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Kernkraftwerk Wŏlsŏng

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Kernkraftwerk Wŏlsŏng
Wolsong (04790183).jpg
Standort
Land Flag of South Korea.svg Südkorea
Provinz Gyeongsangbuk
Ort Naa-ri
Koordinaten 35° 42′ 41″ N, 129° 28′ 29″ OTerra globe icon light.png 35° 42′ 41″ N, 129° 28′ 29″ O
Reaktordaten
Eigentümer Korea Hydro And Nuclear Power Company
Betreiber Korea Hydro And Nuclear Power Company
Vertragsjahr 1974
Betriebsaufnahme 1982
Im Betrieb 4 (2706 MW)
Einspeisung
Eingespeiste Energie im Jahr 2013 22526 GWh
Eingespeiste Energie seit 1982 396690 GWh
Stand der Daten 2014
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Wŏlsŏng (südkoreanisch 월성 원자력발전소) befindet sich in der südkoreanischen Provinz Gyeongsangbuk im Kreis Gyeongju. Die in der Gemeinde Yangnam-myeon nahe dem Ort Naa-ri gelegene Anlage ist das einzige Kernkraftwerk in Südkorea, das nicht mit Leichtwasserreaktoren ausgestattet ist. In direkter Nachbarschaft befindet sich das Kernkraftwerk Shin-Wŏlsŏng und das Endlager Wŏlsŏng. Der Namensgeber des Kernkraftwerks sind die „Wŏlsŏng-Terrassen“, die sich die gesamte Küste bis zur Stadt Mopo ziehen und eine geologisch zusammenhängende Felsformation bilden, mit einer Höhe von 3 Meter und bis zu 90 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Die Wŏlsŏng-Terrassen enden mit dem Anschluss an die Pohang-Ebene im Norden, sowie im Süden mit dem Anschluss an die Busan-Ebene.[1]

Geschichte

Südkorea
Wŏlsŏng
Wŏlsŏng
Asan
Asan
Naepo
Naepo
Ehemaliger (grau) und gewählter (grün) Standort

Am 14. Dezember 1973 unterzeichnete Südkorea mit Kanada einen Vertrag über den Kauf eines CANDU-Reaktors,[2] mit der Option zum späteren Zeitpunkt einen zweiten zu bestellen.[3] Am 25. November 1974[4] gab die südkoranische Regierung den Bau der Anlage an der Westküste an der Asan-Bucht bekannt.[5] Die beiden Blöcke Asan 1 und 2 sollten jeweils eine Leistung zwischen 600 und 800 MW aufweisen[4][6] und der erste Block bis 1980 in Betrieb sein. Bereits im Vorfeld zeigte man sich an dem kanadischen CANDU-Reaktor interessiert.[7] Später wurde der Standort in den Süden Südkoreas verlegt und Naepo als Standort in der Hafenstadt Masan, unweit der Millionenstadt Busan, gewählt.[8] Noch im gleichen Jahr änderte die Regierung allerdings den Standort und verlegte ihn nahe der Stadt Changwon in die Provinz Kyŏngsang. Verhandlungen mit Kanada führten bereits zur Zustimmung, dass das Land Südkorea einen Kredit für die Anlagen ausstellen würde. Vorgesehen war zunächst nur ein Block, der im November 1980 ans Netz gehen sollte. Die Vorarbeiten an der Anlage begannen im November 1974.[9]

Block 1

Das Abkommen für den Bau des Blocks wurde am 15. Januar 1974 seitens Atomic Energy of Canada Limited unterzeichnet und nach Zusendung nach Südkorea seitens South Korean Power Company am 20. Januar 1974 unterzeichnet.[10] Das Abkommen kam genau einen Monat nach der Aufhebung eines Exportverbots von Reaktortechnik, da zuvor Indien einen von Kanada erworbenen CANDU am Kernkraftwerk Rajasthan für die Erzeugung von waffenfähigen Plutonium für die erste indische Kernwaffe verwendet haben soll.[11] Die Kosten für den 687 MW starken Block sollten sich auf 332 Millionen Dollar belaufen oder 161,234 Milliarden Won.[12] Der Prototyp für den Block am Kernkraftwerk Gentilly war zu diesem Zeitpunkt gerade erst wenige Monate in Bau.[11] In Kanada war der Export nicht unumstritten, da Südkorea die internationalen Sicherheitsbestimmungen bisher nicht anerkannt hatte und die politische Führung in Südkorea zu diesem Zeitpunkt als nicht stabil deklariert wurde.[13]

