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Uranbergwerk Grube Christa

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Uranbergwerk Grube Christa
Ehemaliges Gelände des Bergwerks
Ehemaliges Gelände des Bergwerks
Standort
Lagerstätte Großschloppen
Alias Grube Christa
Land Flag of Germany.svg Deutschland
Bundesland Bayern
Ort Großschloppen
Koordinaten 50° 7′ 59″ N, 11° 56′ 48″ OTerra globe icon light.png 50° 7′ 59″ N, 11° 56′ 48″ O
Geologie
Lagerstättentyp Ganglagerstätte Granit
Lagerstättensubtyp Perigranitisch
Länge 1 km
Breite 30 bis 60 m
Ressourcenmenge 1001-2500 t
Uranhöffigkeit 0,10 bis 0,20 %/t
Förderung
Status Mining White.svg Unerschlossen
Betreiber Saarberg Interplan Uran GmbH
Abbaubeginn 1979
Abbauende 1987
Abbaumethode Untertage
Gtk-dialog-info.svg Angaben aus der UDEPO-Datenbank

Das Uranbergwerk Grube Christa befand sich im bayerischen Großschloppen im Fichtelgebirge. Die Grube wurde am drittgrößten Vorkommen Westdeutschlands zur Exploration angelegt und bis in die 1980er betrieben. Aufgrund einer unternehmerischen Entscheidung keine Vorkommen mit einer geringen Höffigkeit weiter abzubauen, wurde 1987 die anstehende kommerzielle Förderung nicht durchgeführt und das Gelände 1989 renaturiert.

Geschichte

Im Jahr 1976 begann die Esso Erz GmbH mit der Exploration von Uran in Nordostbayern und dem Fichtelgebirge mit einer Genehmigung, die im gleichen Jahr vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Verkehr erteilt wurde.[1] Im Jahr 1977 nahm das Unternehmen Bohrungen nahe der Ortschaft Großschloppen im Landkreis Wunsiedel vor und konnte am 8. März 1977 eine Gammastrahlung-Anomalie entdecken, die auf eine Uranerzader hinwiesen. Etwa zur gleichen Zeit wurde die Uranlagerstätte Hebanz zirka 5 Kilometer östlich von Großschloppen entdeckt, die allerdings nicht so stark durchdringend war, weshalb man im Dezember 1979 begann das Vorkommen in Großschloppen durch Untertagebau genauer zu explorieren.[2] Der Aufbau der Ganglagerstätte war für diesen Lagerstättentyp untypisch und auch einer der Gründe, weshalb frühere Explorationen in der Umgebung die Lagerstätte nicht auffinden konnten. Entdeckt wurde es erst aufgrund von ähnlichen Entdeckungen zu dieser Zeit im Erzgebirge, wo man in der Kontaktzone des Zinngranits uranhaltige Vorkommen ausfindig machen konnte.[3] Im September 1977 wurde mit dem Bau eines Versuchsstollens begonnen und ab Dezember 1979 Uran gefördert um dessen Konzentration zu bestimmen. Neben Uran wurden auch weitere wirtschaftlich nutzbare Nebenminerale gefördert,[2] darunter auch das für die Schmuckherstellung verwendete Epidot.[4]

Der Bau des Schachtes wurde ab 1979 begonnen mit einer 14 % abfallenden geraden Rampe bis in eine Tiefe von zunächst 70 Metern.[1] Die Zufahrt zum Stollen wurde so ausgelegt, dass man bequem mit dem Bagger in die Grube einfahren konnte und wieder herausfahren konnte.[5] Am Ende der Rampe mündet der Gang in einer im Wendelspirale angelegten Tunnelstruktur, die sich bis in eine Tiefe von 195 Metern durch den Boden dringt. Ausgehend von der Wendelspirale gehen mehrere Gänge Gänge in die angrenzende Uranerz führenden Lagerstätten ab, woraus sich eine gesamte bergmännisch erschlossene Länge von 350 Metern (bis 1983) ergibt. Uranerz aus der Grube Christa wurde auf der hauseigenen Halde zwischengelagert, bevor es zur weiteren Verarbeitung weitertransportiert wurde.[1] Sämtliches gefördertes Uran aus der Grube Christa wurde in der Uranerzaufbereitungsanlage Ellweiler verarbeitet.[6] Abraum aus der Grube wurden in die umliegenden Steinbrüche von Kirchenlamitz, den Blauer-Bruch, Henikels-Bruch und Rondell-Bruch, abgeschüttet.[7]

