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Kernkraftwerk Niederamt

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Kernkraftwerk Niederamt
Standort
Land Civil Ensign of Switzerland.svg Schweiz
Kanton Solothurn
Ort Däniken
Koordinaten 47° 21′ 55″ N, 7° 58′ 18″ OTerra globe icon light.png 47° 21′ 55″ N, 7° 58′ 18″ O
Reaktordaten
Eigentümer Kernkraftwerk Niederamt AG
Betreiber Kernkraftwerk Niederamt AG
Pläne storniert 1 (1600 MW)
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Niederamt (kurz KKN, auch Kernkraftwerk Gösgen II) soll auf dem Gebiet der Gemeinde Däniken, einer der 15 Gemeinden in der sogenannten Region Niederamt zwischen Olten und Aarau, im Schweizer Kanton Solothurn entstehen. Die im Bezirk Gösgen geplante Anlage soll direkt neben dem Kernkraftwerk Gösgen an der Aare, genauer dem Gebiet der Aareschleife entstehen. Die Entfernung zu den nächstgrößeren Städten beträgt nach Däniken und Nidergösgen je zwei Kilometer, nach Olten vier Kilometer, nach Aarau und Oftringen sechs Kilometer, nach Liestal, Bad Säckingen (Deutschland), Wohlen, Reinach und Langenthal je rund 20 Kilometer, zum Großraum Zürich, Großraum Luzern, dem Kantonhauptort Solothurn, nach Basel, Lörrach (Deutschland) und Waldshut-Tiengen (Deutschland) je rund 35 Kilometer.

Geschichte

Im Februar 2007 kündigte der Energieversorger Atel (Aare-Tessin AG für Elektrizität) an ein Konsortium für den Bau neuer Kernkraftwerke in der Schweiz zu gründen. Als mögliche Standorte nannte Giovanni Leonardi, Vorstand von Atel unter anderem die bestehenden Kernkraftwerke in Beznau und Gösgen.[1] Am 14. März 2007 gab es seitens des Regierungsrates des Kantons Solothurn einen Vorstoß, das Niederamt als Standort für ein neues Kernkraftwerk zu sichern. Bereits am 12. März wurde dazu ein Positionspapier der FDP, CVP und SVP veröffentlicht, die sich für die Errichtung neuer Großkernkraftwerke aussprachen um eine zukünftig entstehende Stromlücke zu schließen.[2] Am 30. Oktober 2007 stimmte der Kantonsrat von Solothurn überparteilich dafür den Bau eines zweiten Kernkraftwerks neben dem Kernkraftwerk Gösgen, designiert als Kernkraftwerk Gösgen II, zu unterstützen. Die Politik distanzierte sich jedoch über etwaige Spezifikationen zum Kernkraftwerk, was Sache der Wirtschaft sein sollte, da es die Energiewirtschaft sei, die sämtliche Kosten für das Projekt tragen müsse, nicht der Staat.[3]

Am 12. März 2008 kündigte Atel auf der Jahresmedienkonfeenz an, dass man noch innerhalb des Jahres 2008 das Rahmenbewilligungsgeduch für das Kernkraftwerk einreichen wolle. Das Niederamt als Standort wurde beibehalten, allerdings stellte Atel klar, dass die Bevölkerung und die Behörden am Standort dieses Werk mittragen müssten. Der Energieversorger war sich allerdings bereits im klaren, dass die Anwohner dem Konzern seit Jahrzehnten eher wohlgesonnen waren.[4] Im Juni 2008 etablierte die Atel Holding AG für das Werk die Kernkraftwerk Niederamt AG (Kürzel KKN AG), die einerseits als Projektgesellschaft dient, andererseits später den Betrieb des Werkes übernehmen sollte. Mit der Gründung dieses Unternehmen bekam die Anlage offiziell den Namen Kernkraftwerk Niederamt.[5] Am 9. Juni 2008 reichte die KKN AG das Rahmensbewilligungsgesich für das Kernkraftwerk ein. Als mögliche Leistungsklassen kamen ein Block mit rund 1100 MW oder mit 1600 MW infrage. Eine Spezifizierung der Reaktorlinie und des Typs wurde nicht vorgenommen, lediglich wurde der Bau eines Leichtwasserreaktors der Generation III, keinen Prototyp, zugrunde gelegt. Die Entscheidung, welche Baulinie für das Werk gewählt werde, falle erst zu einem späteren Zeitpunkt, die geschätzten Kosten wurden im Voranschlag auf sechs bis sieben Milliarden Franken geschätzt. Ob das Werk letztlich errichtet werde hängt von einem fakultativen Referendum zum Rahmensbewilligungsgesuch ab, in dem die Einwohner der Schweiz abstimmen, ob sie das Werk wollen oder nicht.[6]

