Kernkraftwerk Kashiwazaki Kariwa

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Kernkraftwerk Kashiwazaki Kariwa
Kernkraftwerk Kashiwazaki Kariwa aus der Luft
Kernkraftwerk Kashiwazaki Kariwa aus der Luft
Standort
Land Flag of Japan.svg Japan
Präfektur Niigata
Ort Kahiwazaki, Kariwa
Koordinaten 37° 25′ 57″ N, 138° 35′ 51″ OTerra globe icon light.png 37° 25′ 57″ N, 138° 35′ 51″ O
Reaktordaten
Eigentümer TEPCO
Betreiber TEPCO
Vertragsjahr 1977
Betriebsaufnahme 1985
Im Betrieb 7 (8212 MW)
Einspeisung
Eingespeiste Energie im Jahr 2010 24627 GWh
Eingespeiste Energie seit 1985 823438 GWh
Stand der Daten 1. April 2011
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Kashiwazaki Kariwa (japanisch 柏崎刈羽原子力発電所, Kashiwazaki Kariwa genshiryoku hatsudensho) steht auf dem Gebiet der Großstadt Kashiwazaki und der Kreisstadt Kariwa, in der japanischen Präfektur Niigata. Mit einer installierten Gesamtleistung von 8212 MW und sieben Kernreaktoren an einem Standort ist das Kernkraftwerk das leistungsstärkste weltweit. Die Entfernung zu den nächsten größeren Städten beträgt nach Kashiwazaki fünf Kilometer, nach Nagaoka 20 Kilometer, nach Jōetsu, Minami-Uonuma und Sanjō 40 Kliometer sowie zur Präfekturhauptstadt Niigata 65 Kilometer.

Geschichte

Bereits im Jahr 1971 gab es erste Überlegungen seitens der Tokyo Electric Power Company (TEPCO), nahe der Stadt Kashiwazaki in der Präfektur Niigata ein Kernkraftwerk zu errichten. Wie auch in anderen Präfekturen, beispielsweise der Präfektur Aomori, lag der Grund an der schlechten technischen Versorgung, sowie unwirtschaftlichen Übertragung der Elektrizität in diese Regionen. Allerdings brachte der Zubau neuer Kernkraftwerke wiederum ökologische Probleme, neben sozialen Problemen wie Protesten aus der Bevölkerung gegen den Zubau von weiteren Kernkraftwerken.[1] Man wählte trotz allen Bedenken den Standort für den Bau von acht Reaktoren mit je 1100 MW. Seitens der Industrie der Vereinigten Staaten von Amerika gab es Interesse an dem Projekt, eventuell Großkomponenten für die Reaktoranlagen zu liefern.[2] Der Landankauf für das Kernkraftwerk erfolgte offiziell unter dem Vorwand, ein Erholungsgebiet für TEPCO-Mitarbeiter zu schaffen. Als die Pläne erstmals an die Öffentlichkeit gelangten, steig der Grundstückpreis um 25 % an.[3] Mit den Bauarbeiten sollte planmäßig zwischen 1972 und 1977 begonnen werden, was allerdings aufgrund aufflammender Proteste nicht möglich war.[4]

Bis 1976 gab es Einwände seitens der örtlichen Gemeinden, allerdings stellten diese ihre Abneigung gegen das Projekt nach und nach zurück.[5] Die Bevölkerung der anliegenden Stadt Kashiwazaki, sowie örtliche Bürger informierten sich weiter über die Kernenergie um sich mit deren Technik vertraut zu machen. Weitere geologische Untersuchungen der Einwohner Kashiwazakis ergaben, dass unter dem geplanten Areal eine geologische Verwerfung verläuft.[6] TEPCO argumentierte dagegen, dass die letzten nennenswerten Erdbeben in diesem Gebiet bereits rund 300.000 Jahre zurück liegen würden. Seitens der Gegner des Projekts wurde ein Gutachten aus dem Jahr 1920 für ein Ölunternehmen als Argument angeführt. Rund 30 % der Einwohner waren aufgrund dieser offensichtlichen Lügen seitens TEPCOs gegen ein Kernkraftwerk, 50 % hatten ernste Bedenken. Trotz weiterer Bedenken und zögerlichen Reaktionen entschied sich TEPCO den Standort trotzdem zu wählen. Ein Grund lag auch darin, dass die Proteste hauptsächlich von Fischern und Bauern initiiert wurden.[3]