Bau

Mit den ersten Arbeiten am Standort wurde am 15. Juni 1977 begonnen,[14] der eigentliche Bau des Blocks begann offiziell am 30. Oktober 1977.[15] Bis in die 1980er hinein konnte der Bau des Blocks stark an Geschwindigkeit zu nehmen und so der Bau vor dem Zeitplan liegen.[16] Ab 1981 wurde in dreimonatigen Intervallen begonnen eine Umweltverträglichkeitsprüfung für den Block vorzunehmen. Primär ging es um den Einfluss von Betastrahlern aus den Kernkraftwerk auf das maritime Ökosystem, sowie die Wirkung chemischer Ableitungen während des Normalbetriebs. Es konnte dabei festgestellt werden, dass das Kernkraftwerk keinen Einfluss darauf ausübt, was zu erwarten war, da die Auswirkungen von Küstenanlagen auf das Meeresgewässer relativ gering ist. Am Standort wurden 84 Arten von Phytoplankton entdeckt, von denen 70 % neritischen Typs sind. Die Bildung des Planktons wurde im September 1981 festgestellt.[17] Bis zur Fertigstellung der Anlage stiegen die Kosten auf 851 Millionen Dollar (642,800 Milliarden Won).[18] Der Bau konnte insgesamt schneller realisiert werden als erwartet und war der bis zu diesem Zeitpunkt schnellste Bau eines CANDU-Kernkraftwerks.[19]

Betrieb

Geplant war ursprünglich, dass der Block im April 1983 in Betrieb gehen würden. Aufgrund der schnelleren Arbeiten rechnete man 1981 damit, dass der Block bereits im Oktober 1982 ans Netz gehen könnte.[16] Für den Betrieb des Blocks plante Südkorea eigenen Brennstoff zu produzieren, der ab 1983 gefertigt werden sollte, jedoch erst ab 1986 für den kommerziellen Einsatz massentauglich sein sollte.[20] Am 31. Dezember 1982 ging der Block erstmals ans Netz.[15] Der Anfahrvorgang dauerte bis zum 22. April 1983, wo der Block das erste mal unter Volllast mit seiner Nennleistung von 678 MW fuhr.[18] Noch am gleichen Tag wurde der Block in den kommerziellen Betrieb übergeben.[15] Aufgrund der Tatsache, dass Südkorea nicht über die medizinischen Einrichtungen verfügte, die für etwaige Störungen im Kernkraftwerk Wŏlsŏng nötig waren, spendete Kanada medizinische Geräte für das Nordwest Medical Center von Südkorea.[21] Am 5. August 1983 kam es gegen 1:00 Uhr morgens zu einem Zwischenfall, als das Gegenspionage-Hauptquartier von Südkorea vor der Küste des Kernkraftwerks mehrere nordkoreanische Agenten auf einem Boot ausmachen konnte. Das Boot lag fünf Kilometer vor der Küste und die Agenten feuerten mit Waffen auf das Kernkraftwerk. Als das Boot entkommen wollte sank es durch den Einsatz der Küstenwache und des Militärs, sodass die südkoreanische Küstenwache mit ihren Patrouillienboot drei der Personen festnehmen konnte, einige weitere starben bei dem Zwischenfall. Gegen die drei festgenommenen Personen wurde Anklage erhoben.[22][23] Im gleichen Jahr ereignete sich noch ein weiterer Sabotageversuch im Kernkraftwerk selber seitens nordkoreanischer Agenten, die allerdings von ihren Versuchen abgehalten werden konnten.[24]