Im Jahr 1982 wurden im Umkreis von Großschloppen erhöhte Konzentrationen von Radium 226 und Blei 210 im Trinkwasser, Oberflächenwasser, Sedimenten, Boden und Gras, sowie lokal produzierten Lebensmitteln entdeckt. Hinsichtlich der Trinkwasserbelastung war insbesondere die Stadt Marktleuthen betroffen. Die Bodenbelastung war um den Faktor 3 höher als normale Werte in anderen Gebieten, vornehmlich verursacht durch natürliche Freisetzung von uranführenden Mineralschichten die eine oberflächennahe Lage aufweisen, wodurch sich die Ortsdosisbelastung für die Bevölkerung bei Radium 226 um 920 Mikrosievert pro Jahr und bei Blei 210 um 1500 Mikrosievert pro Jahr erhöht. Die Emissionen aus der Grube Christa lagen für Radium 226, Blei 210 und Radon 222 wesentlich niedriger im unbedeutenden Bereich.[8] An der Grube Christa erfolgte die Freisetzung während des normalen Abbaubetriebs vornehmlich über die Abluftanlage des Bergbaubetriebs in Form von Erzstaub und Radongasen.[9]

Bereits in den ersten konnte man nachweisen, dass im Gegensatz zu den anderen Versuchsbergwerken Wäldel und Höhensteinweg, in der Grube Christa mit der Lagerstätte Großschloppen nennenswerte Mengen an Uran lagern. Die Gewerkschaft Brunhilde gab daher 1982 weitere Erschließungsversuche ihrer beiden Bergwerke auf mit der Konzentration der weiteren Analyse der Lagerstätte Großschloppen.[10] Mit dem Ende der Arbeiten an den dortigen Bergwerken war die Grube Christa das einzige noch in der Explorationsphase befindliche Uranbergwerk in Bayern.

Im Jahr 1984 wurde die Esso Erz GmbH an ein Konsortium verkauft. Eigentümer des Unternehmens waren zu gleichen Teilen die Saarberg Interplan Uran GmbH mit Sitz in Saarbrücken als ausführender Betreiber, sowie des in London ansässigen Central Electricity Generating Board, das mehrere Kernkraftwerke im Vereinigten Königreich betrieb.[1]

Bis 1987 wurde die Erkundung weitestgehend abgeschlossen, sowie eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen, die eine Umweltverträglichkeit der Uranförderung durch die Grube Christa attestierte.[11] In einer Anfrage der Grünen im deutschen Bundestag über den Umfang der Arbeiten in der Grube Christa und deren Wirtschaftlichkeit antwortete die von der CDU geführte Bundesregierung, dass der Versuchsabbau für die Erkundung bis 1990 andauern werde, bis eine Entscheidung über die wirtschaftliche Abbauwürdigkeit des Vorkommens vorliege. Die Wirtschaftlichkeit des Abbaus hänge zudem nicht allein vom Spotpreismarkt ab.[12] Die Ergebnisse waren bis zu diesem Zeitpunkt allerdings vielversprechend. Im Vergleich zum Uranbergwerk Grube Krunkelbach an der Lagerstätte Menzenschwand, das zur gleichen Zeit erkundet wurde, waren die Vorkommen in Großschloppen vergleichsweise groß, sodass die Planungen weit gediehen waren ab 1990 in der Grube Christa rund 300 Tonnen Uran jährlich abzubauen, während das Vorkommen an der Lagerstätte Menzenschwand nur rund 100 Tonnen Uran jährlich erbringen hätte können. Die Förderkosten wurden in der zweitkleinsten Preisklasse auf Basis der Untersuchungen festgelegt zwischen 40 bis 80 Dollar pro gefördertes Kilogramm Uran,[13][14] während man beim Maximum in der Preisklasse ab 80 Dollar je Kilogramm bis definitiv weniger als 130 Dollar je Kilogramm ausging.[15] Die Lagerstätte Großschloppen wurde 1988 deshalb als Abbauwürdig in einem wirtschaftlichen Rahmen eingestuft.[16]

