Herzlich willkommen in der Nucleopedia! Hierbei handelt es sich um eine freie Enzyklopädie, die sich auf den Bereich der Kernenergie spezialisiert hat. Die Inhalte sind frei verfügbar und unter Lizenz frei verwendbar. Auch Sie können zum Inhalt jederzeit beitragen, indem Sie als Benutzer den Seiteninhalt verbessern, erweitern oder neue Artikel erstellen.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung an dem Projekt!

Benutzerkonto beantragen  Benutzerkonto anfordern

Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Nucleopedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
K (Daten der Reaktorblöcke: akt.)
(korr.)
Zeile 31: Zeile 31:
 
|COMMONSCAT =Fukushima I Nuclear Power Plant
 
|COMMONSCAT =Fukushima I Nuclear Power Plant
 
}}
 
}}
Das '''Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi''' (japanisch 福島第一核電站, ''Fukushima daiichi genshiryoku hatsudensho'' ({{Audio|Fukushima daiichi genshiryoku hatsudensho.ogg}}, Bedeutung von ''„Fukushima“'' aus dem Japanischen für ''„Glücksinsel“''), deutsch ''Kernkraftwerk Fukushima I'') steht nahe der Stadt Ōkuma in der japanischen Präfektur Fukushima. Nach den Kernkraftwerken [[Kernkraftwerk Kashiwazaki Kariwa|Kashiwazaki Kariwa]] und [[Kernkraftwerk Ōi|Ōi]] ist es das drittgrößte Kernkraftwerk in Japan. Bekanntheit erlangte die Anlage besonders nach dem Sendai-Erdbeben im März 2011, nachdem es in der Anlage zu einem Unfall kam. Die Entfernung zu den nächsten größeren Städten beträgt nach Minamisōma 25 Kilometer, nach Iwaki 45 Kilometer und nach Kōriyama sowie der Präfekturhauptstadt Fukushima 60 Kilometer. Zwölf Kilometer südlich steht das [[Kernkraftwerk Fukuhsima-Daini]], zehn Kilometer Nördlich befindet sich der Standort des geplanten [[Kernkraftwerk Namie-Odaka|Kernkraftwerks Namie-Odaka]].
+
Das '''Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi''' (japanisch 福島第一原子力発電所, ''Fukushima daiichi genshiryoku hatsudensho'' ({{Audio|Fukushima daiichi genshiryoku hatsudensho.ogg}}, Bedeutung von ''„Fukushima“'' aus dem Japanischen für ''„Glücksinsel“''), deutsch ''Kernkraftwerk Fukushima I'') steht nahe der Stadt Ōkuma in der japanischen Präfektur Fukushima. Nach den Kernkraftwerken [[Kernkraftwerk Kashiwazaki Kariwa|Kashiwazaki Kariwa]] und [[Kernkraftwerk Ōi|Ōi]] ist es das drittgrößte Kernkraftwerk in Japan. Bekanntheit erlangte die Anlage besonders nach dem Sendai-Erdbeben im März 2011, nachdem es in der Anlage zu einem Unfall kam. Die Entfernung zu den nächsten größeren Städten beträgt nach Minamisōma 25 Kilometer, nach Iwaki 45 Kilometer und nach Kōriyama sowie der Präfekturhauptstadt Fukushima 60 Kilometer. Zwölf Kilometer südlich steht das [[Kernkraftwerk Fukuhsima-Daini]], zehn Kilometer Nördlich befindet sich der Standort des geplanten [[Kernkraftwerk Namie-Odaka|Kernkraftwerks Namie-Odaka]].
  
