Herzlich willkommen in der Nucleopedia! Hierbei handelt es sich um eine freie Enzyklopädie, die sich auf den Bereich der Kernenergie spezialisiert hat. Die Inhalte sind frei verfügbar und unter Lizenz frei verwendbar. Auch Sie können zum Inhalt jederzeit beitragen, indem Sie als Benutzer den Seiteninhalt verbessern, erweitern oder neue Artikel erstellen.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung an dem Projekt!

Benutzerkonto beantragen  Benutzerkonto anfordern

Kernkraftwerk Ruppur: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Nucleopedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
(Neu angelegt)
 
(Ausdruck, typos)
Zeile 32: Zeile 32:
  
 
== Geschichte ==
 
== Geschichte ==
Im Jahr 1961 wurde für Ostpakistan erstmals ein Kernkraftwerk mit rund 50&nbsp;MW Leistung, dass bis 1966 den Energiebedarf decken könnte, in Aussicht gestellt. Die Standortsuche selbst wurde unter der Leitung der [[Internationalen Atomenergiebehörde]] (IAEA) durchgeführt und zusammen mit einem Werk in Westpakistan durchgeführt.<ref>Canada. Dept. of External Affairs: ''Canada and the United Nations''. In: Conference series, Canada Dept. of External Affairs. Queen's printer and controller of stationery, 1961.</ref> Im November 1962 gaben die fünf Experten die für die Standortsuche beauftragt wurden [[Kernkraftwerk Karatschi|Karatschi]] in Westpakistan und Ruppur in Ostpakistan als geeignetste Standorte bekannt. Rücksicht bei der Standortwahl wurde insbesondere auf die geologischen und seismischen Eigenschaften genommen.<ref>American Nuclear Society: ''Nuclear news, Band 5''. American Nuclear Society., 1962. Seite 4.</ref> Ruppur sollte vor Karatschi errichtet werden und das erste Kernkraftwerk  in Pakistan werden.<ref>''The Geographical digest''. G. Philip, 1965. Seite 76.</ref> Mit Beihilfe der IAEA wurde der Auftrag international ausgeschrieben. Beworben haben sich daraufhin unter anderem General Electric auch Westinghouse und die westdeutsche Siemens-Schuckertwerke.<ref>''Euronuclear, Band 1''. Morgan Brothers, 1964. Seite 12.</ref> Seitens Westdeutschland gab es ein abkommen über Beihilfen zum Bau des Werkes.<ref>''Link: Indian newsmagazine, Band 10,Teil 2''. 1967. Seite 82.</ref> Allerdings gewann das Ausschreiben ein Schweizer Konsortium, dass von der Motor-Columbus&nbsp;AG geführt wurde. Die Komponenten des Werkes sollten in Belgien und Frankreich gefertigt werden. Weiter wurde die projektierte Anlagenleistung von 70 auf 200&nbsp;MW angehoben.<ref>Canada. Dept. of Trade and Commerce, u.a.: ''Canada commerce, Band 135''. 1971. Seite 36.</ref> Allerdings gab es seitens der Sowjetunion ein attraktiveres Angebot für einen 400&nbsp;MW starken [[WWER-440]], weshalb analog zum schweizerisch-französisch-belgischen Projekt noch Verhandlungen mit der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken geführt wurden.<ref>''Electrical times, Band 159''. 1971. Seite 33.</ref>
