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Energiediät

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Demonstration für die Energiediät in Berlin

Bei der Energiediät, im Grünsprech Energiewende genannt, handelt es sich um ein Energiekonzept, das von Gegnern der kapitalistischen Massenwohlstandsgesellschaft propagiert wird. Ziel ist seit über 50 Jahren die Halbierung des Primärenergiebedarfs einer Industrienation, um das Atomzeitalter abwickeln zu können. Die Begründung dafür wurde stets dem Zeitgeist angepasst, ebenso die konkrete Ausgestaltung. Dahinter steht die grüne Verschwörungstheorie, dass technische Geräte mehr Energie verbrauchen, als zur Erfüllung ihrer Aufgabe notwendig sei. Diese baut auf der längst widerlegten linken Legende auf, wonach der marktwirtschaftliche Prozess zur Ressourcenallokation ineffizient sei, und der rationale Plan von oben bessere Ergebnisse erzielen würde. Entsprechend setzen auch alle Energiekonzepte, die von grünen Vordenkern erdacht wurden, auf planwirtschaftliche Eingriffe des Staates in Wirtschaft und Gesellschaft.

Vorspiel

Mit der Lebensreformbewegung formte sich Mitte des 19. Jahrhunderts insbesondere von Deutschland und der Schweiz eine Gegenbewegung zur Industrialisierung. Die Menschheit sollte in einen fiktiven Naturzustand zurückversetzt werden. Der Kern dieser ewiggestrigen Gruppen mit ökologischer Landwirtschaft, vegetarischer Ernährung ohne alkoholische Getränke und Tabakrauchen, Naturheilkunde, Yoga und Reformpädagogik bilden heute das Fundament der sogenannten „Grünen“. Diese Gruppen hatten damals alle einen Hang nach rechts; Anthroposophie, Germanenschwärmerei, Arierkult und anderer esoterischer Unsinn waren damals Mainstream. Mit dem Nationalsozialismus kamen diese Gruppen an die Macht.[1]

Diese ökoreligiöse Sichtweise schlug sich auch auf die Pläne einer Energieversorgung nieder. Die deutsche Stromversorgung sollte naturnah auf Windkraft umgestellt werden. Im Februar 1932 berichtet der „Völkische Beobachter“ über die Vision eines „riesenhaften Projekts“ des Erfinders Hermann Honnef. Die Verwirklichung, heißt es, würde „eine völlige Umwälzung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse herbeiführen“. Die „Reichskrafttürme“ sollen im Herzen der Großstädte stehen und mehrere Windräder mit je 60 Metern Durchmesser auf einem 250 Meter hohen Turm vereinigen. Damit könne die „nationale Großversorgung“ mit Strom gesichert werden.[2] Das Linzer Volksblatt vom 2. März 1932 bereitete die Massen auf das Kommende vor:[3]

„Unsere heutige Großkrafterzeugung ist im wesentlichen auf der Kohle aufgebaut; das ist nach zwei Richtungen äußerst nachteilig: einmal ist die Verbrennung der Kohle in der Kesselfeuerung die roheste und am wenigsten wirksame Ausnützung der in der Kohle enthaltenen Wertstoffe, zweitens ist die Kohle eine Energieform, die sich nicht erneuert. Mit jedem Zentner Kohle, den wir verbrauchen, wird die Erde um einen Naturschatz ärmer und wenn auch nach der Berechnung der Geologen auf absehbare Zeit hinaus noch nicht mit einer Verknappung dieses unseres wichtigsten Energiespenders zu rechnen ist, so besteht doch keinerlei Zweifel daran, daß der Zeitpunkt einmal erreicht werden wird, zu dem die Kohlenvorräte der Erde sich ihrem Ende nähern. Eine auf lange Sicht betriebene Energiewirtschaft sollte daher in erster Linie darauf bedacht sein, solche Energien auszunützen, die uns die Natur immer wieder aufs neue schenkt.“

Präsentiert wurden die Wasserkraft und die Windkraft, wobei nicht vergessen wurde zu erwähnen, dass zukünftige Windkraftwerke billigeren Strom als „die einfachsten und billigsten Dampfkraftwerke“ erzeugen würden. Die unstetige Erzeugung des so erzeugten Stroms sollte durch geographische Verteilung der Windkraftanlagen kompensiert werden. Weiter schrieb das nationalsozialistisch gleichgeschaltete Blatt:

„Natürlich würde, da der Wind auch während der Nacht weht, ein beträchtlicher Überschußstrom erzeugt werden, für den kein unmittelbarer Absatz vorhanden wäre. Diesen Strom will Honnef zum Teil in den vorhandenen Wasserspeicheranlagen aufspeichern, zum Teil zur Erzeugung billigen Wasserstoffes verwenden. Da der Strom nach den honnefschen Berechnungen zum Bruchteil eines Pfennigs je Kilowattstunde erzeugt werden könnte, ergäben sich ganz neue Anwendungsmöglichkeiten der elektrischen Energie: [...] Ein neues, weiteres Gebiet würde die Erzeugung billigen Wasserstoffes erschließen. Bereits heute wird am Wasserstoffmotor gearbeitet. [...] Aber auch neue Probleme, wie das der elektrischen Erdbeheizung in der Landwirtschaft, könnten eine durchgreifende Lösung finden, wenn Überschußstrom nahezu kostenlos abgegeben werden könnte.“

Die Dauerbeschallung durch die rechtsgrün gleichgeschaltete Presse ging am Beispiel des Linzer Volksblattes am 10. Juni desselben Jahres weiter, als unter der Überschrift „Kraft aus der Luft“ zum Bau der ersten Versuchsanlage in Berlin verkündet wurde:[4]

„Die Erzeugung des Strom stellt sich sehr billig, da die Kraft ja umsonst geliefert wird. [...] Die Riesenmenge Überschußstrom, die nicht von der „Bewag“ abgenommen wird, soll dazu verwendet werden, Wasserstoff zu erzeugen. Hierfür gibt es heute soviel Verwendungsmöglichkeiten, daß man getrost von einem kommenden Wasserstoffzeitalter sprechen kann“

Nach dem Ende der ersten Öko-Diktatur auf deutschem Boden, mit ihrer manischen Fokussierung auf Biologie und Natur, waren die Ökos und Esoteriker von der politischen Bildfläche verschwunden. Die goldenen Zeiten des Wirtschaftswunders in einer bürgerlichen, liberalen, konservativen und technokratischen Gesellschaft mit schlankem Staat und geringen Steuern und Staatsquoten begann. Die Gegner der modernen Industrie- und Massenwohlstandsgesellschaft waren nicht verschwunden, aber ihr Wirkungskreis war beschränkt. Der rechtsdrehende „Philosoph“ Martin Heidegger verwarf zB 1954 in „Die Frage nach der Technik“ die Vernutzung der Natur:[F]

„Das in der modernen Technik waltende Entbergen ist ein Herausfordern, das an die Natur das Ansinnen stellt, Energie zu liefern, die als solche herausgefördert und gespeichert werden kann. Gilt dies aber nicht auch von der alten Windmühle? Nein. Ihre Flügel drehen sich zwar im Winde, seinem Wehen bleiben sie unmittelbar anheimgegeben. Die Windmühle erschließt aber nicht Energien der Luftströmung, um sie zu speichern. Ein Landstrich wird dagegen in die Förderung von Kohle und Erzen herausgefordert. Das Erdreich entbirgt sich jetzt als Kohlenrevier, der Boden als Erzlagerstätte. Anders erscheint das Feld, das der Bauer vormals bestellte, wobei bestellen noch hieß: hegen und pflegen. Das bäuerliche Tun fordert den Ackerboden nicht heraus. Im Säen des Korns gibt es die Saat den Wachstumskräften anheim und hütet ihr Gedeihen. Inzwischen ist auch die Feldbestellung in den Sog eines andersgearteten Bestellens geraten, das die Natur stellt. Es stellt sie im Sinne der Herausforderung. Ackerbau ist jetzt motorisierte Ernährungsindustrie. Die Luft wird auf die Abgabe von Stickstoff hin gestellt, der Boden auf Erze, das Erz z.B. auf Uran, dieses auf Atomenergie, die zur Zerstörung oder friedlichen Nutzung entbunden werden kann.
Das Stellen, das die Naturenergien herausfordert, ist ein Fördern in einem doppelten Sinne. Es fördert, indem es erschließt und herausstellt. Dieses Fördern bleibt jedoch im voraus darauf abgestellt, anderes zu fördern, d.h. vorwärts zu treiben in die größtmögliche Nutzung bei geringstem Aufwand. Die im Kohlenrevier geförderte Kohle wird nicht gestellt, damit sie nur überhaupt und irgendwo vorhanden sei. Sie lagert, d.h. sie ist zur Stelle für die Bestellung der in ihr gespeicherten Sonnenwärme. Diese wird herausgefordert auf Hitze, die bestellt ist, Dampf zu liefern, dessen Druck das Getriebe treibt, wodurch eine Fabrik in Betrieb bleibt.
Das Wasserkraftwerk ist in den Rheinstrom gestellt. Es stellt ihn auf seinen Wasserdruck, der die Turbinen daraufhin stellt, sich zu drehen, welche Drehung diejenige Maschine umtreibt, deren Getriebe den elektrischen Strom herstellt, für den die Überlandzentrale und ihr Stromnetz zur Strombeförderung bestellt sind. Im Bereich dieser ineinandergreifenden Folgen der Bestellung elektrischer Energie erscheint auch der Rheinstrom als etwas Bestelltes. Das Wasserkraftwerk ist nicht in den Rheinstrom gebaut wie die alte Holzbrücke, die seit Jahrhunderten Ufer mit Ufer verbindet. Vielmehr ist der Strom in das Kraftwerk verbaut. Er ist, was er jetzt als Strom ist, nämlich Wasserdrucklieferant, aus dem Wesen des Kraftwerks.

Heideggers mystische, ästhetisierende Perspektive kritisiert die Vernutzung der Natur. Statt dessen sollte sich der Mensch der Natur anheimgeben, sich von ihr und ihren Launen abhängig machen. Aus dieser Perspektive bleibt nur Sonnen- und Windkraft, um die Natur nicht herauszufordern. Diese Ansicht wurde 1969 von Barry Commoner aufgegriffen, der den Übergang zu sich erneuernden Energieformen[C] forderte, um die moderne Zivilisation in Harmonie mit der Ökosphäre zu bringen, und die Planwirtschaft als am besten dafür geeignet ansah. Auch Kommunisten wie Murray Bookchin forderten bereits 1962 die Rückkehr zur Agrargesellschaft.[5]

Dies war die Phase, als die Linken das antikapitalistische Potential des Ökologismus erkannten, um aus der sozialistischen Mangelwirtschaft eine nachhaltige Tugend zu machen. Ideengeber hier waren Andrei Sacharow, Iwan Timofejewitsch Frolow, Rudolf Bahro und Wolfgang Harich, um nur ein paar zu nennen. Aus den Schriften dieser Vordenker gehen alle Forderungen, Ideen und Sprachbilder der heutigen Grünen hervor. Besonders hervorzuheben ist Wolfgang Harich, der in der sogenannten „DDR“ an der Humboldt-Universität zu Berlin eine Marxismus-Professur innehatte. Harich war einer der großen kommunistischen Theoretiker; er erkannte, dass der Sozialismus des 21. Jahrhunderts nur noch mit dem Druckmittel der Ökologie legitimiert und durchgesetzt werden kann. Die Idee aller kommunistischen Vordenker war dabei wie folgt: Wenn die Planwirtschaft des Sozialismus nur Mangel und Verzicht erzeugt, und der kapitalistische Westen volle Regale und Überfluss hat, muss der Mangel zur Tugend und der Konsum zur Umweltsünde erklärt werden. Harich, der auch in SPIEGEL-Interviews keinen Hehl daraus machte, dass er ein Stalinist war und die kommunistische Diktatur wollte,[6] schrieb dazu in seinem lesenswerten Buch Kommunismus ohne Wachstum – Babeuf und der "Club of Rome":

„Unserem Programm der Bedürfnisbefriedigung müssen wir, mit dem Vorsatz, es in ökologisch verantwortbaren Grenzen zu halten, eine differenzierende kritische Bestandsaufnahme all der Bedürfnisse vorausschicken, die sich im Verlauf des Geschichtsprozesses beim Menschen herausgebildet haben (...) Wobei es dann selektiv zu unterscheiden gilt zwischen solchen Bedürfnissen, die beizubehalten, als Kulturerbe zu pflegen, ja gegebenenfalls erst zu erwecken bzw. noch zu steigern sind, und anderen, die den Menschen abzugewöhnen sein werden - soweit möglich, mittels Umerziehung und aufklärender Überzeugung, doch, falls nötig, auch durch rigorose Unterdrückungsmaßnahmen, etwa durch Stillegung ganzer Produktionszweige, begleitet von gesetzlich verfügten Massen-Entziehungskuren. (...) Daß ich deren politische Omnipotenz [der DDR-Führung], wie überhaupt die autoritären Strukturen unseres Systems, für überlebensnotwendig erkläre, kann ihr (...) nur recht sein. (...) Mit Pluralismus, mit dem Ruf nach mehr Freiheit u. dgl. habe ich offensichtlich nichts im Sinn; ganz im Gegenteil.“

Mit Harich und den anderen linksgrünen Vordenkern kamen nun Elemente in das Denken, die vorher bei den Rechtsgrünen nicht vorhanden waren: Das Flugzeug, Automobil und Kernkraftwerk als Feindbild, die Reduzierung der Bevölkerung besonders in den Industriestaaten, die Forderung nach Ersetzungsmigration der dritten in die erste Welt, das Ideal einer zentral geplanten und gesteuerten Verzichtsgesellschaft, Forderungen nach Milliardenüberweisungen von der Ersten in die dritte Welt, der Klimatod durch Kohlensäuregase in der Atmosphäre usw usf. Diese „Dissidenten“, die zwar mit dem Marxismus-Leninismus über Kreuz lagen, aber das kommunistische Endziel stets vor Augen hatten, übten auf die geschlagene Linke in den westlichen Industrieländern eine ungeheure Sogwirkung aus. Linke Massenmedien wie der SPIEGEL halfen dabei, ihre Ideen zu verbreiten. Als 1980 die Partei der „Grünen“ gegründet wurde, traten K-Gruppen, Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) und andere linksextreme Gruppierungen praktisch geschlossen in die noch junge Partei ein. Da es sich um eine kommunistische Abspaltungbewegung handelt, hat sich dafür der Begriff der Wassermelonen eingebürgert: Dünne grüne Schale, innen rot mit braunen Kernen.