 
== Geschichte ==
 
== Geschichte ==

Version vom 22. Juli 2012, 13:58 Uhr

Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi
Datei:Fukushima-1.JPG
Standort
Land Flag of Japan.svg Japan
Präfektur Fukushima
Ort Ōkuma
Koordinaten 37° 25′ 32″ N, 141° 1′ 58″ OTerra globe icon light.png 37° 25′ 32″ N, 141° 1′ 58″ O
Reaktordaten
Eigentümer TEPCO
Betreiber TEPCO
Vertragsjahr 1966
Betriebsaufnahme 1970
Im Betrieb 2 (1884 MW)
Stillgelegt 4 (2812 MW)
Pläne storniert 2 (2760 MW)
Spacer.gif
Gtk-dialog-info.svg
Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi (japanisch 福島第一原子力発電所, Fukushima daiichi genshiryoku hatsudensho ( anhörenBeschreibungsseite der Audiodatei mit Lizenzangaben, Bedeutung von „Fukushima“ aus dem Japanischen für „Glücksinsel“), deutsch Kernkraftwerk Fukushima I) steht nahe der Stadt Ōkuma in der japanischen Präfektur Fukushima. Nach den Kernkraftwerken Kashiwazaki Kariwa und Ōi ist es das drittgrößte Kernkraftwerk in Japan. Bekanntheit erlangte die Anlage besonders nach dem Sendai-Erdbeben im März 2011, nachdem es in der Anlage zu einem Unfall kam. Die Entfernung zu den nächsten größeren Städten beträgt nach Minamisōma 25 Kilometer, nach Iwaki 45 Kilometer und nach Kōriyama sowie der Präfekturhauptstadt Fukushima 60 Kilometer. Zwölf Kilometer südlich steht das Kernkraftwerk Fukuhsima-Daini, zehn Kilometer Nördlich befindet sich der Standort des geplanten Kernkraftwerks Namie-Odaka.

Geschichte

Bereits 1964 gab die Tokyo Electric Power Company (TEPCO) bekannt ein 350 MW starkes Kernkraftwerk unweit der Stadt Okuma errichten zu wollen.[1] Am 30. November 1964 gab TEPCO bekannt ein Gelände zwischen Okuma und Futaba gefunden zu haben[2] mit einer Fläche von 1,98 Quadratkilometer, das am pazifischen Ozean gelegen ist.[3] Die ersten Pläne gingen von zwei baugleichen Reaktoren aus, die zusammen rund 950 MW leisten sollten, zwei weitere Blöcke waren bereits angedacht die jeweils eine Leistung von 600 MW erreichen sollten. Während die ersten beide Blöcke bis 1970 am netz sein sollten, sollten die anderen beiden Blöcke drei und vier bis 1972 in Betrieb sein.[2] Mit dem Bau des ersten Blocks sollte 1966 begonnen werden. Spätere Planungen gingen davon aus, dass der zweite Reaktor eine Leistung von 600 MW erreichen sollte, mit dem Bau 1966 begonnen und 1971 in Betrieb gehen sollte. Die Blöcke drei und vier sollten 1974 und 1976 in Betrieb gehen. Ob die Reaktoren jedoch in Fukushima errichtet werden, war zu diesen Zeitpunkt noch nicht sicher. Die Blöckgröße für die beiden Reaktoren in Fukushima wurde entsprechend des geplanten Energiebedarfs bis zum Jahr 1976 gewählt.[3] Im Jahr darauf gab es für den ersten Reaktor neben einem 325 MW-Modell von General Electric das alternative Angebot für einen 440 MW starken Siedewasserreaktor von der gleichen Firma, der eine Bruttoleistung von 460 MW erreichen würde. Das alternative Angebot war für die Tokyo Electric Power Company das bessere, für das man sich letztlich auch entschied. Die Kosten für diesen Reaktor wurden auf 110 Millionen US-Dollar kalkuliert. Von diesem Auftragsvolumen war allerdings die Bedingung, dass die japanischen Vertragspartner Hitachi und Toshiba an der Lieferung der Komponenten für den ersten Reaktor beteiligt werden müssen. Insgesamt sollten rund 35 bis 40 % davon auf die beiden Konzerne entfallen. Noch 1966 wurde der Auftrag für den Reaktor vergeben.[4]

Seitens der örtlichen Fischer wird die Wahl des Standortes kritisiert, da er im Fischgebiet der örtlichen Fischfarmen liegen würde. Allerdings stellte TEPCO und die Regierung fest, dass dieses Gebiet eine geringe Bedeutung für die Fischindustrie darstelle.[5] Spätere Analysen aus den frühen 1980er ergaben, dass der Standort sich nicht für ein Kernkraftwerk eignet. Der Grund, weshalb der Standort in Fukushima gewählt wurde, war auf die anfänglichen Standortwahlverfahren zurückzuführen, die sich je nach geplanter Größe des Kernkraftwerks ergaben, was allerdings nur bei den Kernkraftwerken Fukushima-Daiichi und Mihama der Fall war. Bei den späteren Auswahlverfahren wurden soziale und ökonomische Interessen, sowie die Standortbedingungen besser analysiert.[6]

