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Kernkraftwerk Temelín

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Kernkraftwerk Temelín
Kernkraftwerk Temelín 2011-13.JPG
Standort
Land Flag of the Czech Republic.svg Tschechien
Region Südböhmen
Ort Temelín
Koordinaten 49° 10′ 53″ N, 14° 22′ 29″ OTerra globe icon light.png 49° 10′ 53″ N, 14° 22′ 29″ O
Reaktordaten
Eigentümer ČEZ
Betreiber ČEZ
Vertragsjahr 1981
Betriebsaufnahme 2000
Im Betrieb 2 (2026 MW)
Bau storniert 2 (1944 MW)
Einspeisung
Eingespeiste Energie im Jahr 2009 12593 GWh
Eingespeiste Energie seit 2000 87249 GWh
Stand der Daten 20. Dezember 2010
Zusatzfunktion Fernwärme
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Temelín (tschechisch Jaderná elektrárna Temelín, kurz offiziell JETE, selten JET oder ETE), während der Planungen lange als Kernkraftwerk Malovice aufgrund der damals noch nicht eindeutigen Standortfrage bezeichnet, ist das größte tschechische Kraftwerk und steht nahe der Gemeinde Temelín (ehem. deutsch Groß-Temelín) und auf den ehemaligen Dörfern Temelínec (ehem. deutsch Klein-Temelín), Březí u Týn nad Vltavou (ehem. deutsch Bries) und Křtěnov (ehem. deutsch Kretinau). Es ist das jüngste tschechische Kernkraftwerk und nahe der Grenze zu Österreich und Deutschland gelegen, wobei die Anlage dort auf großen Widerstand in der Bevölkerung stößt und umstritten ist. Besonders bekannt ist die Anlage durch ihre vier charakteristischen 155 Meter hohen Kühltürme. Etwa 10 Kilometer südlich liegt die Aufbereitungsanlage Mydlovary, in der bis 1991 Uranerz für Atomwaffen und Kernkraftwerke aufbereitet wurde.

Geschichte

In den späten 1970er Jahren gab die tschechoslowakische Regierung bekannt, in jeder der sechs tschechischen Regionen ein Kernkraftwerk errichten zu wollen, das auf sowjetischer Technik basierte, an denen sich die tschechische Industrie beteiligen könnte.[1] In Südböhmen kamen als mögliche Standorte Malovice, Temelín und Dubenec in Frage.[2] Eine Entscheidung für den Bau dieses Kraftwerks wurde bereits 1978 bestätigt.[3] Im Jahr 1979 wurden erste geologische Arbeiten vorgenommen an allen Standorten, um Temelín hauptsächlich in den Orten Březí und Temelínec sowie Křtěnov. Ebenso wurden Umfragen in den Orten Temelín, Dubenec und Malovice vorgenommen, nicht direkt im Bezug auf ein mögliches Kernkraftwerk, einige Gerüchte wurden der Bevölkerung dennoch bekannt.[4] Im November 1980 entschied man sich mit der Unterzeichnung eines Rahmenabkommen mit der Sowjetunion für den Standort Malovice und die Errichtung von vier 1000 MW-Reaktoren.[5] Im gleichen Jahr wurde ein Treffen des Volkskomitees mit Funktionären in Temelín organisiert bei dem man verkündete, dass die Anlage doch nicht in Malovice, sondern in Temelín entstehen werde.[4] Grund für die Verlegung ist die weitaus bessere Standortsituation im Bezug auf Netzanbindung und der Nähe zur Moldau.[1]

Dadurch in den vorher gegangenen Jahren ein Großteil der eigenständigen Gemeinden aufgelöst worden war und einem Verwaltungsort zugewiesen worden, war es für die Gemeinde Temelín weitaus einfacher, neue Grundstücke festzulegen. Allerdings hat das sowjetische Design, das für Temelín infrage kommen würde, einen großen nachteil. Demnach müssen alle fünf Dörfer Knín, Temelínec, Podhájí, Křtěnov und Březí die im zwei Kilometer-Einzugsbereich liegen, einschließlich die Kleinstadt Jaroslavice, die dem Staudamm an der Moldau weichen musste, abgerissen werden. Grund hierfür ist, dass die radioaktiven Emissionen der Anlage weit über den westlichen Durchschnitt lagen und die Abluftwerte um die Anlage einen Lebenraum für Personen in nicht speziellen Bauten unmöglich machte, sowie landwirtschaftliche Nutzung um die Anlage nicht möglich machte. Infolgedessen wurde 1983 vom Bezirksamt ein Bauverbot für neue Häuser um das geplante Kernkraftwerksgelände erlassen.[4]