Energiekonzepte

Sanfte Energie

1976 veröffentlichte das Magazin Foreign Affairs einen Artikel von Amory B. Lovins, einem Mitglied der Öko-NGO Friends of the Earth (in Deutschland BUND).[E][7] Er stellte dort sein Konzept für eine zukünftige Energieversorgung vor, die er später in seinem Buch Soft Energy Paths: Towards a Durable Peace (1979) detaillierter darlegte. Lovins stellte die Prämisse auf, dass es zwei Pfade gebe, entlang derer sich die Energieversorgung der USA in den nächsten 50 Jahren entwickeln könne. Der eine sei ein Festhalten am bisherigen Weg, wie er auch von der Regierung vertreten werde. Er sei durch die Zentralisierung von Hochtechnologie geprägt, mit dem Ziel, immer mehr Energie zu produzieren, besonders Elektrizität. Der zweite Pfad sei durch eine Verpflichtung zu einer effizienten Energienutzung, und einer raschen Entwicklung hin zu sogenannten „Erneuerbaren Energien“[C] gekennzeichnet, mit dem Ziel, in Menge und Qualität die Bedürfnisse der Endverbraucher zu decken, mit fossilen Technologien als Übergangslösung („special transitional fossil-fuel technologies“). Beide Pfade würden sich, so Lovins, gegenseitig ausschließen. Denn die Entscheidung für den ersten Pfad würde den zweiten Pfad überflüssig machen.[8]

Die offizielle US-Energiepolitik hatte ihren Schwerpunkt auf Kohle, Öl, Gas und Kernspaltung was kurzsichtig sei. "Unkonventionelle" Energieversorgung sollte erst ab dem Jahr 2000 eine signifikante Rolle spielen, und sei nur vage durch Brutreaktoren, Fusionsreaktoren und Solarenergie angedeutet. Lovins behauptete ferner, dass die aktuelle Energiepolitik durch Subventionen die Energiepreise niedrig halten würde, um das Wirtschaftswachstum nicht zu beschädigen. Ferner behauptete Lovins, dass in den nächsten zehn Jahren (1976–1985) sich die Öl- und Gasförderung verstärkt Richtung offshore und Alaska verlagern werde, und weitere 900 Bohrtürme in 48 Staaten erfordern würde. 170 neue Kohleminen würden öffnen, ebenso 100 neue Uranminen, 40 Brennelementefabriken und drei Wiederaufarbeitungsanlagen. Der Energiebedarf würde sich verdoppeln, daher seien weitere 180 Kohlekraftwerke, über 140 zusätzliche Kernkraftwerke, 60 neue Wasserkraftwerke und 100 neue Pumpspeicherkraftwerke und 350 neue Gaskraftwerke in den USA nötig. Wenn der Trend sich fortsetzte, so Lovins, würden im Jahr 2000 450 bis 800 Kernkraftwerke erforderlich sein, 500 bis 800 Kohlekraftwerke, 1000 bis 1600 neue Kohleminen und 15 Millionen Elektroautos. Dies würde eine Verdopplung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bedeuten, was das globale Klima ändern würde.[A][8]

Diese Energiestrategie sei, so Lovins, defizitär, da sie ineffizient sei (die Häfte der Energie ginge auf dem Weg zum Verbraucher verloren) und teuer: Die Investitionskosten zur Erschließung von Kohleflötzen und Erdöl seien beständig am steigen, was auch für Systeme zur Stromerzeugung gelte. Deshalb sei der Punkt erreicht, an dem sich kaum noch ein Land zentralisierte Hochtechnologie leisten könnte. Entsprechend würden sich die Kosten für eine Kilowattstunde in zehn Jahren verdreifachen, davon würden 2/3 Kapitaldienst sein. Energie würde vielfach unbezahlbar werden. Als maßgebliche Lösung für das von ihm selbst konstruierte Problem sah Lovins das Energiesparen:[8]

First, we can plug leaks and use thriftier technologies to produce exactly the same output of goods and services — and bads and nuisances— as before, substituting other resources (capital, design, management, care, etc.) for some of the energy we formerly used. When measures of this type use today's technologies, are advantageous today by conventional economic criteria, and have no significant effect on life-styles, they are called "technical fixes." In addition, or instead, we can make and use a smaller quantity or a different mix of the outputs themselves, thus to some degree changing (or reflecting ulterior changes in) our life-styles. We might do this because of changes in personal values, rationing by price or otherwise, mandatory curtailments, or gentler inducements. Such "social changes" include car-pooling, smaller cars, mass transit, bicycles, walking, opening windows, dressing to suit the weather, and extensively recycling materials. Technical fixes, on the other hand, include thermal insulation, heat-pumps (devices like air conditioners which move heat around—often in either direction—rather than making it from scratch), more efficient furnaces and car engines, less overlighting and overventilation in commercial buildings, and recuperators for waste heat in industrial processes.
Abb.1 Amory B. Lovins Energiediät für die USA. Angepeilt wurden ca 50 % Verbrauchsreduzierung

Er behauptete, dass diese "technical fixes" die Energieeffizienz in den USA um den Faktor 3 bis 4 anheben könnten; zumindest sei eine Verdoppelung der Energieeffizienz möglich. Er verwies darauf, dass Schweden pro Kopf 1/3 weniger Energie verbrauchte als die USA, und das Kraftfahrzeuge des Jahres 1976 im Schnitt 27% weniger Kraftstoff verbrauchen würden als die Modelle des Jahres 1974. Die Kapitaleinsparungen durch Energieeinsparungen seien so groß, dass bei Neubauten die Zusatzkosten zum Energiesparen mit den geringeren Heiz- und Kühlkosten ausgeglichen würden. Ferner könnte bis 1985 die Industrie durch Nutzung der Abwärme der Industrieanlagen zur Stromerzeugung (Abwärmekraftwerke) etwa die Hälfte ihres Strombedarfs decken.[8]

Die Kraft-Wärme-Kopplung würde ebenso wie Fernwärme durch staatliche Regulierung zurückgehalten, ebenso wie alle anderen durch Lovins propagierten Optionen. Über 3000 sinnlose Bauvorschriften, eine innovationsscheue Industrie, Gewerkschaften, Festpreise für Heizungs- und Klimaanlageneinbau in Gebäude, unsinnige Steuer- und Hypothekenvorschriften, zweideutige Signale an Konsumenten, fehlender Zugang zu den Kapitalmärkten, verteilte Zuständigkeiten in der Regierung usw. seien das Problem.[8]

Lovins propagierte die Abschaffung von Industriestrom-Rabatten bzw eine Invertierung, dh Mehrkosten bei höherem Stromverbrauch, sowie eine ökologisierte Kostenrechnung („pricing energy according to what extra supplies will cost in the long run“, „charging environmental costs“), eine Abschaffung von Subventionen, eine Auswahl von Energieerzeugunganlagen gemäß ihrer Lebenszykluskosten und mehr Wettbewerb im Energiesektor, um eine (O-Ton) nachhaltige, menschliche Energieversorgung zu erreichen. In der Frage, in wiefern eine Umerziehung der Bevölkerung notwendig sei zeigte sich Amory Lovins optimistisch. Die "technical fixes" würden bereits zu einer Verdopplung der Energieeffizienz führen, sodass eine Änderung des Lebensstils kaum bzw nicht nötig sei.[8]

Die Zielstruktur, die sich Lovins vorstellte, war sogenannte „Sanfte Energie“. Diese sollte sich durch folgende Charakteristika auszeichnen: Sogenannte „erneuerbare Energie“[C] wie Wind, Sonne und Vegetation, die stets vorhanden sind. Die Anlagen sollten divers sein, so dass jede Anlage nur einen minimalen Beitrag zur gesamten Produktion liefert. Jede Anlage müsste für maximale Effektivität für ihre jeweiligen Umstände optimiert sein. Ferner sollte nur low-tech verwendet werden. Lovins nennt hier „easy to understand and use without esoteric skills, accessible rather than arcane“ was eine Verachtung von Naturwissenschaft, Technik und Fachwissen bedeutet. Die räumliche Verteilung und Anpassung an die Endverbraucher sollte ebenso gewährleistet sein wie die Energiequalität.[8] Mit Energiequalität meinte Lovins das Ergebnis für die Endverbraucher. So nennt er als Beispiel, dass nur 8% des Energiebedarfs elektrische Energie in der Endanwendung sei, die momentanen 13% Elektrizität am Energiebedarf kämen nur dadurch zu Stande, dass Strom auch zum Kühlen und Heizen verwendet würde. Dies sei Aufgrund der Gesetze der Physik ineffizient, da der Wirkungsgrad eines Kraftwerks bei nur einem Drittel läge. Ferner forderte er eine Reduzierung der kommerziellen Beleuchtung, da so zusammen mit Energieeinsparung ("technical fixes") alle Kohle-, Gas- und Kernkraftwerke abgeschaltet werden könnten, und Strom nur aus Wasser- und Abwärmekraftwerken kommen sollte:[8]

So limited are the U.S. end uses that really require electricity that by applying careful technical fixes to them we could reduce their 8 percent total to about 5 percent (mainly by reducing commercial overlighting), whereupon we could probably cover all those needs with present U.S. hydroelectric capacity plus the cogeneration capacity available in the mid-to-late 1980s. Thus an affluent industrial economy could advantageously operate with no central power stations at all!

Er stellt korrekt fest, dass etwa die Hälfte der Stromrechnung aus Netzkosten besteht, und diese durch eine lokalisierte Energieerzeugung sinken würden. Damit würden auch Übertragungsverluste im Netz reduziert werden. Durch viele kleine Einheiten zur Energieerzeugung würden auch große, teure Reservekraftwerke eingespart werden können. Durch Massenproduktion vieler kleiner Einheiten sollten die Kosten pro Einheit sinken. Solarkollektoren auf Hausdächern sollten zu kommunalen Wärmespeichern zusammengeschlossen werden. Biomass-to-Liquid sollte Kraftstoffimporte zu einem Drittel ersetzen, wobei die Mobilität dreimal so energieeffizient wie 1976 sein sollte, sodass 100% der Mobilität durch Biomasse erreicht werde. Windkraftwerke sollten Kernkraftwerke ersetzen, wobei die launenhafte Einspeisung ausgeklammert wird, denn: Das Netz ist der Speicher:[8]

Energy storage is often said to he a major problem of energy-income technologies. But this "problem" is largely an artifact of trying to recentralize, upgrade and redistribute inherently diffuse energy flows. Directly storing sunlight or wind—or, for that matter, electricity from any source— is indeed difficult on a large scale. But it is easy if done on a scale and in an energy quality matched to most end-use needs. Daily, even seasonal, storage of low- and medium-temperature heat at the point of use is straightforward with water tanks, rock beds, or perhaps fusible salts. Neighborhood heat storage is even cheaper. In industry, wind-generated compressed air can easily (and, with due care, safely) be stored to operate machinery: the technology is simple, cheap, reliable and highly developed. (Some cities even used to supply compressed air as a standard utility.) Installing pipes to distribute hot water (or compressed air) tends to be considerably cheaper than installing equivalent electric distribution capacity. Hydroelectricity is stored behind dams, and organic conversion yields readily stored liquid and gaseous fuels. On the whole, therefore, energy storage is much less of a problem in a soft energy economy than in a hard one

Als Brückentechnologie („transitional technologies“) wurde von Lovins die Kohle angesehen. Namentlich erwähnt wird die Wirbelschichtverbrennung für KWK-Kraftwerke, die Industriebetriebe versorgen sollten, und in einer Mini-Version für Haushalte. So könnte die Wärmeversorgung eines Distrikts aus Heißwassertanks erfolgen, die durch Solarkollektoren, oder Wärmepumpen die durch Windräder angetrieben werden, oder der Abwärme einer Fabrik, oder Geothermie oder was auch immer lokal gerade verfügbar sei gespeist würden. Abschließend schlägt Lovins noch ein Subventionsschema für Solarkollektoren als "Übergangslösung" vor.[8]

Die Ablehnung der Kernenergie wird zeitgeistgemäß mit dem angeblichen Proliferationsrisiko begründet. Die Gleichsetzung von Bombe mit Kraftwerk ist die Kernbegründung für „Sanfte Energie“ als Lösung für die Energieprobleme der Welt: Die USA sollten auf Kernkraftwerke verzichten, auf „Sanfte Energie“ setzen und andere Länder dabei unterstützen, und die Abschaffung der zivilen Kernenergienutzung und strategischen Rüstung auf eine Stufe setzen. Am Ende des Beitrags für Foreign Affairs folgt die übliche soziologische Kampfrhetorik gegen die etablierte Energiewirtschaft, gegen Kernenergie und für „Sanfte Energie“.[B][8]

Energiewende 1.0

Da der Ökosozialismus keinen Bezug zu Wissenschaft und Realität hat, wurde im Jahr 1977 das Öko-Institut in Freiburg gegründet um der Ökoreligion einen seriösen, wissenschaftlichen Anstrich zu verpassen. Ziel dieser Think-Tanks und pseudowissenschaftlichen Vereine ist es, jedes noch so irrelevante Thema nach Maßgabe der eigenen Ideologie zu behandeln, um durch Aufmerksamkeitsbewirtschaftung linksgrüne Gedankengänge in den Diskurs einzuspeisen.

