernwaffenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki immer noch Erinnerungen haben, die sie dazu bewegten, etwaige Protestbewegungen und Organisationen zu unterstützen.[39]

Radiologisch und Meteorologisch

Die radiologischen Auswirkungen spielen insbesondere im Bezug auf die Wetterlage eine Rolle. Am 26. April 1986 waren besondere Wetterverhältnisse vorherrschend, womit in den eigentlichen Annahmen nicht gerechnet wurde. Die Hauptwindrichtung für den Standort ist in der Regel West-Nordwest, was auch während des Unfalls so vorherrschte. Durch ein Hochdruckgebiet in der Nordukraine und Weißrussland drehte sich jedoch die Windrichtung im Laufe des Tages auf Süden....

http://www-ns.iaea.org/downloads/rw/projects/emras-urban-draft-pripyat-May06.pdf


Das im Vereinigten Königreich ansässige National Radiological Protection Board hatte am 15. Mai 1986 verschiedene Messwerte veröffentlicht, die bis zum 14. Mai 1986 in COMECON-Ländern erfasst wurden. Dabei wurden die höchsten Strahlendosen in der Sowjetunion in Moskau (0,2 µSv/h), Litauen (0,1 µSv/h), Kiew (30 µSv/h) und Tschernobyl (150 µSv/h) gemessen. In Jugoslawien lag der höchste Wert bei 1,6 µSv/h, in Bulgarien bei 0,8 µSv/h, in Nordosten von Polen bei 4,5 µSv/h, in Warschau bei 0,4 µSv/h, in der Tschechoslowakei bei 0,9 µSv/h, in Ungarn bei 0,42&nbvsp;µSv/h und in Rumänien bei 3,6 µSv/h.[26]

Die Iod-131-Konzentration in Blattgemüse erreichte:[26]

  • Moskau 100 bis 500 Bq/kg
  • Kiew 300.000 bis 1.000.000 Bq/kg
  • Jugoslawien 200 bis 1000 Bq/kg
  • Warschau 10 bis 3000 Bq/kg
  • Polen 100 bis 70.000 Bq/kg
  • Tschechoslowakei 400 bis 15.000 Bq/kg
  • Ungarn 500 bis 9000 Bq/kg
  • Rumänien 1400 bis 3200 Bq/kg

Die Iod-131-Konzentration in Milch erreichte:[26]

  • Moskau 20 bis 40 Bq/l
  • Jugoslawien 50 bis 150 Bq/l
  • Nordosten von Polen 200 bis 2000 Bq/l
  • Tschechoslowakei 100 bis 500 Bq/l
  • Ungarn 50 bis 2600 Bq/l
  • Rumänien 420 Bq/l

Die Iod-131-Konzentration in Leitungswasser erreichte:[26]

  • Moskau 3 bis 5 Bq/l
  • Kiew 40 Bq/l
  • Bulgarien bis zu 10 Bq/l
  • Polen 0,2 bis 110 Bq/l
  • Tschechoslowakei 4 bis 10 Bq/l
  • Ungarn 0,1 bis 8 Bq/l
  • Rumänien 1 bis 3 Bq/l



In Deutschland legte am 1. Mai die Strahlenschutzkommission erstmals Grenzwerte fest, die sich auf eine Aktivität von Iod-131 in Milch von maximal 500 Bq/l und bei Blattgemüse auf 250 Bq/kg belaufen dürfen. Die Annahme war, dass dabei bei einem Kleinkind die Dosis des in der Schilddrüse aufgenommenen Iod-131 die Dosis von 30 µSv nicht überschreite. Die einzelnen zuständigen Behörden in den Ländern jedoch setzten die Grenzwerte noch niedriger an, wie beispielsweise Hessen mit 20 Bq/l Milch. Der Verkauf von Blattgemüse wurde über eine weile eingeschränkt, so gab es in Bayern diese Einschränlkung bis zum 10. Mai, in Nordrhein-Westfahlen bis zum 16. Mai. Insgesamt ging man davon aus, dass die durchschnittliche Mehrbelastung der Bevölkerung durch die belastete Nahrungsaufnahme bei 50 bis 30 µSv/Jahr lag.[26]