Bau

Mit den ersten Bauarbeiten am Standort wurde im Jahr 1984 begonnen. In erster Linie wurde mit der Erschließung des Standortes begonnen.[6] Im Jahre 1988 wurde Jaroslavice an der Moldau als erstes Abgerissen. An den Ort erinnert heute ein Denkmal, der eigentliche ehemalige Stadtkern wurde durch den Staudamm geflutet.[4] Mit dem eigentlichen Bau wurde am ersten Februar 1987 begonnen.[7] Eine Besonderheit an dem Bau der Anlage sind die große Anzahl der verschiedenen Unternehmen aus der Tschechoslowakei selbst, insgesamt 14 Stück, die an dem Projekt beteiligt waren. So unter anderem die wichtigsten Partner wie Škoda Praha, Energoprojekt Praha, Škoda Jaderné strojirenstvi und Škoda Energo.[8] Die sowjetische Seite beheilt sich allerdings vor, den nuklearen Teil, das Hilfsanlagengebäude mit den aktiven Systemen und die Dieselgeneratorgebäude zu fertigen. Die restlichen Arbeiten gingen in die Projektführung der tschechoslowakischen Unternehmen über.[9]

Nach dem Baubeginn gab es allerdings erste Stimmen gegen die Anlage seitens tschechoslowakischer Bürger und Österreichischer Bürger. Dadurch die Tschechoslowakei ein kommunistisches Land ist, werden solche Proteste weitestgehend unterbunden, jedoch gelang es später kaum noch, was ein Anzeichen dafür war, dass sich dieses System bereits in einem maroden Zustand befand.[10] Nach der samten Revolution zogen im Dezember 1989 erstmals eine neue, demokratische Partei in das Parlament ein, sodass die kommunistische Partei kein Monopol mehr anführte. Daraufhin kam es zu lebendigen Diskussionen über Temelín, insbesondere die Kostenübersteigungen. Auch Parteien die ihre volle Zustimmung für Temelín gaben zogen diese zurück und stellten eine Inbetriebnahme infrage.[1] Im Jahre 1990 kam ein weiteres Problem hinzu, als der nach Österreich geflüchtete Tscheche Josef Veselý nach Temelín zurückkehrte und sein Land in Temelínec zurückforderte. Zwar habe seine Mutter an den Staat Land verkauft, allerdings hatte dieser den Erwerb von 56 Quadratmeter vergessen. Dadurch Vessely wegen Republikflucht verurteilt wurde, kam er nur zu 5,5 Quadratmeter, dass allerdings direkt auf dem Gelände des Kernkraftwerks liegt.[11]

Trotz allem begann der zukünftige Betreiber des Kernkraftwerks 1992 mit den ersten Abrissarbeiten an den umliegenden Dörfern. Während der Betreiber einigen Einwohnern mehr Zeit gab, die Häuser einige Jahre später zu räumen, oder wie dem Dorf Knín diese selbst abzureißen, wurde andernorts der Abriss ohne Ankündigung begonnen.[4] Am ersten Januar 1993 wurde die tschechoslowakische Republik aufgelöst und die Slowakei sowie die tschechische Republik gegründet, womit nun Temelín unter tschechischer Leitung weitergebaut werden sollte. Daraufhin begann noch im Januar 1993 eine emotionale Diskussion über die Anlage und ihren Nutzen, die rund zwei Monate andauerte. Man Diskutierte sich unter anderem das Projekt ganz einzustellen.[12]