Über die 1980er hinweg hat sich ein Fachkräfte- und Fachwissenproblem etabliert, das darauf zurückzuführen ist, dass sich Druckwasserreaktoren in Südkorea durchsetzten und der einzelne CANDU-Block in Wŏlsŏng von dieser Technik stark abweicht. Die kanadische Aufsichtsbehörde hat deshalb engen Kontakt mit dem südkoreanischen Ministerium für Forschung und Technologie aufgenommen um über die aktuellsten technischen Neuerungen, sowie Änderungen der Regelungen für die Anlagen in Kanada informiert zu sein. Die andere Seite war, dass die International Atomic Energy Agency bereits 1983 und 1989 verstärkte Missionen seitens des Operational Safety Assessment Review Team durchgeführt hatte um das sichere Betriebsmanagement der Anlage Wŏlsŏng zu verifizieren.[25] Die andere Sicherstellung war der Beitritt der Koran Electric Power Company zur CANDU Owners Group im Jahr 1986. Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl im April 1986 war die Gruppe essentieller Zulaufpunkt für CANDU-Anlagenbesitzer für die Gewährleistung des sicheren Betriebs der Anlagen durch Austausch von Betriebserfahrung und Kooperation zwischen den Kernkraftwerken der Gruppe.[26] Im Jahr 1986 fuhr der Block mit seiner Effizienz das beste Erzeugungsresultat hinsichtlich der Verfügbarkeit und Energiemenge aller Reaktorblöcke weltweit ein.[27] Bis 1989 konnte der Block aufgrund seiner positiven Betriebsergebnisse unter den 20 effektivsten Kernkraftwerken Weltweit landen hinsichtlich seiner geringen Störungshistorie, seiner Wirtschaftlichkeit und seiner Erzeugung, bemessen an der installierten Leistung.[28] Im Jahr 1989 lag der Kapazitätfaktor bei 91 %, über die gesamte Laufzeit bei 81 % und damit über den internationalen Durchschnitt.[29]

Im Jahr 1990 fuhr der Block mit seiner Effizienz das zweitbeste Erzeugungsresultat hinsichtlich der Verfügbarkeit und Energiemenge aller Reaktorblöcke weltweit ein. Dieses Ergebnis konnte der Block 1993 übertreffen und erneut auf den ersten Platz von 360 in Betrieb befindlichen Kernkraftwerken weltweit fahren. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Block von seinem gesamten Betriebsergebnis her auf Platz 17. Die hohe Arbeitsverfügbarkeit erreichte der Block insbesondere durch die Möglichkeit während des Volllastbetriebs den Brennstoff zu wechseln.[27] Der durchschnittliche Lastfaktor lag 1993 bei 100,8 %, gefolgt von 100,6 % durch Shimane 2 in Japan. Der effektive Lastfaktor lag hingegen bei 101,9 % bei Wŏlsŏng 1 leicht hinter Shimane 2 mit 102,2 %.[30] Im Jahr 1993 kam der Block allerdings in Kritik dadurch man herausgefunden hatte, dass regelmäßig die Kameras der Anlage abgedeckt wurden und bestrahlter Brennstoff aus der Anlage abgeführt wurde. Dieser Brennstoff wurde in einer heißen Zelle bearbeitet und illegalerweise das Plutonium 239 extrahiert.[31] Gerade aus Nordkorea gab es scharfe Kritik weshalb am 5. April 1994 die Drohung kam, dass bei keiner Stilllegung des Kernkraftwerks Wŏlsŏng, auch Nordkorea nicht die Reaktoren am Kernforschungszentrum Nyŏngbyŏn stilllegen, sowie sein Kernwaffenprogramm nicht stoppen werde.[32] Zwar beschwichtigte Südkorea und erklärte, dass man keine Intentionen habe ein Kernwaffenprogramm zu schaffen, dennoch wurde der Betrieb von Wŏlsŏng 1 äußerste Priorität zugewiesen und der Betrieb über die Revisionen hinweg unter Volllast fortgeführt, ebenso am Forschungsreaktor in Taedok. Parallel dazu war die Forschung und Entwicklung an einem Brutreaktor sehr zwiespältig und für Nordkorea sogar eindeutig ein Hinweis, dass es sich um ein Kernwaffenprogramm handelte.[33]

Im Juni 2006 schloss die Korea Hydro & Nuclear Power Company einen Vertrag mit Atomic Energy of Canada Limited binnen 55 Monate die Druckröhren des Reaktors auszutauschen.[34][35] Im Jahr 2009 begannen die Arbeiten zum wechseln der Druckröhren und konnten im Dezember 2010 abgeschlossen werden. Es war der erste Wechsel aller Druckröhren in einem CANDU-Reaktor und war für Atomic Energy of Canada Limited ein großer Meilenstein.[36][37] Nach einem Stillstand von 839 Tagen ging der Block am 18. Juli 2011 wieder ans Netz.[38][39]