Bau

Mit dem Bau des ersten Reaktors wurde am 5. Juni 1980 begonnen.[7] Der Vertragspartner für den Reaktor war Toshiba.[8] Aufgrund fortwährender Proteste wurde am 4. Dezember 1980 erstmals eine öffentliche Anhörung zu dem Kernkraftwerk abgehalten. Allerdings hielten die Anwohner wenig davon und formierten sich mit 8000 weiteren Menschen gegen die Anlage, der bis dahin größte Protest gegen ein Kernkraftwerk in Japan. Diese umzingelten die Kampfkunsthalle der Stadt Kashiwazaki, in der die Anhörung stattfand, um so die Anhörungen aufzuhalten. Da der Bau des ersten Reaktors bereits im Gange war, wobei der Bau auch verzögert begann, konnte man mit den Protesten gegen die Errichtung des fünften und zweiten Reaktors den Baubeginn um zehn Jahre herauszögern, weshalb sich TEPCO und die Regierung in eine nahezu aussichtslose Lage brachten. Um die Anhörungen trotzdem erfolgreich zu beenden, wurden nur ausgesuchte Kernenergie-Befürworter in die Halle gebracht, die von TEPCO gewählt wurden. So konnte der Bau langsam fortgesetzt werden. Die 8000 Demonstranten vor dem Gebäude wurden während den Anhörungen von 3000 Polizisten abgehalten, in das Gebäude zu gelangen. Die Anhörungen wurden in kurzer Folge schnell erledigt, um so den Bau vollständig freizugeben. Die Proteste in Kashiwazaki zählten zu den stärksten in Japan. Ähnliche Proteste und Vorgehensweisen gab es später bei den Kernkraftwerken Shimane und Hamaoka.[9]

Ende April 1982 gab die japanische Sicherheitskommission die Genehmigung zum Bau der Reaktoren 5 und 2 frei. Im Gegensatz zu den anderen im Land betriebenen Reaktoren werden diese Anlagen die ersten sein, die auf die zweite Phase des japanischen Programms zur systematischen Verbesserung von Kernkraftwerken ausgerichtet sind.[10] Mit dem Bau des fünften Blocks wurde am 20. Juni 1985 begonnen, gefolgt von Block 2 am 18. November 1985.[7] Der Vertragspartner für Block 2 ist Toshiba, für Block 5 Hitachi.[8] Der Bau des dritten Blocks mit dem Vertragspartner Toshiba[8] begann am 7. März 1989, am 5. März 1990 der Bau des vierten Reaktors,[7] für den wieder Hitachi den Auftrag bekommen hatte.[8] Aufgrund der Weiterentwicklung der Siedewasserreaktor-Technologie der Firma General Electric zusammen mit TEPCO, Hitachi und Toshiba zu einem fortschrittlichen Siedewasserreaktor (ABWR), wurde das Projekt von acht auf sieben Reaktoren reduziert und die letzten beiden Blöcke 6 und 7 als ABWR ausgelegt. Die drei Unternehmen hatten zusammen den Zuschlag für den Auftrag erhalten, wobei das Gesamtvolumen bei fünf Milliarden US-Dollar lag, von denen eine Milliarde US-Dollar auf General Electric entfallen sollte, der Rest auf Hitachi und Toshiba. General Electric übernahm die Lieferung der nuklearen Dampferzeugersysteme, der Erstkernbeladung sowie der 1356 MW-Turbosätze. Die Inbetriebnahme der beiden Reaktoren wurde auf die Jahre 1996 und 1998 veranschlagt.[11] Mit dem Bau des sechsten Blocks wurde am 3. November 1992 begonnen, Block 7 folgte am 1. Juli 1993.[7]

Da Block 6 und 7 die ersten ABWR weltweit sein werden, wurden neue Baumethoden für die Reaktoren angewandt, um die Fertigstellung zu beschleunigen. So wurde darauf gesetzt, große Elemente zu verwenden, die vormontiert bei jedem Wetter installiert werden konnten. So konnte bereits am 23. August 1994 der Reaktordruckbehälter in Block 6 eingehoben werden und am 18. Mai 1995 der Warmprobebetrieb durchgeführt werden. Einen Tag später wurde der Reaktordruckbehälter in Block 7 eingehoben und am 26. April in den Warmprobebetrieb übergegangen. Am 30. November 1995 wurde Block 6 erstmals mit Brennelementen beladen, Block 7 am 10. Oktober 1996.[12]

