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Kernkraftwerk Hongyanhe

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Kernkraftwerk Hongyanhe
Standort
Land Flag of the People's Republic of China.svg Volksrepublik China
Provinz Liaoning
Ort Dalian
Koordinaten 39° 48′ 4″ N, 121° 28′ 30″ OTerra globe icon light.png 39° 48′ 4″ N, 121° 28′ 30″ O
Reaktordaten
Eigentümer Block 1 - 4: Liaoning Hongyanhe Nuclear Power Co. Ltd.
Block 5 & 6: China Guangdong Nuclear Power Group
Betreiber Liaoning Hongyanhe Nuclear Power Co. Ltd.
Geplant 2 (2000 MW)
Im Bau 4 (4000 MW)
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Hongyanhe (chinesisch 红沿河核电站, ehem. projektiert als Kernkraftwerk Liaoning, Bedeutung von „Hongyanhe“ (红沿河) aus dem Chinesischen für „Roter Fluss“, zusammengesetzt aus „Hong“ (红) für „Rot“, „yan“ (沿) für „entlang“, „bei“ oder „am“ und „he“ (河) für „Fluss“) soll nahe der Stadt Dalian in der chinesischen Provinz Liaoning entstehen. Die Anlage wurde ehemals mit sowjetischen Reaktormodellen projektiert, die allerdings am Standort Tianwan realisiert wurden. Die Anlage wurde schließlich mit chinesischen Reaktormodellen neu projektiert.

Geschichte

Der Premierminister Li Peng

Bereits im März 1984 gab die zentrale Regierung erste Planungserlaubnis für die Projektierung neuer Kernkraftwerke in den Provinzen Liaonung und Jiangsu, die innerhalb des siebten Fünfjahresplans realisiert werden sollten.[1] Im Januar 1985 kündigte der Premierminister Li Peng an, dass es mit Frankreich Verhandlungen über den Bau eines Kernkraftwerks in der Provinz Liaoning gebe. China hatte den Kauf zweier 900 MW starker Reaktoren im Blick, mit der Möglichkeit die Reaktortechnik zu transferieren. Die Volksrepublik selbst wollte den größten Teil der Komponenten in zehn Werken selbst anfertigen. Allerdings gab es keine konkreteren Verhandlungen darüber, da andere Standorte für Kernkraftwerke wichtiger schienen und weitere Angebote eingeholt werden sollten.[2] Weiter war bisher kein genauer Standort festgelegt worden. Allerdings wurde noch im gleichen Jahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.[3] Obwohl seit den 1960ern, als sich die Sowjetunion von rund 200 Projekten im Land zurückziehen musste, keine guten Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und der Sowjetunion bestanden, so änderte sich dies gegen 1985 wieder, nachdem für diverse Modernisierungsprojekte die Sowjetunion beauftragt wurde. Gegen Ende 1989 händigte die Sowjetunion auch Kredite für die Volksrepublik aus, allerdings zu harten Konditionen. Im Rahmen dieser Beziehungen gab es seitens Russlands auch Interesse für den Bau des Kernkraftwerks in der Provinz Liaoning.[4] Seitens des Ministers für Energieressourcen, Huang Yicheng, wurde der Zubau von zwei 1000 MW-Reaktoren begrüßt.[5] Als mögliche Standorte gab es zwei Orte: Wentuozi, eine Ortschaft nahe der Stadt Wafangdian und Xudabao nahe der Stadt Xingcheng.[6]

Der Nachfolgestaat Russland unterzeichnete im Dezember 1992 unter dem Besuch von Boris Nikolajewitsch Jelzin den Bau von zwei WWER-1000 am Standort Wafangdian. Russland stellte sich bereit einen staatlichen Kredit für die Anlage an China auszuschreiben. Im Gegenzug sollte die Volksrepublik an Russland nach Fertigstellung und Betriebsaufnahme des Werkes den Kredit in Form von verschiedenen Waren und anderen Gütern zurückzahlen. Die Errichtung des Werkes sollte durch Atomenergoexport erfolgen.[7] Später sollte der Bau zweier weiterer Kernreaktoren folgen, in einem separaten zweiten Abschnitt.[8] Aufgrund der energetischen Notwendigkeit in der Provinz Jiangsu wurde das Projekt jedoch an den Standort Lianyungang verschoben.[9]