Südansicht des Kraftwerks

Im März 1993 wurde schließlich die Resulution 109 im Parlament verabschiedet, wonach der Bauherr und zukünftiger Betreiber ČEZ das Kernkraftwerk Temelín bauen darf, wobei alleine zwei der vier Reaktoren vollendet werden sollen. Außerdem muss sich der Betreiber verpflichten, Nachrüstmaßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit durchzuführen um so das Niveau auf das von Kernkraftwerken westlich des ehemaligen eisernen Vorhangs zu erhöhen. Nach einer Studie der IAEA wurde es als möglich empfunden nicht nur die Steuer- und Leittechnik von westlichen Unternehmen zu beziehen, sondern auch den Brennstoff. Insgesamt gab es elf Angebote von ausländischen Unternehmen, unter anderem von den deutschen Firmen Siemens und Asea Brown-Boverie, dem französischen Konsortium Framatome sowie von Westinghouse aus den vereinigten Staaten von Amerika. Im Mai 1993 wurde schließlich zwischen ČEZ und Westinghouse der Vertrag zur Lieferung der Steuer- und Leittechnik sowie die Lieferung des Brennstoffs für die Anlage unterzeichnet, was Modifikationen am Kern mit sich führte. Allerdings gab es bei den Beschaffungen für die Baupläne der Reaktoren Probleme. ČEZ organisierte die gesamten Dokumente zu den Reaktoren, allerdings wurde vertraglich mit den russischen Zulieferer vereinbart, dass die Pläne nicht an dritte weitergegeben werden dürfen, womit Westinghouse diese Pläne nicht nutzen konnte. Im Jahr 1994 versuchte ČEZ weitere Dokumente von dem Zulieferer zu bekommen, allerdings ohne Erfolg. Allerdings hatte Energoprojekt Praha für drei weitere, baugleiche Kernkraftwerke, die in Tschechien entstehen sollten, Pläne angefertigt, die für Temelín nutzbar sind. Dadurch der Brennstoff auch nicht von Russland bezogen wurde, brachen diese den Kontakt ab und zogen sich aus dem Kernkraftwerk in Temelín vollständig zurück, da diese sich einerseits nicht dafür Verantwortlich machen wollten, wenn durch einen Unfall aufgrund der Mischung der Systeme passiert und wegen des möglichen Imageschadens, der dabei auftreten konnte. Somit übernahm Westinghouse die volle Verantwortung für den Bau.[12]

Im Jahr 1994 besuchte Ministerpräsident Václav Klaus die die Städte Týn nad Vltavou und Budweis. Auch nach dem Ende der Techoslowakei mussten die Menschen weiterhin ihre Dörfer in dem zwei Kilometer großen Radius um die Anlage verlassen. Auf die Frage einer Bewohnerin an Václav Klaus, warum die Zone nicht rund ausgeführt ist und weshalb der Rand um Kočín verlaufen würde, obwohl der Ort näher als zwei Kilometer an dem Werk liegt, wusste er ebenfalls keine Antwort darauf. Nach einer Absprache mit Klauss Beratern antwortete er, dass die Zone anhand der Hauptwindrichung in der die Anlage liegt, geplant wurde. Die Abrisszone um die Anlage soll mehr als Schutzgürtel dienen, weniger als Sperrzone. Noch 1996 wurde darüber verhandelt, dass wenigstens die Grundstücke wieder ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben werden, oder Entschädigungszahlungen bekommen, allerdings wurde dies aufgrund der hohen Kosten abgelehnt. Dadurch es keine Ersatzbauten für die abgerissenen Dörfer gab, waren die Menschen gezwungen, in Plattenbauten der Städte Týn nad Vltavou und Budweis einzuziehen.[4]

Westansicht des Kernkraftwerks

Im Januar 1999 wurde das letzte Haus im letzten Ort um das Kernkraftwerk Temelín in Podhájí abgerissen, womit alle Orte zwei Kilometer um die Anlage beseitigt waren. Einzig das Schlösschen Vysoký Hrádek in Březí wurde stehengelassen und dient dem Betreiber ČEZ als Informationszentrum des Kernkraftwerks.[4] Im Jahr 1999 gab es erneut Kontroversen, ob die Anlage fertiggestellt werden sollte oder nicht. Grund dafür war eine Studie die aufführte, dass Tschechien in den nächsten zehn bis 15 Jahren ein Kernkraftwerk dieser Größe nicht benötigen wird. Besonders bezogen auf das Gesetz von 1991 zur Kohlegewinnung, das 1997 und 1998 außer Kraft gesetzt wurde erlaubt es, Kohle über den ökologischen Limit zu fördern, weshalb eine volle Auslastung der Kohlekraftwerke ermöglicht werden würde. Besonders die gestiegenen Kosten des Temelín-Projekts auf 4 Milliarden US-Dollar war der Opposition ein Dorn im Auge, weshalb sie ein Referendum über die Fertigstellung forderte. Allerdings hat sich die Regierung darum bemüht, dieses Referendum nicht durchzuführen, da der erste Reaktor bereits kurz vor der Betriebsaufnahme stand. Im Mai 1999 unterstrich die tschechische Regierung noch einmal, dass die Anlage mit ausschließlich zwei Reaktoren ans Netz gehen wird. Ein Rückzug aus dem Projekt wäre zu diesem Zeitpunkt finanziell ein Desaster gewesen.[13]