Der zweite Reaktor soll ebenfalls von General Electric stammen und direkt neben dem ersten 460 MW Reaktor gebaut werden. Im Gegensatz zu dem ersten Reaktor sollte der zweite Block ein moderneres Modell werden mit weitreichenden Verbesserungen, wie von TEPCO vorgesehen wurden. Die Leistung der Anlage wurde für 780 MW geplant.[7] Als zweiter Hauptvertragspartner tritt Toshiba dem Konsortium bei.[8] Ebenso sollen in den folgenden Jahren drei weitere Reaktoren an diesem Standort, zwei mit 784 MW und einer mit 1100 MW, der allerdings noch nicht fest vorgesehen ist. Der Standort für einen sechsten Reaktoren ist noch nicht ausgewählt worden.[9] Für den dritten Reaktor hatte sich bereits Babcock & Wilcox einen Exportauftrag versprochen, ebenso für das später nicht errichtete Kernkraftwerk Ashihama.[10] Allerdings erhielt Toshiba den Auftrag, assistiert von Hitachi, die etwa 10 % vom Vertragsvolumen in höhe von 45000 Yen bekommen sollten. Der Reaktor ist baugleich mit dem zweiten Block, allerdings wurde die Anlage von Toshiba auf die japanischen Ansprüche modernisiert.[8] Es war der erste von Toshiba allein errichtete Kernreaktor.[11]

Für Block vier ist Hitachi der Auftragsnehmer und wird von der Gesellschaft eigenständig errichtet.[12] Bevor der Bau von Block fünf begann, gab es noch eine Änderung in der Planung, sodass noch ein weiterer Reaktor vor dem 1100 MW straken Reaktor entstehen sollte, Baugleich mit den Reaktoren zwei bis vier. So wurde die Blocknummer von Reaktor Nummer fünf auf den zu den Planung hinzugefügten Reaktor übertragen und das 1100 MW-Modell als Block sechs fortgeführt. Block fünf wurde von Toshiba geliefert, Block sechs von General Electric,[13] zusammen mit Toshiba.[14] Für die ersten vier Reaktoren wurde von einem Hügel rund 35 Meter Erdreich abgetragen, sodass die Anlage rund zehn Meter über dem Meeresspiegel liegt. Vor den Kühlwasserpumpenbauwerken am Meer wurden Wellenbrecher installiert, um die Aufnahme von Kühlwasser für die Kondensatoren nicht zu beeinflussen. Außerdem wurde ein kraftwerkeigener Hafen angelegt, um Großkomponeten anzuliefern, sowie abgebrannten Brennstoff des Kernkraftwerks zu verschiffen.[15]

Bau

Die Anlage im Jahr 1975

Dadurch der Ankauf des und zwei Quadratkilometer großen Geländes nahe der Städte Futaba und Ōkuma schneller als gedacht durchgeführt werden konnte, wurden die ersten Bauarbeiten einen Monat früher aufgenommen.[4] Am 25. Juli 1967 wurde mit dem Bau des ersten Reaktors begonnen.[16] Für die ersten vier Reaktoren wurde von einem Hügel rund 35 Meter Erdreich abgetragen, sodass die Anlage rund zehn Meter über dem Meeresspiegel liegt, das Standardhöheniveau für ein Kraftwerk in Japan. Vor den Kühlwasserpumpenbauwerken am Meer wurden Wellenbrecher installiert, um die Aufnahme von Kühlwasser für die Kondensatoren nicht zu beeinflussen. Außerdem wurde ein kraftwerkeigener Hafen angelegt, um Großkomponeten anzuliefern, sowie abgebrannten Brennstoff des Kernkraftwerks zu verschiffen.[15] Der Drucktest des Containments im ersten Block erfolgte im Juni 1968, gefolgt von der Montage. Ein Jahr später im Mai 1969 wurde der Reaktordruckbehälter installiert.[15] Der Baubeginn von Block zwei erfolgte am neunten Juni 1969 und Block drei am 28. Dezember 1970. Der Baubeginn von Block fünf begann am 22. Mai 1972, bevor mit dem Bau von Block vier am zwölften Februar 1973 begonnen wurde. Als letztes wurde mit dem Bau des sechsten Blocks am 26. Oktober 1973 begonnen.[16]

