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Kernkraftwerk Leibstadt: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Kernkraftwerk Leibstadt''' (kurz ''KKL'') steht nahe dem gleichnamigen Ort Leibstadt in der Schweiz. Die an dem Rhein gelegene Anlage war das letzte Kernkraftwerk der Schweiz, das den Betrieb aufgenommen hatte. Die ehemals als deutsch/schweizerisches Gemeinschaftskraftwerk geplante Anlage ist das leistungsstärkste Kernkraftwerk der Schweiz. Entfernung zu den nächsten größeren Städten beträgt nach Dogern (Deutschland) und Leibstadt jeweils ein Kilometer, nach Waldshut-Tiengen (Deutschland) drei Kilometer, nach Baden und Bad Säckingen (Deutschland) je 15 Kilometer, nach Kloten, Zürich, Schaffhausen (Deutschland), Pratten und Olten je 35 Kilometer. Die Anlage liegt direkt an der deutschen Grenze.
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Das '''Kernkraftwerk Leibstadt''' (kurz ''KKL'') steht nahe dem gleichnamigen Ort Leibstadt in der Schweiz. Die an dem Rhein gelegene Anlage war das letzte Kernkraftwerk der Schweiz, das den Betrieb aufnahm. Die ehemals als deutsch/schweizerisches Gemeinschaftskraftwerk geplante Anlage ist das leistungsstärkste Kernkraftwerk der Schweiz. Die Entfernung zu den nächsten größeren Orten beträgt nach Dogern (Deutschland) und Leibstadt jeweils ein Kilometer, nach Waldshut-Tiengen (Deutschland) drei Kilometer, nach Baden und Bad Säckingen (Deutschland) je 15 Kilometer, nach Kloten, Zürich, Schaffhausen, Pratteln und Olten je 35 Kilometer. Die Anlage liegt direkt an der deutschen Grenze.
  
 
== Geschichte ==
 
== Geschichte ==
Die Anlage wurde ehemals als Gemeinschaftskernkraftwerk seitens der Elektrowatt AG Zürich und des deutschen RWE geplant. Insgesamt sollte das Gemeinschaftskernkraftwerk aus zwei Anlagen bestehen, eines im Raum Dogern bei Leibstadt und eines im Raum Waldshut auf der deutschen Seite. An jedem Standort sollte ein Kernkraftwerk entstehen, weshalb man 1965 erstmals an beiden Standorten Bodenproben nahm und mit einer Genehmigung beider Kernkraftwerke im Jahre 1966 rechnete. Allerdings plante das Badenwerk bereits zu dieser Zeit ein großes Kernkraftwerk nahe Schwörstadt, weshalb das RWE sein Projekt Rheinaufwärts verlegte und im Januar 1968 am Standort [[Kernkraftwerk Biblis|Biblis]] realisierte.<ref name="ISBN_3820210296">Wolfgang D. Müller: ''Auf der Suche nach dem Erfolg - Die sechziger Jahre - Geschichte der Kernenergie in der Bundesrepublik Deuschland Band II''. Schäffer Poeschel, Stuttgart 1996. ISBN 3820210296.</ref> Grund für das Scheitern ist auch die Tatsache, dass Elektrowatt sich auf einen Druckwasserreaktor mit 600&nbsp;MW von Westinghouse festgelegt hatte, während das RWE eine kleinere Anlage, allerdings auch einen Druckwasserreaktor, von Siemens favorisierte.<ref>''Nuclear engineering, Band 11''. Temple Press, 1966.</ref>
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Die Anlage wurde ehemals als Gemeinschaftskernkraftwerk seitens der Elektrowatt AG Zürich und des deutschen RWE geplant. Insgesamt sollte das Gemeinschaftskernkraftwerk aus zwei Anlagen bestehen, eines im Raum Dogern bei Leibstadt und eines im Raum Waldshut auf der deutschen Seite. An jedem Standort sollte ein Kernkraftwerk entstehen, weshalb man 1965 erstmals an beiden Standorten Bodenproben nahm und mit einer Genehmigung beider Kernkraftwerke im Jahre 1966 rechnete. Allerdings plante das Badenwerk bereits zu dieser Zeit ein großes Kernkraftwerk nahe Schwörstadt, weshalb das RWE sein Projekt rheinaufwärts verlegte und im Januar 1968 am Standort [[Kernkraftwerk Biblis|Biblis]] realisierte.<ref name="ISBN_3820210296">Wolfgang D. Müller: ''Auf der Suche nach dem Erfolg - Die sechziger Jahre - Geschichte der Kernenergie in der Bundesrepublik Deuschland Band II''. Schäffer Poeschel, Stuttgart 1996. ISBN 3820210296.</ref> Grund für das Scheitern war auch die Tatsache, dass Elektrowatt sich auf einen Druckwasserreaktor mit 600&nbsp;MW von Westinghouse festgelegt hatte, während das RWE eine kleinere Anlage, allerdings auch einen Druckwasserreaktor, von Siemens favorisierte.<ref>''Nuclear engineering, Band 11''. Temple Press, 1966.</ref>
  