Betrieb

Am elften Oktober 2000 wurde der erste Reaktor für den Beginn des Probebetriebs erstmals in kritischen Zustand gefahren.[7] Allerdings gab es bereits bei den Wärmeprobebetrieben im September 2000 Probleme mit den Sicherheitsventilen der Dampferzeuger, weshalb sich die Betriebsphase verzögert. Im November wurde berichtet, dass die Anlage fünf Prozent der Nennleistung erreicht habe.[13] Doch gab es im gleichen Monat noch eine Schnellabschaltung, aus unbekannten Gründen. Im Dezember gab es weitere Probleme, dieses mal mit den Kondensatpumpen, die ausgefallen waren.[14]Am 21. Dezember 2000 wurde die Anlage erstmals mit dem netz synchronisiert.[7] Allerdings kam es daraufhin zu Problemen an der Turbine, die ungewöhnlich starke Vibrationen aufwies. Grund war ein Ölleck an einem Ventil, das die Dampfzufuhr in den Turbosatz regelte. Das gleiche Problem trat im Januar 2001 noch einmal auf, allerdings kam es dazu, dass sich das Öl entzündete und ein Brand ausbrach, was einen Stillstand von zwei Wochen mit sich zog. Grund war ein Leck an einer Ölzufuhr für das Dampfventil. Um die Vibrationen weiter zu verringern wurden 44 Stahlringe angeschweißt, die die Vibrationen dämpfen sollen. im März 2001 wurde die Anlage ein weiteres mal vom Netz genommen aufgrund eines Öllecks an einem Ventil im Primärkreislauf.[14]

Škoda Energo, der Hersteller der Turbine und Ventile für Temelín, versuchte im März 2001 durch Anpassungen an den Sicherheitsventilen die Vibrationen an den Dampfleitungen zur Turbine endgültig zu beseitigen. Allerdings trat das Problem im Mai erneut auf, als die Anlage wieder ans Netz ging. Aufgrund dessen nahm man im Juni die Anlage für drei weitere Monate vom Netz, um alle Ventile auszutauschen, die diese Vibrationen verursachen. Nach dem erneuten Anfahren im September musste die Anlage allerdings wieder vom Netz, da der Läufer ungleichmäßig lief. ČEZ meinte, dass es durchaus möglich sei, den Reaktor mit Volllast zu betreiben, da diese Vibrationen nur bei niedrigen Lasten auftreten. Trotzdem wurde davor gewarnt, da unvorhergesehene technische Schwierigkeiten dabei auftreten könnten. Im Januar 2002 kam es zu einer technischen Fehlfunktion, weshalb bei einem versuchsweisen Volllastbetrieb bei 100 % Leistung die Anlage abgeschalten werden musste.[14] Die Anlage nahm trotz der weiterhin bestehenden Probleme[14] am zehnten Juni 2002 den kommerziellen Betrieb auf.[7] Im gleichen Monat verursachten die Probleme einen weiteren Stillstand von zwei Monaten. Die Probleme verursachten 2003 ebenfalls mehrere Abschaltungen, allerdings verbesserte sich die Situation leicht, aufgrund von Betriebserfahrungen.[14]

Die Anlage im März 2005

Am 31. Mai 2002 wurde der zweite Reaktor erstmals kritisch gefahren.[7] Hier wies die Turbine ebenfalls Vibrationen auf, allerdings wesentlich stärker als im ersten Block, weshalb die Läufer der Turbine ausgewechselt werden mussten.[14] Am 29. Dezember 2002 wurde der zweite Reaktor schließlich mit dem Stromnetz synchronisiert und ging am 18. April 2003 in den kommerziellen Betrieb über.[7] In den folgenden Jahren kam es dennoch zu mehreren Abschaltungen der Anlage aufgrund von Problemen mit den Turbinen.[14] Die volle Inbetriebnahme von Temelín erlaubte es, Kohlekraftwerke von einer gemeinsamen Kapazität von 1965 MW endgültig vom Netz zu nehmen und so den Kohlendioxidausstoß zu verringern.[15]