Infolge der Reaktorunfälle von Fukushima-Daiichi im März 2011 musste im Jahr 2012 Wŏlsŏng 1 für eine unbestimmte Zeit vom Netz, da eine Prüfung des Blocks ergeben hatte, dass er nicht den Stand von Post-Fukushima-Anlagen entspräche. Da eine Neulizenzierung des Reaktors nötig war, konnte die koreanische Aufsichtsbehörde nicht sagen, ob der Block wieder ans Netz gehen würde. Einen fixen Termin, wann Wŏlsŏng 1 wieder ans Netz gehen könnte und wie lange die Prüfung dauerte, konnte die Behörde nicht geben.[40] Während dieser Zeit wurden alle Druckröhren und Calandriaröhren getauscht, um den Block für den weiteren Betrieb fit zu machen. Am 27. Februar 2015 gab die südkoreanische Aufsichtsbehörde bekannt, dass man dem Block eine Laufzeitverlängerung von sieben Jahren bis November 2022 gewähre, um innerhalb dieser Zeit weitere Verbesserungen vornehmen zu können, um den Langzeitbetrieb der Anlage zu garantieren. Damit hat der Block die Freigabe erhalten, wieder ans Netz zu gehen. Korea Hydro and Nuclear Power gab damit bekannt, dass der Block in April 2015 wieder in den regulären Betrieb gehen werde.[41] Bei der Abstimmung zur Wiederinbetriebnahme des Blocks stimmten von den elf Kommissaren der Aufsichtsbehörde nur neun für den weiteren Betrieb, während die anderen beiden Kommissare die Abstimmung nicht akzeptieren und ohne eine Stimme abzugeben verließen.[42] Bereits im Vorfeld herrschte keine Einigkeit zwischen den Kommissaren, da zwei vorangegangene Treffen zu keiner Entscheidung über den weiteren Betrieb von Wŏlsŏng 1 kommen konnten. Grund hierfür waren die Einwände von beiden Seiten, sowohl den Experten, Wissenschaftlern und Staatsunternehmen für die Betriebsverlängerung, als auch seitens Lobbyisten, Zivilgruppierungen und Universitäten gegen die Betriebsverlängerung, die zu der Uneinigkeit führten. Während die etablierten Institute dem Reaktor die Tauglichkeit für den weiteren Betrieb bescheinigten, argumentierten die Gruppen gegen die Betriebsverlängerung vornehmlich, dass der Reaktor für die Energieversorgung unwichtig sei, da das Energieministerium für die nächsten fünf Jahre eine Reservekapazität von 15 % des Lastspitzenbedarfs habe und daher auf die beiden ältesten Blöcke, Wŏlsŏng 1 und Kori 1, verzichtet werden kann.[43]

Nach der Relizenzierung wurden in den folgenden 100 Tagen weitere Modernisierungen am Block vorgenommen, sodass dieser am 23. Juni 2015 wieder ans Netz gehen konnte und am Tag darauf wieder mit Nennleistung unter Volllast fahren sollte. Insgesamt stand der Block damit 946 Tage still.[44]

Block 2

Aufgrund des Exports von Wŏlsŏng 1 hoffte Kanada weitere Reaktoren für Wŏlsŏng nach Südkorea zu exportieren. Allerdings hatte Südkorea neue Importregelungen verabschiedet, die den Handel eher weniger realistisch erschienen lassen.[45] Abseits davon hatte die südkoreanische Regierung eher die Realisierung eines Kernheizwerkes im Blick. Allerdings waren für einen 400 MWth starken Reaktor rund 200 Millionen Dollar nötig, was sich als nicht effizient genug zeigte. Als Standorte wurden Asan und Wŏlsŏng genannt.[46] Aufgrund der Tatsache, dass der Platz für neue Kernkraftwerksstandorte in Südkorea sehr begrenzt ist, gab es ab 1988 die Initiative die bestehenden Standorte möglichst mit dem Zubau an maximaler Kapazität auszunutzen. Für Wŏlsŏng beträgt die Standortkapazität vier Blöcke, von denen bereits einer gebaut wurde. Da Block 2 der Zwilling von Block 1 war, sind dessen Systeme bereits soweit implementiert gewesen, dass mit dem Bau dieses Blocks relativ schnell begonnen werden hätte können, während der Bau der anderen beiden Blöcke etwas mehr Zeit erfordert hätte. Atomic Energy of Canada Limited konnte sich ab diesem Zeitpunkt die Hoffnung machen, dass der Zubau von drei weiteren CANDU 6 in absehbarer Zeit realisiert werden würde.[47] Am 20. September 1989 wurden die Verhandlungen mit Kanada über den Kauf des zweiten Blocks fortgeführt, der bis 1991 in Bau und 1997 in Betrieb gehen sollte. Die Kosten für den baugleichen Block wurden auf 1,2 Milliarden Dollar beziffert. Der Betreiber der Anlage, die Korea Electric Power Company, fand den Preis zu hoch, weshalb es Verhandlungen gab den Preis zu mindern.[48] Der Block sollte eine Kopie des ersten Blocks werden, allerdings mit diversen Verbesserungen und Modifikationen.[29]