Am 15.&nbsp;Dezember 1969 wurde vom Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement die Standortbewilligung erteilt. Die bisher im Bau befindlichen Anlagen in der Schweiz würden rechnerisch bis zum Jahr 1976 den Energieverbrauch ohne Probleme decken können, die Prognosen gehen im Anschluss allerdings von einem starken Anstieg des Bedarfs aus. Aufgrund dessen wurde ab 1970 begonnen, das Projekt in Leibstadt anzupassen und mit einem stärkeren Reaktor mit mehr als 600&nbsp;MW auszustatten.<ref>''Atomwirtschaft-Atomtechnik, Band 15''. Handelsblatt., 1970.</ref> Im Jahr 1970 beschloss man, einen Leichtwasserreaktor auszuwählen, bei dem hauptsächlich Schweizer Unternehmen in einem Konsortium beteiligt sein sollen. Man rechnete bis 1971 ein Konsortium gewählt zu haben. Um eventuell doch eine Partnerschaft mit deutschen Unternehmen vorzunehmen, wurde ein Anteil von 20&nbsp;% offengehalten.<ref>''Technica, Band 19''. Birkhäuser., 1970.</ref> Neben der Aare-Tessin AG für Elektrizität und dem Aargauischen Elektrizitätswerk zweigte das Badenwerk als einziges Deutsches Unternehmen Interesse an der Anlage.<ref>European Atomic Forum: ''The nuclear power industry in Europe''. Deutsches Atomforum, 1974.</ref>
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Am 15.&nbsp;Dezember 1969 wurde vom Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement die Standortbewilligung erteilt. Die bisher im Bau befindlichen Anlagen in der Schweiz würden rechnerisch bis zum Jahr 1976 den Energieverbrauch ohne Probleme decken können, die Prognosen gingen im Anschluss allerdings von einem starken Anstieg des Bedarfs aus. Aufgrund dessen wurde ab 1970 begonnen, das Projekt in Leibstadt anzupassen und mit einem stärkeren Reaktor mit mehr als 600&nbsp;MW auszustatten.<ref>''Atomwirtschaft-Atomtechnik, Band 15''. Handelsblatt., 1970.</ref> Im Jahr 1970 beschloss man, einen Leichtwasserreaktor auszuwählen, bei dem hauptsächlich Schweizer Unternehmen in einem Konsortium beteiligt sein sollen. Man rechnete bis 1971 ein Konsortium gewählt zu haben. Um eventuell doch eine Partnerschaft mit deutschen Unternehmen einzugehen, wurde ein Anteil von 20&nbsp;% offengehalten.<ref>''Technica, Band 19''. Birkhäuser., 1970.</ref> Neben der Aare-Tessin AG für Elektrizität und dem Aargauischen Elektrizitätswerk zweigte das Badenwerk als einziges deutsches Unternehmen Interesse an der Anlage.<ref>European Atomic Forum: ''The nuclear power industry in Europe''. Deutsches Atomforum, 1974.</ref>
  
Ein zehnköpfiges Konsortium entschied sich 1972 unter der Leitung der Elektrowatt AG Zürich für einen amerikanischen Siedewasserreaktor mit 900&nbsp;MW Leistung, der von General Electric geliefert werden sollte, die Turbinen vom Schweizer Konsortiumspartner Brown, Boverie & Cie. Die Kosten für die Anlage wurden auf 1,2&nbsp;Milliarden Schweizer Franken geschätzt, etwa 316&nbsp;Millionen US-Dollar.<ref name="Commerce Clearing House, 1972">Commerce Clearing House: ''Common market reports: Euromarket news''. Commerce Clearing House, 1972.</ref> Allerdings gab es einige Probleme, durch das 1971 durch den Bundesrat erlassene Bauverbot von Kraftwerken mit Flusskühlung, weshalb für Leibstadt nun ein 115&nbsp;Meter hoher Kühlturm infragekommen musste. Dadurch entfiel der Standortvorteil für das Kernkraftwerk Leibstadt, ebenso für das [[Kernkraftwerk Kaiseraugst]].<ref>Geographisch-Ethnologische Gesellschaft Basel, Universität Basel. Geographisches Institut: ''Regio Basiliensis, Band 13''. Verlag Helbing & Lichtenhahn, 1972.</ref> Als letztes kam ein Kühlturm mit einer Höhe von 144&nbsp;Meter infrage mit einem Basisdurchmesser von 120&nbsp;Meter, in einem geschlossenen System, sodass keine Wärmebelastung für den Rhein entstehe.<ref>Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband, Schweizerisches Nationalkomitee für Grosse Talsperren: ''Cours d'eau et énergie, Band 67''. Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband, 1975.</ref>
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Ein zehnköpfiges Konsortium entschied sich 1972 unter der Leitung der Elektrowatt AG Zürich für einen amerikanischen Siedewasserreaktor mit 900&nbsp;MW Leistung, der von General Electric geliefert werden sollte, die Turbinen vom schweizer Konsortiumspartner Brown, Boverie & Cie. Die Kosten für die Anlage wurden auf 1,2&nbsp;Milliarden Schweizer Franken geschätzt, etwa 316&nbsp;Millionen US-Dollar.<ref name="Commerce Clearing House, 1972">Commerce Clearing House: ''Common market reports: Euromarket news''. Commerce Clearing House, 1972.</ref> Allerdings gab es durch das 1971 vom Bundesrat erlassene Bauverbot von Kraftwerken mit Flusskühlung einige Probleme, weshalb für Leibstadt nun ein 115&nbsp;Meter hoher Kühlturm infrage kommen musste. Dadurch entfiel der Standortvorteil für das Kernkraftwerk Leibstadt, ebenso für das [[Kernkraftwerk Kaiseraugst]].<ref>Geographisch-Ethnologische Gesellschaft Basel, Universität Basel. Geographisches Institut: ''Regio Basiliensis, Band 13''. Verlag Helbing & Lichtenhahn, 1972.</ref> Folglich kam nur ein Kühlturm mit einer Höhe von 144&nbsp;Meter infrage, mit einem Basisdurchmesser von 120&nbsp;Meter. Durch dieses geschlossene System entsteht keine Wärmebelastung für den Rhein.<ref>Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband, Schweizerisches Nationalkomitee für Grosse Talsperren: ''Cours d'eau et énergie, Band 67''. Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband, 1975.</ref>
  