Betrieb

Der erste Reaktor wurde erstmals am 17. November 1970 mit dem Stromnetz synchronisiert.[16] Die Inbetriebnahme der einzelnen Systeme funktionierte reibungslos, sodass am 8.Februar 1971 erstmals Volllast erreicht werden konnte,[17] bevor der Reaktor am 26. März 1971 in den kommerziellen Betrieb überging.[16] Im Juni 1973 kam es zu einem ersten Zwischenfall, als drei Kubikmeter radioaktives Wasser aus einem Lagerraum in das Meer geleitet wurden.[18] Der zweite Reaktor folgte mit der Netzsynchronisation Weihnachten 1973.[16] Bei der Inbetriebnahme war es der leistungsstärkste Kernreaktor in Japan.[19] Die kommerzielle Inbetriebnahme erfolgte am 18. Juli 1974. Der dritte Reaktor wurde am 28. Dezember 1974 mit dem Stromnetz synchronisiert und am 27. März 1976 in den kommerziellen betrieb überführt.[16] Am 27. Juli 1977 wurden erstmals Schäden bei einer Routineinspektion im ersten Reaktor vorgefunden. Demnach befanden sich Risse innerhalb des Reaktors, was die Sicherheit der japanischen Reaktormodelle infrage stellen sollte. Die Reparaturen im Reaktor wurden von Arbeitern unter unzulässig hohen Strahlenwerten durchgeführt.[20] Block fünf wurde vor Block vier am 22. September 1977 mit dem Stromnetz synchronisiert und am 18. April 1978 in den kommerziellen Betrieb übergeben, Block vier wurde am zwölften Februar 1978 mit dem Stromnetz synchronisiert.[16]

Am 12. Juni 1978 gab es ein Erdbeben nahe der Präfektur Miyagi mit einer Stärke von 7,4 auf der Richtskala, von dem auch die Präfektur Fukushima mit dem Kernkraftwerk betroffen war. Die 20 bis 30 Beschleunigungsmesser am Kernkraftwerk, die ein automatisches Abschalten der Reaktoren sicherstellen sollen, zeigten eine Beschleunigung von rund 0,125 Gramm für rund 30 Sekunden. Weltweit war Fukushima-Daiichi das erste Kernkraftwerk, das so starken Beschleunigungen infolge eines Erdbebens ausgesetzt war. Entgegen der Erwartungen stellten die Reaktoren ein gutes Beispiel für die Standsicherheit von solchen Reaktorgebäuden dar. Entworfen wurden die Reaktorgebäude von USR/Blume in San Francisco für General Electric. Toshiba und Hitachi übernahmen das Design ohne Änderungen, dadurch die Anforderungen für US-Anlagen bezüglich der Erdbebensicherheit die selben waren, die die Gebäude in Fukushima ausgesetzt sein würden. Eine Besonderheit an der Positionierung der Beschleunigermesser ist, dass zwei von ihnen direkt zwischen 30 und 40 Meter unter zwei Rektorgebäuden installiert sind, weshalb diese eine Studie über die Standsicherheit und Erdbebensicherheit des Kernkraftwerks Fukuhsima-Daiichi zulassen. Während das Kernkraftwerk und die Gebäude rundherum bis auf einige Brüche der Isolatoren in der Schaltanlage ohne Schäden überstand, gab es im neuen Ölkraftwerk von Sendai schwere Schäden an den Gebäuden, sowie an den inneren Einrichtungen.[21]

Am zwölften Oktober 1978 ging der vierte Block in den kommerziellen Betrieb über. Block sechs wurde als letztes mit dem Netz synchronisiert, was am vierten Mai 1979 erfolgte und am 24. Oktober 1979 in den kommerziellen Betrieb überführt.[16] Mit der Inbetriebnahme des letzten Reaktors war das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi das größte Kernkraftwerk der Welt und verdrängt das französische Kernkraftwerk Bugey auf den zweiten Platz.[22] Im Jahr 1984 brach Block zwei den Weltrekord des Kernkraftwerks Maine Yankee, mit 400  Tagen ununterbrochenen Betrieb, allerdings nur in der Kategorie der Leichtwasserreaktoren. Der Reaktor überbot den US-Reaktor Maine Yankee um acht Tagen.[23] Am 31. August brach während einer Routineinspektion ein Feuer in der Turbinenhalle des ersten Reaktors aus. Dabei wurde eine große Zahl von Stromkabeln zerstört, auch einige die für die Versorgung von Hilfseinrichtungen des Reaktors notwendig sind. Nach Ansicht von Greenpeace hätte ein Ausbruch des Feuers eine weitaus höhere Gefahr für die Anlage darstellen können.[20]