Bis 1990 konnten die Gespräche mit Kanada erfolgreich abgeschlossen werden und der Kauf des CANDU 6 vereinbart werden.[49] Im Dezember 1990 unterzeichnete Atomic Energy of Canada Limited und die Korea Electric Power Company den Vertrag für den Block. Der Vertrag legte fest, dass Kanada für den Entwurf des Kernkraftwerks, sowie des nuklearen Dampferzeugersystems zuständig ist, während allerdings beim Bau der restlichen Anlagen südkoreanische Unternehmen wesentlich mit einbezogen wurden, darunter die Korea Heavy Industries and Construction Company, Korea Power Engineering Company und das Korea Atomic Energy Research Institute.[50] Die Kosten sollten sich auf 1,1 Billionen Won belaufen. Im Jahr 1991 wurde mit den Vorarbeiten für den Block begonnen.[51] Im Rahmen dessen wurde ein Technologietransfer an Südkorea an das Korea Atomic Energy Research Institute vereinbart, das die gesamte technische Auslegung der CANDU-Anlagen vornimmt und auch für die zukünftigen Blöcke Wŏlsŏng 3 und 4 ein Standarddesign zusammen mit Atomic Energy of Canada Limited entwickelt. Auf dieser Basis sollte später ein größeres CANDU-Design entworfen werden.[52]

Bau

Am 22. Juni 1992 ging Wŏlsŏng 2 offiziell in Bau.[15] Im Jahr 1993 bestellte Südkorea 110 Tonnen der benötigten 455 Tonnen schweren Wassers in der Volksrepublik China, die dieses zu einem Sonderpreis anbot. Die restlichen 345 Tonnen wurden aus Kanada für einen reduzierten Betrag von 233.000 Dollar pro Tonne erworben.[53] Entgegen der vorherigen Blöcke wurde bei Wŏlsŏng 2 erstmals die Planung und Projektierung virtuell mit einer CADDS-Software und GPCR vorgenommen. Dazu wurden die rund 15.000 Zeichnungen des CANDU 6 gescannt und entsprechend digitalisiert, sodass während des Baus des Blocks rund 1 Millionen Dollar eingespart werden konnten. Die beiden für diesen Zweck entworfenen Computersysteme befanden sich in den Büros der Atomic Energy of Canada Limited in Mississauga und Montreal. Der Austausch der Daten konnte innerhalb von weniger als einer Minute erfolgen, wodurch rund 75 Personenjahre eingespart werden konnten. Die gesamte Einsparung für Wŏlsŏng 2 wurde auf rund 4,5 Millionen Dollar kalkuliert über die dreieinhalbjährige Planungs- und Bauzeit der Anlage.[54] Ab 1994 konzentrierten sich die Arbeiten vornehmlich auf die Hilfsanlagengebäude des Blocks.[55]

Betrieb

Nach Planungen von Dezember 1990 sollte der Block 1997 ans Netz gehen.[49] Bis Ende 1996 konnte der Brennstoff in den Block geladen werden, sodass man von einer Erstkritikalität im März 1997 ausging.[56] Am 29. Januar 1997 wurde der Block erstmals kritisch gefahren und ging am 1. April 1997 erstmals ans Netz.[15] Zur Inbetriebnahme des Blocks war unter anderem der Premierminister Goh Kun, sowie der Minister für Handel, Industrie und Energie anwesend und ließen sich die Technik des Blocks in der Schaltwarte erklären.[57] Am 1. Juli 1997 ging der Block in den kommerziellen Betrieb über.[15] Bereits im ersten Betriebsjahr erreichte der Block eine Verfügbarkeit von 97 %.[58]