+
Im Jahr 1961 wurde für Ostpakistan erstmals ein Kernkraftwerk mit rund 50&nbsp;MW Leistung, dass bis 1966 den Energiebedarf decken könnte, in Aussicht gestellt. Die Standortsuche selbst wurde unter der Leitung der [[Internationalen Atomenergiebehörde]] (IAEA) durchgeführt und zusammen mit einem Werk in Westpakistan durchgeführt.<ref>Canada. Dept. of External Affairs: ''Canada and the United Nations''. In: Conference series, Canada Dept. of External Affairs. Queen's printer and controller of stationery, 1961.</ref> Im November 1962 gaben die fünf Experten die für die Standortsuche beauftragt wurden [[Kernkraftwerk Karatschi|Karatschi]] in Westpakistan und Ruppur in Ostpakistan als geeignetste Standorte bekannt. Rücksicht bei der Standortwahl wurde insbesondere auf die geologischen und seismischen Eigenschaften genommen.<ref>American Nuclear Society: ''Nuclear news, Band 5''. American Nuclear Society., 1962. Seite 4.</ref> Ruppur sollte vor Karatschi errichtet werden und das erste Kernkraftwerk  in Pakistan werden.<ref>''The Geographical digest''. G. Philip, 1965. Seite 76.</ref> Mit Beihilfe der IAEA wurde der Auftrag international ausgeschrieben. Beworben haben sich daraufhin neben General Electric auch Westinghouse und die westdeutsche Siemens-Schuckertwerke.<ref>''Euronuclear, Band 1''. Morgan Brothers, 1964. Seite 12.</ref> Seitens Westdeutschland gab es ein Abkommen über Beihilfen zum Bau des Werkes.<ref>''Link: Indian newsmagazine, Band 10,Teil 2''. 1967. Seite 82.</ref> Allerdings gewann das Ausschreiben ein Schweizer Konsortium, dass von der Motor-Columbus&nbsp;AG geführt wurde. Die Komponenten des Werkes sollten in Belgien und Frankreich gefertigt werden. Weiter wurde die projektierte Anlagenleistung von 70 auf 200&nbsp;MW angehoben.<ref>Canada. Dept. of Trade and Commerce, u.a.: ''Canada commerce, Band 135''. 1971. Seite 36.</ref> Allerdings gab es seitens der Sowjetunion ein attraktiveres Angebot für einen 400&nbsp;MW starken [[WWER-440]], weshalb analog zum schweizerisch-französisch-belgischen Projekt noch Verhandlungen mit der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken geführt wurden.<ref>''Electrical times, Band 159''. 1971. Seite 33.</ref>
  
