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Kernkraftwerk Valdecaballeros

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Kernkraftwerk Valdecaballeros
Standort
Land Flag of Spain.svg Spanien
Provinz Badajoz
Ort Valdecaballeros
Koordinaten 39° 17′ 25″ N, 5° 10′ 46″ WTerra globe icon light.png 39° 17′ 25″ N, 5° 10′ 46″ W
Reaktordaten
Eigentümer Iberdrola, Sevilla de Electricidad
Betreiber Iberdrola, Sevilla de Electricidad
Vertragsjahr 1975
Bau storniert 1984
Bau storniert 2 (1950 MW)
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Valdecaballeros (spanisch Central nuclear de Valdecaballeros) steht nahe der Ortschaft Valdecaballeros in der Provinz Badajoz. Das ehemals als Gemeinschaftskernkraftwerk begonnene Projekt sollte durch General Electric errichtet werden, wurde 1984 aufgrund gesunkener Verbrauchsprognosen nur sporadisch erhalten und 1994 aufgrund des Ausstiegsmoratorium der spanischen Regierung vollständig aufgegeben. Im Gegenzug wurden die Bauherren entschädigt.

Geschichte

Erste Planungen für das Werk gab es 1974. Man rechnete ehemals bis 1975 mit dem Bau eines Kernkraftwerks bei Valdecaballeros beginnen zu können, sodass bis 1982 das vier Milliarden Pesetas teure Werk am Netz hätte sein können.[1] Gebaut und betrieben werde sollte es von Hydroelectrica Espanola in einer Gemeinschaft mit Sevillana de Electricidad, von denen jeder einen Block finanzieren und 975 MW Leistung beziehen sollte.[2] 1975 bestellten beide Firmen zusammen zwei Siedewasserreaktoren vom Typ BWR-6 bei General Electric für das Werk.[3] Seitens der Export-Import Bank der vereinigten Staaten von Amerika wurde hierfür ein 130,4 Millionen Dollar schwerer Kredit ausgeschrieben.[4] General Electric sollte das gesamte Dampferzeugersystem, die Turbinen mit Generatoren und die Erstkernbeladung liefern für 219 Millionen Dollar. Die Anlage sollte nahezu baugleich mit dem Kernkraftwerk Cofrentes werden, dass sich zu dieser Zeit bereits im Bau befand, allerdings technisch nicht so fortgeschritten war wie es die Blöcke in Valdecaballeros sein sollten.[5]

Zusammen mit dem ersten Block für das Kernkraftwerk Trillo wurden die beiden Blöcke von Valdecaballeros 1979 genehmigt. Allerdings gab es im August 1979 starke Proteste gegen das Werk, vorwiegend durch Kommunisten und Sozialisten, die der Regierung vorwarfen bei der Lizenzierung des Werkes wichtige Auswirkungen des Werkes auf den anliegenden Fluss Guadiana nicht berücksichtigt zu haben, da der Fluss weder die Kapazität zur Kühlung der Anlagen hätte, noch die Wärme abführen könne, was zu einer Zerstörung des Ökosystems führen würde.[6]

Bau

Am 17. August 1979 wurde mit dem Bau beider Blöcke begonnen.[7][8] Infolge dessen erreichten am ersten September die Proteste mit einer Kundgebung in Badajoz mit 20000 Teilnehmern die Spitze, weshalb nach elf Tagen des Protests der Industrieminister Spaniens den Bau des Werkes vorerst stoppen lies.[6] Diese Entscheidung wurde 1980 allerdings widerrufen und der Bau fortgesetzt.[9] Allerdings hielt der Widerstand an, weshalb bis in die 1980er Jahre hinein das Werk vor dem Aus stand. Bereits das Werk in Lemóniz wurde aufgrund von Terroranschlägen der ETA storniert, Valdecaballeros drohte nun das gleiche Schicksal, genauso wie der Anlage in Trillo.[10] Im April 1984 veranlasste die spanische Regierung die Einstellung der Bauarbeiten und reduzierte das Personal von 4800 auf 3440 Personen, nachdem eine Nachkalkulierung einen weitaus geringer ansteigenden Stromverbrauch voraussagte als vorher angenommen. Von den acht in Bau und Planung befindlichen Blöcken sollten nur noch vier fertiggestellt werden, weshalb Valdecaballeros vorerst wegfiel. Allerdings sollten die in Bau befindlichen Werke konserviert werden und sporadisch durch 400 Bauarbeiter baufähig gehalten werden, alle drei Jahre durch eine umfangreiche Revision. Ehemals plante man bei einem eventuell doch stärker steigenden Strombedarf die Baustellen und Planungen bis spätestens 1992 zu reaktivieren, weshalb die Blöcke in einem Wartezustand blieben und die bereits geplanten Blöcke auch noch als geplant geführt wurden.[11]