Neben den Turbinenproblemen, die allerdings bis 2007 durch einen Austausch der Turbine mit Leistungseröhung behoben werden konnten,[16] gab es auch Probleme mit den Brennelementen der Firma Westinghouse, die sich während des Betriebs deformierten, ein bekanntes Problem der WWER. Aufgrund dessen lies ČEZ den Vertrag mit der US-Firma auslaufen und bezieht seit 2010 seine Brennelemente von der russischen Firma TWEL. Im gleichen Jahr wurde die gesamte Kernbeladung in den Reaktoren ausgetauscht.[17] Noch im vorausgegangenen Jahr gab es einen Erfolg für den Betreiber, als er die bei der Enteignung vergessenen 5,5 Quadratkilomter auf dem Gelände des Kernkraftwerks bei einer Einigung mit dem Besitzer Josef Veselý einigte und das Grundstück bekam. Inwiefern sich der Betreiber mit Veselý einigte, ist jedoch nicht bekannt. Als Gegner von Temelín konnte Veselý den Bau der beiden Reaktoren um zwei Jahre herauszögern.[11] Am 28. Dezember 2011 gab es gegen MItternacht eine Unterbrechnung der Fernwärmeversorgung der Stadt Tyn nad Vltavou,[18] nachdem im Kernkraftwerk Temelín selbst ein Rohr geplatzt war. Die Temperaturen in der Umgebung lagen bei knapp über 0 °C.[19] Nach rund zwölf bis 13 Stunden konnte das Problem am 29. Dezember beseitigt werden, nachdem kurzzeitig für die Reparatur das gesamte Fernwärmesystem stillgelegt werden musste.[18]

Die Elektrizität aus Temelín wird zum Teil im eigenen Land genutzt, allerdings auch ein großer Teil exportiert, unter anderem nach Deutschland und Österreich.[10]

Melker Protokoll

Barockstift Melk

Im November 2001 trafen sich der tschechische Ministerpräsident Miloš Zeman und der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel im österreichischen Barockstift in Melk. Ziel war es ein abkommen für den schnellen Informationsaustausch für Temelín zu schaffen. Besonders für die tschechische Seite war dieses Abkommen wichtig, da sie einer der Beitrittskandidaten der Europäischen Union war und sich das Vertrauen Österreichs sichern wollte. Ein ähnliches Abkommen wurde weltweit noch nicht geschlossen, womit die Offenheit über die Vorgänge und Probleme in Temelín einen Einzelfall darstellen. In einem völkerrechtlichen Vertrag wurde das Abkommen von melk festgehalten. Eigentlich sollte es auch verpflichtend in den Beitrittsvertrag Tschechiens für die Europäische Union einfließen, wobei allerdings Großbritannien keine Zustimmung dafür gab. Durch die Offenheit, auch wegen der Verpflichtung kleinere Betriebsabweichungen und Störungen zu melden, gab es seitens der Pressen eine Informationsflut, weshalb der Eindruck entstand, dass die beiden Reaktoren in Temelín "Schrottreaktoren" wären. Dies nutzte unter anderem die freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) aus, um im Jahr 2002 ein Volksbegehren durchzuführen, wonach für den Beitritt Tschechiens in die Europäische Union Temelín stillgelegt werden muss. Insgesamt wurden rund eine Millionen Unterschriften dafür gesammelt.[10]

Diese Medienflut und Offenheit führte dazu, dass seitens der Österreicher immer mehr gegen Temelín protestiert wurde. Aufgrund dessen kam es immer öfter zu Grenzblockaden und Protesten an der Grenze zu Tschechien. Im Jahr 2006 kam es soweit, dass der Nationalrat die Regierung aufforderte gegen Tschechien eine Völkerrechtsklage einzuleiten. Der Grund sei, dass von acht Mängeln in Temelín, die nach dem Abkommen von Melk vor dem kommerziellen Betrieb hätten ausgebessert werden müssen, sieben weiterhin bestehen. Prag erkennt allerdings die Zuständigkeit des internationalen Gerichtshofes nicht an, weshalb eine Klage nahezu aussichtslos erscheinen würde. Im Juli 2006 wurde vom neuen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und dem Umweltminister Josef Pröll eine diplomatische Note an den tschechischen Ministerpräsidenten Mirek Topolánek gesandt. Diese wies auf die ausstehenden Ausbesserungen an Temelín hin und regte an, den Vertrag von Melk neu zu verhandeln. Tschechien reagierte mit einem Rückschreiben und erwähnte, dass die Vorgaben des Vertrags erfüllt sind und somit keine neuen Verhandlungen nötig seien.[10]