Im Jahr 1993 kam es zum Austritt von Dampf, der unter hohen Druck stand. Zwei menschen starben dabei, zwei weitere wurden schwer verletzt. Im Jahr 2000 gab es nach einem Erdbeben einen weiteren Zwischenfall, als man radioaktives Wasser außerhalb der Anlage vorfand. Man stellte fest, dass dies aus dem Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi stammte, von denen ein Kernreaktor ein Leck aufwies.[24]

Im Jahr 2002 geriet TEPCO in einen Fälschungsskandal von Terstberichten ihrer Kernkraftwerke. Bereits 2000 begannen die Ermittlungen gegen die Gesellschaft. Im August 2002 veröffentlichte das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie von Japan einen Bericht, wonach 29 Dokumente Fälschungen aufwiesen in 13 Reaktoranlagen, in 16 weiteren Fällen weitere neun Reaktoren. Die Behörden setzten ihre Untersuchungen daraufhin intensiv fort, allerdings mit dem Hinweis, dass keiner dieser technischen Probleme, die verfälscht weitergegeben wurden, ein signifikantes Problem darstellen würden. Im September kamen neue Hinweise, dass in 12 Blöcken von Chubu, TEPCO und der Japan Atomic Power Company Risse oder Anrisse an Rohrleitungen gefunden wurden. Am 25. Oktober 2002 wurde man bei TEPCO fündig, als bei einem Drucktest des Containments im Jahre 1991 und 1992 im Kernkraftwerk Fukuhsima-Daiichi unsachgemäß Luft in das Containment zugeführt wurde. Die Japanische Atomaufsichtsbehörde forderte TEPCO daraufhin auf, den Block für ein Jahr vom Netz zu nehmen. Als folge der gefälschten Papiere nahm TEPCO Mitte April 2003 all seine Reaktoren in Kashiwazaki-Kariwa, Fukushima-Daiichi und Fukushima-Daini unter den Vorwand von periodischen Wartungen und außerordentlichen Zusatztests. Die Leistung wurde durch in Reserve stehenden Ölkraftwerken ersetzt, sowie die Bevölkerung aufgefordert, Elektrizität zu sparen.[25]

Ab Juni 2003 veröffentlichte TEPCO eine Echtzeitstatistik des Energieverbrauchs, die jede Stunde aktualisiert wurde, um die Bevölkerung so auch über tägliche Medienberichte auf dem laufenden zu halten, ob Einsparungen nötig sind oder nicht. Eigentlich sah man dies vor, um in den Sommermonaten große Einsparungen machen zu können, allerdings war der Juli glücklicherweise einer der kältesten in der Geschichte. Der Verbrauch im Sommer war ebenfalls weit unter dem Durchschnitt des erwarteten Verbrauchs. Um die Kapaizitäten weiter decken zu können, wurde ein eingemottetes Kohlekraftwerk wieder in Betrieb genommen, sodass die Stromknappheit im September für beendet erklärt wurde.[26] Block zwei, drei, fünf und sechs konnten bereits 2003 wieder ans Netz gehen. Block vier folgte 2004 und Block fünf ging erst 2005 wieder in Betrieb.[16]

Im Jahr 2007 machte TEPCO Anfang des Jahres erneut Schlagzeilen, wonach die Gesellschaft einen Kritikalitätsunfall während einer Routineinspektion im dritten Reaktor am zweiten November 1978 vertuscht hatte. Demnach sollen einige Steuerstäbe aus der aktiven Zone zur Prüfung ausgefahren worden sein, wonach die Kernspaltung wieder zunahm und eine Kritikalität verursachte. Solch ein Verfahren wird bei Siedewasserreaktoren normal nicht durchgeführt, daher verwunderte es selbst die IAEA, dass dieses Verfahren auch in anderen Reaktoren der Gesellschaft vorgenommen wurden. neun ähnliche Zwischenfälle in anderen Reaktoren ebenfalls vorkamen. Betroffen waren davon die Kernkraftwerke Fukushima-Daiichi Block drei (1978), Block fünf (1980), Block zwei (1980) und Block vier (1999), sowie weitere sieben Reaktoren an den Standorten Onagawa, Hamaoka, Kashiwazaki-Kariwa und Shika. Seitens der Betreibergesellschaft TEPCO wurden diese Ereignisse als nicht Meldepflichtig eingestuft.[27] Die Dauer des Kritikalitätsunfalls in Block drei betrug siebeneinhalb Stunden.[28]

