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Kernkraftwerk Inwil

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Kernkraftwerk Inwil
Luftaufnahme von 1919, der Standort wäre im linken Bildbereich gewesen
Luftaufnahme von 1919, der Standort wäre im linken Bildbereich gewesen
Standort
Land Civil Ensign of Switzerland.svg Schweiz
Kanton Luzern
Ort Inwil
Koordinaten 47° 8′ 4″ N, 8° 23′ 17″ OTerra globe icon light.png 47° 8′ 4″ N, 8° 23′ 17″ O
Reaktordaten
Eigentümer Centralschweizerische Kraftwerke AG
Betreiber Centralschweizerische Kraftwerke AG
Pläne storniert 1 (900 MW)
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Inwil sollte im schweizer Kanton Luzern in der Gemeinde Inwil entstehen.

Geschichte

Im Jahr 1972 kündigte die Centralschweizerische Kraftwerke AG (kurz CKW) in der öffentlichen Presse erstmals an, ein Kernkraftwerk im Kanton Luzern errichten zu wollen und hierfür in der Gemeinde Inwil entsprechendes Land beabsichtige anzukaufen. Die CKW hat hierfür bereits in den vorherigen Jahren Untersuchungen vorgenommen um Standorte für ein Kernkraftwerk zu finden. Ein konkretes Projekt für den Bau eines Kernkraftwerks lag zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht vor und eine endgültige Entscheidung sollte erst nach der Erkundung des Standorts und Abklärung mit den Behörden fallen, sowie der Zeitpunkt für einen etwaigen Baubeginn abhängig vom Anstieg des Strombedarf erfolgen.[1] Bis 1973 schloss die CKW den Ankauf ab, sodass sie einen Antrag bei der Gemeinde Inwil auf Umzonung des Standorts Schweißmatt zu einer Industriezone stellte. Am 7. Juli 1973 stimmte der Gemeinderat mit 292 gegen 280 Stimmen für die Umzonung von einer Landwirtschaftsfläche zu einer Industriefläche zu. Damit war es der CKW möglich in Zukunft ein etwaiges Standortbewilligungsverfahren für ein Kernkraftwerk einzureichen.[2] Gegen die Abstimmung in der Gemeinde Inwil wurden seitens der im gleichen Jahr neu gegründeten „überparteilichen Bewegung gegen Atomkraftwerke" Beschwerden eingereicht, die allerdings der Regierungsrat von Luzern abwies.[3]

Ab 1973 begann die CKW mit der Erkundung des Standortes auf die technische Eignung des Baugrunds, sowie meteorologische Messungen und Grundwasseruntersuchungen.[4] Im März 1974 wurde die Umzonung des Standorts rechtskräftig,[5]

sodass im Oktober 1974 die CKW das Gesuch für die Erteilung einer Standortbewilligung einreichte.[6] Im Jahr 1977 gab es seitens des eidgenössischen Amt für Energiewirtschaft eine Stellungnahme zum Kernkraftwerk Inwil, in der sich der Regierungsrat des Kanton Luzern positiv gegenüber des Kernkraftwerks aussprach. Der Regierungsrat begründete dies unter anderem damit, dass der Kanton in der wirtschaftlichen Entwicklung zurückliegt und durch eine ausreichende Energieversorgung dieses Defizit verringert werden kann. Seitens des Kantons wurden allerdings diverse Auflagen gegenüber der CKW gemacht für eine Erteilung der Lizenz.[7] Auf dieser Basis begann die CKW 1978 die Planung des Kernkraftwerks mit einem Leichtwasserreaktor der 1000 MW-Klasse, der ab Ende der 1980er realisiert werden sollte, sodass das Kernkraftwerk Inwil ab den 1990ern zur Verfügung stehen würde.[8][9]

Im Jahr 1981 schlossen sich 6 Organisationen gegen das Kernkraftwerk Inwil im „Centralschweizer Komitee Inwil Nie“ zusammen.[10] Ab 1982 ließ die CKW das Projekt bis auf weiteres ruhen aufgrund der Auseinandersetzung um die Kernkraftwerke Kaiseraugst und Graben. Am Standort wurde lediglich für die Aktualität und Kontinuität der Daten für die Umweltverträglichkeitsprüfung die Wetterbobachtungen mit einem Mindestmaß fortgesetzt.[11][12] Ab 1985 gab die CKW bekannt, dass man Inwil erst weiterverfolgen werde, wenn die beiden fortgeschritteneren Projekte in Kaiseraugst und Graben vollendet sind.[13] Damit wurde das Projekt ab 1987 erst nach dem Jahr 2000 als möglich erachtet.[14] Entsprechend wurde das Standortbewilligungsverfahren seitens des eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartement nicht weiter bearbeitet, jedoch seitens der CKW nicht zurückgezogen.[15] Im Jahr 1987 schloss die CKW die Standorterkundung vollständig ab, stellte 1989 allerdings sämtliche Arbeiten für das Kernkraftwerk Inwil ein, da eine Notwendingkeit für den Bau der Anlage nicht unmittelbar bevorstand.[16] Am 6. März 1989 wurde der Standort seitens der Gemeinde Inwil in das übrige Gemeindegebiet umgezont und fortan als „Standort für die allfällige Realisierung eines Kernkraftwerks“ offiziuell geführt.[17]