 
=== Bau ===
 
=== Bau ===
Mit dem Bau der Anlage wurde am ersten Januar 1974 begonnen.<ref name="IAEA"/> Ein deutscher Kläger wollte gegen den Bau in der Schweiz an einem eidgenössischen Gericht Klagen, dieses lies den Prozess jedoch nicht einmal beginnen, dadurch es nach eigener Aussage nicht Zuständig sei. Der Kläger möge sich an den Baden-Württembergischen Wirtschaftsminister wenden, der Mitglied im Aufsichtsrat des Badenwerks ist, das am Kernkraftwerk Leibstadt beteiligt ist. Alternativ wäre die Kontaktierung eines deutschen Gerichts. Daraufhin versuchte die gleiche Person, durch einen Brief an sechs Zeitungen, vier in der Schweiz und zwei in Deutschland, einen Bauabbruch zu erzwingen, mit einer Drohung, einen Bombenanschlag auf der Baustelle zu verüben. Während die deutschen Zeitungen diesen Brief druckten, übergaben die vier Schweizer Zeitungen den Brief an die Polizei. Der Absender konnte nicht ermittelt werden, allerdings wurde dieser später bekannt. Einen Einfluss auf die Arbeiten an dem Kernkraftwerk, hatte die Drohung nicht.<ref>''Die Horen, Band 24,Ausgaben 113-116''. K. Morawietz, 1979.</ref> Obwohl die Standortbewilligung bereits 1967 genehmigt wurde, gab es bei der Baubewilligung aufgrund einer Volksbewegung im Bezug auf das Kernkraftwerk eine Verzögerung, sodass diese erst im Dezember 1975 erteilt wurde, was zu einer Verzögerung der Inbetriebnahme in das Jahr 1984 führte.<ref>''Schweizer Monatshefte; zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur, Band 61,Ausgaben 7-12''. 1981.</ref>  Nachdem es 1979 zum [[Unfall von Three Mile Island|Unfall]] im [[Kernkraftwerk Three Mile Island]] kam, wurden umfangreiche Nachrüstungen am im Bau befindlichen Reaktor in Leibstadt vorgenommen, die durch den Bauverzug begünstigt wurden, sodass es zu keinen weiteren Verzögerungen kam.<ref>Institution of Electrical Engineers: ''Science abstracts, Band 92,Ausgaben 1-6''. Institution of Electrical Engineers., 1989.</ref>
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Mit dem Bau der Anlage wurde am 1.&nbsp;Januar 1974 begonnen.<ref name="IAEA"/> Ein deutscher Kläger wollte gegen den Bau in der Schweiz an einem eidgenössischen Gericht klagen, dieses wies die Klage jedoch ab, da es nach eigener Aussage nicht zuständig sei. Der Kläger möge sich an den baden-württembergischen Wirtschaftsminister wenden, der Mitglied im Aufsichtsrat des Badenwerks sei, das am Kernkraftwerk Leibstadt beteiligt ist. Die Alternative wäre die Kontaktierung eines deutschen Gerichts. Daraufhin versuchte die gleiche Person, durch einen Brief an sechs Zeitungen, vier in der Schweiz und zwei in Deutschland, einen Bauabbruch zu erzwingen, mit einer Drohung, einen Bombenanschlag auf der Baustelle zu verüben. Während die deutschen Zeitungen diesen Brief aus volkspädagogischen Gründen druckten, übergaben die vier Schweizer Zeitungen den Brief an die Polizei. Der Absender konnte nicht ermittelt werden, allerdings wurde dieser später bekannt. Einen Einfluss auf die Arbeiten an dem Kernkraftwerk hatte die Drohung nicht.<ref>''Die Horen, Band 24,Ausgaben 113-116''. K. Morawietz, 1979.</ref> Obwohl die Standortbewilligung bereits 1967 genehmigt wurde, wurde die Baubewilligung aufgrund einer Volksbewegung verzögert, sodass diese erst im Dezember 1975 erteilt wurde, was zu einem Verschieben der Inbetriebnahme in das Jahr 1984 führte.<ref>''Schweizer Monatshefte; zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur, Band 61,Ausgaben 7-12''. 1981.</ref>  Nachdem es 1979 zum Unfall im [[Kernkraftwerk Three Mile Island]] kam, wurden umfangreiche Nachrüstungen am im Bau befindlichen Reaktor in Leibstadt vorgenommen, die durch den Bauverzug begünstigt wurden, sodass es zu keinen weiteren Verzögerungen kam.<ref>Institution of Electrical Engineers: ''Science abstracts, Band 92,Ausgaben 1-6''. Institution of Electrical Engineers., 1989.</ref>
  
 
=== Betrieb ===
 
=== Betrieb ===
 
[[Datei:Klingnauer Stausee 2003 04 05.jpg|miniatur|Dampfschwaden des Leibstadter Kühlturms]]
 
[[Datei:Klingnauer Stausee 2003 04 05.jpg|miniatur|Dampfschwaden des Leibstadter Kühlturms]]
 
[[Datei:KKL Leibstadt.jpg|miniatur|Die Anlage aus der Nähe, 2009]]
 