Zur gleichen Zeit im Jahre 1971 befand sich die Anlage in Karatschi bereits in Betrieb und war damit das erste Kernkraftwerk in Pakistan.<ref>Far Eastern economic review: ''Asia yearbook''. Far Eastern economic review., 1971. Seite 261.</ref> In Ruppur einigte man sich im gleichen Jahr erst auf einen Finanzierungsplan für das 200&nbsp;MW starke Werk. Das Sowjetprojekt mit zwei 300 bis 500&nbsp;MW starken Reaktoren wurde als Option für das Ende des Jahrzehnts gesehen.<ref>International Atomic Energy Agency: ''Obzory po atomnoĭ energii, Band 9''. International Atomic Energy Agency., 1971. Seite 459.</ref> Der Bau eines leistungsstärkeren Reaktor wurde allerdings eher als Lösung betrachtet da bis 1970 das Versorgungsdefizit sich bereits auf 314&nbsp;MW belief.<ref>Haroun Rashid: ''Geography of Bangladesh''. University Press, 1977. Seite 452.</ref> Nachdem die Verhandlungen scheiterten und auch eine baugleiche Anlagen wie in Karatschi seitens Kanada zu keinem Vertragsschluss führte schwenkte man auf das Angebot seitens der Sowjetunion 1968 ein. Durch die Abspaltung Ostpakistans vom Land Pakistan und durch die Gründung des neuen Staats ''Bangladesch'' im Jahre 1961 wurde das Projekt zukünftig unter neuen politischen Bedingungen fortgeführt. In der Folge rückte der Bau eines Kernkraftwerks eher in den Hintergrund. Erst 1980 wurde das Projekt wieder aufgegriffen und entsprechende Studien angefertigt.<ref>Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: ''Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 25''. Handelsblatt GmbH, 1980. Seite 166.</ref> Bangladesch selbst sah den Bau von zwei Reaktoren mit je 125&nbsp;MW, die bis 1985 und 1987 den Betrieb aufnehmen könnten am realistischsten an.<ref>Richard F. Meyer, u.a.: ''Long-term energy resources: an international conference, Band 3''. Pitman, 1981. ISBN 0273085344,. Seite 1832.</ref> Dies wurde seitens der Bangladesch Atomic Energy Commission so nicht gestützt sondern der Bau eines 300&nbsp;MW starken Reaktors nach den Stand der Technik und des Energiedefizits für angebrachter.<ref>Markus Fritz: ''Future energy consumption of the Third World with special reference to nuclear power: an individual and comprehensive evaluation of 156 countries''. Pergamon Press, 1981. Seite 187.</ref>
+
Zur gleichen Zeit im Jahre 1971 befand sich die Anlage in Karatschi bereits in Betrieb und war damit das erste Kernkraftwerk in Pakistan.<ref>Far Eastern economic review: ''Asia yearbook''. Far Eastern economic review., 1971. Seite 261.</ref> In Ruppur einigte man sich im gleichen Jahr erst auf einen Finanzierungsplan für das 200&nbsp;MW starke Werk. Das Sowjetprojekt mit zwei 300 bis 500&nbsp;MW starken Reaktoren wurde als Option für das Ende des Jahrzehnts gesehen.<ref>International Atomic Energy Agency: ''Obzory po atomnoĭ energii, Band 9''. International Atomic Energy Agency., 1971. Seite 459.</ref> Der Bau eines leistungsstärkeren Reaktors wurde allerdings eher als Lösung betrachtet da bis 1970 das Versorgungsdefizit sich bereits auf 314&nbsp;MW belief.<ref>Haroun Rashid: ''Geography of Bangladesh''. University Press, 1977. Seite 452.</ref> Nachdem die Verhandlungen scheiterten und auch eine baugleiche Anlage wie in Karatschi seitens Kanada zu keinem Vertragsschluss führte schwenkte man auf das Angebot der Sowjetunion 1968 ein. Durch die Abspaltung Ostpakistans vom Land Pakistan und durch die Gründung des neuen Staats ''Bangladesch'' im Jahre 1961 wurde das Projekt zukünftig unter neuen politischen Bedingungen fortgeführt. In der Folge rückte der Bau eines Kernkraftwerks eher in den Hintergrund. Erst 1980 wurde das Projekt wieder aufgegriffen und entsprechende Studien angefertigt.<ref>Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: ''Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 25''. Handelsblatt GmbH, 1980. Seite 166.</ref> Bangladesch selbst sah den Bau von zwei Reaktoren mit je 125&nbsp;MW, die bis 1985 und 1987 den Betrieb aufnehmen könnten am realistischsten an.<ref>Richard F. Meyer, u.a.: ''Long-term energy resources: an international conference, Band 3''. Pitman, 1981. ISBN 0273085344,. Seite 1832.</ref> Dies wurde seitens der Bangladesch Atomic Energy Commission so nicht gestützt sondern der Bau eines 300&nbsp;MW starken Reaktors nach den Stand der Technik und des Energiedefizits für angebrachter gesehen.<ref>Markus Fritz: ''Future energy consumption of the Third World with special reference to nuclear power: an individual and comprehensive evaluation of 156 countries''. Pergamon Press, 1981. Seite 187.</ref>
  