Unfall und Stilllegung

Die zerstörten Reaktoren am 16. März 2011

Am elften März 2011 kam es zu einem Erdbeben nahe der Stadt Sendai mit einer Magnitude von 9,0 auf der Richterskala. Infolge dessen schalteten sich die Reaktoren eins, zwei und drei automatisch ab. Die Reaktoren vier, fünf und sechs waren zu der Zeit aufgrund Routineinspektionen abgeschaltet. Sechs Minuten nach dem Erdbeben Traf ein Tsunami die Anlage und zerstörte die Schaltanlage für die elektrische externe Versorgung der Anlage, sowie die Dieselgeneratoren. Infolge dessen kam es zu mehreren Zwischenfällen im Kernkraftwerk, sowie zu einigen Wasserstoffexplosionen mit anschließender Freisetzung von radioaktiven Partikeln. Die Reaktoranlagen eins bis vier wurden vermutlich dadurch vollständig Betriebsunfähig gemacht.

Infolge dessen gab die Regierung bekannt, dass das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi nie wieder zur Stromerzeugung angefahren wird.[29] Am 20. Mai 2011 wurde offiziell die Stilllegung der Reaktoren beschlossen.[16]

Technische Details

Grafik: Aufbau des Standortes

Der erste Block ist ausgestattet mit einem Siedewasserreaktor vom Typ BWR-3. Die elektrische Bruttoleistung liegt bei 460 MW, während nach Abzug des Eigenbedarfs 439 MW netto in das Elektrizitätsnetz gespeist werden.[16] Der Reaktor durfte jährlich radioaktive Gase mit einer Gesamtaktivität von 180 Terrabecquerel über seinen 120 Meter hohen Schornstein abblasen.[30] Block zwei bis fünf sind mit Siedewasserreaktoren des Typs BWR-4 ausgestattet, ein Nachfolgemodell des BWR-3. Diese Reaktoren erreichen alle eine Bruttoleistung von 784 MW und speisen davon 760 MW nach Abzug des Eigenbedarfs in das Elektrizitätsnetz ein.[16] Block fünf ist ein Siedewasserreaktoren des Typs BWR-5. Der Block erreicht eine elektrische Leistung von 1100 MW und speist 1067 MW in das Elektrizitätsnetz nach Abzug des Eigenbedarfs ein.[16]

Block eins bis fünf sind Ausgestattet mit Containments vom Typ Mark-I mit einem Kondensationstorsus, Block sechs besitzt ein Mark-II-Containment das ein Kondensationsbecken besitzt. Seismisch wurde der erste Reaktor gegen eine Erdbeschleunigung von 0,18 g ausgelegt, auf der Basis des 1952 stattgefundenen Erdbeben in Süd-Kalifornien in Kern County. Die anderen Modell haben ein auf den Standort angepasstes Design. Um die Erdbebensicherheit zu verbessern steht am Standort ein Modell im Maßstab 1:15 der Reaktoren, mit einem Messstand.[21]

Neubau Block 7 und 8

Bereits seit 1997 erwägt TEPCO die Errichtung zweier neuer Reaktoren vom Typ ABWR. Ehemals sollte der Bau bereits 2007 beginnen, sodass die Reaktoren 2011 und 2012 ans Netz gehen.[31] Allerdings verzögerte sich der Bau mehrmals, ebenso beim Kernkraftwerk Higashidori, aufgrund der negativ ausgefallenen Erdbebenprüfungen.[32] Nach der Aufdeckung des Kritikalitätsunfalls aus dem Jahre 1978 im Jahre 2007 setzt TEPCO den Baubeginn auf einen späteren Zeitpunkt.[33] Aufgrund der Katastrophe in den Blöcken eins bis vier wurden die Planungen storniert.