[[Datei:KKL Leibstadt.jpg|miniatur|Die Anlage aus der Nähe, 2009]]
Am 24.&nbsp;Mai 1984 wurde der Block erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert.<ref name="IAEA"/> Allerdings musste der Betreiber feststellen, dass bereits zu diesem Zeitpunkt weitaus mehr Energie erzeugt wird, als die Schweiz benötige. Infolgedessen musste die gesamte Kapazität von Leibstadt exportiert werden, weit unter den Erzeugungskosten.<ref>''Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband, 1975''. In: Der SPIEGEL 38/1984, 17.09.1984. ([http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13511660.html Online-Version])</ref> Weitere Probleme wurden von der deutschen Seite gemeldet, die bei Dogern durch die hohen Dampfschwaden des Kühlturms rund 55&nbsp;Stunden am Stück ohne Sonne sind, für das weiter westlich gelegene Waldshut wird die Sonne für rund 20&nbsp;Stunden am Stück verdunkelt.<ref>''UMWELT: Trübe Sicht''. In: Der SPIEGEL 3/1986, 13.01.1986. ([http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13516281.html Online-Version])</ref> Bis 1989 spitzte sich die Lage weiter zu, sodass ein Gutachten bestätigte, dass die Gemeinde Dogern rund 100&nbsp;Stunden am Tag weniger Sonne vorhanden ist, bis zu 65&nbsp;% vermindert, als Wetterbedingt eigentlich normal. Dies ist eindeutig eine Folge der Kühlturmschwaden, die zwischen 300 und 500&nbep;Meter hoch sind, mit einer Länge bis zu 500&nbsp;Meter. Die Gemeinde wolle deshalb Schadensersatz fordern. Ähnliche Bedenken gegen Kühltürme und ihren Auswirkungen gab es bereits 1975 im Falle des [[Kernkraftwerk Wyhl|Kernkraftwerks Wyhl]], bei dem sich Winzer um eine schlechtere Qualität ihrer Weine aussprachen. Im Falle der Gemeinde Dogern wollte man allerdings über finanzielle Ausgleiche verhandeln, ansonsten würde eine Klage seitens der Gemeinde Dogern eingereicht.<ref>''Atomkraft: Riesige Fahne''. In: Der SPIEGEL 36/1989, 04.09.1989. ([http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13496124.html Online-Version])</ref> Der Betreiber willigte ein und Zahlte ab 1990 fortlaufend 100000&nbsp;Deutsche Mark an die Gemeinden Dogern, Albbruck und Waldshut-Tiengen, wobei 1995 die Zahlungen wieder eingestellt wurden.<ref>''Atomkraft: Vergoldeter Schatten''. In: Der SPIEGEL 18/1994, 02.05.1994. ([http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13689698.html Online-Version])</ref>
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Am 24.&nbsp;Mai 1984 wurde der Block erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert.<ref name="IAEA"/> Allerdings musste der Betreiber feststellen, dass bereits zu diesem Zeitpunkt weitaus mehr Energie erzeugt wurde, als die Schweiz benötigte. Infolgedessen musste die gesamte Kapazität von Leibstadt exportiert werden, weit unter den Erzeugungskosten.<ref>''Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband, 1975''. In: Der SPIEGEL 38/1984, 17.09.1984. ([http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13511660.html Online-Version])</ref> Weitere Probleme wurden von der deutschen Seite gemeldet, da bei Dogern die hohen Dampfschwaden des Kühlturms rund 55&nbsp;Stunden am Stück ohne Sonne bescherten, für das weiter westlich gelegene Waldshut wurde die Sonne für rund 20&nbsp;Stunden am Stück verdunkelt.<ref>''UMWELT: Trübe Sicht''. In: Der SPIEGEL 3/1986, 13.01.1986. ([http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13516281.html Online-Version])</ref> Bis 1989 spitzte sich die Lage weiter zu da ein Gutachten behauptete, dass die Gemeinde Dogern für unfassbare 100&nbsp;Stunden im Jahr 65% weniger Sonnenlicht bekam, als wetterbedingt eigentlich normal wäre. Die Gemeinde wollte deshalb Schadensersatz fordern. Ähnliche Bedenken gegen Kühltürme und ihren Auswirkungen gab es bereits 1975 im Falle des [[Kernkraftwerk Wyhl|Kernkraftwerks Wyhl]], bei dem sich Winzer um eine schlechtere Qualität ihrer Weine aussprachen. Im Falle der Gemeinde Dogern wollte man allerdings über finanzielle Ausgleiche verhandeln, da die Gemeinde Dogern sonst Klage eingereicht hätte.<ref>''Atomkraft: Riesige Fahne''. In: Der SPIEGEL 36/1989, 04.09.1989. ([http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13496124.html Online-Version])</ref> Der Betreiber willigte ein und zahlte ab 1990 fortlaufend 100.000&nbsp;Deutsche Mark an die Gemeinden Dogern, Albbruck und Waldshut-Tiengen, wobei die Zahlungen 1995 wieder eingestellt wurden.<ref>''Atomkraft: Vergoldeter Schatten''. In: Der SPIEGEL 18/1994, 02.05.1994. ([http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13689698.html Online-Version])</ref>
  
Im Jahre 1990 brach das Kernkraftwerk Leibstadt den Weltrekord für ununterbrochenen Betrieb eines Siedewasserreaktors mit 327,6&nbsp;Tagen. Allerdings verlor 1994 die Anlage den Titel an das [[Kernkraftwerk Grand Gulf]], das 403&nbsp;Tage mit einem baugleichen Reaktor leistete. Im Rahmen eines Brennstoffwechsels wurde das Kernkraftwerk Leibstadt am 17.&nbsp;Juli 1994 planmäßig vom Netz genommen. Neben dem Tausch von 112 der 648&nbsp;[[Brennelement]]e wurden die drei Niederdruckturbinen umgebaut und die Leistung des Kraftwerks um 23&nbsp;MW erhöht.<ref>Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany): ''Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 39''. Handelsblatt GmbH, 1994.</ref> Im folgenden Jahr 1995 kam es zu einer Wasserstoffexplosion während der Revision am elften August. Dabei wurden zwei Mitarbeiter der Firma Asea Brown Boveri (ABB) mit mittleren Verbrennungen in ein Züricher Klinikum geflogen. Der nukleare Anlagenteil war nicht betroffen.<ref>Peter Haupt: ''Die Chemie im Spiegel einer regionalen Tageszeitung: 1993-1995''. In: Band 4 von Die Chemie im Spiegel einer regionalen Tageszeitung. Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg, 1996.</ref>
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Im Jahre 1990 brach das Kernkraftwerk Leibstadt den Weltrekord für den ununterbrochenen Betrieb eines Siedewasserreaktors mit 327,6&nbsp;Tagen. Allerdings verlor die Anlage 1994 den Titel an das [[Kernkraftwerk Grand Gulf]], das 403&nbsp;Tage mit einem baugleichen Reaktor leistete. Im Rahmen eines Brennstoffwechsels wurde das Kernkraftwerk Leibstadt am 17.&nbsp;Juli 1994 planmäßig vom Netz genommen. Neben dem Tausch von 112 der 648&nbsp;[[Brennelement]]e wurden die drei Niederdruckturbinen umgebaut und die Leistung des Kraftwerks um 23&nbsp;MW erhöht.<ref>Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany): ''Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 39''. Handelsblatt GmbH, 1994.</ref> Im folgenden Jahr 1995 kam es während der Revision am 11.&nbsp;August zu einer Wasserstoffexplosion. Dabei wurden zwei Mitarbeiter der Firma Asea Brown Boveri (ABB) mit mittleren Verbrennungen in ein Züricher Klinikum geflogen. Der nukleare Anlagenteil war nicht betroffen.<ref>Peter Haupt: ''Die Chemie im Spiegel einer regionalen Tageszeitung: 1993-1995''. In: Band 4 von Die Chemie im Spiegel einer regionalen Tageszeitung. Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg, 1996.</ref>
  