Betrieb

Die Anlage im April 2011

Der erste Reaktor wurde am 13. Februar 1985 erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert und am 18. September 1985 in den kommerziellen Betrieb übergeben. Nach Block 1 wurde Block 5 erstmals am 12. September 1989 mit dem Stromnetz synchronisiert, Block 2 am 8. Februar 1990. Die Übergabe in den kommerziellen Betrieb erfolgte bei Block 5 am 10. April 1990, bei Block 2 am 28. September 1990. Am 8. Dezember 1992 wurde Block 3 mit dem Stromnetz synchronisiert und am 11. August 1993 dem Betreiber übergeben. Block 4 wurde am 21. Dezember 1993 erstmals mit dem Stromnetz synchronisiert und am 11. August 1994 dem Betreiber übergeben. Block 6 ging am 29. Januar 1996 erstmals ans Netz und wurde am 7. November 1996 in den kommerziellen Betrieb übergeben, der letzte Reaktor, Block 7, folgte am 17. Dezember 1996 mit der Netzsynchronisation und ging am 2. Juli 1997 in den kommerziellen Betrieb über. Durch die Inbetriebnahme der letzten beiden Reaktoren wurde die Anlage zum leistungsstärksten Kernkraftwerk weltweit[7] und verdrängt das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi zusammen mit dem Kernkraftwerk Fukushima-Daini auf den zweiten Platz.[13] In den ersten Betriebsjahren von Block 6 und 7 als erste Reaktoren vom Typ ABWR stellte man eine höhere Verfügbarkeit im Gegensatz zu den Vorgängermodellen fest. TEPCO arbeitete allerdings daran, dass zukünftige Reaktoren dieser Baulinie bis zu 30 % kostengünstiger betrieben werden können, als Kashiwazaki Kariwa 6 und 7.[12]

Für die japanische Brennstoffwirtschaft rückte in den 1990er besonders die Aufbereitung von Kernbrennstoffen aus Kernkraftwerken ins Licht, weshalb einige Reaktoren, unter anderem auch Block 3 in Kashiwazaki Kariwa, für MOX-Brennelemente ausgelegt werden sollten. Allerdings gab es dagegen Proteste seitens der Bevölkerung. Im Mai 2001 verbot die Kreisverwaltung Kariwa nach einem Referendum den Einsatz von MOX-Elementen im Kernkraftwerk Kashiwazaki Kariwa. Im September 2002 beugte sich TEPCO den Druck und lies den Brennstoff nicht in den Reaktor laden.[14] Der MOX-Kern für Block 3 wurde 2002 nach Großbritannien zurückgeschifft.[15]

Im Jahr 2002 geriet TEPCO in einen Skandel, wonach über Jahre hinweg Testberichte für Kernkraftwerke verfälscht weitergegeben wurden. Also Folge dessen nahm TEPCO mitte April 2003 all seine 17 Reaktoren in den Kernkraftwerken Kashiwazaki Kariwa, Fukushima-Daiichi und Fukushima-Daini für außerordentliche Überprüfungen vom Netz.[14] Während Block 4 bis 7 noch 2003 wieder ans Netz gingen, dauerte die Überprüfungen bei Block 1 bis 3 bis zum Jahr 2004 an.[7] 2004 kam es zu einem Erdbeben, das allerdings keine Abschaltung des Kernkraftwerks erforderte. Block 7 ging dennoch automatisch vom Netz, aufgrund einer kurzzeitigen axialen Verschiebung des Turbinenläufers. Dies ist darauf zurückzuführen, dass beim Betrieb von Dampfturbinen ein exakter symmetrischer Dampffluss benötigt wird und der Läufer exakt ausbalanciert ist, sodass die axialen Bewegungen während des Betriebs keine Beeinflussung darstellen. Bei einem Erdbeben kann die Belastung jedoch zunehmen. Wenn diese mehr als ein hundertstel abweicht, reagiert der Blockschutz und fährt den ganzen Block herunter.[16] Im Jahr 2007 folgte ein weiterer Skandel, wonach TEPCO mehrere (beinahe) Kritikalitätsunfälle ausgelöst hätte. Demnach sei bei periodischen Sicherheitsüberprüfungen mehrere Steuerstäbe aus der aktiven Zone entfernt worden, bei geöffnetem Reaktor, wobei der Reaktor ungewollt kritisch wurde. In Kashiwazaki Kariwa betraf dies nur Block 6, bei dem im Jahr 1997 vier Steuerelemente entfernt wurden und Block 1, bei dem im Jahre 2001 zwei Steuerelementen entfernt wurden.[17]