Block 3 & 4

Kurzfristig entschied Südkorea im Februar für zwei weitere Blöcke in Wŏlsŏng ein Angebot der Atomic Energy of Canada Limited einzufordern. Mit der Unterzeichnung eines Vertrages am 18. September 1992 wurde der Kauf von zwei weiteren CANDU 6, Wŏlsŏng 3 und 4, für das Kernkraftwerk besiegelt. Durch den Bau der Doppelblockanlage konnte der Preis für die beiden Folgeblöcke etwa um die Hälfte des Preises für Block 2 auf 608 Milliarden Won (790 Millionen Dollar) gedrückt werden.[59] Für Atomic Energy of Canada Limited und die kanadische Regierung war dieses Abkommen eine Art überlebenswichtiger Übergang, da man wusste, dass ab 1990 rund zehn Jahre lang ein Auftragsloch entstehen würde und man erwartete, dass erst ab dem Jahr 2000 neue Aufträge für Kernkraftwerke kommen würden. Wŏlsŏng 3 und 4 konnte so zumindest fünf Jahre lang eine Brücke über dieses Auftragsloch bilden, sodass die Beschäftigung in der kanadischen Atomwirtschaft gewährleistet würde.[60] Im Bezug auf die Vergabe des Auftrags für diese beiden Blöcke, sowie Wŏlsŏng 2, wurde der ehemalige Vorstand der Korea Electric Power Company, Ahn Byong-wha, festgenommen, da die Vermutung bestand, dass er 200 Millionen Won von Park Byong-chan, ehemaliger Vorstand der südkoreanischen Samchang Corporation, erhalten habe, um im Gegenzug den Auftrag für Wŏlsŏng 2 bis 4 an Atomic Energy of Canada Limited zu vergeben. Die Samchang Corporation ist eine volle Tochter der Atomic Energy of Canada Limited.[61][62]

Bau

Am 17. März 1994 ging Wŏlsŏng 3 in Bau, am 22. Juli 1994 auch Wŏlsŏng 4.[15] Im Jahr 1995 wurden die beiden Calandiras der Blöcke angeliefert. Die Calandria von Block 4 wurde erstmals in Südkorea gefertigt bei Hanjung in Cangwon. Die Lokalisierung des Lieferanteils steigt von Block 2 bis Block 4 progressiv an, sodass der Anteil für Block 4 bei 75 % liegt.[55] Dies ebnete zudem den Weg als einer der Zulieferer für Atomc Energy of Canada Limited, sodass bereits 1996 Hanjun für zwei weitere Calandrias für das mit Wolsong stark baugleiche Kernkraftwerk Qinshan III beauftragt wurde.[63]

Betrieb

Nach Planungen von September 1992 sollten die Blöcke nacheinander 1998 und 1999 ans Netz gehen.[59] Am 19. Februar 1998 wurde Wŏlsŏng 3 erstmals kritisch gefahren,[15] womit der Block block binnen 65 Monaten errichtet werden konnte und damit so schnell wie kein anderer CANDU 6 bis zu diesem Zeitpunkt.[58] Am 25. März 1998 ging der Block erstmals ans Netz und wurde am 1. Juli 1998 in den kommerziellen Betrieb überführt. Am 10. April 1999 wurde Wŏlsŏng 4 erstmals kritisch gefahren und am 21. Mai 1999 erstmals ans Netz genommen. Am 1.nbsp;Oktober 1999 wurde der Block in den kommerziellen Betrieb überführt.[15] Am 4. Oktober 1999 kam es zu einem Zwischenfall in Wŏlsŏng 3, als während einer Revision des Blocks im abgeschalteten Zustand beim Demontieren einer Moderatorpumpe insgesamt 40 bis 50 Liter schweres Wasser ausgetreten waren. Aufgrund des Kritikalitätsunfalls in der kerntechnischen Anlage in Tōkaimura, wenige Tage zuvor am 30 September 1999, kam es in der Öffentlichkeit aufgrund der Meldungen der Medien über den Zwischenfall in Wŏlsŏng 3 zu einem starken Wirbel, obwohl der Vorfall unterhalb der Skala für nukleare und radiologische Ereignisse eingeordnet werden würde, oder allerhöchstens mit der Stufe 1. Der Wirbel entstand vornehmlich durch die Medien, die von einer Kontamination von Arbeiter redeten, wobei die 22 Arbeiter lediglich eine Strahlendosis von 0,006 bis 4,4 Millisievert erhalten haben ohne direkten Kontakt zum schweren Wasser. Das schwere Wasser wurde vollständig aufgefangen.[64] Hinsichtlich des Lastfaktors konnten die beiden Blöcke auf internationalen Niveau bleiben und zusammen mit deutschen Kernkraftwerken die Rangliste anführen. 2004 schaffte es Wŏlsŏng 4 den Lastfaktorrekord des Kernkraftwerks Emsland aus Deutschland zu brechen.[65] Diesen Rekord holte sich Emsland 2005 zurück.[66]