Die meiste Publicity erntete die 1980 veröffentlichte Studie Energie-Wende : Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran ; ein Alternativ-Bericht des Öko-Institut, Freiburg. In ihr forderten die drei Wissenschaftler Florentin Krause, Hartmut Bossel und Karl-Friedrich Müller-Reißmann, dem Problem der Energieversorgung nicht mehr mit einem ständig steigenden Energieangebot zu begegnen, sondern der besseren Energienutzung und dem Energiesparen Vorrang zu geben. Bis zum Jahr 2030, so die These der drei Forscher, könne sich die Bundesrepublik von Energieimporten weitgehend unabhängig machen. Erdöl und Kernenergie seien überflüssig, heimische Kohle und „erneuernde Energiequellen“[C] würden ausreichen, wenn der Energiebedarf um mindestens vierzig Prozent reduziert würde.[9]

Die jahrelange Förderung der Kernenergie durch die Bundesregierung habe nur erreicht, dass gerade 10% des Stromverbrauchs und nur 2% des Endenergieverbrauchs durch Kernenergie gedeckt sei. Der Ausbau der Kernenergiebasis zusammen mit der großtechnischen Kohleverflüssigung sei nicht der richtige Weg, die Versorgungsunsicherheit zu lösen. Es käme darauf an, sich von der selbst geschaffenen Erdölabhängigkeit so schnell wie möglich wieder zu lösen. Die Geschwindigkeit der Substitution sei deshalb entscheidend. Aber selbst wenn es gelänge, wie vorgesehen zwei Kernreaktoren jährlich fertigzustellen, sei dies nicht genug, um den prognostizierten Energiebedarf des Jahres 2000 zu decken, und gleichzeitig den Verbrauch von Kohle, Öl und Gas zu reduzieren. Man erwartete von 1980 ausgehend mit 350 Mio. t SKE einen Anstieg des Energiebedarfs der Bundesrepublik bis ins Jahr 2000 auf 600 Mio. t SKE, wobei jedes Jahr durch den Bau zweier Kernkraftwerke zusätzliche 6 Mio. t SKE durch Kernenergie erzeugt würden. Auf Basis der selbst erstellten Energieprognosen kamen die Autoren zu dem Schluss: „Die Hoffnung, daß es mit dem geplanten Ausbau der Kernenergie logistisch möglich sei, das Öl frühzeitig und wirkungsvoll zu ersetzen, ist eine Illusion“ Ein weiteres Problem sei, dass Uran die falsche Art der Energie liefere: Bei der Stromerzeugung werde nur 6% des Mineralölverbrauchs eingesetzt, ferner seien 90% des Endenergiebedarfs nichtelektrisch.[10]

„Das Energieproblem der Bundesrepublik ist, wie wir uns in Zukunft billige Wärme und billige Treibstoffe beschaffen können. Uran kann man aber nicht in den Tank füllen oder in den Heizofen stecken. Wollte man die nicht stromspezifischen Funktionen des Heizens und Autofahrens mit Atomenergie versorgen, so müßte man folgende Maßnahmen ergreifen:[10]
Atomkraftwerke errichten, elektrische Verteilungsnetze ausbauen und elektrische Direktheizungen bzw. Wärmepumpen installieren und / oder Atomkraftwerke in die Nähe von größeren städtischen Zentren bauen und von dort aus Fernwärmenetze verlegen bzw. Fernenergiesysteme aufbauen — all dies, um eine Raumtemperatur von 20 Grad Celsius bzw. warmes Wasser zu liefern.
Atomkraftwerke bauen, elektrische Verteilungsleitungen ausbauen, ein elektrisches Tankstellensystem errichten, Elektroautos fahren (Reichweite 80 Kilometer).
Den nuklearen Hochtemperaturreaktor weiterentwickeln, so daß er — nach 2000 — vielleicht zur großtechnischen Kohleveredlung eingesetzt werden könnte.“

Ein solches System sei wegen der langen Bauzeiten schwerfällig und teuer. Ein Unfall wie in Harrisburg könnte die Ausbaupläne durcheinanderwerfen,[D] was in Folge dessen Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze gefährden würde. Da Strom der teuerste Energieträger sei, der zentral erzeugt und über weite Strecken transportiert werden müsse, sei das Heizen mit Strom unwirtschaftlich.[10]

„Wenn wir den Stromeinsatz auf die Bereiche des Heizens und Kraftfahrzeugantriebs ausdehnen, die bisher nicht elektrifiziert waren, oder wenn wir diese Bereiche in Zukunft über weitere ähnlich verlustreiche Umwandlungsstufen und Verteilungsnetze versorgten, wie sie die zentrale Stromerzeugung mit sich bringt, so würden die vom Bürger zu tragenden Energiekosten sich vervielfachen, zumal da die entsprechenden neuen Endverbrauchsgeräte (Elektroauto, Wärmepumpe, etc.) ebenfalls mit erheblichen Mehrkosten verbunden sind. [...] Können wir uns wirklich erlauben, den Wärmebedarf und den Antriebsbedarf der Kraftfahrzeuge mit einer Energieform zu decken, die um das fünf bis zehnfache teurer ist als die Energie, mit der wir unseren Nachkriegswohlstand aufgebaut und bisher betrieben haben?“
Abb. 2 Die Energiediät des Öko-Institutes mit der Energie-Wende. Angepeilt wurden ca. 50% Verbrauchsreduzierung

Das Heizen und Autofahren mit Strom sei unwirtschaftlich, statt dessen sollten „wir“ uns fragen, ob nicht „mehr Energie, mehr Arbeitsplätze und mehr Umweltsicherheit für weniger Geld durch bessere Energienutzung, durch den Einsatz fossiler Brennstoffe in dezentraler Kraftwärmekopplung und durch die Verwendung sich erneuernder Energieträger“ gewährleistet werden könne. Am Ende des Kapitels folgt eine scheinbare Kausalkette, für die keine belastbaren Argumente oder Erkenntnisse vorgelegt werden: So sei ohne Endlagerung kein Ausbau, ohne Zwischenlagerung kein Betrieb, ohne Wiederaufarbeitung kein Export der Kerntechnik möglich.[10]

Die Autoren versuchten aufzuzeigen, wie der Energiebedarf der Bundesrepublik unter das heutige Niveau (1982) gesenkt werden könne, ohne den Einsatz von Erdöl oder Kernbrennstoffen, und dass bei weiter steigendem Bruttosozialprodukt. Kurz gesagt ging es um den Versuch zu skizzieren, wie Wirtschaftswachstum vom Energieverbrauch entkoppelt werden könnte. Die Idee war auch hier, dass die Energieversorgung "angepasst" erfolgt, dh das zB die Nachfrage nach niedrigem Temperaturniveau durch Abwärme oder Solarwärme gedeckt wird. In Berechnung gestellt wurde auch der Strukturwandel, also das energieintensive Betriebe (Investitionsgüterindustrie, chemische Veredelungsindustrie, Stahl, Zement, usw) abwandern, während sich die Gesellschaft hin zu „Handel, Staat und sonstige(n) Dienstleistungen“ bewegt. Der spezifische Energieverbrauch, dh der Energieverbrauch pro BIP, würde sich allein dadurch um 40–50% reduzieren. Ferner wurde die Entwicklung der Bundesrepublik in Richtung Nullwachstum angenommen, mit einem stetig sinkenden Wachstum des BIP pro Kopf auf schließlich 0,5% in den Jahren 2021–2030. Ebenso wurde eine schrumpfende Bevölkerung von 57 Mio. im Jahr 2000 und 45 Mio. im Jahr 2030 angenommen. Die Autoren des Öko-Institutes geben dann eine Reihe von erstaunlichen Zahlen an, wo wie viel Energie eingespart werden könnte; nach Ansicht der Autoren wäre es kostengünstiger die Energie zu sparen als durch den Bau von Kraftwerken den Mehrbedarf zu decken.[10]

  • Raumheizung: Durch „schwedische Wärmedämmungspraxis“ und heiz- und regelungstechnische Verbesserungen könne 70% der Energie eingespart werden.
  • Auto: Eine Energieeinsparung von 60% sei möglich, als Beispiel wird der Unterschied zwischen einem VW Käfer und VW Golf Diesel genannt.
  • Industrielle Prozesswärme: Durch Wärmerückgewinnung, Abwärmenutzung, verbesserter Prozessführung und "neue Prozesse" seien 30% einsparbar.
  • Elektrische Haushaltsgeräte: Durch bessere Isolierung, bessere Motoren und Pumpen, Brauchwasseranschluss bei Geschirrspül- und Waschmaschinen, Wärmerückgewinnung bei Trocknern ließen sich fantastische 65% einsparen.
  • Elektrische Antriebe: Hier wird durch eine verbesserte Steuerung sowie eine „verbesserte Anpassung von Motorgröße an (die) Aufgabe“ ein großartiges Einsparungspotential von 30% gesehen.
Abb. 3 Konzept des Energiemixes mit Schwerpunkt Kohle

Für den Bedarf wurde ein Mix aus Kohle und „erneuerbarer Energieträger“[C] empfohlen (Abb. 3). Der Wärmeenergiebedarf der Haushalte und Kleinverbraucher sollte zu 50% durch Sonnenenergie gedeckt werden, der Rest aus der Kohleverbrennung mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) nach der Wirbelschichttechnik. Der Niedertemperaturprozesswärmebedarf <300°C würde zu zwei Dritteln durch kohle-befeuerte KWK-Anlagen gedeckt werden, das restliche Drittel mit Sonnenenergie (Solarkollektoren mit Speichersystemen). Die übrige industrielle Prozesswärme würde durch die direkte Verfeuerung von Kohle erzeugt. Der geschrumpfte Strombedarf sollte zu 40% durch Kohlekraftwerke mit KWK erzeugt werden, der Rest mittels Wasserkraft und Windkraft. Der Kraftstoffbedarf im Verkehrssektor sollte zu 65% durch Biomass-to-Liquid vom heimischen Acker gedeckt werden, der Rest „durch Importe aus flächenreicheren Nachbarländern bzw. durch Biostoffproduktion auf landwirtschaftlichen Flächen, die bisher für die Fleischerzeugung beansprucht waren, jedoch aufgrund des Bevölkerungsrückgangs freigesetzt werden. Überdies besteht die Möglichkeit, Kohle in Methanol umzuwandeln (Kohleveredlung). Die bisherigen Verbrennungsmotoren würden beibehalten.“. Insgesamt würden 50% des Primärenergiebedarfs durch Kohle gedeckt werden, der Rest wäre durch naturinvasive Energien wie Wasser, Wind, Biomasse und Sonne zu decken. Die Frage, wie eine solche Energiediät erzwungen werden kann, wird vom Öko-Institut ebenfalls beantwortet:[10]