Wissenswertes

Das Kernkraftwerk speist seine Energie in die Tokyo-Kreisstrecke ein, eine Hochspannungsleitung, die rund um den Großraum Tokio verläuft. Die 200 Kilometer lange Hochspannungsleitung setzt an einer Schaltanlage nahe der Stadt Yonomori an, die von den Kernkraftwerken Fukushima-Daiichi und Fukushima-Daini gemeinsam genutzt wird.[34] Die Reaktoren des Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi wurden eine Zeit lang als Tokyo eins bis sechs bezeichnet.[35]

Das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi stand zusammen mit dem Kernkraftwerk Fukushima-Daini einige Jahre im Guinness book of world records, mit einer Anzhal von zehn Reaktoren und einer installierten Leistung von 9096 MW an zwei Standorten als größtes Kernkraftwerk der Welt.[36][37] Allerdings wurde der der Rekord vom Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa mit sieben Reaktoren an einem Standort, jeder Block eine Kapazität mehr als 1000 MW, den Kernkraftwerken Fukushima-Daiichi und Fukushima Daini aberkannt.[38]

Um Versuche zur Verbesserung der Erdbebensicherheit zu schaffen und um mögliche Folgen festzustellen, steht ein 1:15 Modell des Containments auf dem Gelände mit einem Messstand.[21]

Daten der Reaktorblöcke

Reaktorblock[16] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Fukushima I-1 SWR BWR-3 439 MW 460 MW 25.07.1967 17.11.1970 26.03.1971 20.05.2011
Fukushima I-2 SWR BWR-4 760 MW 784 MW 09.06.1969 24.12.1973 18.07.1974 20.05.2011
Fukushima I-3 SWR BWR-4 760 MW 784 MW 28.12.1970 26.10.1974 27.03.1976 20.05.2011
Fukushima I-4 SWR BWR-4 760 MW 784 MW 12.02.1973 24.02.1978 12.10.1978 20.05.2011
Fukushima I-5 SWR BWR-4 760 MW 784 MW 22.05.1972 22.09.1977 18.04.1978
Fukushima I-6 SWR BWR-5 1067 MW 1100 MW 26.10.1973 04.05.1979 24.10.1979
Fukushima I-7[39] SWR ABWR 1339 MW 1380 MW Planungen storniert
Fukushima I-8[40] SWR ABWR 1339 MW 1380 MW Planungen storniert