Im Jahr 1997 wurden für weitere leistungserhöhende Maßnahmen zwei Vorwärmer und die drei Niederdruckturbinen getauscht und die alten Dekontaminiert.<ref>Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany): ''ATW: Internationale Zeitschrift für Kernenergie, Band 42,Ausgaben 7-12''. Verlagsgruppe Handelsblatt, 1997.</ref> Im Jahr 2000 wurde die Leistung ein weiteres mal um zehn Prozent angehoben,<ref>OECD Nuclear Energy Agency, Paul Scherrer Institut: ''Proceedings of the workshop on Advanced Reactors With Innovative Fuels: Villigen, Switzerland, 21-23 October 1998''. In: OECD Proceedings: Nuclear Science. OECD Publishing, 1999. ISBN 9264171177.</ref> im Jahr 2003 ein weiteres mal. Die letzte Leistungserhöhung erfolgte im Jahr 2011.<ref name="IAEA"/>
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Im Jahr 1997 wurden für weitere leistungserhöhende Maßnahmen zwei Vorwärmer und die drei Niederdruckturbinen getauscht und die alten dekontaminiert.<ref>Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany): ''ATW: Internationale Zeitschrift für Kernenergie, Band 42,Ausgaben 7-12''. Verlagsgruppe Handelsblatt, 1997.</ref> Im Jahr 2000 wurde die Leistung ein weiteres Mal um zehn Prozent angehoben,<ref>OECD Nuclear Energy Agency, Paul Scherrer Institut: ''Proceedings of the workshop on Advanced Reactors With Innovative Fuels: Villigen, Switzerland, 21-23 October 1998''. In: OECD Proceedings: Nuclear Science. OECD Publishing, 1999. ISBN 9264171177.</ref> im Jahr 2003 nochmals. Die letzte Leistungserhöhung erfolgte im Jahr 2011.<ref name="IAEA"/>
  
 
=== Stilllegung ===
 
=== Stilllegung ===
Durch die [[Katastrophe von Fukushima]] im März 2011 beschloss infolgedessen die Schweizer Regierung am 25.&nbsp;Mai 2011 den Ausstieg aus der zivilen Nutzung der Kernenergie. Da Leibstadt das letzte Kernkraftwerk war, dass in der Schweiz in Betrieb ging, wird die Anlage als letztes Kernkraftwerk im Jahre 2034 vom Netz gehen.<ref>''AKW vom Netz: Schweiz plant Atomausstieg - bis 2034''. In: Der SPIEGEL Online, 25.05.2011. ([http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,764914,00.html Online-Version])</ref>
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Durch die [[Katastrophe von Fukushima]] im März 2011 beschloss die Schweizer Regierung am 25.&nbsp;Mai 2011 den Ausstieg aus der zivilen Nutzung der Kernenergie. Da Leibstadt das letzte Kernkraftwerk war, dass in der Schweiz in Betrieb ging, soll die Anlage als letztes Kernkraftwerk im Jahre 2034 vom Netz gehen.<ref>''AKW vom Netz: Schweiz plant Atomausstieg - bis 2034''. In: Der SPIEGEL Online, 25.05.2011. ([http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,764914,00.html Online-Version])</ref>
  
 
== Technische Details ==
 
== Technische Details ==
Das Kernkraftwerk Leibstadt ist ausgestattet mit einem Siedewasserreaktor vom Typ [[BWR-6]],<ref name="IAEA"/> der von General Electric geliefert wurde.<ref name="Commerce Clearing House, 1972"/> Die elektrische Bruttoleistung liegt bei 1245&nbsp;MW, von denen 1190&nbsp;MW netto in das Stromnetz eingespeist werden.<ref name="IAEA"/>
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Das Kernkraftwerk Leibstadt ist ausgestattet mit einem Siedewasserreaktor vom Typ [[BWR-6]],<ref name="IAEA"/> der von General Electric geliefert wurde.<ref name="Commerce Clearing House, 1972"/> Die elektrische Bruttoleistung liegt bei 1275&nbsp;MW, von denen 1220&nbsp;MW netto in das Stromnetz eingespeist werden.<ref name="IAEA"/> Bei der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks war die Turbine die größte Hochgeschwindigkeitsturbine (3000 Umdrehungen pro Minute) der Welt.<ref>Alexander Leyzerovich: ''Wet-steam turbines for nuclear power plants''. PennWell Books, 2005. ISBN 1593700326.</ref>
Bei der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks war die Turbine die größte Hochgeschwindigkeitsturbine (3000 Umdrehungen pro Minute) der Welt.<ref>Alexander Leyzerovich: ''Wet-steam turbines for nuclear power plants''. PennWell Books, 2005. ISBN 1593700326.</ref>
 