Um das Jahr 2000 gab es die Planung einen Freizeitpark auf dem Gelände zu errichten, was seitens des Regierungsrats des Kantons Luzern mit einem Veto abgelehnt wurde.[18] Im Jahr 2012 kündigte die Axpo als Eigentümerin der CKW und des Standoprts Inwil an, die größte Photovoltaikanlage der Schweiz auf dem Standort Inwil errichten zu wollen.[19] Allerdings scheiterte auch die Photovoltaikanlage infolge des Widerspruchs der Kantonbehörden.[20]

Standortdetails

Geeignet ist der Standort generell für den Bau von bis zu zwei großen 1000 MW starken Reaktorblöcken. Die Kühlung sollte durch den anliegenden Fluss Reuss erfolgen.[21] Die Standortlage hätte das Auskoppeln von Fernwärme ermöglicht für die Stadt Luzern, sowie die anliegende Papierfabrik Perlen Papier in Root.[22]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Inwil sollte aus einen Block bestehen, dessen Planungen storniert wurde.

Reaktorblock Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Inwil[23] SWR 900 MW Planungen storniert

Einzelnachweise

  1. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 17. Handelsblatt GmbH, Januar 1972. Seite 2.
  2. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 18. Handelsblatt GmbH, August/September 1973. Seite 367, 368.
  3. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 18. Handelsblatt GmbH, Dezember 1973. Seite 551, 555.
  4. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 19. Handelsblatt GmbH, Mai 1974. Seite 254.
  5. Schweizerischer Ingenieur- und Architekten-Verein, u.a.: Schweizerische Bauzeitung, Band 93,Teil 3, 1975. Seite 625.
  6. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 20. Handelsblatt GmbH, April 1975. Seite 204.
  7. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 22. Handelsblatt GmbH, November 1977. Seite 552.
  8. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 23. Handelsblatt GmbH, Mai 1978. Seite 243.
  9. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 24. Handelsblatt GmbH, Mai 1979. Seite 286.
  10. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 26. Handelsblatt GmbH, November 1981. Seite 579.
  11. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 28. Handelsblatt GmbH, Juni 1983. Seite 338, 339.
  12. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 29. Handelsblatt GmbH, Juni 1984. Seite 323.
  13. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 30. Handelsblatt GmbH, Juni 1985. Seite 320, 321.
  14. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 32. Handelsblatt GmbH, Juni 1987. Seite 313.
  15. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 33. Handelsblatt GmbH, Oktober 1988. Seite 464.
  16. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 34. Handelsblatt GmbH, Juni 1989. Seite 290.
  17. SCHWEIZERISCHE VEREINIGUNG FUER ATOMENERGIE - SVA: BASISDOKUMENTATION – KERNENERGIE IN DER SCHWEIZ. Seite 214. Abgerufen am 03.11.2019. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  18. Rudolf Muggli: Publikumsintensive Einrichtungen: Verbesserte Koordination zwischen Luftreinhaltung und Raumplanung, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), 2002. Seite 54.
  19. Südostschweiz: Inwil erhält grösstes Solarkraftwerk, 31.05.2012. Abgerufen am 03.11.2019. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  20. Luzerner Zeitung: KERNENERGIE: Kuhweide statt Atomkraftwerk, 20.11.2016. Abgerufen am 03.11.2019. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  21. Villforth, J.C.: Basic concepts and principles of assessment: A review of the Advisory Committee Report on the Biological Effects of Ionizing Radiation, 20.05.1974. Abgerufen am 03.11.2019. (Archivierte Version bei Internet Archive)
  22. Claude Zangger: Stand der Ausarbeitung einer Gesamtkonzeption für die schweizerische Wärmewirtschaft, Wirtschaftsförderung, 1975. Seite 14.
  23. Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - INWIL“ (englisch) (Archivierte Version bei Internet Archive)

Siehe auch

Icon NuclearPowerPlant-green.svg Portal Kernkraftwerk