Mainarticle-yellow.svg Hauptartikel: Kernkraftwerk Tianwan

Abschnitt 1

Erst im Rahmen des elften Fünfjahresplanes zwischen 2006 und 2010 wurde der Standort wieder für neue Reaktoren vorgesehen und unter der Namensbezeichnung Hongyanhe fortgeführt.[10] Die ersten Pläne sahen den Zubau von zwei Reaktoren vor,[11] später vier einheimischen Reaktoren vom Typ CPR-1000.[12] Die Kosten für diese vier Blöcke lagen bei 6,6 Milliarden Dollar, verursachten je Kilowattstunde jedoch Kosten in einer Höhe von 1530 Dollar und schneiden im Vergleich mit internationalen Projekten am Preiswertesten ab.[13] Die Errichtung sollte in zwei Abschnitten erfolgen. Der erste sieht den Zubau von vier Reaktoren vor, gefolgt von einem zweiten Abschnitt mit zwei weiteren Reaktoren. Die gleiche Baureihenfolge wird auch beim Kernkraftwerk Ningde angewandt.[14]

Bau

Mit dem Bau des ersten Blocks wurde am 18. August 2007 begonnen.[15] Noch im gleichen Monat beauftragte der Hauptauftragsnehmer Dongfang die französische Firma Alstom zur Lieferung der vier Turbinensätze für alle vier Blöcke des Werkes. Zum Einsatz kommen sollte die bewährte Arabelle-Turbine bei einem Vertragsvolumen von 184 Millionen Dollar.[16] Anschließend folgte der Bau des zweiten Blocks am 28. März 2008, der Bau von Block drei am siebten März 2009 und zuletzt der Bau von Block vier am 15. März 2009.[15] Weiter wurde der Zubau einer Meerwasserentsalzungsanlage angedacht, die bis zu 10000 Kubikmeter an Trinkwasser täglich erzeugen könnte.[17] Im Juni 2010 erhielt schließlich der US-Hersteller Dresser den Auftrag die Ventile für die vier Reaktoren zu liefern.[18] Am 20. September 2011 konnte die Kuppel des vierten Reaktorgebäudes installiert werden.[19] Am zwölften Oktober 2011 konnte der kalte Betriebstest im nuklearen Anlagenteil des ersten Blockes abgeschlossen werden. Nach Plan könnte der Block gegen Ende des Jahres 2012 in Betrieb gehen.[20]

Betrieb

Beim Baubeginn des ersten Blocks ging man davon aus, dass die ersten beiden Blöcke 2012 und 2013 den Betrieb aufnehmen werden.[21] Betrieben werden soll die Anlage von der Hongyanhe Nuclear Power Corporation, die zu 45 % China Guangdong Nuclear Power Company gehört, 45 % zur China Power Investment Corporation und zu 10 % zur Dalian Municipal Construction Investment Company.[22]

Abschnitt 2

Der zweite Bauabschnitt des Kernkraftwerks Hongyanhe sieht den Zubau von zwei weiteren Reaktoren vor. Am 28. Juli 2010 wurde für den Beginn der Standorterschließung eine Zeremonie abgehalten. Bereits im Mai genehmigte die National Development and Reform Commission den Zubau der zwei weiteren Reaktoren. Die Kosten liegen für beide Blöcke bei rund 3,7 Milliarden Dollar. Rund 80 % der Komponenten sollen in China gefertigt werden.[22] Wie auch beim ersten Bauabschnitt konnte Alstom den Auftrag für die Turbosätze für sich beanspruchen.[23]

Betrieb

Bis 2016 sollen sich die beiden Reaktoren im Betrieb befinden und damit den Standort vervollständigen.[22] Im Gegensatz zum ersten Abschnitt gehört der zweite Abschnitt der China Guangdong Nuclear Power Group vollständig. Der Betrieb soll jedoch wie im ersten Abschnitt durch die Hongyanhe Nuclear Power Corporation erfolgen.[24][25]

Technische Details

Die Anlage soll aus sechs Druckwasserreaktoren vom Typ CPR-1000 bestehen. Die elektrische Bruttoleistung aller Blöcke liegt bei 1080 MW, die elektrische Nettoleistung beträgt 1000 MW.[15]

Seismische Risiken

Unweit des Standortes verläuft die Donggang-Bruchlinie. Diese trifft unweit der Stadt Weitun auf die Jinzhou-Bruchlinie. Der Verlauf der Linie folgt von West nach Ost. Nach Ansicht der Experten geht von der Bruchlinie keine Gefahr aus, dadurch diese nicht aktiv sei. Nach Untersuchungen zufolge war die Verwerfung vor rund 50000 Jahren das letzte mal aktiv.[26]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Hongyanhe soll aus sechs Reaktorblöcken bestehen, von denen sich vier in Bau und zwei in Planung befinden.