„Eine Erwartungssicherheit, bis wann wieviel Energie mindestens eingespart wird, läßt sich dadurch erreichen, daß man der Industrie, die die jeweilige energieverbrauchende Technik produziert, Rahmenbedingungen schafft, etwa in Form von Subventionen und gesetzlichen Vorschriften, die angeben, wieviel Energie z.B. ein im Jahre X produziertes Auto bzw. ein im Jahre Y hergestellter Kühlschrank höchstens verbrauchen kann. Dabei sind selbstverständlich gewisse Umstellungsfristen zu gewähren. Solche Produktnormen sind nichts Revolutionäres, denn es gibt sie ja schon, z.B. die Abgas- und Emissionsvorschriften für PKWs und Feuerungsanlagen bzw. die Bauvorschriften.“

Durch den Öko-Sozialismus in die Energiediät folgern die Autoren: „Langfristig gibt es, wie gezeigt wurde, keine Notwendigkeit, die Atomenergie einzusetzen. Kurzfristig haben wir unausgelastete Kraftwerkskapazitäten, und mittelfristig können wir die bessere Nutzungstechnik bei stromverbrauchenden Geräten und Maschinen bereits zum Greifen bringen oder die Windenergie, ohnehin vorgesehene Kohlekraftwerke und die Kraft-Wärmekopplung, einsetzen, sodaß jeder Engpaß bei der Stromversorgung vermeidbar wäre. Wir können also die Kernkraftwerke umgehend abschalten, wenn wir diese Möglichkeiten nutzen.“ Das Ende der Studie bilden die üblichen Negativfloskeln gegen Kernenergie. Einwände gegen die Energiediät werden mit Öl-, Strom- und Kraftwerkskonzernen in Verbindung gebracht, um diese als Lobbyismus zu diskreditieren.[10]

Energiewende 2.0

Nach der rot-grünen Machtergreifung gab im September 2010 die Bundesregierung ihre Pläne zur Umstellung der Energieversorgung in Deutschland bekannt. Der ewige grüne Traum von „Sanfter Energie“ und „Energie-Wende“ sollte umgesetzt werden. In der Zwischenzeit hatte sich allerdings, befördert durch die Thatcher-Regierung in Großbritannien, die damit die Kernenergie fördern, und die streikenden Kohlebergwerkarbeiter deklassieren wollte, die Hypothese von einer menschengemachten „Klimaerwärmung“ durchgesetzt.[11] Strategisch basiert die 2010 ausgerufene „Energiewende“ deshalb auf Angst: Angst vor den hypothetischen Gefahren eines hypothetischen menschengemachten Klimawandels, und Angst vor radioaktiver Strahlung. Ein positives Zukunftsbild wird nicht vermittelt.[12] Alle seit 2010 vorgenommenen Anpassungen der Zielvorstellungen ändern das Gesamtkonzept der „Energiewende“ nicht, sondern verschoben die politischen Forderungen nur stärker in Richtung Utopismus. Die Vorstellungen der Energiewende 2.0 sind hier nach dem Stand von 2010 skizziert.[13]

Abb. 4 Der geplante deutsche Energiemix 2050
Abb. 5 Die Energiediät bis 2050. Angepeilt werden ca 50 % Verbrauchsreduzierung

Neben den Zielen der Energiewende 1.0 soll die Verwendung der mit Kohlendioxid-Emissionen verbundenen Primärenergieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas sukzessive verringert werden. Naturinvasive Energieformen (NIEs) wie Sonne, Wind und Biomasse sollen statt dessen ausgebaut werden. Wie von den grünen Vordenkern angedacht gelten neu zu errichtende Kohle- und Gaskraftwerke als Brücke in die Zukunft.[12] Die Zielszenarien für die Zukunft der deutschen Energieversorgung wurden dabei von der Politik vorgegeben. Die geplante Reduzierung von Treibhausgasemissionen (-40% bis 2020, -85% bis 2050, jeweils gegenüber 1990) und der geplante Anteil der NIEs am Primärenergieverbrauch von 50% in 2050 wurden festgeschrieben. Andere denkbare Zukünfte wurden nicht berechnet und berücksichtigt. Die allen kalkulierten Szenarien gemeinsamen Eckdaten sind die Folgenden:[14]

  • Um die Zielstellungen zu erreichen, muss der Primärenergieverbrauch gegenüber 1990 halbiert werden, wie bereits durch „Sanfte Energie“ und „Energie-Wende“ aufgezeigt. Dies kann nur gelingen, wenn Maßnahmen ergriffen werden, die die Energieeffizienz um etwa 2,5% pro Jahr steigern. In den letzten 20 Jahren konnten etwa 1,9% pro Jahr realisiert werden. Dieser Wert wird auch im Referenzszenario ohne Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke angesetzt und führt zu einem Rückgang des Primärenergieverbrauches um etwa 34%.
  • Um die Zielstellungen zu erreichen, muss der Bedarf an elektrischem Strom um etwa 30% gegenüber 2008 sinken (von etwa 635 TWh auf etwa 450 TWh). Gleichzeitig wird Deutschland vom Stromexporteur zum Stromimporteur. Während 2008 noch der gesamte Bedarf im Inland produziert werden konnte (und zusätzlich etwa 20 TWh ins Ausland verkauft wurden), können im Jahr 2050 nur noch etwa 350 TWh bereitgestellt werden. Etwa 100 TWh sind zuzukaufen.

Die Energiewende 2.0 wird also einerseits mit der Verringerung der Abhängigkeit von Importen von Primärenergieträgern begründet, andererseits aber schafft sie eine Abhängigkeit von Stromimporten, die weiter nicht thematisiert wird. Den Hauptanteil an der Senkung von Primärenergie- und Stromverbrauch haben in allen Szenarien die privaten Haushalte zu tragen. Hierzu sind, wie bereits 1980 vom Öko-Institut gefordert, Zwangsmaßnahmen erforderlich, die erhebliche Kosten verursachen. Diese wurden 2010 von den Gutachtern der Energiewende auch detailliert dargestellt. Besonders im Stromverbrauch wurde eine radikale Trendumkehr gefordert: Zwar sank der Primärenergieverbrauch in Deutschland seit 1990, der Stromverbrauch stieg aber leicht an. Dazu kommt:[14]

  • Die NIEs müssen im Jahr 2050 etwa 3.000 bis 3.500 PJ an Primärenergie liefern (gegenüber etwa 1.200 PJ im Jahr 2008). Ungefähr 60% dieser Menge entfallen auf die Nutzung von Biomasse, 20% auf die Nutzung von Windenergie (On- wie Offshore) und die restlichen 20% entfallen auf Solarthermie, Geothermie, Photovoltaik, Wasserkraft sowie Müllverbrennung und Deponiegase (in der Reihenfolge ihrer Bedeutung). Gegenüber 2008 müssen die Biomassekapazitäten also mehr als verdoppelt und die Windenergienutzung sogar mehr als verdreifacht werden. Den stärksten Ausbau erfährt die Geothermie (Faktor 130), aber auf niedrigem absoluten Niveau.
  • Neben dem endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie nach Ablauf der Laufzeitverlängerung beschreiben die Szenarien auch den Ausstieg aus der Verstromung von Braunkohle.
  • Laut den Gutachtern der Energiewende wird „Der annahmegemäß zunehmende Stromeinsatz durch Elektromobilität [wird] in den Szenarien durch rückläufigen Stromverbrauch in der Industrie, den Haushalten und im GHD-Sektor [Gewerbe, Handel und Dienstleistungen] überkompensiert.[13], dh trotz Elektromobilität soll erheblich weniger Strom verbraucht werden als heute.

Die Szenarien sahen vor, dass das Bruttoinlandsprodukt bis 2050 im Schnitt um real 0,8% pro Jahr steigt, was der Forderung nach einem Trend zum Nullwachstum der „Energie-Wende“ entspricht. Die Preise für Heizöl und Benzin sollten um 1 bis 1,5% pro Jahr steigen, der Gaspreis um 0,7% und die Strompreise sollten weitgehend unverändert bleiben, ebenso die Beschäftigungszahlen.[14] Abbildung 4 stellt die Situation 2012 der des Jahres 2050 gegenüber. Bezogen auf den Bedarf des Jahres 2010 steigt der Anteil der NIEs also nicht von 9 auf 50%, wie oft in den Medien kolportiert, sondern lediglich auf 25%. Der angesetzte Gesamtbedarf von 6600 PJ entspricht etwa dem des unter den Kriegsfolgen leidenden Deutschlands (Ost und West) des Jahres 1950, der Mix mit Biomasse als wichtigstem Energieträger etwa dem des Deutschen Reiches aus dem Jahr 1880.[12]

Wie bei den öko-sozialistischen Plänen von „Sanfter Energie“ und „Energie-Wende“ erfolgt eine Neudefinition des Begriffes „Verfügbarkeit“. In kapitalistischen Systemen ist die Stromversorgung darauf ausgerichtet, das Angebot an die Nachfrage anzupassen. Man bekommt so viel Strom wie man braucht, wann immer man will. Die Energiewende erfordert allerdings eine Ausrichtung des Bedarfs am Angebot, wie in der Mangelwirtschaft des Ostblocks üblich. Man hat sich als Verbraucher in Zukunft danach zu richten, wann denn der Energieversorger Strom im Angebot hat – und wann nicht. Ein System von sogenannten „intelligenten Zählern“ mit Fernüberwachung und ferngesteuerten Haushaltsgeräten und ebenso ferngesteuerter Aufladung von Elektromobilen soll diese Verhaltensänderung erzwingen.[14]


Fazit

Die Entwicklung

Da sich die Forderungen der grünen Energiehasser im Laufe der Jahre im Detail änderten, soll hier die Entwicklung der grünen Positionen aufgezeigt werden. Im Kontrast dazu sollen die Vorstellungen des Atomzeitalters gesetzt werden. Diese werden aus den Bänden der Verlagsreihe Das neue Universum, die bis in die 70er Jahre einen ökologismusfreien Blick auf die Welt boten, dem Buch Zukunft – Das Bild der Welt von morgen (1974) und den in der sogenannten „DDR“ herausgegebenen Werken unsere welt von morgen (1960) und gigant atom (1960) genommen. Der Inhalt dieser Bücher ist recht ähnlich, obwohl aus BRD und DDR, da alle auf Basis eines physikalisch-technischen Weltbildes von Fachleuten geschrieben wurden.