Die Belastung der Luft lag 10 Tage nach dem Reaktorunfall in der Bundesrepublik und West-Berlin wieder bei den Normalwerten, während das Erdreich nach wie vor Ende Mai erheblich über den normalen Werten lag.[26]

In Deutschland führten Messwerte und Erläuterungen zu diesen zu Unruhen, obwohl keine Gefährdung durch die erhöhten Werte vorlag. Dies führte dazu, dass einige Länder im Gegensatz zu den Bundesbehörden alleingänge vornahmen. Das Gesundheitministerium von Nordrhein-Westfahlen empfahl nach Bekanntgabe des Unfalls die nächsten 14 Tage nur noch in Schutzkleidung in Regen zu gehen, Kinder nicht in Sandkästen spielen zu lassen und Kontakt mit dem Boden zu vermeiden. Hessen gab die Anweisung Sportstätten mit Außengelände zu schließen, sowie Sand- und Rasenflächen zu meiden. Am weitesten ging die Umweltbehörde von Hamburg, die bei Regen den Pausengang der Schüler untersagte, sowie den Verkauf von Blattgemüse und Freilandanbau untersagte.[26]

http://www.proatom.ru/files/as71.pdf


Folgen Seite 5[18]



Messnetz Krümmel: https://books.google.de/books?ei=SYukUsXEM9He7Aaj6IDQCQ&hl=de&id=i7JUAAAAMAAJ&dq=nuclear+kruemmel&focus=searchwithinvolume&q=%22Kr%C3%BCmmel+KKK%22


Skandinavien, Detailiiert: [25][27]

Schweden: http://www.nytimes.com/1987/10/20/science/science-watch-lightning-in-fallout.html

Seitens der Europäischen Gemeinschaft gab es infolge des Unfalls Verhandlungen über gemeinsame Grenzwerte. Es gab die Initiative der Kommission aus den Mitgliedsstaaten verschiedene Vorschläge einzuholen über mögliche Grenzwerte. Zwei Wochen nach den Reaktorunfall gab es daher einen Einfuhrstopp für Obst und Gemüse aus Ostblockstaaten aufgrund eventueller Kontamination der Produkte. Hinzu kam zudem ein Importstopp für Fleischprodukte und lebende Nutztierte. Auf einen generellen Grenzwert für die gesamte europäische Gemeinschaft konnte man sich allerdings nicht einigen.[26]

Technisch

KKW: http://www.iaea.org/inis/collection/NCLCollectionStore/_Public/32/024/32024201.pdf

International

Infolge der schlechten Informationspolitik der Sowjetunion sicherte diese 14 Tage nach dem Reaktorunfall der IAEA zu, dass man zukünftig über schwere Unfälle in Nuklearanlagen auf dem Gebiet der Sowjetunion schneller informiere.[26]

