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Endlager Wŏlsŏng

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Endlager Wŏlsŏng
Standort
Land Flag of South Korea.svg Südkorea
Provinz Gyeongsangbuk
Ort Bonggil-ri
Südkorea
Radioactive Green.svg
Koordinaten 35° 43′ 42″ N, 129° 28′ 32″ OTerra globe icon light.png 35° 43′ 42″ N, 129° 28′ 32″ O
Anlagendetails
Lizenzinhaber Korea Hydro And Nuclear Power Company
Betriebsaufnahme 2014
Im Bau 1 (44000 m3)
In Betrieb 1 (20000 m3)

Das Endlager Wŏlsŏng (südkoreanisch 신월성 원자력발전소) befindet sich in der südkoreanischen Provinz Gyeongsangbuk im Kreis Gyeongju. Die in der Gemeinde Yangnam-myeon nahe dem Ort Bonggil-ri gelegene Anlage soll bis 2020 eine Gesamtlagerkapazität von 350.000 Behältern (123.200 Kubikmeter) aufweisen und im Vollausbau von 800.000 Behältern (281.600 Kubikmeter). Abseits davon ist es das weltweit erste Endlager, das neben einem geologischen Silosystem zusätzlich ein oberflächennahes Endlager aufweist. Das Endlager Wŏlsŏng ist aktuell das einzige Endlager in Südkorea.[1] Direkt neben dem Endlager befindet sich das Kernkraftwerk Wŏlsŏng und Kernkraftwerk Shin-Wŏlsŏng.

Geschichte

Die Pläne für ein Endlager wurden bereits 1983 ausgearbeitet.[2] In einem ersten Versuch einen Standort zu finden, wurden zwischen 1986 und 1989 insgesamt drei Standorte in Ulchin (nahe dem Kernkraftwerk Ulchin), Youngduk und Youngil in der Provinz Kyongbuk genannt. Dieser erste Versuch scheiterte allerdings, da man kein Vertrauen aufbauen konnte und Standorte bestimmt wurden, ohne dies mit den Anwohner abzuklären. Der zweite Versuch begann 1990, wurde aber 1991 wieder abgebrochen, nachdem man versucht hatte auf der Insel Ahnmyeon der Provinz Chungnam ein Endlager zu errichten. Sowohl die Verwaltung, als auch das Misstrauen in die Sicherheit führte zu starken Widerstand in der Bevölkerung. Daraufhin wurde zwischen 1993 in einem dritten Versuch eine Reihe von neuen Standorten in Gosung, Ulchin, Hangheong und Taean ausgesucht.[3] Der Energiekonzern Korean Electric Power Company plante ehemals 1992 ein Endlager für schwach radioaktive Stoffe bis 1995 zu errichten. Allerdings errichtete der Betreiber an seinen Kernkraftwerken in den vorherigen Jahren bereits großzügige Lagerkapazitäten für die Abfälle, weshalb das Lager nicht so schnell als notwendig erschien. Allerdings war Kori 1 bereits an seiner Kapazitätsgrenze angelangt, während das Lager in Yŏnggwang 1999, in Ulchin 1995 und in Wŏlsŏng 2020 ihre Kapazitätsgrenze erreichen würden. Da die Lagerung am Standort allerdings attraktiver schien, und es keinerlei sicherheitstechnische Bedenken gab, und die Überwachung des Abfalls sehr verbessert wurde, war der Bau eines Endlagers kaum attraktiv. Deshalb begann man die Lagerkapazitäten am Kernkraftwerk Kori zu erweitern, sowie eine Erweiterung für die anderen Kernkraftwerke ebenfalls in Betracht zu ziehen. Langfristig sah man den Bau von speziellen Reduktionsanlagen an den Kernkraftwerken vor um die Abfallmengen in ihrem Volumen zu verringern. Der andere Punkt der gegen das Endlager sprach war, dass sich die Standortsuche aufgrund der öffentlichen Ablehnung des Endlagers schwierig gestaltete, weshalb der Zeitplan für ein Endlager für hochradioaktive Stoffe bis zum Jahr 1997 für utopisch angenommen wurde.[4] Der dritte Versuch scheitere am Ende 1993, da Anti-Atom-Gruppierungen stark in die Standortsuche eingriffen und das Thema zu einem Politikum geworden war. Abseits davon gab es erneut starken Protest und Widerstand von den lokalen Anwohnern.[3]

