Herzlich willkommen in der Nucleopedia! Hierbei handelt es sich um eine freie Enzyklopädie, die sich auf den Bereich der Kernenergie spezialisiert hat. Die Inhalte sind frei verfügbar und unter Lizenz frei verwendbar. Auch Sie können zum Inhalt jederzeit beitragen, indem Sie als Benutzer den Seiteninhalt verbessern, erweitern oder neue Artikel erstellen.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung an dem Projekt!

Benutzerkonto beantragen  Benutzerkonto anfordern

Kernkraftwerk Moldau

Aus Nucleopedia
Version vom 3. Juli 2022, 06:36 Uhr von TZV (Diskussion | Beiträge) (Neu angelegt)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kernkraftwerk Moldau
Standort
Land Flag of Romania.svg Rumänien
Kreis Neamț
Ort Izvoare
Koordinaten 46° 53′ 25″ N, 26° 29′ 11″ OTerra globe icon light.png 46° 53′ 25″ N, 26° 29′ 11″ O
Reaktordaten
Eigentümer Romenergo
Betreiber Romenergo
Vertragsjahr 1982
Planungen storniert 1989
Pläne storniert 3 (3000 MW)
Spacer.gif
Gtk-dialog-info.svg
Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Moldau (rumänisch Centrala Nucleară de la Moldova) sollte nahe der rumänischen Ortschaft Izvoare im Kreis Neamț entstehen, südöstlich der Kreisstadt Piatra Neamț. Der Name des Kernkraftwerks kommt von der historischen Bezeichnung der Region, Moldau oder auch Westmoldau. In den frühen 1980ern wurden die Anlagen bestellt und Mitte der 1980er mit einem Standort die Vorarbeiten begonnen, die nur einen Monat andauerten. Der Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 führte zur vorläufigen Einstellung des Projekts und Ende der 1980er zur Einstellung des Vorhabens.

Geschichte

Ursprünglich war Rumänien Ende der 1960er eine Kooperation mit der Sowjetunion für den Bau des Kernkraftwerks Olt eingegangen. Die rumänische Seite forderte allerdings den WWER-440 mit einem Containment auszustatten, das die Sowjetunion nicht anbot. Die für Rumänien hohen Devisenaufwendungen führten dazu, dass ein Import der nötigen Anlagen aus dem Westen nicht infrage kam. In der Folge bot 1976 seit Sowjetunion als Alternative mit Containment den WWER-500 und WWER-1000 an. Da der WWER-500 erst ab 1985 für den Export verfügbar wäre und der WWER-1000 für den Standort Olt zu groß war, wurde die Anlage storniert. Mit der Initiative von Interatomenergo, ein Gemeinschaftsunternehmen der Mitgliedsländer des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW), mit den RGW-Mitgliedsstaaten WWER-1000 auch lokalisiert zu produzieren und errichten, hatte Rumänien 1982 ein neues Interesse am WWER.[1]

Parallel zu einem neuen Kernkraftwerk entlang des Flusses Olt in Transsilvanien, sollten an einem weiteren Standort bis 1990 drei WWER-1000 errichtet werden.[2][3][4][5] Am 10. September 1982[6] bestellte Rumänien drei WWER-1000 in der Sowjetunion. Für die Blöcke wurde allerdings kein Standort vereinbart, sondern nur die Region Moldau als Einsatzgebiet benannt.[1][6] Vorgesehen war der Bezug des Kernbrennstoffs aus der Sowjetunion, inklusive der Rückführung der abgebrannten Brennelemente.[7] Geplant war die Anlage als drittes Kernkraftwerk in Rumänien.[8] Die Energie aus dem Kernkraftwerks sollte nicht nur Rumänien nutzen, sondern einen Teil auch in die Sowjetunion in die angrenzende Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik.[9]

