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Endlager Hostím

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Endlager Hostím
Blick auf den versiegelten Zugang
Blick auf den versiegelten Zugang
Standort
Land Flag of the Czech Republic.svg Tschechien
Region Mittelböhmen
Ort Srbsko
Tschechien
Radioactive Red.svg
Koordinaten 49° 57′ 3″ N, 14° 7′ 26″ OTerra globe icon light.png 49° 57′ 3″ N, 14° 7′ 26″ O
Anlagendetails
Lizenzinhaber SURAO
Baubeginn 1959
Betriebsaufnahme 1959
Stilllegung 1997
Einschluss 1 (1690 m3)

Das Endlager Hostím (tschechisch Úložiště Hostím) befindet sich nahe der tschechischen Gemeinde Srbsko in Mittelböhmen. Das Endlager lagert schwach- und mittelradioaktive Abfälle und liegt heute im Naturschutzgebiet Český kras, etwa 3 km südlich der Stadt Beroun. Nach Abklingen der radioaktiven Stoffe ist keine Rückholung geplant.

Geschichte

Im Jahr 1942 bis 1944 wurden in den Kalksteinfelsen Alkazar mehrere Galerien Kalkstein abgebaut. Nachdem der Krieg 1945 endete wurden die Abbauaktivitäten seitens der Tschechoslowakei eingestellt. Zwei dieser Gänge wurden im Jahr 1959 modifiziert und aufgrund einer politischen Entscheidung zur Lagerung von radioaktiven Abfällen verwendet ohne die Dauer der Lagerung und die Stoffe explizit zu bestimmen. Die Kapazität beider Galerien lag bei rund 1690 Kubikmeter. Die Abfälle die dort gelagert wurden stammten aus dem Institut für Forschung, Produktion und Anwendung von Radioisotopen Prag (ÚVVVR), sowie vom Forschungszentrum Řež. Die Einlagerung der ersten Abfälle begann noch im Jahr 1959. Die Gallerie A beinhaltet sämtliche Abfälle vom Forschungszentrum Řež und hat eine Größe von rund 470 Kubikmetern. Rund 130 Kubikmeter der Galerie ist mit Abfällen bestückt. Die Abfälle werden frei gelagert, das bedeutet in einfachen Behältnissen wie Dosen und Gläsern, die mit Filtern ausgestattet und belüftet sind. Gallerie B beinhaltet sämtliche Abfälle vom ÚVVVR und hat eine Größe von 1220 Kubikmeter. Rund 200 Kubikmeter der Galerie sind mit Abfällen bestückt. Die Abfälle wurden vornehmlich in 60 Liter-Fässern geschlossen eingelagert. Diese waren zum Schutz vor Korrosion mit Zink plattiert. Einige wenige kontaminierte Gerätschaften, deren Größe das Lagern in Behältern unmöglich machte, wurden frei eingelagert.[1]

Im Jahr 1964 wurden die letzte Abfälle in Hostím eingelagert. Grund hierfür war ein Beschluss seitens des regionalen Gesundheitsamtes, dass 1965 die Betriebsgenehmigung für das Lager entzog. Grund war die Vermutung, dass die Abfälle möglicherweise endgültig für immer eingelagert werden würden. Die Vorschriften in der Tschechoslowakei ließen diese Entscheidung zu, weshalb der Staat lediglich nur noch Vorsorge für die sichere Lagerung der Abfälle traf. Bereits zuvor im Jahr 1964 wurden Abfälle mit einer höheren Aktivität aus dem Lager der Galerie B wieder entfernt und in das Endlager Richard bei Litoměřice gebracht. Dass dies auch wirklich der Fall war wurde im Jahr 1991 bis 1994 im Rahmen einer Inventur der Abfälle festgestellt und bestätigt. Im Jahr 1990 wurde das Endlager dem ČSKAE zu gegliedert, das diverse Altlasten dieser Art verwaltet und eine staatliche Institution ist. Später in dem Jahr übernahm der neu etablierte Betreiber SÚRAO das Endlager.[1]

Zwischen 1990 und 1991 wurden im Rahmen der Ausarbeitung einer Risikostudie über Hostím ein hydrologisches und geologisches Überwachungssystem eingerichtet um etwaige Bewegungen des Kalkfelsens Alkazar zu registrieren. Ab 1991 bis 1994 wurde die Risikostudie ausgearbeitet. Neben dem endgültigen Einschluss wurde auch die Bergung des Abfalls und die Auflösung von Hostím diskutiert. Die Ergebnisse der hydrologischen und geologischen Überwachung zeigten, dass sich das Felsmassiv in keiner Weise bewegt und das Gebiet geologisch stabil sei. Weiter wurden anhand einer Abwägung der Gefahren des Transports und des Aufwands der Verarbeitung der Abfälle entschieden, dass es sicherer sei, den Abfall nicht zu bergen und das Endlager in den Einschluss zu überführen.[1] Im Jahr 1994 wurde der Betrieb des Endlagers endgültig beendet und die Anlage stillgelegt.[2] Für die endgültige Stilllegung des Endlagers wurden beide Galerien 1997 vollständig mit einer Betonmischung ausgegossen und versiegelt. Dies sollte nicht nur davor schützen, dass die Abfälle unzugänglich eingelagert bleiben, sondern auch zur Langzeitstabilisierung der Gänge und Schutz vor einem Einsturz dienen, sowie zur Verringerung der Wahrscheinlichkeit, dass Wasser eindringt und radioaktive Stoffe ausgespült werden. Im Jahr 1997 wurde der Zugang zum Lager versiegelt. Das Endlager und die Umgebung werden weiterhin überwacht, darunter insbesondere das Grund- und Oberflächenwasser um Hostím herum, um eine etwaige Erhöhung der Konzentration an radioaktiven Nukliden nachzuweisen, falls es Probleme bei der Lagerung geben sollte.[1]

Mit dem Verschluss des Endlagers wurden weitere Aktivitäten an dem Endlager ausgeschlossen. Das Land auf dem sich das Endlager befindet wird seitens der Stadt Beroun verwaltet.[1]

Daten der Anlage

Das Endlager Hostím besteht aus einer Lageranlage, die sich im Einschluss befindet.

Endlager Aufbau Abfälle Lagerkapazität in m3 Status Baubeginn Inbetrieb-
nahme
Stilllegung
Vorhanden Geplant
Hostím Kaverne (Kalkstein) LLW, ILW 1690 1690 Radioactive Red.svg Einschluss 1959 1959 1994

Einzelnachweise

  1. a b c d e National Report under the Joint Convention on the Safety of Spent Fuel Management and on the Safety of Radioactive Waste Management, September 2005. Seite 32, 33, 123, 124, 132, 133, 138, 147, 151, 160, 162, 164. Abgerufen am 01.07.2013. (Archivierte Version bei WebCite)
  2. Frantisek Woller: Disposal of radioactive waste in rock caverns: Current situation in the Czech Republic, 16.07.2007. Abgerufen am 01.07.2013. (Archivierte Version bei WebCite)

Weblinks

Siehe auch