Block 5 & 6

Vorgeschichte Siehe: Kernkraftwerk Bonggil

Im Rahmen des im Jahr 2000 verabschiedeten Bauprogramms wurde die Option für Atomic Energy of Canada Limited offen gehalten, zwei von ehemals vier CANDU&nbps;9, die ehemals für das Kernkraftwerk Bonggil in direkter Nachbarschaft vorgesehen waren, zu errichten. Eine Entscheidung darüber sollte später gefällt werden, da das Projekt kontrovers war.[67] Die Korea Electric Power Company hatte sich jedoch noch Ende 2000 dafür entschieden über Wŏlsŏng 4 keine weiteren CANDU-Anlagen zu errichten, womit auf den Bau weiterer Blöcke am Kernkraftwerk Wŏlsŏng verzichtet wurde. Man hielt sich allerdings offen zu dem Design zurückzukehren, wenn Atomic Energy of Canada Limited die Entwicklung am Advanced CANDU Reactor vollendet habe.[68]

Standortdetails

Durch die Lage an den Wŏlsŏng-Terrassen ist die Anlage auf einem Kilometer langen Felsmassiv erbaut worden und gegen Erdbeben durch den Bau auf einem festen Felssockel gut geschützt.[1] Die Reaktoren befinden sich eigentlich in einem Gebiet, das relativ frei von Erdbeben ist. Am 26. Juni 1997 kam es 20 Kilometer vom Kernkraftwerk entfernt zu einem Beben der Stärke 4,3 auf der Richterskala, was bis dahin das stärkste aufgezeichnete Erdbeben in diesem Gebiet war. Die vier Blöcke der Anlage sind ausgelegt, einem Beben der Stärke 6,5 standzuhalten, sowie eine Abschaltung bei einer Stärke von 5,7 zu initiieren.[69] Politisch führte dies zu starken Reaktionen innerhalb der Gesellschaft, da man über das Erdbeben erst vier Tage später die Öffentlichkeit unterrichtete und genau am selben Tag der Bekanntgabe der zweite Block in den kommerziellen Betrieb ging.[70]

Technik

Die vier Blöcke der Anlage sind ausgestattet mit Druckschwerwasserreaktoren des Typs CANDU 6. Während alle vier Blöcke eine thermische Reaktorleistung von 2061 MW aufweisen, variiert die Leistung der Blöcke untereinander. Im Schnitt erreichen alle Blöcke eine Bruttoleistung von 700 MW und speisen rund 665 MW aus.[15] Der Brennstoff für Block 1 war ab 1981 seitens Südkorea am Korean Advanced Energy Research Institute entwickelt worden und die ersten Bündel im Jahr 1984 unter einem nicht öffentlichen Abkommen mit Atomic Energy of Canada Limited in Wŏlsŏng eingesetzt worden. Die Produktion wurde bis 1986 auf 2500 Brennelemente ausgeweitet, die jeweils 20 Kilo Natururan enthalten, 1987 sollte die Ausweitung auf 5000 Brennelemente erfolgen.[71] Wŏlsŏng 1 war seitens Atomic Energy of Canada Limited zum Standarddesign des CANDU 6 ernannt worden. Entwicklungsbasis für den Block war das Kernkraftwerk Pickering und das Kernkraftwerk Bruce. Der Reaktor wurde fünf mal kopiert für das Kernkraftwerk Cernavodă in Rumänien.[72] Ab 1992 war langfristig in Planung auf einen fortgeschrittenen Brennstoffkreislauf umzusteigen, indem abgebrannter Brennstoff aus Leichtwasserreaktoren direkt ohne Aufbereitung und Abreicherung der Isotope in den CANDU 6 genutzt werden sollte.[59] Für den abgebrannten Brennstoff wird neben der vorherigen Nasslagerung in den einzelnen Blöcken, direkt neben dem Reaktorgebäude in einem angebauten Gebäude, seit 1992 auch ein Tockenlagersystem verwendet mit Betoncontainern.[73] Alle vier Blöcke werden neben der Energieerzeugung auch dazu genutzt, Kobalt 60 zu erzeugen.[74]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Wŏlsŏng besteht aus vier Blöcken, die sich in Betrieb befinden.