  
Neben der Elektrizitätserzeugung wurde das Kernkraftwerk Leibstadt bereits dafür vorbereitet, [[Nukleare Fernwärme|Fernwärme]] auszuspeisen, nach ersten Plänen zum Export nach Deutschland. Allerdings kommen aufgrund der geringen Wärmedichte nur wenige Gemeinden infrage, die an das Netz angeschlossen werden könnten. Auf eine Anfrage an die deutsche Bundesregierung antworteten die Abgeordneten, dass dieses Projekt sehr sorgfältig auf Wirtschaftlichkeit und finanziellen Vorteilen geprüft werden müsste.<ref>Germany (West). Bundestag: ''Verhandlungen des Deutschen Bundestages: Stenographische Berichte, Band 282''. 1982.</ref> Als letztes wurde Anfang der 1990er ein Transitsystem vom Kernkraftwerk Leibstadt zur Stadt Basel in Betracht gezogen, genannt ''„WARHENO“''. Allerdings wurde dieses Projekt später nicht weiterverfolgt, weshalb Leibstadt neben dem [[Kernkraftwerk Mühleberg]] keine Fernwärme ausspeist.<ref>Germany (East). Amt für Kernforschung und Kerntechnik: ''Kernenergie: Zeitschrift für Kernforschung und Kerntechnik, Band 34''. Akademie-Verlag., 1991.</ref>
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Neben der Elektrizitätserzeugung wurde das Kernkraftwerk Leibstadt bereits dafür vorbereitet [[Nukleare Fernwärme|Fernwärme]] auszuspeisen, nach ersten Plänen zum Export nach Deutschland. Allerdings kommen aufgrund der geringen Wärmedichte nur wenige Gemeinden infrage, die an das Netz angeschlossen werden könnten. Auf eine Anfrage an die deutsche Bundesregierung antworteten die Abgeordneten, dass dieses Projekt sehr sorgfältig auf Wirtschaftlichkeit und finanzielle Vorteile geprüft werden müsste.<ref>Germany (West). Bundestag: ''Verhandlungen des Deutschen Bundestages: Stenographische Berichte, Band 282''. 1982.</ref> Als letztes wurde Anfang der 1990er ein Transitsystem vom Kernkraftwerk Leibstadt zur Stadt Basel in Betracht gezogen, genannt ''„WARHENO“''. Allerdings wurde dieses Projekt später nicht weiterverfolgt, weshalb Leibstadt gleich wie das [[Kernkraftwerk Mühleberg]] keine Fernwärme ausspeist.<ref>Germany (East). Amt für Kernforschung und Kerntechnik: ''Kernenergie: Zeitschrift für Kernforschung und Kerntechnik, Band 34''. Akademie-Verlag., 1991.</ref>
  
 
== Daten der Reaktorblöcke ==
 
== Daten der Reaktorblöcke ==
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! width="19%" rowspan="2" | Reaktorblock<ref name="IAEA">[http://www.iaea.org/programmes/a2/ Power Reactor Information System] der [[Internationale Atomenergieorganisation|IAEA]]: [http://www.iaea.org/cgi-bin/db.page.pl/pris.powrea.htm?country=CH&sort=&sortlong=Alphabetic „Switzerland (Swiss Confederation): Nuclear Power Reactors“] (englisch)</ref>
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! width="20%" rowspan="2" | Reaktorblock<ref name="IAEA">[http://pris.iaea.org/pris/ Power Reactor Information System] der [[Internationale Atomenergieorganisation|IAEA]]: [http://pris.iaea.org/pris/CountryStatistics/CountryDetails.aspx?current=CH „Switzerland“] (englisch)</ref>
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== Einzelnachweise ==
 
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Version vom 19. Mai 2013, 20:52 Uhr

Kernkraftwerk Leibstadt
2011-05-10 18-57-48 Switzerland - Wil.jpg
Standort
Land Civil Ensign of Switzerland.svg Schweiz
Kanton Aargau
Ort Leibstadt
Koordinaten 47° 36′ 7″ N, 8° 11′ 2″ OTerra globe icon light.png 47° 36′ 7″ N, 8° 11′ 2″ O
Reaktordaten
Eigentümer Kernkraftwerk Leibstadt AG
Betreiber Kernkraftwerk Leibstadt AG
Vertragsjahr 1972
Betriebsaufnahme 1984
Im Betrieb 1 (1275 MW)
Einspeisung
Eingespeiste Energie im Jahr 2010 8775 GWh
Eingespeiste Energie seit 1984 211884 GWh
Stand der Daten 30. Mai 2011
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Leibstadt (kurz KKL) steht nahe dem gleichnamigen Ort Leibstadt in der Schweiz. Die an dem Rhein gelegene Anlage war das letzte Kernkraftwerk der Schweiz, das den Betrieb aufnahm. Die ehemals als deutsch/schweizerisches Gemeinschaftskraftwerk geplante Anlage ist das leistungsstärkste Kernkraftwerk der Schweiz. Die Entfernung zu den nächsten größeren Orten beträgt nach Dogern (Deutschland) und Leibstadt jeweils ein Kilometer, nach Waldshut-Tiengen (Deutschland) drei Kilometer, nach Baden und Bad Säckingen (Deutschland) je 15 Kilometer, nach Kloten, Zürich, Schaffhausen, Pratteln und Olten je 35 Kilometer. Die Anlage liegt direkt an der deutschen Grenze.

Geschichte

Die Anlage wurde ehemals als Gemeinschaftskernkraftwerk seitens der Elektrowatt AG Zürich und des deutschen RWE geplant. Insgesamt sollte das Gemeinschaftskernkraftwerk aus zwei Anlagen bestehen, eines im Raum Dogern bei Leibstadt und eines im Raum Waldshut auf der deutschen Seite. An jedem Standort sollte ein Kernkraftwerk entstehen, weshalb man 1965 erstmals an beiden Standorten Bodenproben nahm und mit einer Genehmigung beider Kernkraftwerke im Jahre 1966 rechnete. Allerdings plante das Badenwerk bereits zu dieser Zeit ein großes Kernkraftwerk nahe Schwörstadt, weshalb das RWE sein Projekt rheinaufwärts verlegte und im Januar 1968 am Standort Biblis realisierte.[1] Grund für das Scheitern war auch die Tatsache, dass Elektrowatt sich auf einen Druckwasserreaktor mit 600 MW von Westinghouse festgelegt hatte, während das RWE eine kleinere Anlage, allerdings auch einen Druckwasserreaktor, von Siemens favorisierte.[2]

Am 15. Dezember 1969 wurde vom Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement die Standortbewilligung erteilt. Die bisher im Bau befindlichen Anlagen in der Schweiz würden rechnerisch bis zum Jahr 1976 den Energieverbrauch ohne Probleme decken können, die Prognosen gingen im Anschluss allerdings von einem starken Anstieg des Bedarfs aus. Aufgrund dessen wurde ab 1970 begonnen, das Projekt in Leibstadt anzupassen und mit einem stärkeren Reaktor mit mehr als 600 MW auszustatten.[3] Im Jahr 1970 beschloss man, einen Leichtwasserreaktor auszuwählen, bei dem hauptsächlich Schweizer Unternehmen in einem Konsortium beteiligt sein sollen. Man rechnete bis 1971 ein Konsortium gewählt zu haben. Um eventuell doch eine Partnerschaft mit deutschen Unternehmen einzugehen, wurde ein Anteil von 20 % offengehalten.[4] Neben der Aare-Tessin AG für Elektrizität und dem Aargauischen Elektrizitätswerk zweigte das Badenwerk als einziges deutsches Unternehmen Interesse an der Anlage.[5]

