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Kernheizkraftwerk Křenice

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Kernheizkraftwerk Křenice
Blick auf Křenice
Blick auf Křenice
Standort
Land Flag of the Czech Republic.svg Tschechien
Region Mittelböhmen
Ort Křenice
Koordinaten 50° 1′ 30″ N, 14° 42′ 42″ OTerra globe icon light.png 50° 1′ 30″ N, 14° 42′ 42″ O
Reaktordaten
Pläne storniert 2 (1000 MW)
Zusatzfunktionen Fernwärme
Prozesswärme
Spacer.gif
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernheizkraftwerk Křenice (tschechisch Jaderná elektrárna s odběrem tepla [JEOT] Křenice, auch Praha-východ) sollte in der tschechischen Ortschaft Křenice in Mittelböhmen entstehen. Das Kernheizkraftwerk war als Parallel für das Kernheizkraftwerk Kojetice geplant worden für die Fernwärmeversorgung des östlichen und südöstlichen Fernwärmenetzes von Prag. Mit der Verschiebung des Projekts in Kojetice wurde das Projekt in Křenice nicht weiter erörtert.

Geschichte

Die Planungen für das Kernheizkraftwerk Křenice wurden Parallel zwischen 1974 und 1976 zum Kernheizkraftwerk Kojetice durchgeführt. Es war geplant nach dem Kernheizkraftwerk Kojetice im Osten von Prag für die Fernwärmeversorgung des Osten und Südosten der Stadt Prag eine weitere Anlage zu errichten, die ab 1995 gebaut wird. Křenice war einer der Standorte, die das staatliche Institut für Raumplanung für ein Kernkraftwerk als geeignet vorselektiert hatte. Eine finale Standortwahl war allerdings noch nicht gefallen, wenn auch die Planungen für eine Anlage in Křenice konkret durchgeführt wurden. Die Anlage sollte baugleich mit dem Kernkraftwerk Kojetice mit Reaktoren des Typs WWER-500 ausgestattet werden. Aufgrund der hohen erwarteten Wärmelast nach dem Jahr 2000 sollte das Kernheizkraftwerk Křenice rund 2360 MW an Fernwärme und Dampf ausspeisen, wofür zwei WWER-500 nötig gewesen wären.[1]

Das Fernwärmenetz Prag-Ost arbeitet mit Temperaturen von 150 °C im Vorlauf und 70 °C im Rücklauf. Aufgrund der enormen Fernwärmelast in diesen Netz von 2670 MW im Fernwärmenetz wäre der Bau von vier Fernwärmeleitungen mit einem Nenndurchmesser von 1200 bis 1400 Millimeter nötig gewesen, um so den Durchfluss der 30.000 Kubikmeter pro Stunde (8,3 Kubikmeter pro Sekunde) zu gewährleisten. Aufgrund der starken Bebauung der Neubaugebiete auf der Strecke zum Einspeisepunkt in das Fernwärmenetz von Prag-Ost ist die Lage des Kernheizkraftwerks Křenice suboptimal, da der Bau von Tunneln für die Fernwärmeleitungen nötig wäre. Aufgrund der großen Fernleitungsdimensionen wäre eine entsprechende Vertunnelung in einen Tunnel mit 6 Meter Durchmesser resultiert. Es wurde daher zusätzlich erwogen das Kernheizkraftwerk zwischen den Ortschaften Úvaly und Říčany zu errichten im Südosten von Prag, sodass die Anlage über zwei verschiedene Einspeisepunkte die Stadt Prag hätte versorgen können und man die Neubaugebiete dadurch bei der Trassierung umgangen hätte. Energoprojekt Prag begann 1975 mit einer entsprechenden Konzeptstudie zu den Kernheizkraftwerke Kojetice und Křenice, die bis März 1977 komplettiert werden sollte. In einer Folgestudie danach sollte der Wegfall des Kernheizkraftwerks Křenice betrachtet werden durch den Zubau eines weiteren Reaktorblocks in Kojetice, um einen Vergleich herzustellen.[1]

Im Jahr 1977 wurden die Planungen für das führende Werk in Kojetice in die 1990er verlegt.[2] Die Planungen für das Kernheizkraftwerk Křenice wurden in der Folge nicht mehr aufgenommen. Ab 1989 wurden die Planungen für das Kernkraftwerk Tetov konkretisiert, das die Fernwärmelasten in höhe von 2900 MW von Prag-Ost ab dem Jahr 2010 übernehmen konnte,[3] womit kein weiteres Kernheizkraftwerk im Osten für Prag mehr nötig war.

Technik

Die Reaktoren der Anlage sollten vom Typ WWER-500 sein, der eine verkleinerte Variante des WWER-1000 mit zwei anstatt vier Primärloops. Die technischen Basisparameter und Auslegungen der Anlage sind identisch mit dem WWER-1000 skaliert auf die halbe Leistung. Der Reaktorkern besteht aus 109 Brennelementen und 31 Steuerstäben. Die thermische Reaktorleistung liegt bei 1500 MW. Anstatt großer Kondensationsturbinen wie beim WWER-1000 war der Einsatz von zwei 250 MW Gegendruckturbinen geplant. Um die schnelle Lastwechselfähigkeit der Anlagen zu erhöhen, sowie deren Manövrierfähigkeit, war für jede Turbinenanlage zusätzlich ein Wärmespeicher vorgesehen um das Speisewasser stärker vorwärmen zu können im Falle einer schnellen Lastzunahme. In Schwachlastzeiten wird der Speicher entsprechend beheizt. Jeder der Blöcke sollte eine Leistung von 500 MW brutto erreichen, von denen netto 400 MW ins Netz gespeist werden sollten. Der hohe Eigenbedarf leitet sich zusätzlich durch den Fernwärmepumpenbedarf ab. Die Einspeisung der elektrischen Leistung sollte über die 400 kV-Spannungsebene stattfinden.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c Československá komise pro atomovou energii: VYUŽITI TEPLA Z JADERNÝCH ENERGETICKÝCH ZDROJŮ, 1976. Seite 5, 10, 13, 14, 31 bis 33, 95, 98, 101, 102, 109, 151, 156, 172, 173. Abgerufen am 06.02.2020. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  2. United Nations. Economic Commission for Europe. Committee on Electric Power: Combined Production of Electric Power and Heat: Proceedings of a Seminar Organized by the Committee on Electric Power of the United Nations Economic Commission for Europe, Hamburg, Federal Republic of Germany, 6-9 November 1978, UN, 1980. ISBN 0080256775. Seite 73.
  3. Ceskoslovenska Vedeckotechnicka Spolecnost, Ceske Budejovice (Czechoslovakia). Dum Techniky.: Vyuziti energii z jaderne elektrarny Temelin., engl. Applications of power from Temelin nuclear power plant. Seite 43. (Online-Version, Tschechisch, Slowakisch)

Siehe auch