Im Jahr 1985 bot die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken Bangladesch erneut ein preisgünstiges Angebot für einen WWER-440 an, dass allerdings an straffen politischen Bedingungen gebunden war, die Bangladesch so nicht akzeptieren wollte.<ref>Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: ''Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 30''. Handelsblatt GmbH, 1985. Seite 2.</ref> Die Kosten sollten sich auf 600&nbsp;Millionen Dollar belaufen.<ref>''Soiet nuclear deal''. In: New Scientist, Band 104, Nr. 1434. ISSN 0262-4079. Seite 5.</ref> Neben der Sowjetunion bot das Vereinigte Königreich den Bau eines 300&nbsp;MW starken [[Magnox-Reaktor]] an. Saudi Arabien wollte das Projekt inanziell unterstützen und etwa zwei Drittel der Finanzierung zur Verfügung stellen, allerdings hatte Bangladesch selbst Probleme die Summen für das restliche Drittel aufzubringen.<ref>''Nuclear Bangladesh''. In: New Scientist, Band 92, Nr. 1274. ISSN 0262-4079. Seite 89.</ref> Im Jahre 1988 gab es seitens der Regierung die Entscheidung pauschal mit Vorarbeiten für einen 320&nbsp;MW starken Reaktor zu beginnen.<ref>Economist Intelligence Unit (Great Britain): ''Country report: Bangladesh, Ausgaben 2-1987''. The Unit, 1987. Seite 80.</ref> Die endgültige Entscheidung fiel jedoch erst 1989 für das Kernkraftwerk, nachdem eine Studie des westdeutschen Unternehmens ''Lahmayer International''hierzu ausgearbeitet wurde.<ref>Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: ''Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 34''. Handelsblatt GmbH, 1989. Seite 314.</ref>
+
Im Jahr 1985 bot die UdSSR Bangladesch erneut ein preisgünstiges Angebot für einen WWER-440 an, dass allerdings an straffe politischen Bedingungen gebunden war, die Bangladesch so nicht akzeptieren wollte.<ref>Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: ''Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 30''. Handelsblatt GmbH, 1985. Seite 2.</ref> Die Kosten sollten sich auf 600&nbsp;Millionen Dollar belaufen.<ref>''Soiet nuclear deal''. In: New Scientist, Band 104, Nr. 1434. ISSN 0262-4079. Seite 5.</ref> Neben der Sowjetunion bot das Vereinigte Königreich den Bau eines 300&nbsp;MW starken [[Magnox-Reaktor]] an. Saudi Arabien wollte das Projekt finanziell unterstützen und etwa zwei Drittel der Finanzierung zur Verfügung stellen, allerdings hatte Bangladesch selbst Probleme die Summen für das restliche Drittel aufzubringen.<ref>''Nuclear Bangladesh''. In: New Scientist, Band 92, Nr. 1274. ISSN 0262-4079. Seite 89.</ref> Im Jahre 1988 gab es seitens der Regierung die Entscheidung pauschal mit Vorarbeiten für einen 320&nbsp;MW starken Reaktor zu beginnen.<ref>Economist Intelligence Unit (Great Britain): ''Country report: Bangladesh, Ausgaben 2-1987''. The Unit, 1987. Seite 80.</ref> Die endgültige Entscheidung fiel jedoch erst 1989 für das Kernkraftwerk, nachdem eine Studie des westdeutschen Unternehmens ''Lahmayer International''hierzu ausgearbeitet wurde.<ref>Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: ''Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 34''. Handelsblatt GmbH, 1989. Seite 314.</ref>
  