Reaktorblock[15] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Netto Brutto
Hongyanhe-1 CPR-1000 1000 MW 1080 MW 18.08.2007
Hongyanhe-2 CPR-1000 1000 MW 1080 MW 28.03.2008
Hongyanhe-3 CPR-1000 1000 MW 1080 MW 07.03.2009
Hongyanhe-4 CPR-1000 1000 MW 1080 MW 15.08.2009
Hongyanhe-5[24] CPR-1000 1000 MW 1080 MW
Hongyanhe-6[25] CPR-1000 1000 MW 1080 MW

Einzelnachweise

  1. National Council for United States-China Trade, u.a.: The China business review, Band 12. National Council for US-China Trade, 1985. Seite 23.
  2. National Council for United States-China Trade, u.a.: The China business review, Band 12. National Council for US-China Trade, 1985. Seite 27.
  3. Power engineering, Band 89,Ausgaben 7-12. PennWell Pub. Co., 1985. Seite 14.
  4. Richard Felix Staar: Foreign policies of the Soviet Union. In: Ausgabe 402 von Hoover Institution publication; Ausgabe 410 von Publication Series; Band 402 von Hoover Press publication; Armenian Research Center collection. Hoover Press, 1991. ISBN 0817991026. Seite 273.
  5. New China quarterly, Ausgaben 15-18. New China News Ltd., 1990. Seite 62.
  6. Zhongguo di zhi ke xue yuan: Annual report. Di zhi chu ban she, 1984.
  7. Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 38. Handelsblatt GmbH, 1993. Seite 420.
  8. United States. Joint Publications Research Service: China report: science and technology, Ausgabe 8. Foreign Broadcast Information Service, 1995. Seite 79.
  9. Asian recorder, Band 43,Ausgabe 1. K. K. Thomas at Recorder Press, 1997.
  10. Richard C. Ragaini, Antonino Zichichi: nternational Seminar on Nuclear War and Planetary Emergencies, 34th session: energy, nuclear and renewable energy ... : "E. Majorana" Centre for Scientific Culture, Erice, Italy, 19 - 24 Aug. 2005. In: Science and culture series (Singapore).: Nuclear strategy and peace technology. World Scientific, 2006. ISBN 9812567399. Seite 68.
  11. Michael Vaupel, u.a.: Unentdeckte Chancen: Rohstoffe und Emerging Markets von morgen. FinanzBuch Verlag, 2007. ISBN 3898792765. Seite 124.
  12. American Nuclear Society: Nuclear news, Band 51,Ausgaben 1-6. American Nuclear Society, 2008. Seite 41.
  13. USA International Business Publications: Global Nuclear Power Industry Handbook: Investment & Business Guide. In: Band 133 von World Investment and Business Library. Int'l Business Publications, 2006. ISBN 0739741268. Seite 24.
  14. World Nuclear News: Inauguration of Ningde construction, 18.02.2008. Abgerufen am 01.11.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  15. a b c d Power Reactor Information System der IAEA: „China, People's Republic of: Nuclear Power Reactors“ (englisch)
  16. World Nuclear News: Alstom to provide Hongyanhe turbines , 24.08.2007. Abgerufen am 01.11.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  17. World Nuclear News: Reactor starts up at Ling Ao II, 11.06.2010. Abgerufen am 01.11.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  18. World Nuclear News: Chinese valve contract for Dresser, 14.07.2010. Abgerufen am 01.11.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  19. World Nuclear News: Reactor dome installed at Hongyanhe 4, 26.09.2011. Abgerufen am 01.11.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  20. World Nuclear News: Hongyanhe 1 completes cold tests, 14.10.2011. Abgerufen am 01.11.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  21. World Nuclear News: China shunts EPRs to Taishan, 20.08.2007. Abgerufen am 01.11.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  22. a b c World Nuclear News: Work on Phase II of Hongyanhe plant begins, 29.07.2010. Abgerufen am 01.11.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  23. World Nuclear News: Alstom generator packages for Chinese plants, 28.09.2010. Abgerufen am 01.11.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  24. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - HONGYANHE 5“ (englisch)
  25. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - HONGYANHE 6“ (englisch)
  26. Elsevier ScienceDirect: Geomechanics abstracts, Band 5. Elsevier Science, 2001. Seite 173.

Siehe auch