  • Die grüne 42: Die Preise für Kraftwerke steigen? Der Energieverbrauch muss um die Hälfte reduziert, und alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden! Der Energieverbrauch steigt linear mit dem Wirtschaftswachstum? Der Energieverbrauch muss um die Hälfte reduziert, und alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden! Die Abhängigkeit von Erdölimporten ist zu groß? Der Energieverbrauch muss um die Hälfte reduziert, und alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden! Die Ablösung des Erdöls geht nicht schnell genug voran? Der Energieverbrauch muss um die Hälfte reduziert, und alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden! Das Spurengas CO2 bedroht das Klima? Der Energieverbrauch muss um die Hälfte reduziert, und alle Kernkraftwerke abgeschaltet werden! Egal was in den letzten 50 Jahren als Problem aufkam, die grüne Position ist immer die Gleiche.
  • Verzicht: Die Vision des Atomzeitalters war steigender Wohlstand für alle Menschen, was mit einem steigenden Energieverbrauch einher geht.[15] Die ökoreligiöse Behauptung ist hingegen, dass der Primärenergieverbrauch um die Hälfte reduziert werden kann, ohne größere Wohlstandeinbußen. Im Gegenteil, der Verzicht auf Energieverbrauch würde es ermöglichen auf teure Großkraftwerke zu verzichten, was die Kosten der Energieeinsparung wieder wett machen würde.[10][8] Dazu wurden phantastische Zahlen zu möglichen Effizienzsteigerungen genannt. Warum dieses Energiesparpotential in einer Marktwirtschaft, wo kein Käufer mehr Geld ausgeben möchte als unbedingt nötig, nicht von selbst genutzt wird, wurde leider nie beantwortet.
  • Dezentralität: Um den Bau von großen, teuren Kraftwerken zu vermeiden wurde von Amory Lovins vorgeschlagen, viele kleine, technisch einfache Anlagen zu errichten. Der Ausfall einer Anlage im Verbund, sei es auf Grund der Wetterlage oder technischer Defekte, wiegt dadurch weniger schwer. Daher wurde ein solches Szenario auch als dezentral bezeichnet, weil es in der Nähe der Verbraucher und geographisch angepasst sein sollte. Ein weiterer Vorteil davon ist, dass die Transportverluste geringer sind.[8] Bei der Energie-Wende des Öko-Institutes spielte dies schon keine Rolle mehr, weil Kohle die Masse der Primärenergie bereitstellen sollte.[10] Bei der Energiewende der Bundesregierung sollen Windräder in der Nordsee über „Stromautobahnen“ Elektrizität nach Süddeutschland leiten. Das Wort „dezentral“ wurde dabei umdefiniert, anstatt das elektrische Energie verbrauchernah erzeugt wird, hat es nun die Bedeutung „quer durch Deutschland“. Im Atomzeitalter spielt Dezentralität nur insofern eine Rolle, ob ein Standort wirtschaftlich betrieben werden kann. Kernkraftwerksstandorte sind in der Regel in der Nähe von Ballungszentren, also von Verbrauchern.
  • Innovation: Die Energiekonzepte beruhen auf einem asymmetrischen Denkansatz. Auf der Angebotsseite werden nur die Energieträger und Energietechnologien berücksichtigt, damals bereits verfügbar waren. Auf der Nachfrageseite dagegen werden hinsichtlich der energetischen Effizienz Technologien erwartet, von denen heute noch nichts bekannt ist. Selbst als der Klimaschwindel keine Rolle spielte, wurden Erdgas, unkonventionelle Ölvorkommen, Methanhydrate und die Kernfusion vollkommen ausgeblendet. Das die Kernenergie keine Berücksichtigung findet, ist aufgrund der zum ökoreligiösen Dogma erhobenen Ablehnung immerhin noch nachvollziehbar. Trotzdem enthalten die grünen Zukunftsentwürfe als notwendige Bedingung die Abwesenheit jeglicher Innovation auf der Anbieterseite, während die Verbraucherseite alle Anstrengungen zu tragen hat.[16]
Laut Öko-Institut die ökologisch korrekte Fortbewegung: Golf Diesel ohne Abgasreinigung
  • Kraftwerke: Das alternative Energieversorgungssystem sollte „easy to understand and use without esoteric skills, accessible rather than arcane“ sein, weswegen auf Primitivtechnik wie mittelalterliche Windräder, Solarkollektoren, Erdwärme, Faulgase und Holzverbrennung gesetzt werden sollte.[8] Das die Energieerzeugung dieser Anlagen gegenüber dem Bestand wettbewerbsfähig ist, wurde nie bewiesen, und stillschweigend vorausgesetzt. In einem Stromnetz müssen Einspeisung und Verbrauch in jedem Augenblick gleich sein. In einem modernen Stromversorgungssystem sichern die rotierenden Massen der Turbogeneratoren der Großkraftwerke die Stabilität im Sekundenbereich, die Kesselreserven der Dampfkraftwerke im Minutenbereich. Darüber hinaus kommen schnell ansprechende Reservekraftwerke zum Zuge, in der Regel sind dies Gaskraftwerke. Umweltschädliche Solarzellen und mittelalterliche Windmühlen tragen nicht zur Netzstabilität bei. Sie erzeugen Strom gemäß den Launen des Wetters, der Tages- und Jahreszeit.[17] Bei Amory Lovins „Sanfter Energie“ wurde dies berücksichtigt, da Wasserkraftwerke und Abwärmekraftwerke gut und wirtschaftlich regelbar sind.[8] Bei der Energie-Wende sollte ca 50% des Stroms durch heimische Subventionskohle, und die andere Hälfte durch umweltschädliche Windkraftanlagen erzeugt werden. Die Kohlekraftwerke wären so für die Grund- und Regelleistung vorhanden, und durch das permanente Hoch- und Runterfahren entsprechend unwirtschaftlich. Die Verschleißfreundigkeit und Unwirtschaftlichkeit dieser Betriebszustände wird vom Öko-Institut nicht erwähnt.[10] Dies ist auch heute (2019) in Deutschland zu beobachten.[18]
  • Stromspeicher: Stromspeicher wie Pumpspeicherkraftwerke kommen in den grünen Pamphleten nicht vor. Bei Amory Lovins wird das Problem umgangen, indem Elektrizität bedarfsgerecht erzeugt wird. Andere Energieformen werden verbrauchsnah gespeichert. Bei der Energie-Wende wird die Frage der Differenz zwischen Erzeugung und Verbrauch ausgeklammert, vermutlich sollten die Kohlekraftwerke die Windschwankungen ausgleichen. Die Existenz von Pumpspeicherkraftwerken kommt in beiden ökoreligiösen Visionen nicht vor.[10][8] Entsprechend mager sind auch die Pläne der Energiewende 2.0, was die Speicherung von Energie angeht.[19]
  • Flächenbedarf: Mit der CO2-Klimakatastrophe haben sich die Energie-Wender in einen Double Bind gebracht: Sollte früher die verhasste Kernenergie durch sparen und Kohle überflüssig gemacht werden, mit naturinvasiven Energien (NIE) als postfossile Zukunftsfiktion, müssen nun Kohle und Kernenergie verschwinden. Entsprechend soll ganz Deutschland zum Acker werden: Nach den Plänen der Regierung soll 2050 etwa 60% der Primärenergie aus Faulgasen stammen, da Gaskraftwerke Regelleistung liefern müssen. Die erforderliche Anbaufläche betrüge dann laut Plänen 55.000 km². Die landwirtschaftliche Nutzfläche Deutschlands muss dazu erweitert werden – und es wird kaum möglich sein, diese deutlich auszuweiten, ohne Wälder zu roden. Da 2012 auf 45.000 km² Nahrungsmittel für Menschen angebaut werden, wird im Jahr 2050 der Flächenbedarf der Energiepflanzen größer sein, als der der Ernährung.[20] Um dies in Relation zu setzen: Die Fläche Bayerns beträgt 70.550 km². Das Öko-Institut plante bereits für die Energie-Wende „Biostoffproduktion auf landwirtschaftlichen Flächen, die bisher für die Fleischerzeugung beansprucht waren, jedoch aufgrund des Bevölkerungsrückgangs freigesetzt werden“ ein.[10] Durch die vorherrschende „No Border, No Nation“-Ideologie haben sich die Grünen auch hier in einen Double Bind gebracht, sodass die Staatsmedien Propaganda für fleischlose Ernährung machen müssen.
  • Automobil: Während das Atomzeitalter das Wasserstoff-, später Elektroauto als Zukunftstechnik propagierte, wurde dies von den grünen Vordenkern abgelehnt:[15][21][10][8] Die Technik sei ineffizient, zu teuer, und die Reichweite zu gering. Amory Lovins propagierte deshalb die Biomasseverflüssigung (BtL), das Öko-Institut wollte noch die Kohleverflüssigung und empfahl den Diesel. Die Energiewende der Bundesregierung setzt hingegen auf Wasserstoff- und Elektroautos, während gleichzeitig der Stromverbrauch drastisch sinken soll. Nun war der Verzicht auf Elektroautos bei Amory Lovins und dem Öko-Institut ein expliziter Grund, warum auf Kernenergie verzichtet werden könnte.[10][8] Auch hier haben sich die Energie-Wender mit dem CO2-Glauben in einen Double Bind gebracht.
  • Niedertemperaturwärme: Im Atomzeitalter sollte mit Atomstrom geheizt werden, da dieser im Überfluss vorhanden sei. Aber auch Wärmepumpen und Kraft-Wärme-Kopplung waren als Optionen auf dem Tisch. Das Heizen mit Strom wurde von Amory Lovins abgelehnt, da es energetisch unsinnig sei, und damit viel zu teuer. Statt dessen sollte ein dezentrales System aus verschiedenen Quellen lokale Wärmespeicher bespeisen, über die lokale Verbraucher ihre Niedertemperaturwärme beziehen.[8] Das Öko-Institut plante hingegen Kraft-Wärme-Kopplung und Kohleverbrennung als Wärmelieferant, das Heizen mit Elektroenergie wurde ebenfalls abgelehnt.[10] Die Energiewende 2.0 möchte hingegen wieder mit Strom heizen. Nun war der Verzicht auf elektrische Heizung/Wärmepumpen bei Amory Lovins und dem Öko-Institut aber ein expliziter Grund, warum auf Kernenergie verzichtet werden könnte.
  • Prozesswärme: Da Prozesswärme für chemische Prozesse benötigt wird, muss der Energiebedarf entweder zwingend aus Kohle bzw Erdgas kommen, wenn das chemische Verfahren dies erfordert (zB Stahl, Zement, Glas, Keramik), oder er wird bereits durch Strom gedeckt. Zumindest war angedacht, dass der Hochtemperaturreaktor neben Kohleverflüssigung (Fischer-Tropsch-Synthese) auch weitere Bedarfe von Hochtemperaturwärme abdecken sollte. Zur Frage der Prozesswärme machte sich Amory Lovins keine Gedanken, ebenso wenig das Öko-Institut oder die Bundesregierung mit ihrer Energiewende. Etwa ein Fünftel des Endenergiebedarfes entfallen auf die Bereitstellung von Prozesswärme, fast vollständig im produzierenden Gewerbe. Es gibt von den Ökologisten kein Konzept, noch nicht einmal irgendeinen inhaltlich konkretisierten Ansatz, mit welchen Maßnahmen dieser Energiebedarf verringert werden könnte, oder CO2-neutral gemacht werden könnte. Bei den etablierten Produktionsverfahren chemischer Grundprodukte wie Ammoniak, Butadien oder Ethylen ist Kohlenstoff auch als Reaktionsbeteiligter bzw als Bestandteil des Endproduktes erforderlich.[12]

Das Narrativ

Eine der Verheißungen des Atomzeitalters war es, das preiswerte Energie im Überfluss verfügbar sei. Inzwischen ist der Trend soweit fortgeschritten, das Strom ein typisches Flatrate-Produkt ist.[22] Bei einem Endverbraucherpreis von unter 15 ct/kWh liegen die Erzeugungskosten von Wasser-, Kern- und Kohlestrom in den USA bei 1 – 3,5 ct/kWh, wobei die Brennstoffkosten von Kernkraftwerken bei 0,6 ct/kWh liegen (inkl. 0,1 ct/kWh Entsorgungsabgabe).[23] Zu beachten ist nun, dass alle Kosten ausser den Brennstoffkosten Fixkosten sind. Wenn ein Abnehmer nichts abnimmt, aber sich das Recht vorbehält, jederzeit Strom bis zur vertraglichen Grenze seines Anschlusses zu beziehen, muss der Versorger die volle Kraftwerks- und Netzkapazität jederzeit vorhalten und natürlich die entstehenden Kosten tragen. Dies führt zu der paradoxen Situation, dass ein sinken des Stromverbrauches zu einer Erhöhung des Strompreises führt. Damit wird Strom zum Flatrate-Produkt: Weil wie beim Internet die Benutzung der Leitung gegenüber den Infrastrukturkosten kaum ins Gewicht fällt, zahlt der Kunde einen Fixpreis und kann dann bis zum Anschlussgrenzwert so viel verbrauchen wie er will. Zumindest wäre es aber aufgrund der Kostenstruktur richtig, eine sehr hohe Grundgebühr und einen sehr niedrigen kWh-Preis zu verlangen.[22]

Dies führt zum Schnittstellencharakter der Elektrizität: Wie bei USB ist es egal, was am einen oder anderen Ende der Leitung hängt. Beide Bereiche können unabhängig voneinander geplant, gebaut und optimiert werden. Auf der einen Seite wird für bedarfsgerechten, preiswerten Strom gesorgt, der immer dann aus der Leitung kommt, wenn an ihr gesaugt wird, auf der anderen Seite werden immer mehr Dinge elektrifiziert: Die Kerze und Gasbeleuchtung wurde durch das elektrische Licht ersetzt, die Dampflok durch die E-Lok, der Kohleherd durch den Elektroherd, das durch menschliche Biomasse angetriebene Fahrrad durch das E-Bike, und in Zukunft auch das Auto durch das Elektroauto. Hinzu kamen die elektronischen Rechenmaschinen und viele weitere Helferlein, die alle ohne Elektrizität nicht funktionieren würden.

Mit der mittelalterlichen Ökoreligion geriet die Kernenergie als Energiequelle der Zukunft in den Mittelpunkt des Hasses auf die Moderne. Allerdings spielte der Ökologismus damals in Deutschland keine Rolle, und wurde nur von Randgruppen vertreten: Gegen den Bau von Block A des Kernkraftwerkes Biblis erhob nur ein einzelner Bürger Einspruch, gegen Block B, welcher ab 1972 gebaut wurde, waren es ganze acht.[24] Als die islamischen Länder im Herbst 1973 wieder einmal Israel überfielen, und die OPEC flankierend die Fördermengen drosselte, um die westlichen Länder auf islamische Linie zu pressen, wurde den Industriestaaten die Abhängigkeit vom Erdöl schmerzlich deutlich. Als Reaktion auf die islamische Erpressung startete das Bundeswirtschaftsministerium unter Hans Friderichs (FDP) die Kampagne mit dem Titel „Energiesparen – unsere beste Energiequelle“; die Regierung Befahl rigide Tempolimits und autofreie Sonntage, wodurch die Gedanken in die Breite der Bevölkerung getragen wurden. Die Außerkraftsetzung des Marktmechanismus von Angebot und Nachfrage, gepaart mit staatlicher Verzichtspropaganda, haben hier ihren Ursprung. In anderen Ländern des Westens wurde ähnlich verfahren, sodass die grünen Misanthropen nun einen argumentativen Fuß in der Türe hatten. Das Overton-Fenster war verschoben.