Zwischen 1991 und 1997 waren die Planungen nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Erst im Oktober 1997 kündigte der Premierminister den Bau des Werkes wieder an.<ref>Economist Intelligence Unit (Great Britain): ''Country report: Bangladesh''. The Unit, 1997. Seite 17.</ref> Allerdings wandte sich das Land erst im Jahre 2000 an Russland als möglichen Lieferant des Werkes. Der Grund lag darin, dass die Sowjetunion und der Nachfolgestaat Russland als einzige Anbieter die entsprechenden preiswerten finanziellen Konditionen, sowie die entsprechenden finanziellen Mittel bieten konnten.<ref>Institute of Regional Studies (Islāmābād, Pakistan): ''Selections from regional press, Band 19''. Institute of Regional Studies, 2000.</ref> Allerdings änderten sich die Meinungen innerhalb der Bevölkerung um Ruppur selbst, die gegen das Projekt zur Wehr setzten.<ref>University of the Punjab. Centre for South Asian Studies: ''South Asian studies, Band 17''. Centre for South Asian Studies, University of the Punjab, 2002. Seite 236.</ref> Seitens Russland und Bangladesch gab es das Angebot über den Bau eines rund 600&nbsp;MW starken [[WWER-640]], der innerhalb von fünf bis sechs Jahren nach einer entscheidenden Abstimmung im Parlament errichtet werden hätte können.<ref>European Nuclear Energy Agency, u.a.: ''Uranium resources, production, and demand: a joint report''. Organisation for Economic Co-operation and Development, 2004. ISBN 9264016732. Seite 46.</ref> Im Jahre 2008 wurde jedoch eine entsprechende Ausschreibung für das Werk vorgenommen, bei der sich Russlands [[Atomstroiexport]], Südkoreas [[Korea Hydro und Nuclear Power]] sowie die [[Chinesische China National Nuclear Corporation]] für den Bau eines 1000&nbsp;MW starken Rektors beworben. Im Mai 2009 wurde mit Russland über den Bau des Werkes eine Absichtserklärung unterzeichnet.<ref>Charles K. Ebinger: ''Energy and Security in South Asia: Cooperation Or Conflict?''. Brookings Institution Press, 2011. ISBN 0815704119. Seite 100.</ref>
+
Zwischen 1991 und 1997 waren die Planungen nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Erst im Oktober 1997 kündigte der Premierminister den Bau des Werkes wieder an.<ref>Economist Intelligence Unit (Great Britain): ''Country report: Bangladesh''. The Unit, 1997. Seite 17.</ref> Allerdings wandte sich das Land erst im Jahre 2000 an Russland als möglichen Lieferant des Werkes. Der Grund lag darin, dass die Sowjetunion und der Nachfolgestaat Russland als einzige Anbieter die entsprechenden preiswerten finanziellen Konditionen, sowie die entsprechenden finanziellen Mittel bieten konnten.<ref>Institute of Regional Studies (Islāmābād, Pakistan): ''Selections from regional press, Band 19''. Institute of Regional Studies, 2000.</ref> Allerdings änderten sich die Meinungen innerhalb der Bevölkerung um Ruppur selbst, die sich gegen das Projekt zur Wehr setzten.<ref>University of the Punjab. Centre for South Asian Studies: ''South Asian studies, Band 17''. Centre for South Asian Studies, University of the Punjab, 2002. Seite 236.</ref> Seitens Russland und Bangladesch gab es das Angebot über den Bau eines rund 600&nbsp;MW starken [[WWER-640]], der innerhalb von fünf bis sechs Jahren nach einer entscheidenden Abstimmung im Parlament errichtet werden hätte können.<ref>European Nuclear Energy Agency, u.a.: ''Uranium resources, production, and demand: a joint report''. Organisation for Economic Co-operation and Development, 2004. ISBN 9264016732. Seite 46.</ref> Im Jahre 2008 wurde jedoch eine entsprechende Ausschreibung für das Werk vorgenommen, bei der sich Russlands [[Atomstroiexport]], Südkoreas [[Korea Hydro und Nuclear Power]] sowie die [[Chinesische China National Nuclear Corporation]] für den Bau eines 1000&nbsp;MW starken Reaktors beworben. Im Mai 2009 wurde mit Russland über den Bau des Werkes eine Absichtserklärung unterzeichnet.<ref>Charles K. Ebinger: ''Energy and Security in South Asia: Cooperation Or Conflict?''. Brookings Institution Press, 2011. ISBN 0815704119. Seite 100.</ref>
  