Personal und Personen mit Lebensläufen

Terra globe icon light.png 55° 52′ 22″ N, 37° 20′ 49″ O - Memorial Mitino

Aus dem Kernkraftwerk

Interne

Externe

Turboatom Charkiw

Dontechenergo

Feuerwehr

Wissenschaftler

Beteiligte Schlüsselpersonen

Journalisten

Einzelnachweise

  1. a b c А. В. Носовский, u.a.: БЕЗОПАСНОСТЬ АТОМНЫХ СТАНЦИЙ: АВАРИЯ НА ЧЕРНОБЫЛЬСКОЙ АЭС - ОПЫТ ПРЕОДОЛЕНИЯ, ИЗВЛЕЧЕННЫЕ УРОКИ. 2006. Abgerufen am 09.06.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  2. North Atlantic Treaty Organization. Economics Directorate: CAEM, énergie, 1980-1990. In: NATO Colloquim Publications. Oriental Research Partners, 1981. ISBN 0892503416. Seite 124.
  3. Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - CHERNOBYL-5“ (englisch)
  4. Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - CHERNOBYL-6“ (englisch)
  5. architecxp: Интервью с Виктором Брюхановым, 21.11.2010. Abgerufen am 25.05.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  6. Leslie Dienes: The Soviet energy system: resource use and policies. In: Scripta series in geography. V. H. Winston, 1979. ISBN 0470266295. Seite 157, 161.
  7. a b c Wladimir M. Tschernousenko: Tschernobyl: Die Wahrheit. Rowohlt Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg 1992. ISBN 349806505X.
  8. a b c Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH: Tschernobyl – Zehn Jahre danach. Der Unfall und die Sicherheit der RBMK-Anlagen. GRS Köln, 1996. ISBN 3923875746.
  9. a b c International Nuclear Safety Advisory Group: The Chernobyl accident: updating of INSAG-1, INSAG-7 ; a report / by The International Nuclear Safety Advisory Group. International Atomic Energy Agency, Wien 1992. ISBN 9201046928.
  10. a b c d e f Waleri Alexejewitsch Legassow, u.a.: USSR State Committee on the utilization of atomic energy; The accident at the Chernobyl' Nuclear Power Plant and its consequences. Information compiled for the IAEA Experts' Meeting, 25 - 29 August 1986, Vienna. IAEA-Meeting vom 25. bis 29. August 1986, Wien, 1. Internationale Tschernobyl-Konferenz. (Online-Version)
  11. РИА Новости: Инженер, который спас Курчатов от участи Чернобыля, 25.04.2011. Abgerufen am 24.01.2015. (Archivierte Version bei WebCite)
  12. В.К. Давыдов (ГУП НИКИЭТ): РАСЧЕТЫ КРИТИЧЕСКИХ ЭКСПЕРИМЕНТОВ НА НАЧАЛЬНЫХ ЗАГРУЗКАХ РЕАКТОРОВ РБМК С ИСПОЛЬЗОВАНИЕМ ПРЕЦИЗИОННЫХ КОДОВ. НИКИĖТ, 2006. ISBN 5726206339. Seite 151, 152. Abgerufen am 02.01.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  13. № 24. Повідомлення Опергруп КДБ СРСР та КДБ УРСР про хід робіт з ліквідації наслідків аварії на Чорнобильській АЕС. 1 травня 1986 р. (Online-Version) (Haupttext russisch)
  14. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd М. А. Абрамов (ГУП НИКИЭТ): Канальный ядерный энергетический реактор РБМК. НИКИĖТ, 2006. ISBN 5987060184.
  15. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap aq ar as at au av aw ax ay az ba bb bc bd be bf bg bh bi bj bk bl bm bn bo bp bq br bs bt bu bv bw bx by bz ca cb cc cd ce cf cg ch ci cj ck cl cm cn co cp cq cr cs ct cu cv cw cx cy cz da db dc dd de df dg dh di dj dk dl dm dn do dp dq dr ds Николай Васильевич Карпан: Чернобыль. Месть мирного атома. Киев: ЧП «Кантри Лайф», 2005.
  16. a b c d e f g Nuclear Engineering International: How it was: an operator's perspective, November 1991. Abgerufen am 17.11.2015. (Archivierte Version bei WebCite)
  17. a b c Славутицька ЗОШ І-ІІІ ступенів № 1: ХОДЕМЧУК ВАЛЕРІЙ ИЛЛІЧ 24.03.1951 - 26.04.1986. Abgerufen am 04.05.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  18. a b c d e f g h i j EMRAS Urban Remediation Working Group: Scenario for modeling changes in radiological conditions in contaminated urban environments, Mai 2006. Abgerufen am 30.08.2015. (Archivierte Version bei WebCite)
  19. a b c d e Tutiempo Network: Climate MOZYR April - 1986. Abgerufen am 04.05.2019. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  20. a b c d e Tutiempo Network: Climate SARNY April - 1986. Abgerufen am 04.05.2019. (Archivierte Version bei Internet Archive)
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Siehe auch

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