Dadurch die meisten Störungen auf der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse unterhalb der Stufe eins waren, sind sie nach dem Vertrag nicht meldepflichtig und müssten nur dem landeseigenen Umweltministerium zugespielt werden. Allerdings gibt Tschechien auch solche Störungen an Österreich weiter, um die Informationspolitik auf einem offenen Niveau weiterzuführen. Störungen ab der Stufe eins müssen Österreich zugespielt werden innerhalb von 72 Stunden.[10]

Stilllegung

Die Kosten für die Stilllegung von Block eins und zwei werden auf 13,7 Milliarden tschechische Kronen geschätzt. Um diese Kosten zu bewältigen werden von ČEZ Rücklagen gebildet, die 2003 in ein Treuhandkonto flossen, das sowohl für Temelín als auch für Dukovany dienen soll. Insgesamt flossen dort 265 Millionen tschechische Kronen für Temelín und 406 Millionen tschechische Kronen für Dukovany hinein, die sich bis zum 31. Dezember 2003 auf 4,3 Milliarden tschechische Kronen vermehrten.[20] Planmäßig sollen die Reaktoren frühstens 2042 vom Netz sein. Ab 2040 soll dann die Stillegung der Anlage beginnen und Operativ bis 2047 abgeschlossen sein, wonach bis dahin sich kein Kernbrennstoff mehr in der Anlage befinden soll. Zeitgleich sollen die Rektoren in den sicheren Einschluss überführt werden, der 50 Jahre lang sein soll. Ab 2090 soll der Abriss der Anlage begonnen werden, der mit dem Ziel der grünen Wiese bis zum Jahr 2095.[21]

Technische Details

Modell eines Reaktorblocks
Die vier Kühltürme von Temelín

Das Kernkraftwerk Temelín ist ausgestattet mit zwei Reaktoren des Typs WWER-1000/320. Die Bruttoleistung liegt bei 1013 MW und die Nettoleistung bei 963 MW.[7] Ehemals lag die Leistung beider Reaktoren nur bei 975 MW Brutto und 912 MW Netto, die allerdings durch eine Modernisierung der Turbine im Jahr 2007 gesteigert werden konnte.[16] Im Jahre 2012 soll nach Plan die themische Leistung der Reaktoren von 3000 MW auf 3120 MW oder 104 % gesteigert werden, womit sich die Bruttoleistung auf 1059 MW erhöht. Block zwei soll im Jahre 2013 mit der Leistungserhöhung folgen. Zwischen 2014 und 2015 soll die Leistung durch den Austausch der Niederdruckläufer noch einmal um 22 MW auf rund 1081 MW Blockleistung angehoben werden.[22] Neben Elektrizität speist Temelín auch Fernwärme in das Fernwärmenetz der Stadt Budweis ein.[7] Im Gegensatz zur Standardserie wurden die WWER-1000/320 in Temelín modifiziert, um die Reaktoren auf nahezu einen westlichen Standard zu bringen. So Baute die Firma Westinghouse moderne Leit- und Steuersysteme in die Anlage ein, die dem Standard westlich des ehemaligen eisernen Vorhangs entsprechen.[12] Außerdem wurden die beiden Reaktoren mit einer Notschaltwarte versehen, die bei einem Unfall und Zerstörung oder Unfuktionalität der normalen Schaltwarte zur Kontrolle des Reaktors genutzt werden kann. Der Brandschutz der Anlage wurde ebenfalls verbessert.[23] Weitere Verbesserungen wurden am Containment vorgenommen, sodass es nun bei einem vollen Ausdampfen des Primärkreislaufs dem dabei entstehenden Druck standhalten kann und somit das erste Volldruckcontainment in einem WWER war.[24] Der Durchmesser des Containments liegt bei 54 Meter.[25]