Am 16. Juli 2007 kam es zum Niigata-Chūetsu-Küstenerdbeben, das eine Magnitude von 6,6 erreichte. Das Kernkraftwerk, das etwa 20 Kilometer vom Epizentrum entfernt liegt, wurde sicher heruntergefahren, allerdings kam es zu einigen Schäden an der Anlage, sowie zur Freisetzung einer geringen, unter dem Grenzwert liegender Menge an Radioaktivität. In allen Blöcken schwappte das Wasser in den Abklingbecken über. In Block 1 war der Zustand weitestgehend stabil ohne weitreichende Folgen. In Block 2 gab es ein Ölleck an einem Tank der turbinengetriebenen Reaktorspeisewasserpumpe, bei dem 800 Liter austraten. Weiter gab es einen Fehler am Auffangbecken für Ölleckagen an den Transformatoren, die eine Lücke aufwiesen mit einer Weite von zwei Zentimetern. In Block 3 hatte sich ein Gebläse verschoben, sowie eine Leckage an einer Ölleitung für den Niederspannungstransformator von Block 3 und 4 gebildet. An der Turbine des dritten Blocks setzte sich der Transformator der Erregermaschine leicht ab. Das größe Ereignis am dritten Reaktorblock war ein Transformatorbrand, der nach zwei Stunden gelöscht werden konnte. In Block 4 leckte aufgrund einer defekten Gummidichtung zwischen dem Kondensator B und einem Tank Meerwasser. Insgesamt liefen aus einem 3,5 Meter langen Leck 24 Kubikmeter aus. Ebenso gab es ein Leck an der Ölwanne der Transformatoren. In Block 5 gab es ein Leck am Wassertank vier, der gefiltertes Wasser enthielt. Insgesamt liefen 900 Kubikmeter aus. Die Kühlwassersiebpumpe war nach dem Erdbeben nicht mehr zu starten. In Block 6 wurde der Brückenkran im Reaktorgebäude beschädigt. Von den insgesamt vier Kreuzgelenken an den Rädern des Krans, die eine flexible Verbindung zwischen den Radwellen und den Motorwellen schaffen, wurden drei beschädigt. In der Turbinenhalle gab es ebenso Beschädigungen an den Brückenkränen, von denen einer aus den Schienen gesprungen war. Block 7 senkte sich leicht ab, ebenso wurde eine leicht schiefe Lage des Gebäudes nach dem Erdbeben festgestellt. Wie in anderen Reaktoren ist auch hier ein Leck an der Ölauffangwanne der Transformatoren festgestellt worden.[16]

Die Auswertungen der Sensoren, die auf dem Gelände an den Fundamenten installiert sind, ergaben, dass die Beschleunigung weitaus stärker war, als die Auslegung der sieben Blöcke. Im Bezug auf die freigesetzte Radioaktivität versagte TEPCO bezüglich der Kommunikation mit der Bevölkerung. Normalerweise ist die Internetpräsenz von TEPCO so aufgebaut, dass die Radioaktivitätswerte der neun um das Kernkraftwerk liegenden Messstationen live abgerufen werden können. Nach dem Erdbeben schaltete der Konzern jedoch die Internetpräsenz für 54 Stunden ab. Auffälliger war, was auch später im IAEA-Bericht große Bedenken auslöste, dass sich große Höhenunterschiede auf dem Gelände gebildet hatten und teilweise heftige Erhebungen entstanden. So hob sich unter anderem die Straße an, sodass sie aufgerissen wurde. Ebenso rissen die Leitungen für das Löschsystem auf dem Gelände an fünf Stellen ab. Weiter entstanden an manchen Stellen auf dem Gelände Schlammlawinen. Die Wellenbrecher der beiden Auslässe im Norden und Süden sackten ab, ebenso der Erdhügel auf dem Gelände, der vom Abtragen des Berges entstand. Nach genauen Untersuchungen stellte man direkt unter dem Kernkraftwerk eine geologische Verwerfung fest, die nach Angaben von TEPCO bei der Wahl des Standortes unbekannt gewesen war.[16] Vor der Errichtung der Anlage wiesen allerdings Anwohner aus Kashiwazaki auf eine Verwerfung unter dem Gelände hin (siehe oben).[6]