Dennoch ging man 1993 weiter und begann mit der Ausarbeitung einer Standortstudie für ein Endlager für schwach radioaktive Abfälle, da die Abfallmengen aufgrund des geplanten Ausbaus der bestehenden Kernkraftwerke ein relativ großes Ausmaß annehmen könnten, das unter Kontrolle gehalten werden musste.[5] Als Standort in diesem vierten Versuch wurde Ulchin und Yangsan ausgewählt.[3] Auf Basis einer politischen Entscheidung begann man in Ulchin mit Vorarbeiten, was aber seitens der Anwohner blockiert wurde und man es als Versuch ansah, heimlich ein Endlager dort zu errichten.[6] 1994 scheiterte der Versuch, sodass man ab 1994 bis 1995 einen neuen Standort auf der nicht bewohnten Insel Gulup an der Westküste favorisierte. Allerdings fand man in 3 Kilometer Entfernung zur Insel im Meer eine Verwerfung, die die Insel als Standort daher ausschloss. Erst zwischen 2000 und 2001 wurde mit dem sechsten Versuch fortgefahren und 46 Küstenstandorte als Standort ermöglicht, indem man anbot, dass sich lokale Verwaltungen einfach für den Standort bewerben. Aufgrund von Differenzen bei den Anwohnern wurde allerdings keine Standortevaluierung vorgenommen und dieser Versuch 2001 abgebrochen. Zwischen Juli 2001 und 2004 wurden drei Parallelprojekte gestartet, wovon das erste für den Standort Ulchin und Youngduk begonnen wurde, das zweite für Younggwang und das dritte für Gochang. Diese Projekte scheiterten aus mehreren Gründen, darunter das Misstrauen in die Regierungspolitik und die aggressiven Angriffe von Anti-Atom-Gruppierungen, sowie den lokalen Protesten von Anwohnern.[3] Im Programm ab 2003 war geplant, bis 2008 ein geologisches Endlager mit einer Fläche von 200 Hektar für die zentrale Lagerung der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle zu schaffen. Ab 2006 sollte dazu die Öffentlichkeit in den Auswahlprozesses einen geeigneten Standortes mit einbezogen werden.[7][8]

Silo im Endlager Wŏlsŏng von oben außen nach unten innen:
      - Betonumhüllung (1,2 Meter oben, 0,6 Meter außen und 1,2 Meter Fundament)
      - Schotterschicht
      - Gebrochenes Gestein
      - Betonlagerbehälter

Mit dem zehnten Versuch ein Endlagerstandort zu finden wurde im Dezember 2004 begonnen und als einziger von zehn Versuchen im Januar 2006 erfolgreich abgeschlossen. Als Standorte standen Gyeongju, Youngduk und Pohang in der Provinz Gyeongsangbuk zur Auswahl, sowie Gusan in der Provinz Jeonnam. An allen vier Orten wurde zur Vermeidung von Differenzen mit den Anwohnern am 2. November 2005 eine Abstimmung abgehalten, die wie folgt für ein Endlager ausgefallen war:[3]

  • 89,5 % - Stadt Gyeongju
  • 84,4 % - Stadt Gunsan
  • 79,3 % - Region Youngdok
  • 67,5 % - Stadt Pohang

Am 2. Januar 2006 wurde auf Basis dieses Ergebnisses entschieden, dass das Endlager in Bonggil neben den Kernkraftwerken Wŏlsŏng und Shin-Wŏlsŏng entstehen wird.[3] Das Endlager sollte nach Plan rund 800.000 Behälter in unterirdischen Kavernen aufnehmen.[2] Dazu wurden ab Februar 2006 detaillierte Standorterkundungen vorgenommen und bis Juli 2006 verkündet, dass man sich auf das Design von Silos für die geologische Endlagerung entschieden habe.[9]

Bau

Im Juli 2007 wurde das Endlager genehmigt[9] und im November 2007 begannen die Arbeiten am Endlager Wŏlsŏng. Bis 2009 sollten die beiden Zugangstunnel nach Plan fertiggestellt sein.[2] Die eigentliche Baugenehmigung wurde im Juli 2008 erteilt.[9] Ehemals sah man die Vollendung bis 2010 vor, verlängerte die Bauzeit 2009 um 30 Monate, 2012 um weitere 18 Monate, da die Betonierungsarbeiten und Grundwasserprobleme den Bau behinderten.[1] Im Mai 2014 wurde der Startschuss für den Bau des zweiten Abschnittes gegeben, der den Bau eines oberflächennahen Endlagers umfasst.[10]

Betrieb

Für den langfristigen Betrieb des Endlagers wurde im Januar 2009 die Korea Radioactive Waste Management Corporation (kurz KRMC) etabliert, deren Aufgabe es darin liegt die schwach- und mittelradioaktiven Stoffe zu transportieren, in Zwischen- und Endlager zu verstauen, Forschungen und Entwicklungen im Bereich des Abfallmanagements vorzunehmen, sowie den Radioactive Waste Management Fund des Landes sinnvoll einzusetzen. Ehemals plante man, dass der erste Teil des Endlagers im Jahr 2012 in Betrieb gehen könnte und im Januar 2013 voll in Betrieb ist.[9] Im Juni 2014 wurden die Silos und damit der erste Bauabschnitt fertiggestellt, sodass die ersten Einlagerungen zwischen Oktober und Dezember 2014 vorgesehen waren.[1][11] Später als geplant wurden am 13. Juli 2015 die ersten 16 Lagerbehälter in das erste Silo des Endlagers eingelagert. Damit ging das erste geologische Endlager Asiens in Betrieb. Insgesamt dauerte das Umlagern von der Zwischenlagerhalle in das Silo rund drei Stunden.[12]