 
== Daten der Reaktorblöcke ==
 
== Daten der Reaktorblöcke ==

Version vom 2. März 2012, 10:55 Uhr

Kernkraftwerk Ruppur
Standort
Land Bangladesch
Region Rajshahi
Ort Ruppur
Koordinaten 24° 3′ 57″ N, 89° 2′ 49″ OTerra globe icon light.png 24° 3′ 57″ N, 89° 2′ 49″ O
Reaktordaten
Eigentümer Bangladesh Atomic Energy Commission
Betreiber Bangladesh Atomic Energy Commission
Vertragsjahr 2011
Geplant 1 (1000 MW)
Spacer.gif
Gtk-dialog-info.svg
Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Ruppur soll nahe der gleichnamigen Gemeinde in der Division Rajshahi in Bangladesch entstehen. Das erste Kernkraftwerk des Landes soll von Russland geliefert werden. Obwohl das Projekt selbst bereits 1961 begonnen wurde, als Bangladesch noch ein Teil Pakistans war, stagnierte die Planung über Jahre hinweg.

Geschichte

Im Jahr 1961 wurde für Ostpakistan erstmals ein Kernkraftwerk mit rund 50 MW Leistung, dass bis 1966 den Energiebedarf decken könnte, in Aussicht gestellt. Die Standortsuche selbst wurde unter der Leitung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) durchgeführt und zusammen mit einem Werk in Westpakistan durchgeführt.[1] Im November 1962 gaben die fünf Experten die für die Standortsuche beauftragt wurden Karatschi in Westpakistan und Ruppur in Ostpakistan als geeignetste Standorte bekannt. Rücksicht bei der Standortwahl wurde insbesondere auf die geologischen und seismischen Eigenschaften genommen.[2] Ruppur sollte vor Karatschi errichtet werden und das erste Kernkraftwerk in Pakistan werden.[3] Mit Beihilfe der IAEA wurde der Auftrag international ausgeschrieben. Beworben haben sich daraufhin neben General Electric auch Westinghouse und die westdeutsche Siemens-Schuckertwerke.[4] Seitens Westdeutschland gab es ein Abkommen über Beihilfen zum Bau des Werkes.[5] Allerdings gewann das Ausschreiben ein Schweizer Konsortium, dass von der Motor-Columbus AG geführt wurde. Die Komponenten des Werkes sollten in Belgien und Frankreich gefertigt werden. Weiter wurde die projektierte Anlagenleistung von 70 auf 200 MW angehoben.[6] Allerdings gab es seitens der Sowjetunion ein attraktiveres Angebot für einen 400 MW starken WWER-440, weshalb analog zum schweizerisch-französisch-belgischen Projekt noch Verhandlungen mit der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken geführt wurden.[7]

Zur gleichen Zeit im Jahre 1971 befand sich die Anlage in Karatschi bereits in Betrieb und war damit das erste Kernkraftwerk in Pakistan.[8] In Ruppur einigte man sich im gleichen Jahr erst auf einen Finanzierungsplan für das 200 MW starke Werk. Das Sowjetprojekt mit zwei 300 bis 500 MW starken Reaktoren wurde als Option für das Ende des Jahrzehnts gesehen.[9] Der Bau eines leistungsstärkeren Reaktors wurde allerdings eher als Lösung betrachtet da bis 1970 das Versorgungsdefizit sich bereits auf 314 MW belief.[10] Nachdem die Verhandlungen scheiterten und auch eine baugleiche Anlage wie in Karatschi seitens Kanada zu keinem Vertragsschluss führte schwenkte man auf das Angebot der Sowjetunion 1968 ein. Durch die Abspaltung Ostpakistans vom Land Pakistan und durch die Gründung des neuen Staats Bangladesch im Jahre 1961 wurde das Projekt zukünftig unter neuen politischen Bedingungen fortgeführt. In der Folge rückte der Bau eines Kernkraftwerks eher in den Hintergrund. Erst 1980 wurde das Projekt wieder aufgegriffen und entsprechende Studien angefertigt.[11] Bangladesch selbst sah den Bau von zwei Reaktoren mit je 125 MW, die bis 1985 und 1987 den Betrieb aufnehmen könnten am realistischsten an.[12] Dies wurde seitens der Bangladesch Atomic Energy Commission so nicht gestützt sondern der Bau eines 300 MW starken Reaktors nach den Stand der Technik und des Energiedefizits für angebrachter gesehen.[13]

Im Jahr 1985 bot die UdSSR Bangladesch erneut ein preisgünstiges Angebot für einen WWER-440 an, dass allerdings an straffe politischen Bedingungen gebunden war, die Bangladesch so nicht akzeptieren wollte.[14] Die Kosten sollten sich auf 600 Millionen Dollar belaufen.[15] Neben der Sowjetunion bot das Vereinigte Königreich den Bau eines 300 MW starken Magnox-Reaktor an. Saudi Arabien wollte das Projekt finanziell unterstützen und etwa zwei Drittel der Finanzierung zur Verfügung stellen, allerdings hatte Bangladesch selbst Probleme die Summen für das restliche Drittel aufzubringen.[16] Im Jahre 1988 gab es seitens der Regierung die Entscheidung pauschal mit Vorarbeiten für einen 320 MW starken Reaktor zu beginnen.[17] Die endgültige Entscheidung fiel jedoch erst 1989 für das Kernkraftwerk, nachdem eine Studie des westdeutschen Unternehmens Lahmayer Internationalhierzu ausgearbeitet wurde.[18]