Im Jahr 1984 schlossen Rumänien und die Sowjetunion ein zwischenstaatliches Abkommen für den Bau von zunächst zwei der drei WWER-1000.[1] Der Bau sollte zwischen 1985 und 1990 beginnen.[10] Ab 1985 war die Anlage als zweites Kernkraftwerk in Rumänien vorgezogen worden.[11] Entsprechend mit dem staatlichen Abkommen begannen die Vorarbeiten zur Projektierung der Anlage und die finale Entscheidung für einen Standort. Die Standortentscheidung wurde im Frühling 1985 gefällt und im Juni 1985 in einem Zeitungsartikel öffentlich bekanntgegeben, dass das Kernkraftwerk Moldau nahe der Stadt Piatra Neamț errichtet wird. Der Artikel enthielt entsprechende generelle Informationen zu der Entscheidung und eine Abbildung von Nicolae Ceaușescu, der den Standort inspizierte.[12] Als Standort wählte man eine Hochebene nahe der Gemeinde Izovara ein Gelände[13]aufgrund der Nähe zu den Städten Roznov und Săvinești, deren Industriegebiete Dampfauskopplung aus dem Kernkraftwerk beziehen konnten. Seitens des Generaldesigners dauerten die arbeiten am vorgesehenen an, da sich die geologische Situation kompliziert herausstellte und die Regularien in Rumänien für die radioaktiven Emissionen im Normalbetrieb schärfer sind.[1] Die sowjetischen Normen sahen eine sanitäre Zone im Radius von 1,5 Kilometer um das Kernkraftwerk vor,[14] weshalb die Emissionsgrenzwerte in der sowjetischen Projektion für den WWER-1000 toleranter waren.[1] Die Absiedelung der umliegenden Gemeinden in der sanitären Zone war daher generell nötig.[14]

Wie Rumänien das Kernkraftwerk finanzieren würde, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Allerdings wurde von Analysten angenommen, dass die Anlage vornehmlich durch Sachgüter, Nahrungsexporte und Stromexporte bezahlt werden würde.[12] Da allerdings im gleichen Jahr die Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik Planungen für ein Kernheizkraftwerk nahe der Ortschaft Rîbnița begann war fraglich, ob die sowjetische Teilrepublik die Energieimporte aus Rumänien wirklich benötigen würde.[9] Im Jahr 1985 unterzeichnete Rumänien ein bilaterales Abkommen mit der Tschechoslowakei über die Lieferung des Reaktorsystems der beiden WWER-1000, einschließlich der Reaktordruckbehälter. Im Laufe des Jahres 1985 kam eine Delegation von Škoda JS in Bukarest an, die eigentlich mit Romenergo den Liefervertrag für die Komponenten unterzeichnen sollten. Die Unterzeichnung fand allerdings nicht statt, da die Komponenten für die Reaktoren für seismisch aktive Regionen angepasst werden musste, in der sich die Anlage befinden sollte. Dass dies seitens Škoda JS in den Verträgen nicht berücksichtigt wurden lag daran, dass man mit der sowjetischen Seite bei der Auftragsvergabe keinen Standort festgelegt hatte und nur grob die Region Moldau.[1] Seitens der Sowjetunion wurde zu diesem Zeitpunkt weiterhin gerechnet, dass der erste Block bis 1991 in Betrieb geht.[15]