Amory Lovins begründet seinen Schritt hin zu „Sanfter Energie“ nicht nur mit der Abhängigkeit vom Öl, sondern auch mit steigenden Kosten für Unternehmensanleihen, die Kraftwerke und Strom immer teurer machen würden. Wegen dieser steigenden Kosten sollte ein alternatives Energieversorgungssystem „easy to understand and use without esoteric skills, accessible rather than arcane“ sein.[8] Durch die Ölkrise kam es in den USA allerdings zu einer Stagflation, wo hohe Arbeitslosigkeit und Inflation zusammenkam. Die Leitzinsen wurden auf über 10% getrieben, was die Beschaffung von Kapital verteuerte.[25] Die steigenden Refinanzierungskosten für Kredite hatten also nichts mit den Kraftwerken selbst zu tun, und fielen mit sinkenden Leitzinsen wieder. Das Öko-Institut begründete seine Energie-Wende mit der Abhängigkeit vom Öl, wobei die Geschwindigkeit der Ablösung entscheidend sei. Eine relative Energieunabhängigkeit der Bundesrepublik sei ebenfalls erstrebenswert.[10] Wie bei Amory Lovins fällt auf, dass beide seitenweise über Energieverzicht schreiben. Das eigentliche Kernproblem der Zeit, die durch die Ölkrise gezeigte Erdölabhängigkeit vor allem des automobilen Sektors, wird mit ein paar Sätzen mit Biomass-to-Liquid (BtL) bzw BtL und Kohleverflüssigung beantwortet. Dafür wird in manischer Fokussierung immer und immer wieder von Energieverzicht und Einsparungspotential geschrieben, und die Kernenergie als überflüssig dargestellt. Energieverzicht bzw Energiesparen war nun die Tugend, das Ziel das angestrebt werden sollte, um auf Kernenergie verzichten zu können – natürlich nur, wenn der Staat die Energiediät für alles und jeden befiehlt. Das Overton-Fenster wurde weiter verschoben, der Türöffner Erdölabhängigkeit war aus dem Fokus, herein kam die Verzichtsdiktatur Wolfgang Harichs.

Das Narrativ wurde im Zuge des Reaktorunfalls von Tschernobyl weiter gesponnen. Diese hysterischen Reaktionen auf ein bedeutungsloses Strahlenrisiko, und die von Medien, Politikern und Öko-Aktivisten suggerierte Möglichkeit, dass sich das Unglück auch in Deutschland wiederholen könnte, änderte die politische Landschaft in Deutschland radikal: Die Mainstreampresse begann nun mit Hilfe von Ökoideologen die Solarenergie als Zukunftstechnik zu bewerben. Bereits wenige Monate später schrieb der SPIEGEL, der damals noch Leitmedium statt Abstiegskandidat war, in der Ausgabe 21/1986 vom „Einstieg in den Ausstieg?“[26] und in der Ausgabe 24/1986 „Sonne statt Kernkraft“:[27]

Werbung für den S-Weg mit Sonne
„Daß die Sonnenenergie mehr ist als das Hobby einiger Öko-Techniker, daß sie auch für die Länder der nördlichen Hemisphäre eine realistische Alternative zur Atomkraft darstellt - dies blieb einem breiteren Publikum bislang verschlossen. Beleg- und beweisbar ist dies schon seit einigen Jahren. [...] Die Bundesrepublik stehe, so hat eine Arbeitsgruppe unter Leitung der Professoren Klaus Michael Meyer-Abich und Bertram Schefold in einer detaillierten Analyse herausgearbeitet, gegenwärtig in einer "Verzweigungssituation". Sie müsse sich, wie alle anderen Industriestaaten, entscheiden, welchen Energiepfad sie für die nächsten Jahrzehnte einschlage, den K-Weg, der mit einem weiteren Ausbau der Kernenergie verbunden ist; oder den S-Weg, der vor allem auf der Sonnenenergie und dem Sparen von Energie beruht. Das verblüffende Resultat der Forscher-Arbeit war, daß mit dem Beschreiten des S-Pfads keinerlei Wachstums- und Wohlstandseinbußen verbunden wären. Mit vielen Computer-Rechnungen belegen die Forscher: Wenn Investitions-Milliarden nicht in gigantische Atomanlagen gesteckt werden, sondern mit dem Geld Häuser gedämmt, Heizungsanlagen modernisiert und Solartechnik installiert wird - dann läßt sich auf dem S-Pfad mindestens der gleiche Lebensstandard erreichen wie auf dem gefährlichen K-Pfad. [...] Bauerschmidt und andere Wissenschaftler - darunter vor allem der Amerikaner Amory Lovins, das Freiburger Öko-Institut und der ehemalige Atomwissenschaftler Klaus Traube - haben längst die Mär widerlegt, daß die Industriegesellschaften allein mit der Atomkraft eine Zukunft haben. Bei gleichbleibendem Wohlstand erfordern die K- und die S-Strategie, der harte Weg über die Kernenergie und der sanfte Weg über Sonne und Sparen, einen etwa gleich hohen Investitionsaufwand. Die Betriebskosten liegen für die Sonne- und Spar-Variante laut Bauerschmidt sogar noch "wesentlich niedriger" als für die Atomkraft; die Brennstoffkosten sind auf dem S-Pfad "etwas günstiger". Fazit: "Sonnenenergie und die Energiequelle Energieeinsparung erlauben das gleiche Komfortniveau wie die Atomenergie zum etwa gleichen Preis"“

Bertram Schefold ist nicht nur Mitglied des wissenschaftlichen Beratergremiums für die Veröffentlichung der Marx-Engels-Gesamtausgabe durch die internationale Marx-Engels-Stiftung, sondern hat es inzwischen auch zum Berater des Deutschen Bundestages und von Länderparlamenten in Fragen der Energiepolitik gebracht. Sein vom SPIEGEL zitiertes Buch „Die Grenzen der Atomwirtschaft“ schließt sich strukturell an die „Sanfte Energie“ und „Energie-Wende“ an, nur mit dem Fokus auf Sonnenenergie.[27] Die Kernideen, dass sich die Kernkraft durch Verzicht und „erneuerbare Energie“[C] wegsparen ließe, und das ohne Wohlstandseinbußen, dass sich die Menschheit an einem Scheideweg befände usw usf entspricht den vorangegangenen Werken. In Instrumentalisierung des Reaktorunfalls von Tschernobyl wird der Kritik an der Kernenergie aber mehr Raum eingeräumt, als in den vorangegangenen Pamphleten.

Die Verbreitung dieses wirtschaftlichen Unsinns durch SPIEGEL und Co. schuf das öffentliche Bewusstsein, und legte den Grundstein für die sogenannte „Energiewende“, die pflichtschuldig der Solarenergie die höchsten Einspeisevergütungen zuwies. Geschichten, dass die Sonne keine Rechnung schickt, oder das Märchen das Sonne und Wind am Ende günstiger seien, werden auch heute noch regelmäßig wiederholt. Beliebt ist auch die Aussage, dass wertloser Zufallsstrom aus Wind und Sonne netzstabilisierend wirken würde.

Um die linksgrünen Strukturen weiter politisch zu festigen, wurde 1992 der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) im Umfeld der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung, UNCED („Erdgipfel von Rio de Janeiro“) von der deutschen Bundesregierung als Beratungsgremium eingerichtet. Der Trend wurde nach der Machtergreifung von Rot-Grün fortgesetzt. 2001 wurde der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) als weiteres grünes Beeinflussungsorgan in die deutsche Politik gesetzt. Damit wurde eine direkte Pipeline für die Öko-Ideologie in die Politik gelegt, dh es spielt letztlich keine Rolle, welche Partei an der Macht ist: Alle Politikberatungen aus dieser Ecke werden immer linksgrünen Narrativen folgen, sodass linksgrüne Politik die Folge ist. Dem Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) kommt dabei die Aufgabe zu, sich als Öko-Sowjet mit jedem beliebigen Thema auseinanderzusetzen, und dies nach Maßgabe der Öko-Ideologie zu behandeln, um damit Zuständigkeit und Scheinexpertise zu suggerieren, um den Marsch in die Öko-Diktatur zu ebnen. Hauptwerk dazu ist das Hauptgutachten „Welt im Wandel - Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“. Darin finden sich bemerkenswerte Sätze wie:[28]

„Die kolossale Herausforderung für die Modernisierung repräsentativer Demokratien besteht nun darin, zur Gewinnung von zusätzlicher Legitimation mehr formale Beteiligungschancen zu institutionalisieren, diese zugleich aber an einen inhaltlichen Wertekonsens nachhaltiger Politik zu binden, damit „mehr Partizipation“ im Ergebnis nicht zu „weniger Nachhaltigkeit“ führt.“

„Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ soll Walter Ulbricht (SED) gesagt haben, und diesen Geist atmet eben auch dieses Nachhaltigkeitspostulat wie es im WBGU vertreten wird.[29] Gleiches gilt auch für Claus Leggewie, ein Hauptautor des WBGU Gutachtens »Welt im Wandel« und sogenannter 68er. In einer SWR-Sendung im Jahr 2015 meinte er zur Arbeit des WBGU:

„Ich bin Anhänger einer erörternden deliberalen Demokratie, die solche Entscheidungen, die wirklich auf Jahrzehnte Infrastrukturen schaffen, wo man sich genau überlegen muss was man tut, die halte ich für besser, dass man sich grundsätzlich überlegt, auch mit den Bürgern. Da gibt es auch Modelle. Wir sind gerade dabei an einem Modell zur arbeiten, was wir die Konsultative nennen, also eine Art vierte Gewalt. […] Wir nennen es gewissermaßen eine vierte Gewalt, weil sie neben Exekutive und Legislative, Judikative, eine Beratungsinstanz aufbaut, mit Blick in die Zukunft. [...] Die zentrale Aufgabe der „Konsultativen“ ist die Erarbeitung eines gesellschaftlichen Leitbildes, ausgehend von der Frage: In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Dieses Leitbild bildet die Grundlage für alle weiteren politischen Entscheidungen. [...] Die Aussagen des Leitbildes sind verbindlich für alle weiteren politischen Entscheidungen.“
Die „Energiewende“ als Weg ins Mittelalter

Diese Idee von der Konsultative, der „deliberalen Demokratie“ und wie diese gebildet werden soll, kommt nicht aus dem Niemandsland, sondern ist eine Idee der kulturmarxistischen Frankfurter Schule.[30] Aber auch zur „Energiewende“ lässt sich der WBGU aus. Die Grafik rechts stammt aus dem von der Bundesregierung abgesegneten WBGU-Konzept zur „Großen Transformation“. Sie verdeutlicht die mit der angestrebten „Nachhaltigkeitskultur“ einhergehende Senkung der Energieflächenproduktivität auf mittelalterliches Niveau. Die Folgen kann man sich ausmalen, in einem noch dazu weit dichter besiedelten Land mit weit höherem individuellen Energiebedarf.[31] Der Klimaschwindelpapst Hans Joachim Schellnhuber, der auch Vorsitzender des WBGU-Hauptgutachtens war, schreibt dazu in seinem Buch Selbstverbrennung: Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff, wo er auf den Spuren Wolfgang Harichs wandelt:[32]

„Denkbar sind vor allem zwei vehement auseinanderstrebende Pfade, nämlich zum einen der Weg in die Hyperenergiegesellschaft, wo aus Quasi-Punktquellen (wie Kernfusionsreaktoren oder Kernspaltungsanlagen der übernächsten Generationen) auch pro Kopf immer mehr Energie verfügbar wird. Oder zum anderen die asymptotische Annäherung an eine Nachhaltigkeitskultur, wo sich der Jahresenergieverbrauch pro Kopf stabilisiert und sich der Fortschrittspfeil durch Nutzung von Sonne, Wind, Wellen und Erdwärme in die Fläche zurückbiegt. Dadurch könnte allerdings viertens eine überaus problematische Bedarfskonkurrenz mit anderen Nachhaltigkeitszielen wie der zureichenden Versorgung der Weltbevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln oder der Bewahrung der Arten- und Landschaftsvielfalt entstehen. Wir stehen also in der Tat an einer epochalen Weggabelung und können dort nicht lange ratlos verharren. Wie man dieser dramatischen Herausforderung begegnen könnte, werde ich im dritten Teil (insbesondere Kapitel 27) skizzieren. Zuvor aber noch mal ganz langsam zum Memorieren: Mit der Nutzbarmachung der Kohle im großen Stil begann ein neues Wirtschaften, gestützt auf »Energiesklaven«, die dicht gedrängt im Untergrund bereitstanden. Während ein Mitglied einer Jäger-und-Sammler-Gesellschaft noch etwa das Drei- bis Sechsfache der menschlichen Grundumsatzenergie akquirierte (in Form von Fleisch, Holz etc.), kann jedes Individuum der Industriegesellschaft im Schnitt auf das 70- bis 100-Fache dieser metabolischen Größe zugreifen. Eine Riesenschar von fossilen Energiegeistern ist uns also zu Diensten, sobald wir kleine Schalter umlegen oder flache Tasten drücken. Nichts könnte weniger selbstverständlich sein, und doch erwarten die Menschen in den reichen Nationen genau dies von ihrem Alltag. Und mit der Blüte der Energiesklaverei wurde zwingend der Siegeszug des Industriekapitalismus in Gang gesetzt: Wer über das Geld verfügte, Produktionsanlagen zu erwerben, konnte dort mit den gleichermaßen käuflichen fossilen Ersatzarmeen Waren in ungeheuren Massen erzeugen, diese von den fossilen Transportgeistern in die weite Welt befördern lassen und Gewinne jenseits aller bekannten Grenzen anhäufen.“

Immerhin ist sich auch der Vorsitzende des WBGU darüber klar, dass die normale Entwicklung das Atomzeitalter ist, wenn der Fortschrittspfeil nicht „gewendet“ wird. Sein Antikapitalismus kommt dabei deutlich zum Ausdruck: „Energiesklaven“ ermöglichen den „Siegeszug des Industriekapitalismus“, „fossilen Ersatzarmeen“ lassen es zu, dass sich „Gewinne jenseits aller bekannten Grenzen anhäufen“. Damit ist eine Art von „Großer Transformation“ tatsächlich gelungen: Amory Lovins und das Öko-Institut wollten noch das Atomzeitalter ohne Atome, wobei der Energieanteil der Kernenergie durch Verzicht weggespart werden sollte. Inzwischen ist das Overton-Fenster soweit verschoben, dass Nachhaltigkeitsräterepublik und Planwirtschaft darin Platz finden.