Jeder Reaktor in Temelín besitzt zwei Naturzug-Nasskühltürme. Mit einer Höhe von je 155 Meter sind sie die größten Kühltürme aller tschechischen Kraftwerke.[26] Der Durchmesser an der tiefsten Stelle liegt bei je 112,8 Meter, an der höchsten stelle bei je 82 Meter und an der engsten Stelle je 77 Meter. Die 56 Dreieckstraversen am unteren Ende jedes Kühlturms, durch die die Luft in den Kühlturm strömt, haben eine Höhe von 11,5 Meter. Die Wandstärke der Kühltürme liegt an der tiefsten Stelle bei 750 Millimeter und verjüngt sich bis zur engsten stelle auf 180 Millimeter. Bis zum obersten Punkt vergrößert sich die Wandstärke wieder auf 720 Millimeter. Das Gesamtgewicht eines Kühlturms, ohne die technische Ausstattung, liegt bei 28450 Tonnen.[27]

Neubau Block 3 und 4

Das ehemalige Projekt, zwei weitere Reaktoren, Block drei und vier, in Temelín zu errichten wurde nach einer Resolution im März 1993 verworfen[12] und im Jahr 1999 noch einmal von offizieller Seite bestätigt.[13] Im August 2008 gab ČEZ eine Anfrage an das Umweltministerium weiter, wonach die Absicht seitens ČEZ besteht, zwei weitere Reaktoren in Temelín zu errichten. Im August 2009 hatte ČEZ eine Ausschreibung für die beiden Reaktoren gestartet. Das Unternehmen erwarte, dass in den nächsten acht bis zehn Jahren mit dem Bau der Reaktoren begonnen werden könne.[16] Am dritten Mai 2011 bestätigte der Vizedirektor des Betreiberkonzerns ČEZ, dass der Ausbau nun doch schneller erfolgen sollte, als ursprünglich geplant. Der dritte Block soll 2022 ans Netz gehen, 18 Monate später Block vier. Als Grund gab die tschechische Energieindustrie den Atomausstieg in Deutschland an, der bis 2020 vollständig vollzogen sein könnte. Dadurch entstehe eine große Marktlücke, die Tschechien mit Exporten füllen könnte.[28]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Temelín besteht aus zwei aktiven Reaktoren. Der Bau von zwei weiteren Reaktoren wurde gestoppt.

Reaktorblock[7] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Netto Brutto
Temelín-1 WWER-1000/320 963 MW 1013 MW 01.02.1987 21.12.2000 10.06.2002
Temelín-2 WWER-1000/320 963 MW 1013 MW 01.02.1987 29.12.2002 18.04.2003
Temelín-3[29] WWER-1000/320 892 MW 972 MW 01.01.1985 Bau gestoppt
Temelín-4[30] WWER-1000/320 892 MW 972 MW 01.01.1985 Bau gestoppt

