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Serviceschiff Projekt 22770

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Projekt 22770 (Imandra-U)
Basisdaten
Land Flag of Russia.svg Russische Föderation
Reederei Atomflot
Status Geplant
Antriebs- und Dampfkraftanlage
Schiffsschrauben 2
Wellenleistung 9,2 MW/2
Schiffseigenschaften
Länge 158,80 Meter
Breite 26,00 Meter
Tiefgang Min./Max. 7,50 Meter
Verdrängung 22611 Tonnen
Geschwindigkeit 12 Knoten

Das Serviceschiff Projekt 22770 (russisch Проект 22770) ist ein geplantes nukleartechnisches Serviceschiff, eigentliche Bezeichnung Multifunktionales Schiff für atom-technologischen Service (russisch Многофункционального Судна Атомно-Технологического Обслуживания, kurz МСАТО), für die Bedienung der Atomeisbrecherflotte von Atomflot. Das Schiff dient dazu die Wartung der Atomeisbrecher sicherzustellen, sowie zum Be- und Entladen von Kernbrennstoff aus den Eisbrecherreaktoren.[1]

Geschichte

Im Jahr 2016 begann ZKB Aisberg mit der Konzeptfindung für ein nukleares Serviceschiff für die neuen Atomeisbrecher von Atomflot. Unter der Projektbezeichnung „Imandra-U“ wurden die ersten Arbeiten dafür ausgeführt und zwei verschiedene Konzepte analysiert.[2][3] Im Oktober 2017 kündigte ZKB Aisberg an, mit der Entwicklung des Projekts zu beginnen, nachdem ein entsprechender Auftrag seitens des Ministeriums für Industrie und Handel angeordnet wurde.[4] Ursächlich für die Entwicklung des Designs war, dass die bestehenden Serviceschiffe wie das Projekt 1948 Imandra nur Reaktoren des Typs OK-900 und KLT-40 bedienen kann,[4] jedoch nicht die neuen Atomeisbrecher des Typs LK-60Ja.[5] Ein möglicher Umbau wurde zwar evaluiert, allerdings als nicht umsetzbar bewertet.[4] Die Universaleisbrecher des Typs LK-60Ja haben einen Ladeintervall von 10 Jahren, danach muss der Kernbrennstoff getauscht werden und die abgebrannten Brennelemente vom Schiff entfernt werden. Hierfür soll das nukleare Serviceschiff des Projekts 222770 dienen.[6] Neben ZKB Aisberg war auch der Kranhersteller Troitsker Kranwerk an den technisch speziellen Einrichtungen des Schiffs für die Erstellung des technischen Designs tätig.[7] Am 29. März 2018 wurde das Konzept Patentiert unter der Nummer 2 649 118.[8] Die Entwicklungskosten des technischen Projekts wurden auf 490 Millionen Rubel festgelegt.[4]

Im November 2018 schloss ZKB Aisberg die Entwicklung für das Projekt 22770 ab, womit ein technisches Design vorhanden war. Die technische Dokumentation wurde entsprechend dem Ministerium für Industrie und Handel der russischen Föderation weitergeleitet. Als nächsten Schritt sollte eine Genehmigung für das Schiffsprojekt eingeholt werden, sowie eine Auswahl der Werft für den Bau des Serviceschiffs gewählt werden, sodass man 2020 mit einem Bau hätte beginnen können.[5][1] Die Bauzeit wurde auf fünf Jahre geschätzt. Gebaut werden kann das Schiff aufgrund der Strahlenschutzeinrichtungen nur bei einer Werft, die bereits nukleare Wasserfahrzeuge gebaut hat.[9] Bereits 2017 hat deshalb die Werft Sewmasch in Sewerodwinsk die Möglichkeit erörtert, das Schiff zu bauen.[10] Im Jahr 2018 hat sich das Baltische Werk in Sankt Petersburg für den Bau des ersten Schiffes beworben, ebenso wie die Werften Swesdotscha in Sewerodwinsk und die Selenodolsk-Werft in Selenodolsk, Tatarien, die mit der Werft Zaliw in Kertsch auf der Krim kooperieren will. Allerdings gab es auch Informationen, dass die Werft Zwezda in Bolschoi-Kamen den Auftrag ebenfalls für sich entscheiden könnte, da diese Werft in Politikkreisen großen Einfluss von Interessenvertretern hat. Die Baukosten wurden nach Angaben von Insidern auf knapp 10 Milliarden Rubel beziffert. Langfristig gesehen war ebenfalls die Option genannt worden zwei solcher Schiffe zu bauen, von denen eines für Atomflot dienen sollte, ein zweites zur Bedienung der Atom-U-Boote der Nordmeerflotte des Verteidigungsministerium.[3]