Das oberflächennahe Endlager sollte ursprünglich 2016 fertiggestellt werden.[10] Entgegen dieser Planung wurde 2015 bekanntgegeben, dass die Fertigstellung 2019 erfolgen soll.[12]

Standortdetails

Durch die Lage in den Wŏlsŏng-Terrassen ist das Endlager in einem Kilometer langen Felsmassiv erbaut worden und gegen Erdbeben gut geschützt. Direkt im Westen des Standortes grenzen die Bonggil-Schichten an, eine Gesteinsablagerung.[13] Der Standort des Endlagers erstreckt sich über ein Areal von 2.130.104 Quadratmeter und erreicht eine Tiefe zwischen 80 bis 130 Meter unter dem Meeresspiegel.[9]

Technik

Innerhalb der ersten Baustufe ist genug Platz für 100.000 Behälter, die aus Beton bestehen und jeweils ein Fassungsvermögen von 200 Liter haben. Im Endausbau ist vorgesehen, dass 800.000 Behälter eingelagert werden. Transportiert werden die einzelnen Behälter von den Kernkraftwerksstandorten (außer in Wŏlsŏng selbst) mit dem Frachter Hj Cheongjeongnuri (IMO-Nummer: 9488449), der maximal 1520 Behälter laden kann. Jeder der Silos ist rund 80 bis 130 Meter unter der Oberfläche errichtet und hat einen Durchmesser von je 27,3 Meter bei einer Höhe von 50 Meter. In jedem Silo können 16.700 Behälter eingelagert werden,[3] was eine Kapazität von 35.200 Kubikmetern an Abfällen entspricht.[1]

In der zweiten Baustufe umfasst die Anlage ein oberflächennahes Endlager mit einer Lagerkapazität von 125.000 Lagerbehältern.[10]

Daten der Anlage

Das Endlager Wŏlsŏng besteht aus einer unterirdischen Silo-Lageranlage, die sich in Betrieb befindet, und oberflächennahen Betonwannen im Bau.

Endlager Aufbau Abfälle Lagerkapazität in m3 Status Baubeginn Inbetrieb-
nahme
Stilllegung
Vorhanden Geplant
Wŏlsŏng Silo LLW, ILW 35.200 237.600 Radioactive Green.svg in Betrieb 2008 2014
Wŏlsŏng Betonwannen LLW, ILW 44.000 44.000 Radioactive Yellow.svg Im Bau 2014 (2016)

Einzelnachweise

  1. a b c d Nuclear Engineering International: Korean repository realised, 22.07.2014. Abgerufen am 28.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  2. a b c Nuclear Engineering International: Korea’s competitiveness, 02.07.2008. Abgerufen am 27.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  3. a b c d e f g Yong-Rae Lee: Experience of Siting Process for Radwaste Disposal Facility in Korea, 15.02.2011. Abgerufen am 27.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  4. International Energy Agency: Energy Policies of the Republic of Korea. OECD, 1992. Seite 52, 53.
  5. European Nuclear Society, u.a.: Transactions of the American Nuclear Society, Band 71. Academic Press, 1994. Seite 101.
  6. Benjamin K. Sovacool, u.a.: The International Politics of Nuclear Power: Economics, Security, and Governance. Routledge, 2012. ISBN 1136294376. Seite 167.
  7. Nuclear Power in South Korea, Juni 2003. Abgerufen am 27.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  8. John N Lillington: The Future of Nuclear Power. Elsevier, 2004. ISBN 0080532241. Seite 184, 185.
  9. a b c d e Heon Kim, Korea Radioactive Waste Management Corporation: Challenges of New National Organization for Radioactive Waste Management in Korea, 07.06.2010. Abgerufen am 27.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  10. a b c Nuclear Engineering International: KEPCO to expand Korean LLW repositor, 26.05.2014. Abgerufen am 28.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  11. Nuklearforum Schweiz: Südkorea: erste Bauphase des Endlagers für schwach- und mittelaktive Abfälle abgeschlossen, 31.07.2014. Abgerufen am 28.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  12. a b World Nuclear News: First waste disposal at Korean repository, 14.07.2015. Abgerufen am 14.07.2015. (Archivierte Version bei WebCite)
  13. Ccop symposium on "developments in quaternary. 1987. Seite 229 bis 238.

Siehe auch