Ein zehnköpfiges Konsortium entschied sich 1972 unter der Leitung der Elektrowatt AG Zürich für einen amerikanischen Siedewasserreaktor mit 900 MW Leistung, der von General Electric geliefert werden sollte, die Turbinen vom schweizer Konsortiumspartner Brown, Boverie & Cie. Die Kosten für die Anlage wurden auf 1,2 Milliarden Schweizer Franken geschätzt, etwa 316 Millionen US-Dollar.[6] Allerdings gab es durch das 1971 vom Bundesrat erlassene Bauverbot von Kraftwerken mit Flusskühlung einige Probleme, weshalb für Leibstadt nun ein 115 Meter hoher Kühlturm infrage kommen musste. Dadurch entfiel der Standortvorteil für das Kernkraftwerk Leibstadt, ebenso für das Kernkraftwerk Kaiseraugst.[7] Folglich kam nur ein Kühlturm mit einer Höhe von 144 Meter infrage, mit einem Basisdurchmesser von 120 Meter. Durch dieses geschlossene System entsteht keine Wärmebelastung für den Rhein.[8]

Bau

Mit dem Bau der Anlage wurde am 1. Januar 1974 begonnen.[9] Ein deutscher Kläger wollte gegen den Bau in der Schweiz an einem eidgenössischen Gericht klagen, dieses wies die Klage jedoch ab, da es nach eigener Aussage nicht zuständig sei. Der Kläger möge sich an den baden-württembergischen Wirtschaftsminister wenden, der Mitglied im Aufsichtsrat des Badenwerks sei, das am Kernkraftwerk Leibstadt beteiligt ist. Die Alternative wäre die Kontaktierung eines deutschen Gerichts. Daraufhin versuchte die gleiche Person, durch einen Brief an sechs Zeitungen, vier in der Schweiz und zwei in Deutschland, einen Bauabbruch zu erzwingen, mit einer Drohung, einen Bombenanschlag auf der Baustelle zu verüben. Während die deutschen Zeitungen diesen Brief aus volkspädagogischen Gründen druckten, übergaben die vier Schweizer Zeitungen den Brief an die Polizei. Der Absender konnte nicht ermittelt werden, allerdings wurde dieser später bekannt. Einen Einfluss auf die Arbeiten an dem Kernkraftwerk hatte die Drohung nicht.[10] Obwohl die Standortbewilligung bereits 1967 genehmigt wurde, wurde die Baubewilligung aufgrund einer Volksbewegung verzögert, sodass diese erst im Dezember 1975 erteilt wurde, was zu einem Verschieben der Inbetriebnahme in das Jahr 1984 führte.[11] Nachdem es 1979 zum Unfall im Kernkraftwerk Three Mile Island kam, wurden umfangreiche Nachrüstungen am im Bau befindlichen Reaktor in Leibstadt vorgenommen, die durch den Bauverzug begünstigt wurden, sodass es zu keinen weiteren Verzögerungen kam.[12]

Betrieb

Dampfschwaden des Leibstadter Kühlturms
Die Anlage aus der Nähe, 2009

Am 24. Mai 1984 wurde der Block erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert.[9] Allerdings musste der Betreiber feststellen, dass bereits zu diesem Zeitpunkt weitaus mehr Energie erzeugt wurde, als die Schweiz benötigte. Infolgedessen musste die gesamte Kapazität von Leibstadt exportiert werden, weit unter den Erzeugungskosten.[13] Weitere Probleme wurden von der deutschen Seite gemeldet, da bei Dogern die hohen Dampfschwaden des Kühlturms rund 55 Stunden am Stück ohne Sonne bescherten, für das weiter westlich gelegene Waldshut wurde die Sonne für rund 20 Stunden am Stück verdunkelt.[14] Bis 1989 spitzte sich die Lage weiter zu da ein Gutachten behauptete, dass die Gemeinde Dogern für unfassbare 100 Stunden im Jahr 65% weniger Sonnenlicht bekam, als wetterbedingt eigentlich normal wäre. Die Gemeinde wollte deshalb Schadensersatz fordern. Ähnliche Bedenken gegen Kühltürme und ihren Auswirkungen gab es bereits 1975 im Falle des Kernkraftwerks Wyhl, bei dem sich Winzer um eine schlechtere Qualität ihrer Weine aussprachen. Im Falle der Gemeinde Dogern wollte man allerdings über finanzielle Ausgleiche verhandeln, da die Gemeinde Dogern sonst Klage eingereicht hätte.[15] Der Betreiber willigte ein und zahlte ab 1990 fortlaufend 100.000 Deutsche Mark an die Gemeinden Dogern, Albbruck und Waldshut-Tiengen, wobei die Zahlungen 1995 wieder eingestellt wurden.[16]

Im Jahre 1990 brach das Kernkraftwerk Leibstadt den Weltrekord für den ununterbrochenen Betrieb eines Siedewasserreaktors mit 327,6 Tagen. Allerdings verlor die Anlage 1994 den Titel an das Kernkraftwerk Grand Gulf, das 403 Tage mit einem baugleichen Reaktor leistete. Im Rahmen eines Brennstoffwechsels wurde das Kernkraftwerk Leibstadt am 17. Juli 1994 planmäßig vom Netz genommen. Neben dem Tausch von 112 der 648 Brennelemente wurden die drei Niederdruckturbinen umgebaut und die Leistung des Kraftwerks um 23 MW erhöht.[17] Im folgenden Jahr 1995 kam es während der Revision am 11. August zu einer Wasserstoffexplosion. Dabei wurden zwei Mitarbeiter der Firma Asea Brown Boveri (ABB) mit mittleren Verbrennungen in ein Züricher Klinikum geflogen. Der nukleare Anlagenteil war nicht betroffen.[18]