Bereits 1988 gab es seitens Portugals das Interesse einen 50 %-Anteil am ersten Block zu übernehmen. Das Land selbst ist auf Stromimporte durch Frankreich und Spanien angewiesen und wäre durch einen Anteil an Valdecaballeros in der Lage die Elektrizität für geringere Kosten abzunehmen. Block eins war zu diesem Zeitpunkt zu rund 63 % komplett.[12] Eine Studie im Jahr 1989 zeigte allerdings, dass der Stromverbrauch in Spanien doch weiter und schneller ansteigen würde, sodass bis zum Jahr 2000 das Kernkraftwerk Valdecaballeros sowie 1,5 Gigawatt aus zusätzlichen Kapazitäten benötigt werden würden.[13] Bereits 1990 war der Fall Realität geworden, nachdem sicher war, dass 1990 durch die Stilllegung von Vandellós 1 700 MW permanent verloren gingen und als Ersatz zumindest die Fertigstellung eines Blocks des Kernkraftwerks Valdecaballeros zur Debatte stand.[14] Nachdem 1994 ein entsprechendes Moratorium über den Neubau von Kernkraftwerken beschlossen wurde, waren die Pläne für Valdecaballeros hinfällig geworden. Als Entschädigung zahlte die spanische Regierung den Unternehmen zusammen 340 Milliarden Peseta aus.[15]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Valdecaballeros sollte aus zwei Reaktoren bestehen, deren Bau storniert wurde.

Reaktorblock Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Valdecaballeros-1[7] SWR BWR-6 939 MW 975 MW 17.08.1979 Bau am 01.04.1984 storniert
Valdecaballeros-2[8] SWR BWR-6 939 MW 975 MW 17.08.1979 Bau am 01.04.1984 storniert

Einzelnachweise

  1. Bank of London & South America: Bank of London & South America review, Band 8. Lloyds Bank International., 1974. Seite 509.
  2. Spain. Ministerio de Comercio. Secretaría General Técnica, u.a.: Información comercial española: boletin semanal. 1975. Seite 1274.
  3. France. Commissariat à l'énergie atomique: Rapport annuel - Commissariat à l'énergie atomique. 1975. Seite 349.
  4. Engineering news-record, Band 195,Ausgaben 14-26. McGraw-Hill, 1975. Seite 27.
  5. American Nuclear Society: Nuclear news, Band 18,Ausgaben 12-15. American Nuclear Society., 1975. Seite 60.
  6. a b Facts on File, Inc: Energy Crisis: 1977-1979. In: Band 4 von Energy Crisis. Facts on File, 1980. ISBN 0871962845. Seite 136.
  7. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - VALDECABALLEROS-1“ (englisch)
  8. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - VALDECABALLEROS-2“ (englisch)
  9. Economist Intelligence Unit (Great Britain): Quarterly economic review of Spain. Economist Intelligence Unit Ltd., 1980. Seite 9.
  10. Commerce Clearing House: Common market reports: Euromarket news, Ausgaben 729-780. Commerce Clearing House, 1983. Seit 352.
  11. Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 30. Handelsblatt GmbH, 1985. Seite 4, 326
  12. Institute for Defence Studies and Analyses: Strategic digest, Band 18. Institute for Defence Studies and Analyses., 1988. Seite 986.
  13. Nuclear engineering international, Band 34. Heywood-Temple Industrial Publications Ltd., 1989. Seite 5.
  14. Financial Times Business Information Ltd: Energy economist, Ausgaben 99-110. Financial Times Business Information Ltd., 1990. Seite 27.
  15. Nuclear engineering international, Band 39,Ausgaben 474-485. Heywood-Temple Industrial Publications Ltd., 1994. Seite 14.

Siehe auch

Icon NuclearPowerPlant-green.svg Portal Kernkraftwerk