Einzelnachweise

  1. a b c Matthew R. Auer: Restoring Cursed Earth: Appraising Environmental Policy Reforms in Eastern Europe and Russia. In: Rowman & Littlefield, 2005 ISBN 0742529169 Referenzfehler: Ungültiges <ref>-Tag. Der Name „ISBN_0742529169“ wurde mehrere Male mit einem unterschiedlichen Inhalt definiert.
  2. Bílek, V.: Dispoziční řešení jaderných elektráren s VVER – 1000. In: Vasil Krett et al. [Hrsg.]: Výzkumně vývojová problematika jaderných elektráren s reaktory VVER-1000. ŠKODA: Praha, 1980
  3. JoAnn Carmin, Stacy D. VanDeveer: EU enlargement and the environment: institutional change and environmental policy in Central and Eastern Europe. In: Routledge, 2005 ISBN 0415351863
  4. a b c d e f g Antonín Pelíšek: Die Menschen von Temelín. Steinmaßl, 2008. ISBN 3902427442.
  5. Richard Felix Staar: Communist regimes in Eastern Europe. In: Hoover Press, 1982 ISBN 0817976922
  6. David Turnock: The economy of East Central Europe 1815-1989: stages of transformation in a peripheral region. In: Routledge, 2006 ISBN 0415180538
  7. a b c d e f g h i Power Reactor Information System der IAEA: „Czech Republic: Nuclear Power Reactors“ (englisch)
  8. International Atomic Energy Agency: Country nuclear power profiles, Teil 1. In: International Atomic Energy Agency, 2004 ISBN 9201069049
  9. Jaroslav Chytrý: Projektová příprava JE Temelín. In: Příprava, realizace výstavby a provozu JE Temelín v ČSSR. Dům techniky ČSVTS, České Budějovice 1989 ISBN 80-02-99062-5
  10. a b c d e Charles E. Ritterband: Dem Österreichischen auf der Spur: Expeditionen eines NZZ-Korrespondenten. Böhlau Verlag Wien, 2009. ISBN 3205783999
  11. a b Temelin: Kampf wird immer aussichtsloser. In: ORF, 02.07.2009. (Online-Version)
  12. a b c d DIANE Publishing Company: Nuclear Safety: U. S. Assistance to Upgrade Soviet-Designed Nuclear Reactors in the Czech Republic. DIANE Publishing, 1995. ISBN 078813664X
  13. a b c Francis W. Carter, David Turnock: Environmental problems of East Central Europe. In: Routledge studies of societies in transition. Routledge, 2002. ISBN 0415174031
  14. a b c d e f g JoAnn Carmin, Stacy D. VanDeveer: EU enlargement and the environment: institutional change and environmental policy in Central and Eastern Europe. In:Environmental politics, Band 9 von Routledge research in environmental politics. Routledge, 2005. ISBN 0415351863
  15. International Energy Agency: Energy policies of IEA countries: The Czech Republic 2005 review. In: Energy Policies. OECD Publishing, 2005. ISBN 9264109293
  16. a b c OECD - Organisation for Economic Co-operation and Development: Uranium 2009: Resources, Production and Demand. OECD Publishing, 2010. ISBN 9264047905
  17. OECD: Nuclear Energy Data: 2010. In: Nuclear Energy Data, Données sur l'énergie nucléaire. OECD Publishing, 2010. ISBN 926409198X
  18. a b Stadt Tyn nad Vltavou: JE Temelín se omlouvá obyvatelům Týna nad Vltavou (tschechisch), 30.12.2011. Abgerufen am 30.12.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  19. Radio Trausnitz: AKW-Panne: Heizung aus, 30.12.2011. Abgerufen am 30.12.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  20. International Energy Agency: Energy policies of IEA countries: The Czech Republic 2005 review. In: Energy Policies. OECD Publishing, 2005. ISBN 9264109293
  21. OECD Nuclear Energy Agency: Radioactive waste management programmes in OECD/NEA member countries. In: Radioactive Waste Management Series. OECD Publishing, 2005. ISBN 9264012109
  22. Daneš Bukret: ČEZ's Nuclear Projects, ENYGF 2011 Prague. Seite 21. Abgerufen am 06.10.2011.(Archivierte Version bei WebCite)
  23. Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 37. Handelsblatt GmbH, 1992.
  24. Carlo Carraro u.a.: Environmental management in a transition to market economy: a challenge to governments and business : proceedings of the international conference held at the University of Geneva, January 6-8, 1993. Editions TECHNIP, 1994. ISBN 2710806800
  25. Alphose Zingoni: Structural engineering, mechanics, and computation: proceedings of the International Conference on Structural Engineering, Mechanics, and Computation, 2-4 April 2001, Cape Town, South Africa, Band 1. Elsevier, 2001. ISBN 0080439489
  26. I. Mungan, Udo Wittek: Natural Draught Cooling Towers: Proceedings of the Fifth International Symposium on Natural Draught Cooling Towers, Istanbul, Turkey, 20-22 May 2004. Taylor & Francis, 2004. ISBN 9058096424
  27. G. A. R. Parke, Mr. C. M. Howard: Space structures 4, Band 1. In: Space Structures 4, G. A. R. Parke. Thomas Telford, 1993. ISBN 0727719688
  28. Markus Staudinger: Atomkonzern CEZ bestätigt: Temelin-Ausbau wird beschleunigt. OÖ Nachrichten, 3. Mai 2011. (Online-Version)
  29. Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - TEMELIN-3“ (englisch)
  30. Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - TEMELIN-4“ (englisch)

Links

Siehe auch

Icon NuclearPowerPlant-green.svg Portal Kernkraftwerk