Einzelnachweise

  1. The Oriental economist's Japan economic yearbook. The Oriental Economist, 1964. Seite 141.
  2. a b Australian Institute of International Affairs: Proceedings. Australian National University, 1965. Seite 74.
  3. a b Far Eastern economic review, Band 47. Review Pub. Co. Ltd., 1965.
  4. a b Nucleonics, Band 24. McGraw-Hill., 1966.
  5. Daniel P. Aldrich: Site Fights: Divisive Facilities and Civil Society in Japan and the West. In: G - Reference, Information and Interdisciplinary Subjects Series. Cornell University Press, 2010. ISBN 0801476224.
  6. Great Britain. Parliament. House of Commons: Papers by command, Band 45. HMSO, 1983.
  7. Atomic Industrial Forum: Nuclear industry, Band 14. Atomic Industrial Forum, 1967.
  8. a b Dentsū: Industrial Japan, Ausgaben 18-26. Dentsu Advertising, 1970.
  9. The Oriental economist, Band 35,Ausgaben 675-686. Oriental Economist, 1967.
  10. U.S. news & world report, Band 63,Ausgaben 10-18. U.S. News Pub. Corp., 1967.
  11. American Nuclear Society, European Nuclear Society: Transactions of the American Nuclear Society, Bände 42-43. American Nuclear Society, 1982.
  12. Hitachi Seisakujo: 60 years of Hitachi, 1910-1970. Hitachi, Ltd., 1970.
  13. American Nuclear Society: Nuclear news, Band 19,Ausgaben 1-8. American Nuclear Society., 1976.
  14. Atomic Industrial Forum: Nuclear industry, Band 20. Atomic Industrial Forum, 1973.
  15. a b c United Nations, International Atomic Energy Agency: Peaceful uses of atomic energy: proceedings, Band 2. In: Proceedings series; Peaceful Uses of Atomic Energy: Proceedings, International Atomic Energy Agency; Agence internationale de l'énergie atomique. United Nations, 1972.
  16. a b c d e f g h i j k l m n Power Reactor Information System der IAEA: „Japan“ (englisch)
  17. American Nuclear Society: Nuclear news, Band 14,Ausgaben 1-4. American Nuclear Society., 1971.
  18. Anna Gyorgy: No nukes: everyone's guide to nuclear power. In: Ecology and Green Politics Series. South End Press, 1979. ISBN 0896080064.
  19. Verband Deutscher Elektrotechniker: ETZ: elektrotechnische Zeitschrift: Ausg. B., Band 21. VDE-Verlag., 1969.
  20. a b John May, Greenpeace Foundation: The Greenpeace book of the nuclear age: the hidden history, the human cost. Pantheon Books, 1989. ISBN 0394585534.
  21. a b c A. Gerald Brady, United States-Japan Cooperative Program in Natural Resources. Panel on Wind and Seismic Effects: An Investigation of the Miyagi-ken-oki, Japan, earthquake of June 12, 1978. In: Band 592 von NBS special publication; Band 592 von (National Bureau of Standards special publication); An Investigation of the Miyagi-ken-oki, Japan, earthquake of June 12, 1978. U.S. Dept. of Commerce, National Bureau of Standards, 1980.
  22. Zeitschrift für Wirtschaftsgeographie, Bände 23-24. Pick-Verlag., 1979.
  23. International Brotherhood of Electrical Workers: Journal, Band 83. International Brotherhood of Electrical Workers, 1984.
  24. N. S. Sisodia, V. Krishnappa, Priyanka Singh: Proliferation and Emerging Nuclear Order in the Twenty-First Century. Academic Foundation, 2009. ISBN 817188752X.
  25. International Energy Agency, OECD - Organisation for Economic Co-operation and Development: Energy Policies of IEA Countries Energy Policies of IEA Countries: Japan 2003. OECD Publishing, 2003. ISBN 9264014756.
  26. International Energy Agency: Saving electricity in a hurry: dealing with temporary shortfalls in electricity supplies. In: Tema Nord 2005. OECD Publishing, 2005. ISBN 9264109455.
  27. T. Kitamura: Nuclear Knowledge Management in Japanese Nuclear Industry. International Atomic Energy Agency, 2008.(Online-Version)
  28. Japan echo, Band 34,Ausgaben 1-6. Japan Echo Inc., 2007.
  29. Petra Kolonko: Japan schöpft Hoffnung im Kampf gegen Gau. FAZ-Net, 20. März 2011. (Online-Version)
  30. Zdeněk Dlouhý: Disposal of radioactive wastes. In: Band 15 von Studies in environmental science; Band 15 von Studies in Electrical and Electronic Engineering. Elsevier, 1982. ISBN 0444997245.
  31. Richard C. Ragaini, Antonino Zichichi: International Seminar on Nuclear War and Planetary Emergencies, 34th session: energy, nuclear and renewable energy ... : "E. Majorana" Centre for Scientific Culture, Erice, Italy, 19 - 24 Aug. 2005. In: Science and culture series (Singapore).: Nuclear strategy and peace technology. World Scientific, 2006. ISBN 9812567399.
  32. World Nuclear Association: Nuclear Power in Japan. (Online-Version)
  33. Aktiencheck News: TEPCO verschiebt Fertigstellung von Kernkraftwerk. Wallstreet Journal, 28. März 2007 (Online-Version)
  34. Power engineering, Band 74. Technical Pub. Co., 1970.
  35. International Atomic Energy Agency: Power and research reactors in member states. International Atomic Energy Agency., 1969.
  36. Donald And Mcwhirter McFarlan: 1989 Guinness Book of World Records. Sterling Publishing Co., Inc., 1988. ISBN 0806902779.
  37. Donald McFarlan, Norris Dewar McWhirter, David A. Boeh: Guinness book of world records: 1990. Sterling, 1989. ISBN 0806957905.
  38. Ronald A. Morse: The Politics of Japan's energy strategy: resources-diplomacy-security. In: Ausgabe 3 von Research papers and policy studies; Band 3 von Research Papers and Policy Studies - University of California, Berkeley. Institute of East Asian Studies. Institute of East Asian Studies, University of California, 1981.
  39. Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - FUKUSHIMA-DAIICHI-7 “ (englisch)
  40. Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - FUKUSHIMA-DAIICHI-8 “ (englisch)

Siehe auch

Icon NuclearPowerPlant-green.svg Portal Kernkraftwerk