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Kernkraftwerk Kaliningrad: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 2. Juli 2012, 19:44 Uhr

Kernkraftwerk Kaliningrad
Standort
Land Flag of Russia.svg Russische Föderation
Oblast Kaliningrad
Ort Neman
Koordinaten 54° 56′ 22″ N, 22° 10′ 0″ OTerra globe icon light.png 54° 56′ 22″ N, 22° 10′ 0″ O
Reaktordaten
Eigentümer Rosenergoatom Konzern OJSC
Betreiber Rosenergoatom Konzern OJSC
Geplant 1 (1150 MW)
Im Bau 1 (1150 MW)
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Kaliningrad (russisch Калининградская АЭС anhörenBeschreibungsseite der Audiodatei mit Lizenzangaben), auch als Baltisches Kernkraftwerk bezeichnet (russisch Балтийская АЭС anhörenBeschreibungsseite der Audiodatei mit Lizenzangaben, kurz БтАЭС) soll nahe der russischen Stadt Neman entstehen. Die nahe Tuschino gelegene Anlage ist das erste Kernkraftwerk der Oblast Kaliningrad und das zweite im baltischen Raum. Es soll zukünftig mit dem Kernkraftwerk Visaginas in Litauen konkurrieren.

Geschichte

Im Jahre 1973 gab es Überlegungen, von der damaligen Kraftwerk Union AG in der Sowjetunion ein Kernkraftwerk in Kaliningrad zu errichten, aus dem die Sowjetunion Elektrizität nach Deutschland verkaufen könnte. Breschnew selbst schlug dieses Angebot bei einem Besuch in Bonn Bundeskanzler Brandt vor. Es sollte eines der größten Kernkraftwerke in der Sowjetunion werden, das jemals errichtet wurde. Seitens der deutschen Industrien gab es heftigen Widerstand gegen die Anlage, da man davon ausging, dass die Sowjetunion die deutsche Kerntechnik und das Wissen für ihre eigenen Zwecke und Entwicklungen missbrauchen könnte. Die Befürworter des Projekts wiesen auf die wirtschaftlichen Vorteile des Projekts hin, und das Deutschland selbst nur zu etwa zu drei Prozent von der Anlage abhängig wäre. Das Problem an dem Projekt lag jedoch in West-Berlin.[1]

Die Grundidee des Projekts lag darin, West-Berlin mit Elektrizität zu versorgen, da der westliche Stadtteil keine Verbindung zum Stromnetz der Bundesrepublik Deutschland hatte. Aufgrund dessen gabt es in West-Berlin eigene Kohlekraftwerke, deren Versorgung mit Kohle allerdings problematisch war. Da die Industrie in West-Berlin einen stetig steigenden Energiebedarf hatte, wollte man durch das Kernkraftwerk in Kaliningrad diesen Bedarf decken, ohne neue Kohlekraftwerke in West-Berlin errichten zu müssen. Allerdings würde die Leitung vom Kernkraftwerk nach West-Berlin durch Polen und die DDR verlaufen. Aufgrund dessen gab es mit Breschnew ein Gespräch in Ost-Berlin, bei dem beide Länder ihr Einverständnis gaben diese Leitung zu errichten. Um Manipulationen dieser Länder an der Leitung zu verhindern, sollte die Leitung alleine der Sowjetunion gehören.[2]

Im Oktober 1974 flog der neue Kanzler Helmut Schmidt nach Moskau, ein Hauptthema war unter anderem das Kernkraftwerk Kaliningrad. Bereits im Vorfeld des Besuchs erhoffte sich der Wirtschaftsminister Friedrichs, dass das Projekt eindeutige Züge annimmt. Allerdings schlug die sowjetische Führung vor, die Elektrizität nicht direkt nach West-Berlin zu leiten. Man wollte eine Hauptleitung vom Kernkraftwerk nach Magdeburg legen und von dort aus über eine Nebenstrecke weiter nach West-Berlin. Am Ende des Gespräches gab Schmidt bekannt, dass das grundsätzliche Einverständnis für die Anlage gegeben wurde. Letztlich wurde festgelegt, dass sich die sowjetische Seite an dem deutschen Wissen in der Kerntechnik bedienen darf und im Gegenzug die Elektrizitätsversorgung von West-Berlin gesichert wird. Beide Seiten waren mit dem Abkommen einverstanden. Allerdings waren hier die Grenzen der Regierung in Bonn erreicht worden: Kernkraftwerke durften nur in Rahmen von multilateralen Abkommen verkauft werden, an denen sich die Vereinigten Staaten von Amerika und das Vereinte Königreich beteiligen, was das Projekt noch einmal erheblich in die Länge zog. So forderten die Vereinigten Staaten, dass die Sowjetunion erlauben solle, ihre Kernkraftwerke zukünftig von der IAEA inspizieren zu lassen. Das ganze Projekt stand aufgrund dieser Forderung auf dem Spiel. Allerdings konterte Schmidt mit dem Argument, dass die Anlage in Kaliningrad wohl kaum eine strategische Bedrohung für den Westen darstellen könne.[1]