Im Dezember 1988 gab allerdings die zur Interuran GmbH umfirmierte Saarberg Interplan Uran GmbH und an die französische Cogema, die Badenwerk AG und die Energieversorgung Schwaben AG verkaufte Firma bekannt, dass man kein Uran aus der Grube Christa fördern werde und die Arbeiten einstellte. Dies hing mit einer Umstrukturierung des Unternehmens zusammen und der Entscheidung keine Lagerstätten mehr abzubauen, die eine geringe Uranhöffigkeit aufweisen.[17] Mit dem Ende der Förderung von Uranerz im Uranbergwerk Grube Krunkelbach im Jahr 1991 endete die Uranförderung in Westdeutschland. Von den insgesamt bis dahin nachgewiesenen 12.100 Tonnen förderwerten Uranerzes in Westdeutschland gehören die Lagerstätten Menzenschwand und Großschloppen zu den größten Uranlagerstätten, die wirtschaftlich förderfähiges Uranerz beinhalten.[18] Größere Reserven bieten einige Lagerstätten im heute wiedervereinigten Deutschland in Sachsen und Thüringen. Im Vergleich zu diesen Lagerstätten bieten Menzenschwand und Großschloppen bessere wirtschaftliche Bedingungen für eine zukünftige Förderung, da deren Höffigkeit größer ist.[19] Die Erkundung der Lagerstätte Großschloppen wurde durch ein staatliches Förderprogramm gestützt durch 10 Millionen DM pro Jahr ab Förderbeginn 1979 bis zum Jahr 1987. Im Jahr 1988 wurde die Förderung mit dem Abschluss der Exploration auf 5,4 Millionen DM reduziert. Entsprechend hat die Interuran GmbH bereits 1986 die Förderung reduziert und die Förderkosten von 44,5 Millionen DM pro Jahr auf 35 Millionen DM im Jahr 1987 und 25 Millionen DM im Jahr 1988 reduziert,[6] da der Betrieb eingestellt wurde.[20] Im Jahr 1989 wurden letztmalig 1,729 Millionen DM für die Renaturierung des Bergwerks investiert. Während des gesamten Erkundungsbetriebs wurden 18.600 Tonnen Erz abgebaut mit einer durchschnittlichen Urankonzentration von 0,19 %, woraus sich 35,7 Tonnen industriell nutzbares Triuranoctoxid ergaben.[21]

Geologie

Die Uranlagerstätte Großschloppen ist eine Ganglagerstätte und liegt am Rand des Fichtelgebirges. Sie grenzt an die Münchberger Gneismasse entlang des Fußes des Epprechtstein und des Waldstein an, gehört aber noch zum Böhmischen Masse, entlang der Kontaktlinie des spät-variszischen Biotitgranit und Granodiorit. Entlang dieser Linie treten Verwerfungen mit Uranoxiden, Sulfiden und Seleniden in mineralisierter Form auf. Die Uranmineralisierung verläuft von Nordwest in Richtung Südosten und ist nach Nordwesten durch paläozoische Gesteine des Frankenwaldes und nach Südwesten durch die Fichtelgebirgszione getrennt. Gebunden ist die Uranmineralisierung an den dort vorhandenen Granit. Die Urankonzentration am jüngeren Granit (Peripherer Granit, Zentraler Granit, Zinngranit) mit einem Alter von 288±4 Millionen Jahre ist mit 6 bis 7 Teile von einer Million höher als bei älteren Graniten (Weißenstadt-Marktleuthen-Granit) mit einem Alter von 310±14 Millionen Jahre mit rund 4±+1 Teile von einer Million. Die Vererzung ähnelt der, die auch in der Uranlagerstätte Rudolfstein bei Weißenstadt entdeckt wurde.[2][22]