Im Jahr 1997 wurden für weitere leistungserhöhende Maßnahmen zwei Vorwärmer und die drei Niederdruckturbinen getauscht und die alten dekontaminiert.[19] Im Jahr 2000 wurde die Leistung ein weiteres Mal um zehn Prozent angehoben,[20] im Jahr 2003 nochmals. Die letzte Leistungserhöhung erfolgte im Jahr 2011.[9]

Stilllegung

Durch die Katastrophe von Fukushima im März 2011 beschloss die Schweizer Regierung am 25. Mai 2011 den Ausstieg aus der zivilen Nutzung der Kernenergie. Da Leibstadt das letzte Kernkraftwerk war, dass in der Schweiz in Betrieb ging, soll die Anlage als letztes Kernkraftwerk im Jahre 2034 vom Netz gehen.[21]

Technische Details

Das Kernkraftwerk Leibstadt ist ausgestattet mit einem Siedewasserreaktor vom Typ BWR-6,[9] der von General Electric geliefert wurde.[6] Die elektrische Bruttoleistung liegt bei 1275 MW, von denen 1220 MW netto in das Stromnetz eingespeist werden.[9] Bei der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks war die Turbine die größte Hochgeschwindigkeitsturbine (3000 Umdrehungen pro Minute) der Welt.[22]

Neben der Elektrizitätserzeugung wurde das Kernkraftwerk Leibstadt bereits dafür vorbereitet Fernwärme auszuspeisen, nach ersten Plänen zum Export nach Deutschland. Allerdings kommen aufgrund der geringen Wärmedichte nur wenige Gemeinden infrage, die an das Netz angeschlossen werden könnten. Auf eine Anfrage an die deutsche Bundesregierung antworteten die Abgeordneten, dass dieses Projekt sehr sorgfältig auf Wirtschaftlichkeit und finanzielle Vorteile geprüft werden müsste.[23] Als letztes wurde Anfang der 1990er ein Transitsystem vom Kernkraftwerk Leibstadt zur Stadt Basel in Betracht gezogen, genannt „WARHENO“. Allerdings wurde dieses Projekt später nicht weiterverfolgt, weshalb Leibstadt gleich wie das Kernkraftwerk Mühleberg keine Fernwärme ausspeist.[24]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Leibstadt besteht aus einem aktiven Reaktor.

Reaktorblock[9] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Leibstadt SWR BWR-6 1220 MW 1275 MW 01.01.1974 24.05.1984 15.12.1984 (2034)

Einzelnachweise

  1. Wolfgang D. Müller: Auf der Suche nach dem Erfolg - Die sechziger Jahre - Geschichte der Kernenergie in der Bundesrepublik Deuschland Band II. Schäffer Poeschel, Stuttgart 1996. ISBN 3820210296.
  2. Nuclear engineering, Band 11. Temple Press, 1966.
  3. Atomwirtschaft-Atomtechnik, Band 15. Handelsblatt., 1970.
  4. Technica, Band 19. Birkhäuser., 1970.
  5. European Atomic Forum: The nuclear power industry in Europe. Deutsches Atomforum, 1974.
  6. a b Commerce Clearing House: Common market reports: Euromarket news. Commerce Clearing House, 1972.
  7. Geographisch-Ethnologische Gesellschaft Basel, Universität Basel. Geographisches Institut: Regio Basiliensis, Band 13. Verlag Helbing & Lichtenhahn, 1972.
  8. Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband, Schweizerisches Nationalkomitee für Grosse Talsperren: Cours d'eau et énergie, Band 67. Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband, 1975.
  9. a b c d e f Power Reactor Information System der IAEA: „Switzerland“ (englisch)
  10. Die Horen, Band 24,Ausgaben 113-116. K. Morawietz, 1979.
  11. Schweizer Monatshefte; zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur, Band 61,Ausgaben 7-12. 1981.
  12. Institution of Electrical Engineers: Science abstracts, Band 92,Ausgaben 1-6. Institution of Electrical Engineers., 1989.
  13. Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband, 1975. In: Der SPIEGEL 38/1984, 17.09.1984. (Online-Version)
  14. UMWELT: Trübe Sicht. In: Der SPIEGEL 3/1986, 13.01.1986. (Online-Version)
  15. Atomkraft: Riesige Fahne. In: Der SPIEGEL 36/1989, 04.09.1989. (Online-Version)
  16. Atomkraft: Vergoldeter Schatten. In: Der SPIEGEL 18/1994, 02.05.1994. (Online-Version)
  17. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany): Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 39. Handelsblatt GmbH, 1994.
  18. Peter Haupt: Die Chemie im Spiegel einer regionalen Tageszeitung: 1993-1995. In: Band 4 von Die Chemie im Spiegel einer regionalen Tageszeitung. Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg, 1996.
  19. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany): ATW: Internationale Zeitschrift für Kernenergie, Band 42,Ausgaben 7-12. Verlagsgruppe Handelsblatt, 1997.
  20. OECD Nuclear Energy Agency, Paul Scherrer Institut: Proceedings of the workshop on Advanced Reactors With Innovative Fuels: Villigen, Switzerland, 21-23 October 1998. In: OECD Proceedings: Nuclear Science. OECD Publishing, 1999. ISBN 9264171177.
  21. AKW vom Netz: Schweiz plant Atomausstieg - bis 2034. In: Der SPIEGEL Online, 25.05.2011. (Online-Version)
  22. Alexander Leyzerovich: Wet-steam turbines for nuclear power plants. PennWell Books, 2005. ISBN 1593700326.
  23. Germany (West). Bundestag: Verhandlungen des Deutschen Bundestages: Stenographische Berichte, Band 282. 1982.
  24. Germany (East). Amt für Kernforschung und Kerntechnik: Kernenergie: Zeitschrift für Kernforschung und Kerntechnik, Band 34. Akademie-Verlag., 1991.

Weblinks

Siehe auch

Icon NuclearPowerPlant-green.svg Portal Kernkraftwerk