Reaktorblock[15] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Wŏlsŏng-1 PHWR CANDU 6 657 MW 685 MW 30.10.1977 31.12.1982 22.04.1983
Wŏlsŏng-2 PHWR CANDU 6 647 MW 671 MW 22.06.1992 01.04.1997 01.07.1997
Wŏlsŏng-3 PHWR CANDU 6 651 MW 675 MW 17.03.1994 25.03.1998 01.07.1998
Wŏlsŏng-4 PHWR CANDU 6 653 MW 675 MW 22.07.1994 21.05.1999 01.10.1999

Einzelnachweise

  1. a b Ccop symposium on "developments in quaternary. 1987. Seite 229 bis 238.
  2. New Scientist, Band 60,Nr. 877. 20. Dez. 1973. ISSN 0262-4079. Seite 844.
  3. Canada. Parliament. House of Commons: House of Commons Debates, Official Report, Band 8. E. Cloutier, Queen's Printer and Controller of Stationery, 1973. Seite 8510.
  4. a b United States. General Accounting Office: Allocation of uranium enrichment services to fuel foreign and domestic nuclear reactors, Energy Research and Development Administration, Department of State: report to the Committee on Foreign Affairs, House of Representatives. U.S. General Accounting Office, 1975. Seite 25, 28.
  5. United States. Congress. House. Committee on Foreign Affairs. Subcommittee on International Organizations and Movements: U.S. Foreign Policy and the Export of Nuclear Technology to the Middle East: Hearings Before the Subcommittees on International Organizations and Movements and on the Near East and South Asia of the Committee on Foreign Affairs, House of Representatives, Ninety-third Congress, Second Session. U.S. Government Printing Office, 1974. Seite 88.
  6. United States. Energy Research and Development Administration: U.S. Nuclear Power Export Activities: Final Environmental Statement, Band 1. ERDA, 1976. Seite 3-64.
  7. Nuclear Engineering International, Band 19. Heywood-Temple Industrial Publications Limited. Seite 308.
  8. Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 21. Handelsblatt GmbH, 1976. Seite 496.
  9. British Broadcasting Corporation. Monitoring Service: Summary of World Broadcasts: Far East, Teil 3. Monitoring Service of the British Broadcasting Corporation, 1974.
  10. Canadian Institute of International Affairs, u.a.: International Canada, Bände 5-6. Canadian Institute of International Affairs [and] Parliamentary Centre for Foreign Affairs and Foreign Trade., 1974. Seite 8.
  11. a b American Nuclear Society: Nuclear News, Band 18,Teil 1. American Nuclear Society, 1975. Seite 44, 46.
  12. British Broadcasting Corporation. Monitoring Service: Summary of World Broadcasts: The Far East. Weekly supplement, Teil 3. 1976. Seite 69.
  13. Canada. Parliament. House of Commons: House of Commons Debates, Official Report, Band 12. E. Cloutier, Queen's Printer and Controller of Stationery, 1976. Seite 12079.
  14. A Handbook of Korea, 1979. Seite 651.
  15. a b c d e f g h i j k Power Reactor Information System der IAEA: „Korea, Republic of“ (englisch)
  16. a b British Broadcasting Corporation. Monitoring Service: Summary of World Broadcasts: The Far East. Weekly supplement, Teil 3. 1981. Seite 81.
  17. United States. National Technical Information Service: Environmental Pollution & Control. U.S. Department of Commerce, National Technical Information Service, 1983. 1063.
  18. a b British Broadcasting Corporation. Monitoring Service: Summary of World Broadcasts: The Far East. Weekly supplement, Teil 3. 1983.
  19. Business Korea, Band 6,Ausgaben 7-12. Business Korea Limited, 1989. Seite 71.
  20. Korea Newsreview, Band 11,Ausgaben 1-26. Korea Herald, 1982.Seite 130.
  21. Korea Newsreview, Band 13,Ausgaben 1-26. Korea Herald, 1984. Seite 61.
  22. British Broadcasting Corporation. Monitoring Service: Summary of World Broadcasts: Far East, Teil 3. Monitoring Service of the British Broadcasting Corporation, 1983.
  23. Korea Newsreview, Band 12,Ausgaben 27-53. Korea Herald, 1983. Seite 111.
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Siehe auch