Die Folgen

Weder der CO2-Glaube noch der Bau von Windrädern, Solarzellen und Faulgasreaktoren sind spezifisch Deutsch. Spezifisch deutsch ist die „Energiewende“, auch wenn die grün unterwanderte Wikipedia unter dem Fantasieartikel „Energiewende nach Staaten“ suggeriert, jedes Land das Windräder und Solarzellen errichtet würde den Weg in die Energiediät gehen.[33] Das Bundeswirtschaftsministerium führte 2016 in seinem „Grünbuch Energieeffizienz“ allzu deutlich auf, was die Umsetzung der Energiediät für Deutschland ganz konkret bedeutet.[19] Der Energiebedarf der Bürger muss eingeschränkt werden, wenn das Füllhorn des Atomzeitalters nicht mehr zur Verfügung steht.

„Energie, so führt das Bundeswirtschaftsministerium in seinem aktuellen „Grünbuch Energieeffizienz“ aus, sei zentraler Produktions- und Mobilitätsfaktor und Grundvoraussetzung für das Funktionieren unseres Alltags. Dies werde auch in Zukunft so bleiben. Wahre Worte, denen man kluge Taten folgen lassen könnte. Wer aber angesichts dieser Prämisse seitens unserer Regierung die Gestaltung von Rahmenbedingungen zur Steigerung der Versorgungssicherheit bei gleichzeitig sinkenden Preisen erwartet, wird bitter enttäuscht. Denn nichts hat der Wirtschaftsminister weniger im Sinn, als mehr Wohlstand zu schaffen. Vielmehr geht es ihm laut Grünbuch darum ein hohes Wohlfahrtsniveau zu erhalten. Wohlfahrt statt Wohlstand erscheint im Lichte des Papiers als ein durchaus sinnvoller Begriffstausch. Steht „Wohlfahrt“ doch im alltäglichen Sprachgebrauch für staatliche Transferleistungen zur Sicherung von Grundbedürfnissen. Und wenn die im Grünbuch ausgebreiteten Ideen zur Umsetzung gelangen, werden viele Bürger in Zukunft ihr Grundbedürfnis nach Energie aus eigener Kraft nicht mehr stillen können.
Ein neues Leitprinzip namens Efficiency First ruft Gabriel als künftige Prämisse seiner Energiepolitik aus. Denn eine Energieeinheit, die eingespart werden könne, müsse nicht erzeugt, gespeichert und transportiert werden. Dadurch sänken die Energiekosten, was wiederum mehr Wertschöpfung und mehr Investitionen in Deutschland induziere. Letzteres stimmt aber nur dann, wenn die gesparten Mittel wieder in den Konsum fließen. Wer weniger Geld für das Heizen ausgibt, hat mehr für häufigere oder längere Reisen übrig. Durch effizientere Flugzeuge sinken die Ticketpreise und mehr Menschen können öfter fliegen. Wenn Kühlschrank, Waschmaschine und Trockner weniger Strom fressen, sind noch ein paar zusätzliche Verbraucher drin, ein größerer Fernseher beispielsweise oder ein leistungsstärkerer Computer. Und wenn Autos weniger verbrauchen, können mehr Nutzer eines unterhalten und längere Strecken mit ihm zurücklegen.
Es sind diese Rückkopplungen, neudeutsch auch Rebound-Effekte genannt, die den Kauf effizienterer Geräte rechtfertigen. Hersteller wiederum werden nur in eine energetische Optimierung ihrer Produkte investieren, wenn sie aufgrund dieses Effektes ein ausreichend großes Kundeninteresse erwarten können. Der Rebound ist nicht nur eine Folge steigender Effizienz, sondern auch ihre Ursache. Aber zu absoluten Verbrauchsminderungen führt dieser Zusammenhang nicht.
Genau deswegen dient Efficiency First nicht der Befeuerung von mehr Innovationen und mehr Investitionen in diesem Kreislauf, der eine Quelle unseres Wohlstands darstellt. Denn das oberste Ziel Sigmar Gabriels sind Einsparungen in allen Sektoren der Wirtschaft über alle Bedarfsfelder hinweg. Um dies zu erreichen gilt es vor allem, den Rebound zu verhindern. Hierzu setzt man beim Verbraucher an. Aus einer planerischen Perspektive, so heißt es entsprechend im Grünbuch, sollen Dimensionierung und Ausgestaltung des Systems vorrangig von der Nachfrageseite bestimmt werden.
Eine zielführende Idee besteht darin, den Verbraucher durch höhere Energiekosten zum Sparen zu zwingen. Flexible Abgaben werden vorgeschlagen, damit der Kunde weder von sinkenden Preisen für Energieträger, noch von effizienteren Produkten profitiert. Ganz gleich, was beispielsweise die Mineralölkonzerne unternehmen, eine atmende Steuer sorgt für einen gleichbleibend hohen Benzinpreis an der Zapfsäule. Reagieren die Automobilhersteller mit effizienteren Fahrzeugen, erhöht man die Steuer einfach weiter. Denn nur, wenn für viele Bürger die Nutzung eines PKW unerschwinglich wird, kann die gewünschte Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs gelingen. Zur Not hilft eine Preissteuerung über bestimmte Mautmodelle, also horrende Straßennutzungsgebühren.
Man falle auch nicht auf die im Grünbuch angesprochene Sektorkopplung herein, die nichts anderes als die Darstellung aller Endenergie durch Elektrizität, also in Bezug auf Kraftfahrzeuge die Elektromobilität meint. Denn Strom wird bei weiterer Fortführung der Energiewende zu einem kostbaren und knappen Gut, wie die Verfasser des Pamphlets in überraschender Offenheit zugeben. Biomasse, so räumen sie außerdem ein, sei zwar universell einsetzbar (kein Wunder, handelt es sich doch um Kohlenwasserstoffe), aber ebenfalls knapp.
Sollten die preisgestaltenden Instrumente nicht ausreichen, hält das Grünbuch weitere Empfehlungen bereit. Etwa ordnungsrechtliche Vorschriften auf nationaler oder EU-rechtlicher Grundlage, die Ge- und Verbote beinhalten. Aber Achtung: Wichtige Voraussetzung für die Effektivität ordnungsrechtlicher Instrumente ist die Sicherstellung ihres Vollzugs. Intelligente Stromzähler, mit denen Behörden den heimischen Verbrauch kontrollieren können, helfen bei der Sicherstellung des Vollzugs natürlich ungemein, denn auf der Grundlage automatisierter Verbrauchserfassungen können individuelle Einsparpotentiale erkannt und quantifiziert werden. Über all dies geht die Idee der Mengensteuerung noch hinaus. Ein System von handelbaren Energiesparquoten soll zielgenau auch den Endenergie-Verbrauch absolut begrenzen, der nicht bereits dem europäischen Emissionshandel unterliegt.
Das Grünbuch Energieeffizienz beschreibt unter den drei Überschriften Mengensteuerung, Ordnungsrecht und Preissteuerung genau nicht den Weg zu mehr Energieeffizienz, sondern vielmehr den Eintritt in die vollendete Planwirtschaft im Energiebereich, in der der Staat bestimmt, welche Energieträger in welcher Menge zu welchen Preis und zu welchen Zwecken gehandelt werden dürfen. Der zentrale Produktions- und Mobilitätsfaktor und die Grundvoraussetzung für das Funktionieren unseres Alltags würde, sollten die Vorschläge aus dem Hause Gabriel Realität werden, vollständig von Behörden kontrolliert und reguliert werden. Und zwar in der Absicht, seine Verfügbarkeit und Verwendung massiv zu begrenzen. Als Folge unterbleiben Konsum und Investitionen in Innovationen. Wertschöpfung wird verhindert und Wohlstand vernichtet statt geschaffen.
Auch die zweite grüne Partei in der Regierung hat sich jüngst in klarer Formulierung diesem Ziel angeschlossen. Das Vorgehen gegen den Rebound-Effekt soll nach dem Willen des unionsgeführten Forschungsministeriums wissenschaftlich unterlegt werden. Eine wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung, so heißt es in der Bekanntmachung einer entsprechenden Förderlinie, bestünde darin, den Ressourcenverbrauch (inklusive Energie) zu beschränken. Man erwartet Empfehlungen für Maßnahmen zur Eindämmung von Rebound-Effekten, die politischen Entscheidungsträgern Instrumente zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele an die Hand geben. Wobei die zur Untersuchung vorgeschlagenen Ansätze vor allem die Erziehung des Verbrauchers zu Verhaltensänderungen und die Verhinderung von Innovationen betreffen. Das Grünbuch des Wirtschaftsministeriums wird mit solchen Studien passend ergänzt und unterfüttert.
Diese politischen Strategien, die Deutschland in die Energiearmut führen, sind vor dem Hintergrund der Energiewende notwendig. Jahrelang haben viele Politiker, Interessengruppen und Medien der Öffentlichkeit vorgegaukelt, es ginge lediglich darum, uns in ein Schlaraffenland sauberer in beliebigen Mengen zu geringen Kosten verfügbarer Energie aus Wind, Sonne und Energiepflanzen zu führen. Tatsächlich haben diese Alternativen aufgrund der geographischen Bedingungen hierzulande schlicht nicht das Potential, unseren gegenwärtigen Energiebedarf auch nur annähernd zu erfüllen. Dies wurde entweder verschwiegen oder nicht begriffen. Nun ist es amtlich bestätigt: Windräder, Solarzellen und Faulgasreaktoren bringen es nicht. Deswegen war die zentrale Idee hinter der Energiewende von Anfang an, unseren Primärenergiebedarf um die Hälfte zu reduzieren.Was wiederum nur mittels umfassender Regulierungen erzwungen werden kann. Es gibt keine andere Möglichkeit, die Energiewende umzusetzen, als die, die das Wirtschaftsministerium in seinem Grünbuch skizziert. Von daher agiert die Bundesregierung in dieser Thematik konsequent und folgerichtig. Sie wird diesen Weg weiter beschreiten, solange eine Mehrheit der Bevölkerung die Energiewende begrüßt. Angesichts der unzureichenden Tiefe der medialen Berichterstattung und angesichts der mangelnden Kampfbereitschaft der Wirtschaft ist in dieser Hinsicht auch keine Änderung zu erwarten.“
– Peter Heller[34]