Zwischen 1991 und 1997 waren die Planungen nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Erst im Oktober 1997 kündigte der Premierminister den Bau des Werkes wieder an.[19] Allerdings wandte sich das Land erst im Jahre 2000 an Russland als möglichen Lieferant des Werkes. Der Grund lag darin, dass die Sowjetunion und der Nachfolgestaat Russland als einzige Anbieter die entsprechenden preiswerten finanziellen Konditionen, sowie die entsprechenden finanziellen Mittel bieten konnten.[20] Allerdings änderten sich die Meinungen innerhalb der Bevölkerung um Ruppur selbst, die sich gegen das Projekt zur Wehr setzten.[21] Seitens Russland und Bangladesch gab es das Angebot über den Bau eines rund 600 MW starken WWER-640, der innerhalb von fünf bis sechs Jahren nach einer entscheidenden Abstimmung im Parlament errichtet werden hätte können.[22] Im Jahre 2008 wurde jedoch eine entsprechende Ausschreibung für das Werk vorgenommen, bei der sich Russlands Atomstroiexport, Südkoreas Korea Hydro und Nuclear Power sowie die Chinesische China National Nuclear Corporation für den Bau eines 1000 MW starken Reaktors beworben. Im Mai 2009 wurde mit Russland über den Bau des Werkes eine Absichtserklärung unterzeichnet.[23]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Ruppur soll aus einem Reaktor bestehen.

Reaktorblock[24] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Netto Brutto
Ruppur-1 WWER-1000/392 1000 MW 1060 MW

Einzelnachweise

  1. Canada. Dept. of External Affairs: Canada and the United Nations. In: Conference series, Canada Dept. of External Affairs. Queen's printer and controller of stationery, 1961.
  2. American Nuclear Society: Nuclear news, Band 5. American Nuclear Society., 1962. Seite 4.
  3. The Geographical digest. G. Philip, 1965. Seite 76.
  4. Euronuclear, Band 1. Morgan Brothers, 1964. Seite 12.
  5. Link: Indian newsmagazine, Band 10,Teil 2. 1967. Seite 82.
  6. Canada. Dept. of Trade and Commerce, u.a.: Canada commerce, Band 135. 1971. Seite 36.
  7. Electrical times, Band 159. 1971. Seite 33.
  8. Far Eastern economic review: Asia yearbook. Far Eastern economic review., 1971. Seite 261.
  9. International Atomic Energy Agency: Obzory po atomnoĭ energii, Band 9. International Atomic Energy Agency., 1971. Seite 459.
  10. Haroun Rashid: Geography of Bangladesh. University Press, 1977. Seite 452.
  11. Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 25. Handelsblatt GmbH, 1980. Seite 166.
  12. Richard F. Meyer, u.a.: Long-term energy resources: an international conference, Band 3. Pitman, 1981. ISBN 0273085344,. Seite 1832.
  13. Markus Fritz: Future energy consumption of the Third World with special reference to nuclear power: an individual and comprehensive evaluation of 156 countries. Pergamon Press, 1981. Seite 187.
  14. Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 30. Handelsblatt GmbH, 1985. Seite 2.
  15. Soiet nuclear deal. In: New Scientist, Band 104, Nr. 1434. ISSN 0262-4079. Seite 5.
  16. Nuclear Bangladesh. In: New Scientist, Band 92, Nr. 1274. ISSN 0262-4079. Seite 89.
  17. Economist Intelligence Unit (Great Britain): Country report: Bangladesh, Ausgaben 2-1987. The Unit, 1987. Seite 80.
  18. Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 34. Handelsblatt GmbH, 1989. Seite 314.
  19. Economist Intelligence Unit (Great Britain): Country report: Bangladesh. The Unit, 1997. Seite 17.
  20. Institute of Regional Studies (Islāmābād, Pakistan): Selections from regional press, Band 19. Institute of Regional Studies, 2000.
  21. University of the Punjab. Centre for South Asian Studies: South Asian studies, Band 17. Centre for South Asian Studies, University of the Punjab, 2002. Seite 236.
  22. European Nuclear Energy Agency, u.a.: Uranium resources, production, and demand: a joint report. Organisation for Economic Co-operation and Development, 2004. ISBN 9264016732. Seite 46.
  23. Charles K. Ebinger: Energy and Security in South Asia: Cooperation Or Conflict?. Brookings Institution Press, 2011. ISBN 0815704119. Seite 100.
  24. Power Reactor Information System der IAEA: „Bangladesh“ (englisch)

Siehe auch

Icon NuclearPowerPlant-green.svg Portal Kernkraftwerk