Vorbereitende Arbeiten für das Kernkraftwerk Moldau wurden 1985 initiiert[16] und im Februar 1986 gab Rumänien auch öffentlich bekannt, dass man mit den anderen RGW-Staaten beim Bau der Anlage kooperieren und alle drei Reaktoren bei Škoda JS in der Tschechoslowakei in Auftrag geben wolle. Die sonstigen Komponenten sollten aus der Sowjetunion geliefert werden, wo auch bis 1991, wenn der erste Block in Betrieb geht, das Betriebspersonal ausgebildet werden sollte. Im März 1986 wurde mit vorbereitenden Arbeiten am Standort begonnen.[17][18] Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl im April 1986 führte das Unbehagen in der Führung von Romenergo dazu, dass man zunächst keinen Vertrag mehr für die Lieferung des Kernkraftwerks Moldau unterzeichnen wollte und die Vorarbeiten einstellte.[1][19] Durch die Aussetzung der Anwendung des Abkommens zwischen Rumänien und der Sowjetunion[1] wurde im November 1989 durch die rumänische Regierung die Stornierung des Projekts beschlossen, da man keine schlüsselfertigen Kernkraftwerke mehr aus der Sowjetunion importieren wollte und sich entschied, die Kooperation mit Kanada für den Bau des CANDU zu intensivieren.[20][1] Im Laufe des Jahres 1990 fand eine letzte Gesprächsrunde mit dem Generalprojektanten statt. Aufgrund der geänderten Regularien für Kernkraftwerke in der Sowjetunion wurden die Ansprüche für Standorte stark nachgeschärft was dazu führte, dass der Standort in Rumänien für den Exporteur aus der Sowjetunion nicht mehr als geeignet erachtet wurde. Mangels möglicher Alternativen entschieden sich beide Seiten einvernehmlich zu stornieren.[1] Langfristig sah man in dem Standort allerdings eine Option für ein zukünftiges Kernkraftwerk nach dem Jahr 2000.[21]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j Veronica Andrei, u.a.: DE LA ATOM LA KIILOWAT in ROMANIA, Januar 2007. ISBN 9789378101210. Seite 44, 71, 72, 140. Abgerufen am 01.07.2022.
  2. Economist Intelligence Unit (Great Britain): Quarterly Economic Review of Rumania, Bulgaria, Albania, Ausgabe 1, Economist Intelligence Unit., 1982. Seite 10.
  3. United States. Bureau of Mines: Minerals Yearbook, Band 3, Bureau of Mines, 1982. Seite 781.
  4. Partidul Comunist Român. Comitetul Central: Era socialistă, Ausgaben 12-24, 1982. Seite 11.
  5. International Atomic Energy Agency. General Conference: Publications, Teil 2, International Atomic Energy Agency, 1983. Seite 29.
  6. a b Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 27. Handelsblatt GmbH, Oktober 1982. Seite 487.
  7. RFE/RL: Radio Free Europe Research, Band 7, RFE/RL., 1982. Seite 3.
  8. International Atomic Energy Agency: RECORD OF THE TWO HUNDRED AND FIFTY-FOURTH PLENARY MEETING, 13.10.1983. Seite 29. Abgerufen am 03.07.2022. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  9. a b Martin Jirušek, u.a.: Energy Security in Central and Eastern Europe and the Operations of Russian State-Owned Energy Enterprises, Masaryk University Brno 2015. Seite 201. Abgerufen am 03.07.2022. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  10. Economist Intelligence Unit (Great Britain): Quarterly Economic Review of Rumania, Bulgaria, Albania, Economist Intelligence Unit., 1984. Seite 17.
  11. Council for Mutual Economic Assistance. Secretariat: Nuclear Power Engineering in the CMEA Member Countries, Ausgabe 88, Izdatelʹskiĭ otdel Upravlenii͡a︡ delami Sekretariata SĖV, 1985. Seite 12.
  12. a b RFE/RL, inc: Radio Free Europe Research, Band 10,Ausgaben 44-52, RFE/RL., 1985. Seite 7.
  13. Adevaru: O fantomă nucleară bântuie judeţul Neamţ, 05.05.2011. Abgerufen am 03.07.2022. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  14. a b Charles K. Dodd: Industrial Decision-making and High-risk Technology: Siting Nuclear Power Facilities in the USSR, Rowman & Littlefield, 1994. ISBN 9780847678471. Seite 76 bis 95.
  15. Fedor I︠A︡kovlevich Ovchinnikov: Международное сотрудничество стран-членов СЭВ в области атомной энергетики, Энергоатомиздат, 1986. Seite 76.
  16. Council for Mutual Economic Assistance. Secretariat: Survey of CMEA Activities, 1985. Seite 8.
  17. David R. Marples: Chernobyl and Nuclear Power in the USSR, Springer, 1986. ISBN 9781349185870. Seite 58.
  18. Romania a country study, 1991. Seite 167.
  19. John M. Kramer: The Energy Gap in Eastern Europe, Lexington Books, 1990. ISBN 9780669167566. Seite 59.
  20. United States. Office of Coal, Nuclear, Electric, and Alternate Fuels. Nuclear & Alternate Fuels Division: Commercial Nuclear Power, Energy Information Administration, Office of Coal, Nuclear, Electric, and Alternate Fuels, U.S. Department of Energy, 1990. Seite 70.
  21. Tribuna economică: publicație a economiștilor din România, Tribuna Economică, 1990. Seite 12.

Siehe auch