Einzelnachweise

  1. a b c d Albert Dobner: Der Bergbau in Bayern, Bayerisches Geologisches Landesamt, 1987. ISSN 0016-755X. Seite 37.
  2. a b c IAEA: VEIN TYPE URANIUM DEPOSITS, 1986. Seite 262 bis 274. Abgerufen am 13.10.2019. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  3. Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie: Der Aufschluss, Band 32, 1981. Seite 11.
  4. Naturforschende Gesellschaft Bamberg: Bericht, Bände 58-59, Bamberger Verlagshaus Meisenbach & Company, 1984. Seite 620.
  5. Naturwissenschaftliche Gesellschaft Bayreuth: Bericht, Bände 21-23, 1990. Seite 211.
  6. a b European Nuclear Energy Agency, u.a.: Uranium Resources, Production, and Demand: A Joint Report, Organisation for Economic Co-operation and Development, 1989. ISBN 9789264133648. Seite 36, 196.
  7. Kirchenlamitz: Frühere Steinbrüche. Abgerufen am 23.05.2022. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  8. Schuettelkopf, H., u.a.: Die Dosisbelastung der Umgebungsbevölkerung durch natürliches und aus einer Uranuntersuchungsgrube emittiertes Ra-226 und Pb-210 - Radioökologische Untersuchung im Raum Großschlappen, August 1982. Abgerufen am 23.05.2022. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  9. Seite 1.
  10. Gesellschaft Deutscher Metallhütten- und Bergleute. Fachsektion Lagerstättenforschung. Jahrestagung: Postvaristische Gangmineralisation in Mitteleuropa: Alter, Genese und wirtschaftliche Bedeutung : Jahrestagung der Fachsektion Lagerstättenforschung in der GDMB vom 12. bis 16. April 1983 in Warstein (Sauerland), Verlag Chemie, 1984. ISBN 9783527262427. Seite 131.
  11. Germany (West). Bundestag: Verhandlungen: Stenographische Berichte. Anlagen zu den stenographischen Berichten. Drucksachen, Band 393, 1989. Seite 18.
  12. Germany (West). Bundestag: Verhandlungen des Deutschen Bundestages: Stenographische Berichte, Band 141, Allein-Vertrieb, H. Heger, 1987. Seite 1420.
  13. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 32. Handelsblatt GmbH, Mai 1987. Seite 256.
  14. Angelika Guder-Späth, u.a.: Mörderische Zahlenspur, BoD – Books on Demand, 2020. ISBN 9783946751854. Seite 274.
  15. Gesellschaft Deutscher Metallhütten- und Bergleute: Erzmetall, Band 42, Verlag Chemie, 1989. Seite 446.
  16. IAEA: INTURGEO: THE INTERNATIONAL URANIUM GEOLOGY INFORMATION SYSTEM, 1988. Seite 91. Abgerufen am 23.05.2022. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  17. Roger Moody: The Gulliver File: Mines, People, and Land : a Global Battleground, Minewatch, 1992. ISBN 9789062249992. Seite 212.
  18. Handbook of Nuclear Countries, Lexikographisches Institut, 1992. ISBN 9783928680028. Seite 120.
  19. Deutsche Gesellschaft für Wehrtechnik: Wehrtechnik, Band 40, Wehr und Wissen Verlagsgesellschaft., 2008. Seite 6.
  20. OECD Nuclear Energy Agency: Uranium Resources, Production and Demand, Organisation for Economic Co-operation and Development, 1990. Seite 36.
  21. OECD Nuclear Energy Agency: Environmental Remediation of Uranium Production Facilities, OECD 2002. Seite 114, 230. Abgerufen am 09.03.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  22. Bayerisches Geologisches Landesamt: Geologica Bavarica, Ausgaben 91-93, . Seite 38 bis 45.

Siehe auch