Als Folge des Erdbebens verlangte die Regierung eine Nachrüstung der Reaktoren auf einen besseren Sicherheitsstandard bei einem Erdbeben. Nebenher wurde das Krisenmanagement von TEPCO stark kritisiert.[16] Am 15. Mai 2009 wurde Block 7 wieder in Betrieb genommen.[18] Am 26. August folgte Reaktor sechs,[19] der am 31. August mit dem Stromnetz synchronisiert wurde.[20] Block 1 wurde am 6. Juni 2010 wieder mit dem Stromnetz synchronisiert,[21] Block 5 folgte am 26. November 2010.[22]

Technische Details

Block 1 bis 5 sind ausgestattet mit Reaktoren vom Typ BWR-5, die jeweils in einem Mark-II-Containment untergebracht sind. Bei Block 2–5 wurde das Containment in einer verbesserten Form installiert, Block 1 besitzt die Basisversion. Die thermische Leistung der fünf Reaktoren liegt bei 3293 MW und wird mit 764 Brennelementen im Reaktorkern erzeugt. Als Brennstoff kommen Brennelemente vom Typ GE-11 zum Einsatz, die eine Gitterstruktur von 9×9 Brennstäben besitzen. Ebenso sind die Kerne ausgelegt Brennelemente vom Typ GE-4 bis GE-10 mit einer Gittertstruktur von 8×8 Brennstäben zu verwenden, sind aber technisch überholt. Kontrolliert wird die Kernspaltung mit 185 Steuerstäben aus Borcarbid, die hydraulisch mit Kolben bewegt werden. Zum Umwälzen des Speisewassers besitzt jeder Reaktor zwei externe Umwälzpumpen, sowie 20 Strahlpumpen. Das Speisewasser wird mit einer Temperatur von 216 °C bei einem Druck von 86,2 bar in den Kern geleitet und verlässt den Reaktor mit einer Temperatur von 286 °C. Der Dampf, von dem 6410 Tonnen in der Stunde erzeugt werden, wird weiter an die Turbine geleitet und hat beim Eintritt eine Temperatur 282 °C bei einem Druck von 65,5 bar. Die Überströmleitung von Block 1 hat eine Kapazität von 25 %, Block 3 und 4 37,5 % und Block 2 und 5 je 100 %. Die dort in Bewegung umgewandelte Energie wird über eine Welle an einen Generator übertragen, der eine Scheinleistung von 1300 Megavoltampere besitzt und eine Betriebsspannung von 19 kV hat.[12] Die elektrische Bruttoleistung liegt in allen Blöcken bei 1100 MW, von denen 1067 MW nach Abzug des Eigenbedarfs in das Elektrizitätsnetz gespeist werden.[7]

Block 6 und 7 sind ausgestattet mit Reaktoren vom Typ ABWR. Beide Reaktoren sind jeweils in einem Stahlbetoncontainment mit einer Innenauskleidung untergebracht. Die thermische Leistung der Reaktoren liegt bei 3926 MW und wird mit 872 Brennelementen vom Typ GE-11 betrieben. Kontrolliert wird die Kernspaltung mit 205 Steuerstäben. Die Bewegung erfolgt im Normalbetrieb durch elektrische Motoren, dem Fine-Motion-Steuersystem. Bei einer Schnellabschaltung werden diese hydraulisch in den Reaktor geschossen. Die Speisewasserumwälzung erfolgt mit zehn internen Pumpen. Das Speisewasser hat eine Temperatur von 216 °C und verlässt den Reaktorkern als Dampf mit einer Temperatur von 287 °C bei einem Druck von 70,7 bar. Stündlich werden insgesamt 7640 Tonnen Dampf erzeugt. Dieser wird an eine Turbine weitergeleitet und hat beim Eintritt eine Temperatur von 284 °C bei einem Druck von 66,9 bar. Die Überströmleitung des Turbine hat eine Kapazität von 33 %. Die Bewegungsenergie wird über eine Welle an einen Generator weitergeleitet, der eine Scheinleistung von 1540 Megavoltampere hat und eine Spannung von 27 kV erzeugt.[12] Die elektrische Leitung der beiden Blöcke liegt bei je 1356 MW brutto, von denen 1315 MW in das Elektrizitätsnetz gespeist werden.[7]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Kashiwazaki Kariwa besteht aus sieben Reaktoren, die sich alle im Betrieb befinden.