Zitate

„Bedarf der Übergang in eine Weltwirtschaft, die den Klimaschutz beachtet, einer Umwälzung ähnlicher Größe wie die industrielle Revolution? Das behauptet der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen. Seine Vorschläge sind widersprüchlich und offenbaren ein seltsames Demokratieverständnis […]
So scheint der WBGU nun als Erster in der Weltgeschichte zu einer fundamentalen Umwälzung von der Größenordnung der industriellen Revolution aufzurufen. Oder vielleicht doch nicht als Erster? Es gibt ein historisches Ereignis, dessen führende Akteure sich ebenfalls als Träger einer derartig fundamentalen Umwälzung gesehen haben. Es ist dies die russische proletarische Revolution von 1917 unter der Führung des bolschewistischen Flügels der Kommunistischen Partei mit ihrem charismatischen Chef Wladimir Lenin. Über die Zeit von sieben Jahrzehnten hat die Führung des auf dieser Revolution aufbauenden Sowjet-Imperiums den Anspruch erhoben, die Menschheit in ein völlig neues Zeitalter zu führen, in ein weltumspannendes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem, das die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beendet und eine Welt herstellt, wie sie besser nicht sein könnte […]
Von Hayek stammte die Formel von der „Anmaßung von Wissen“. Ein Paradebeispiel dieser Anmaßung war eben das System der zentral geplanten Volkswirtschaft. Aber es gab auch zahlreiche Beispiele in der westlichen Welt, vor allem dort, wo gescheite Wissenschaftler behaupteten, zu wissen, was zu tun ist, um die Welt zu verbessern, wo sie in ihrer Selbstüberschätzung den der Wissenschaft eignen Skeptizismus vergessen. Ich gestehe, dass mir diese Hayeksche Formel ständig durch den Kopf gegangen ist, als ich das Gutachten über die „Große Transformation“ las […]
„Die kolossale Herausforderung für die Modernisierung repräsentativer Demokratien besteht nun darin, zur Gewinnung von zusätzlicher Legitimation mehr formale Beteiligungschancen zu institutionalisieren, diese zugleich aber an einen inhaltlichen Wertekonsens nachhaltiger Politik zu binden, damit ,mehr Partizipation‘ im Ergebnis nicht zu ,weniger Nachhaltigkeit‘ führt.“ In einfaches Deutsch übersetzt: „mehr Demokratie ja, aber nur soweit sie unseren Zielen nützt.“ […]
Nun schlägt der WBGU zum Zweck der Beförderung seiner klimapolitischen Ziele vor, das gesamte Ressort „Energiepolitik“ in die Zuständigkeit der Europäischen Union zu legen.
Wie muss man sich das vorstellen? Soll nun der Europäische Rat darüber entscheiden, dass alle Kernkraftwerke in der EU abgeschaltet werden? Und dies gegen den Willen Frankreichs? Oder soll umgekehrt der Europäische Rat aus klimapolitischen Gründen Deutschland aufgeben, seine Kernkraftwerke gerade nicht vom Netz zu nehmen? […]
Natürlich ist der Übergang in eine Weltwirtschaft, die den Klimaschutz beachtet, eine große Aufgabe. Aber diese ökonomischen Überschlagsrechnungen geben doch ein anderes Bild als das „Narrativ“ der Großen Transformation. Es ist nicht plausibel, wenn gesagt wird, dass der Klimaschutz an den herkömmlichen Formen demokratischer Willensbildung scheitere, dass aber andererseits der Kostenpunkt des Problems so geringfügig ist, wie im WBGU-Gutachten selbst dargestellt. Aus der Sicht des Ökonomen ist das Gutachten daher zutiefst widersprüchlich. Vielleicht ist es dieser Denkstil der Ökonomen, der die WBGU-Autoren veranlasst, die vorherrschende Analysemethode der Wirtschaftswissenschaften als einen Anachronismus anzusehen. Niemand mag es gern, wenn ihm sein so schön aufgeblasener Luftballon mit einem kalkulierenden Nadelstich zum Platzen gebracht wird, wenn danach „die Luft raus“ ist.“
– Carl Christian von Weizsäcker, Professor für Volkswirtschaftslehre[35]



„Die Angst, die der Mensch heutzutage verspürt ist eine der größten Antriebe Sie hin zum Sozialismus zu führen. Der Mensch muss Angst vor der Zukunft haben. Und nur wenn er Angst vor der Zukunft hat muss er sagen: „Ich brauche eine Versicherung. Und die beste Versicherung ist, wenn der Staat sich um mich kümmert, weil dann kümmern sich alle um mich.“ Nein! Die kümmern sich um sich, und nicht um Sie. Das müssen Sie klar sehen. In sozialistischen Staaten sackt der Mittelwert der Einkommen rapide ab, und Sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit mit dabei. Da ist nicht mehr für Sie da.
[...]
Es wird in Zukunft neben diesen Fahrverboten Tempolimits geben, wieder ihre Freiheit weg, dann wird man die Autos aus der Stadt aussperren, Sie kommen dann nicht mehr rein, Sie müssen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Wie gut das sein wird werden Sie sehen. Wie man sich in Stuttgart21 abmüht und nichts bezweckt, und Endstufe ist Berlin. Da fährt noch nicht mal die Hälfte der S-Bahnen pünktlich bzw überhaupt, eher überhaupt nicht. Nicht genügend Gerät, kein Geld da, nicht gewartet, Eisenbahner haben gestreikt [...] Die Zukunft des öffentlichen Personennahverkehrs ist düster. Preise steigen permanent, defizite wachsen wie verrückt, alles falsch was sie dort tun. Und am Ende wird man Sie, tja, Blade Runner, als Vieh in einer Riesenstadt wird man Sie halten. Oben ein paar Mächtige in der Partei und unten die "Gleichgeschalteten" denen man alles verboten hat. Die Zukunft im Sozialismus ist nicht golden. Die ist grau. Die ist regnerisch.
Schönstes Beispiel, können Sie sehen eine Grünenpolitikerin [Katharina Schulze] ist über Weinachten nach Kalifornien geflogen und hat sich dort einen schicken Latte gekauft, also CO2-reich nach Kalifornien geflogen, hat sich dort nen schicken Latte gekauft, Plastiklöffel drin, und hat sich dann ablichten lassen zum Posten auf Facebook, Instagram usw. Das ging dann rum. Die oberen von den Grünen, für die gilt das alles nicht. Das ist das Hauptproblem was wir haben werden. Es gibt Leute, die sich Ihnen überlegen sehen, mental, und Sie zu Ihrem "Glück" zwingen werden. Da führt gar kein Weg dran vorbei. Tja, das ist der Kulturmarxismus, der so langsam sich in unsere Kultur hineinfrisst; das Marx eigentlich ganz toll ist, ein Philosoph mit Zukunftsvisionen. Irgendeiner hat den dann schlecht gemacht und falsch interpretiert. Nein, der Sozialismus, der Marxismus von innen heraus ist zum Scheitern verurteilt, der wird nie, nie, niemals nie auf einen grünen Zweig kommen. Naja, auf einen grünen Zweig schon, aber nicht für Sie auf einen positiven Zweig.
– Horst Lüning, Unternehmer[36]



„Am 20. Januar wurde Donald Trump als US-Präsidenten vereidigt. Er ist ein bekennender „Klimaskeptiker“, und nicht wenige seiner Wähler sind wahrscheinlich ebenfalls „Klimaskeptiker“. Warum gibt es die Klimas-Skepsis überhaupt, obwohl der wissenschaftliche Konsens groß ist? Antwort: Die Klimawissenschaftler sind selbst schuld. Es ist auch für interessierte Laien nicht möglich, sich ein abschließendes Urteil über die wissenschaftlichen Fragestellungen zu verschaffen. Jeder muß stets einen gewissen Teil einfach glauben. Und für Glauben braucht es Glaubwürdigkeit.
Im „Spiegel“ vom 17.12.2016 gibt Andreas Levermann, der am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) arbeitet, ein Interview. Dieses Interview ist ein perfektes Beispiel dafür, wie man die Glaubwürdigkeit der Klima-Forschung beschädigt und Klima-Skepsis erzeugt. Der Schlußabsatz lautet:
„Man kann auf der richtigen oder der falschen Seite der Geschichte stehen. Wir kennen das von der Abschaffung der Sklaverei oder der Gleichberechtigung der Frauen. Auch der Umstieg auf erneuerbare Energien geht gegen mächtige Interessen und wird als utopisch verdammt. Doch sie retten das Klima und schaffen damit am Ende mehr Gerechtigkeit für die Menschen. In diesem Sinne kann sich jeder entscheiden, ob er einer mit Rückgrat sein will oder nicht.“
Hier wird die wissenschaftliche Frage, in welchem Ausmaß die Klimaänderungen durch den Menschen beeinflußt werden, in eine moralische Frage, in eine Frage der richtigen Haltung umgedeutet. Wer nicht davon überzeugt ist, daß der Mensch das Klima beeinflußt, steht moralisch auf einer Stufe mit dem Sklavenhalter. Wenn ich das lese, denke ich doch sofort: Herr Levermann kann niemals objektiv forschen. Denn jedes Ergebnis, das die ursprüngliche These in Frage stellt, bringt ihn näher an einen Sklavenhalter, moralisch gesehen. Da niemand sich gern als unmoralisches Monster fühlt, wird Herr Levermann eine ganz starke innere Abwehr gegen jeden Befund haben, der seiner These widerspricht. Das ist menschlich, und das ist verständlich, aber es hilft nicht dabei, objektive Wissenschaft zu betreiben.
Auch der folgende Abschnitt untergräbt die Glaubwürdigkeit von Herrn Levermann, wenn er behauptet, Klimawissenschaft sei ganz einfach, kaum mehr als Wissen des Grundstudiums sei nötig.
„Das ist tatsächlich Grundlagenphysik, Thermodynamik und Quantenmechanik, das lernt man im ersten bis dritten Semester.“
Ich bin Mathematiker mit Nebenfach Physik und habe auch ein Physik-Vordiplom. Deshalb kann ich einigermaßen einschätzen, welches Wissen im Grundstudium vermittelt wird. Und damit ist man weit davon entfernt, Prognosen über Klima-Entwicklungen zu treffen. Es wird nicht einmal ausreichen, um ein statisches Minimalmodell durchzurechnen (z.B. unbewegter schwarzer Körper unter einer Gasschicht). Das Zitat soll offensichtlich suggerieren, daß alles ganz einfach, klar und deshalb unstrittig ist. Das ist aber sachlich falsch. Und wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er nun die Wahrheit spricht.
Das Interview von Herr Levermann läßt ihn Ideologie-getrieben erscheinen und nicht als ehrlichen und objektiven Wissenschaftler. Ohne Möglichkeit, die Ergebnisse der Klimawissenschaft selbst prüfen zu können, bilde ich mir meine Meinung auch danach, wie glaubwürdig die Vertreter der einen oder der anderen Position sind. Und die Glaubwürdigkeit der These, daß der Klimawandel durch den Menschen beeinflußt wird, leidet durch solche Interviews ganz beträchtlich.“
– Dr. Matthias Gärtner, Mathematiker[37]

Weblinks


Anmerkungen

A. - Der Klimaschwindel war damals noch nicht erfunden, weswegen Klimaveränderungen durch CO2 in Lovins Text keine Rolle für „Sanfte Energie“ spielen. Die von ihm verlinkten Studien (zb. The Effects of Doubling the CO2 Concentration on the climate of a General Circulation Model, Journal of the Atmospheric Sciences, Vol 32, 1974 via B. Bolin, Energy and Climate, Secretariat for Future Studies, 1975) gehen von einer Temperaturerhöhung um 2-3°C bei 600 ppm CO2 aus. Andere Studien, wie Rasool & Schneider, Atmospheric Carbon Dioxide and Aerosols: Effects of Large Increases on Global Climate, Science 09 Jul 1971 Vol. 173, Issue 3992, pp. 138-141 gingen hingegen von einer Sättigung der Temperaturerhöhung bei steigendem CO2-Gehalt der Atmosphäre aus.

B. - Wunderschön der Satz von Lovins: „guarding long-lived wastes against geological or social contingencies implies some form of hierarchical social rigidity or homogeneity to insulate the technological priesthood from social turbulence; and making political decisions about nuclear hazards which are compulsory, remote from social experience, disputed, unknown, or unknowable, may tempt governments to bypass democratic decision in favor of elitist technocracy.“ Passend dazu Hardmut Danisch zur soziologischen Kampfrhetorik: „[Die Geisteswissenschaften] sind ja auch der Meinung, dass man seine Behauptungen nicht zu belegen braucht, und es positive Beweise gar nicht gäbe, lehnen das als Positivismus ab. Es sei Aufgabe des Publikums, Thesen zu falsifizieren. Bis das Publikum das tut, habe jede beliebige Behauptung als wahr zu gelten. Macht das Publikum das aber, kann man das Publikum als rassistisch, sexistisch oder sowas und damit als unbeachtlich erklären.“

C. - Sachlich gesehen gibt es gemäß den Naturwissenschaften, des 1. Hauptsatzes der Thermodynamik natürlich keine „renewable energy“ bzw „Erneuerbaren Energien“. Allein die Wahl des Begriffes sollte dem aufmerksamen Betrachter eine Warnung sein. Man kann vermuten, dass der Begriff bewusst gewählt wurde um zu zeigen, dass man sich abseits der Limitationen von Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie bewegt.

D. - Die Öko-Saga "Millionen Tote und zehntausende Jahre unbewohnbar" im Falle eines Reaktorunfalles war damals noch nicht Teil des öffentlichen Bewusstseins, und somit für Argumentationen ungeeignet.

E. - Amory Lovins ist auch heute (2019) noch ein gern gesehener Gast auf Werbeveranstaltungen für naturinvasive Energien (NIE) und ökoreligiösen Verzicht, wo er im Stil eines evangelikalen Predigers affirmativ grüne Glaubenswahrheiten verkündet.

F. - Heidegger verwendete ein eigenes Wording. „Stellen“ meint bei ihm Nutzbarmachung, das „Gestell“ ist entsprechend der Apparat, der den Nutzen zieht. Das Stellen eines Flusses geschieht durch ein Wasserkraftwerk, welches das Gestell ist.

Quellen

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  2. Achse des Guten: Reichskrafttürme, 12. Februar 2012 Abgerufen am 20.9.2019 (Archivierte Version bei Wayback Machine)
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