Technik und Design

Das gesamte Schiff ist 158,8 Meter lang und 26 Meter breit. Die Wasserverdrängung liegt bei 22611 Tonnen bei einem Tiefgang von maximal 7,5 Meter. Die konventionelle dieselgetriebene Hauptmaschine überträgt auf die beiden Wellen insgesamt 9,2 MW Leistung, sodass die Höchstgeschwindigkeit des Schiffs bei 12 knoten liegt. Die Wasserverdrängung liegt bei 22661 Tonnen.[11][9] Ausgelegt ist das Schiff mit einem Eisbrecherbug der Klasse Arc5.[11][12] Die technische Auslegung des Projekts 22770 sieht vor, dass das Schiff rund 40 bis 50 Jahre sowohl die neuen Atomeisbrecher der neuen Generation des Typs LK-60Ja[5], LK-110Ja,[1] als auch die bestehenden Atomeisbrecher der Artika- und Taimyr-Klasse bedienen kann.[5] Daneben gibt es die Option das Schiff ebenfalls zum Leeren der Brennelementlagerbecken einer Flotte von schwimmenden Kernkraftwerken[6] wie der Akademik Lomonossow zu verwenden.[7] Die technische Dienstleistung betrifft damit Reaktoren des Typs OK-900, KLT-40, KLT-40S, RITM-200 und RITM-400.[12] Ein Schiff des Projekts 22770 kann insgesamt 11 Atomeisbrecher bedienen. Demnach reicht ein Schiff aus um die bestehende Flotte der Taimyr-, Arktika-Klasse, das Containerschiff Sewmorput und die neuen Universaleisbrecher des Typs LK-60Ja zu bedienen, inklusive einen Eisbrecher des Typs LK-110Ja. Bei Erweiterung der Flotte muss entweder der Brennstoffzyklus geändert werden, oder aber ein weiteres nukleares Serviceschiff dieses Typs gebaut werden.[9]

Die Navigationsreichweite des Schiffes ist praktisch unbegrenzt und kann einschließlich der arktischen Regionen abseits der Heimatbasis Atomeisbrecher und schwimmende Kernkraftwerke bedienen.[11][12] Hierzu kann es für 45 Tage Proviant bunkern und für 30 Tage Dieselkraftstoff.[4] Die Auslegung wurde daher speziell darauf konzipiert, dass das Schiff in einer Fahrt ohne Anlegen von Murmansk bis nach Pewek zum Offshore-Kernheizkraftwerk Akademik Lomonossow gelangen kann, um dort den abgebrannten Kernbrennstoff aufzunehmen und um frischen Kernbrennstoff zu liefern.[13] Die Hauptaufgaben des multifunktionalen Schiffs sind:[11][12]

  • Entladen von abgebranntem Kernbrennstoff aus den Reaktoranlagen von nuklearen Schiffen
  • Laden von frischem Kernbrennstoff in die Reaktoranlagen nuklearer Schiffe
  • Übernahme, Lagerung und Verbringung flüssiger radioaktiver Abfälle, die bei der Wartung dieser Schiffe anfallen, zu entsprechenden Häfen

Einzelnachweise

  1. a b c ЕвразЭнергоПроект: “Айсберг” спроектировал судно для перезарядки “Лидера”, 22.11.2018. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  2. ОКР «Имандра-У». Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  3. a b Коммерсантъ: Верфи начнут борьбу за ядерный заправщик, 04.05.2018. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  4. a b c d e Морские вести России: ЦКБ «Айсберг» разработает технический проект судна атомно-технологического обслуживания, 19.10.2017. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  5. a b c d ТАСС: ЦКБ "Айсберг" завершило работу над техпроектом судна обслуживания атомных ледоколов, 21.11.2018. Abgerufen am 24.02.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  6. a b Корабел.ру: О проектах и перспективах ЦКБ "Айсберг", 01.02.2021. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  7. a b "Троицкий крановый завод: ТКЗ принял участие в разработке проекта по крановому оборудованию проекта 22770(МСАТО), 28.03.2021. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Archive.is)
  8. РОССИЙСКАЯ ФЕДЕРАЦИЯ ФЕДЕРАЛЬНАЯ СЛУЖБАПО ИНТЕЛЛЕКТУАЛЬНОЙ СОБСТВЕННОСТИ: МНОГОФУНКЦИОНАЛЬНОЕСУДНОАТОМНО-ТЕХНОЛОГИЧЕСКОГООБСЛУЖИВАНИЯ, 2018. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  9. a b c Страна РОСАТОМ: Новая «Арктика», «Лидер», ПАТЭС — все придумано в ЦКБ «Айсберг», 02.12.2019. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  10. FlotProm: "Айсберг" спроектирует судно для перезарядки атомных реакторов, 13.10.2017. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  11. a b c d ЦКБ «Айсберг»: Многофункциональное судно атомно-технологического обслуживания проекта 22770. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  12. a b c d PortNews: ЦКБ «Айсберг» разработало техпроект нового многофункционального судна атомно-технологического обслуживания (МСАТО), 20.03.2019. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  13. The Barents Observer: Атомфлот получит новое судно атомно-технологического обслуживания, 27.10.2017. Abgerufen am 11.07.2021. (Archivierte Version bei Internet Archive)

Weblinks