Reaktorblock[7] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Kashiwazaki Kariwa-1 SWR BWR-5 1067 MW 1100 MW 05.06.1980 13.02.1985 18.09.1985
Kashiwazaki Kariwa-2 SWR BWR-5 1067 MW 1100 MW 18.11.1985 08.02.1990 28.09.1990
Kashiwazaki Kariwa-3 SWR BWR-5 1067 MW 1100 MW 07.03.1989 08.12.1992 11.08.1993
Kashiwazaki Kariwa-4 SWR BWR-5 1067 MW 1100 MW 05.03.1990 21.12.1993 11.08.1994
Kashiwazaki Kariwa-5 SWR BWR-5 1067 MW 1100 MW 20.06.1985 12.09.1989 10.04.1990
Kashiwazaki Kariwa-6 SWR ABWR 1315 MW 1356 MW 03.11.1992 29.01.1996 07.11.1996
Kashiwazaki Kariwa-7 SWR ABWR 1315 MW 1356 MW 01.07.1993 17.12.1996 02.07.1997

Einzelnachweise

  1. Nihon Kōgyō Shinbunsha. Kokusaika: Asia scene, Band 16 ,Ausgaben 1-4. International Division, Nihon Kogyo Shimbun, 1971.
  2. United States. Dept. of Commerce: Commerce today, Band 4, Ausgaben 13-19. U.S. Dept. of Commerce., 1974.
  3. a b Randolph L. Braham: Human rights: contemporary domestic and international issues and conflicts. Ardent Media, 1980. ISBN 0829002324.
  4. Jim Falk: Global fission: the battle over nuclear power. Oxford University Press, 1982. ISBN 0195543157.
  5. Ampo, Band 8. 1976.
  6. a b Resurgence, Bände 8-9. 1977.
  7. a b c d e f g h i Power Reactor Information System der IAEA: „Japan“ (englisch)
  8. a b c d Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany): ATW: Internationale Zeitschrift für Kernenergie, Band 45,Ausgaben 7-12. Verlagsgruppe Handelsblatt, 2000.
  9. Ampo, Band 13,Ausgabe 2. Pacific-Asia Resources Center, 1981.
  10. Atomkernenergie/Kerntechnik, Bände 44-45. K. Thiemig, 1984.
  11. Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 32. Handelsblatt GmbH, 1987.
  12. a b c d N. Ujihara, Tokyo Electric Power Company: Development , Operating Experience and future plan of ABWR in Japan. (Online-Version)
  13. Donald McFarlan, Norris Dewar McWhirter, David A. Boeh: Guinness book of world records: 1990. Sterling, 1989. ISBN 0806957905.
  14. a b International Energy Agency, OECD - Organisation for Economic Co-operation and Development: Energy Policies of IEA Countries Energy Policies of IEA Countries: Japan 2003. OECD Publishing, 2003. ISBN 9264014756.
  15. Richard C. Ragaini, Antonino Zichichi: International Seminar on Nuclear War and Planetary Emergencies, 34th session: energy, nuclear and renewable energy ... : "E. Majorana" Centre for Scientific Culture, Erice, Italy, 19 - 24 Aug. 2005. In: Science and culture series (Singapore).: Nuclear strategy and peace technology. World Scientific, 2006. ISBN 9812567399.
  16. a b c d Alex Tang, Anshel J. Schiff: Kashiwazaki, Japan, Earthquake of July 16, 2007: Lifeline Performance. In: Ausgabe 31 von Monograph (American Society of Civil Engineers. Technical Council on Lifeline Earthquake Engineering). ASCE Publications, 2010. ISBN 0784410623.
  17. T. Kitamura: Nuclear Knowledge Management in Japanese Nuclear Industry. International Atomic Energy Agency, 2008.(Online-Version)
  18. Eric J. Jeffs: Green energy: sustainable electricity supply with low environmental impact. CRC Press, 2010. ISBN 1439818924.
  19. Performing a Series of Functional Tests for the Entire Plant of the Kashiwazaki-Kariwa Nuclear Power Station Unit No.6 after the Niigata-Chuetsu-Oki Earthquake (Restarting the Nuclear Reactor). TEPCO, 26. August 2009. (Online-Version)
  20. Performing a Series of Functional Tests for the Entire Plant of the Kashiwazaki-Kariwa Nuclear Power Station Unit No.6 after the Niigata-Chuetsu-Oki Earthquake (Starting generation). TEPCO, 31. August 2009. (Online-Version)
  21. Status of the Inspection and Restoration Works Performed after the Niigata-Chuetsu-Oki Earthquake (as of June 10). TEPCO, 10. Juni 2010. (Online-Version)
  22. Status of the Inspection and Restoration Works Performed after the Niigata-Chuetsu-Oki Earthquake (as of December 2). TEPCO, 2. Dezember 2010. (Online-Version)

Siehe auch

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