Durch das multilaterale Abkommen blockierten die Vereinigten Staaten von Amerika das Projekt und versuchten amerikanische Firmen in den Verkauf einzubeziehen. Westinghouse war an dem Projekt interessiert und hatte die Kraftwerk Union AG bereits bei anderen Projekten in Jugoslawien und Spanien überboten. Bei der Kraftwerk Union erhoffte man sich, dass der Auftrag von ihnen erworben würde, um eventuell zukünftig in Bruderstaaten der Sowjetunion Kernkraftwerke errichten zu können. Das Angebot von Westinghouse war von der sowjetischen Führung abgelehnt worden, wobei sich zeigte, dass auf dem nuklearen Sektor im Nordatlantikpakt Deutschland gegenüber den Vereinigten Staaten der größte Konkurrent war. Durch diesen Erfolg kamen erste Anfragen aus Polen über den Bau eines Kernkraftwerkes, ebenso aus der DDR. Diese Projekte wurden allerdings niemals begonnen. Der Preis für das Kernkraftwerk in Kaliningrad sollte bei rund 600 Millionen Dollar liegen, und die Leistung der Anlage bei 1200 MW.[1] Nachdem die sowjetische Seite größere Nachrechnungen vorgenommen hatte wurde festgestellt, dass das Projekt sehr hohe unwirtschaftliche Kosten mit sich zog und auch die deutsche Seite nicht bereit war, für die modernste Reaktortechnik aus Deutschland alleine mehrere Milliarden deutsche Mark auszugeben. Am 30. März 1976 wurden die Gespräche für das Projekt endgültig beendet.[2]

Neuplanung des Projekts

Im Februar 2008 regte InterRAO UES den Bau eines Kernkraftwerks in der Oblast Kaliningrad an. Das Kernkraftwerk soll hauptsächlich zum Export dienen und die Möglichkeit bieten, dass sich europäische Unternehmen bis zu 49 % an dem Kernkraftwerk beteiligen können, während alle anderen Anlagen vollständig zum Rosenergoatom Konzern gehören und auch von diesem betrieben werden. Als Standort wurde ein Ort nahe Neman (ehemals deutsch Ragnit) gewählt, an der litauischen Grenze. Die Kosten für die Anlage sollen bei rund 4,6 Milliarden Euro liegen. Die Anlage soll zudem dazu dienen, zukünftig mit dem geplanten Kernkraftwerk Visaginas in Litauen zu konkurrieren. Rosatom begründet den Bau des Kernkraftwerks damit, dass die Anlage innerhalb des europäischen Teils für den geplanten Export plaziert wird. Sie soll so ausgelegt werden, das sie in das europäische Stromnetz integriert wird und rund zwei Drittel des umweltfreundlichen Stroms in Länder wie Deutschland, Polen und die baltischen Staaten exportiert. Eine Trasse nach Deutschland würde entweder durch Polen verlaufen oder über ein Seekabel geleitet werden, was eine Investition von einer weiteren Milliarde Euro erfordern würde. Eine weitere Möglichkeit Überkapazitäten abzuleiten wäre eine Hochspannungstrasse durch Litauen in die Region um Sankt Petersburg. Russland eröffnete zeitgleich Litauen eine Einstiegsmöglichkeit in das Projekt, anstatt zusammen mit den baltischen Staaten und Polen ein neues Kernkraftwerk in Visaginas zu errichten.[3] Von Litauen wurde allerdings eine Beteiligung und ein Zukauf von Elektrizität aus diesem Kernkraftwerk ausgeschlossen. Das Land beantragte bei der europäischen Union eine Resolution gegen das Projekt, die allerdings nach Einschätzungen den Bau nicht stoppen kann.[4]

Seitens der Regierung wurde das Projekt per Dekret im September 2008 genehmigt, was eine Änderung des föderalen Zielprogramms von 2007 zur Folge hatte. Der Generalauftragnehmer ist Atomenergoprojekt Sankt Petersburg in Zusammenarbeit mit Atomstroiexport. Erste Arbeiten am Standort begannen im Februar 2010, der Baubeginn des ersten Reaktors war für 2011 vorgesehen, der zweite sollte 2012 folgen. Bei einer Errichtungszeit von rund 54 Monaten wird mit dem Betrieb der Reaktoren zwischen 2016 und 2018 gerechnet. Beteiligungen an der Anlage wurden von CEZ und Iberdola bekundet, wobei im April 2010 Enel zusammen mit InterRAO UES ein Abkommen unterzeichnete, das die Möglichkeit für Enel bietet sich mit bis zu 49 % an dem Projekt zu beteiligen. Rosatom wies darauf hin, dass das Projekt nicht verzögert wird, auch wenn keine Beteiligung von privaten Firmen zustande kommt. Zudem wäre das baltische Kernkraftwerk das erste Projekt an dem sich auch Siemens beteiligen könnte, welches zusammen mit Rosatom ein Abkommen für ein Gemeinschaftsunternehmen unterzeichnet hat.[3]

Bau

Der erste Block ging am 22. Februar 2012 in Bau.[5]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Kaliningrad soll aus zwei Rektoren bestehen, von denen sich einer im Bau und einer in Planung befindet.

Reaktorblock[5] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Baltijsk-1 DWR WWER-1200/491 1082 MW 1194 MW 22.02.2012 (Anfang 2017) (Ende 2017)
Baltijsk-2[6] DWR WWER-1200/491 1082 MW 1194 MW (Anfang 2018)

Einzelnachweise

  1. a b c Angela E. Stent: From Embargo to Ostpolitik: The Political Economy of West German-Soviet Relations, 1955-1980 - Volume 34 von Cambridge Russian, Soviet and Post-Soviet Studies. In: Cambridge University Press, 2003 ISBN 0521521378
  2. a b Avril Pittman: From Ostpolitik to Reunification: West German-Soviet Political Relations Since 1974. In: Cambridge University Press, 2002 ISBN 052189333X
  3. a b World Nuclear Association - Nuclear Power in Russia (englisch)
  4. Russland Aktuell - Kaliningrad: Freitag, 30.04.2010 - Litauen klagt gegen Atommeiler in Kaliningrad
  5. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Russian Federation“ (englisch)
  6. Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - BALTIISK-2“ (englisch)

Weblinks

Siehe auch