Am 1. Februar 2009 schloss die Atel mit dem Versorger EOS S.A. zusammen, wodurch der neue Energiekonzern Alpiq gegründet wurde. Dadurch war die Anlage zukünftig unter deren Leitung. Bis April 2009 wurde seitens des Bundesamts für Energie und des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat die Grobdurchsicht der Rahmenbewilligungsverfahren durchgeführt. Auf Basis dessen wurden Nachbesserungen in den Anträgen gefordert.[7] Am 13. Mai 2009 gab es seitens des Bundesrates auf Initiative von Hans Killer den Vorstoß an die Energiekonzerne, sich für zwei neue Kernkraftwerke zu einigen. Kurz nach der Einreichung des Rahmenbewilligungsgesuchs für das Kernkraftwerk Niederamt folgten zwei weitere Rahmenbewilligungsverfahren für das Ersatzkernkraftwerk Mühleberg sowie das Ersatzkernkraftwerk Beznau (projektiert als baugleiche Anlagen ohne bisherige Spezifizierung auf einen Reaktortyp). Ein Gesuch alleine dauere in der Begutachtung seitens des Bundesamts für Energie insgesamt 9 Monate, bei jedem weiteren Gesuch verlängert sich diese Dauer um weitere 4 Monate.[8] Im Oktober 2009 übermittelte Alpiq an das Bundesamt für Energie das überarbeitete Rahmenbewilligungsgesuch für das Kernkraftwerk.[7] Am 21. April 2010 wurde das Richtplanverfahren für die Anlage initiiert und am gleichen Tag alle 15 Gemeinden im Niederamt über den Planungsstand seitens der Alpiq informiert. Innerhalb von 30 Tagen bis zum 21. Mai konnte die Bevölkerung Stellung dazu nehmen.[9] Am 15. November 2010 gab das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat bekannt, dass der Standort Niederamt, sowie alle anderen neuen Standorte die parallel beantragt wurden aus Sicht der nuklearen Sicherheit geeignet sind.[10]

Infolge der Reaktorunfälle von Fukushima-Daiichi am 11. März 2011 wurden sämtliche Rahmenbewilligungsgesuche sistiert, das heißt gestoppt. Alpiq zeigte für den Schritt Verständnis, dass man die sicherheitstechnischen Lehren aus dem Unfall in Japan ziehen und als Anforderungen für Neubauten umsetzen müsse.[11] Der Nationalrat stimmte am 8. Juni 2011 für den geordneten Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie. Kurz zuvor wurde dieser ebenfalls per Abstimmung im Bundesrat beschlossen.[12] Der Regierungsrat des Kantons Solothurn schloss sich diesem Ergebnis für einen geordneten Rückzug an, erklärte allerdings, dass das Richtplanverfahren für das Kernkraftwerk Niederamt weitergeführt wird und erst dann abgebrochen wird, wenn das Rahmenbewilligungsverfahren für die Anlage auf Bundesebene storniert wird.[13]

Aufgrund der Sistierung der Rahmenbewilligungsgesuche steht der behördliche Genehmigungsprozess still. Am 1. Februar 2013 wurde der Block im Power Reactor Information System der IAEA als storniert gemeldet.[14] Das Gesuch ist nach wie vor seitens Alpiq aktiv, allerdings ist aufgrund des Ausstiegs nicht mehr mit einer Genehmigung zu rechnen.

Wirtschaft/Auswirkungen/Akzeptanz

Der Lokalverein Gemeindepräsidentenkonferenz Niederamt beantragte zur Evaluierung der Auswirkungen des Kernkraftwerks eine Studie beim Institut für sozioökonomische Forschung, sowie bei Beratung Rütter + Partner. Wirtschaftlich gesehen wäre das Kernkraftwerk ein großer Faktor in der Region gewesen. Der Gewinn der Anlage wurde auf jährlichen rund 720 Millionen Schweizer Franken geschätzt, sofern ein Block mit einer Leistung von 1200 MW zum Einsatz gekommen wäre. Beschäftigt hätte die Anlage 620 Personen, die im Niederamt rund 7 % der Beschäftigung ausmachen würden. Wären das Kernkraftwerk Niederamt parallel zum Kernkraftwerks Gösgen im Einsatz geblieben, würden beide Anlagen zusammen rund 1300 Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Innerhalb des Niederamts gab es hinsichtlich der Anlage eher Ablehnung als Zuspruch.[15]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Niederamt sollte aus einem Block bestehen, dessen Planungen storniert wurden.

Reaktorblock[16] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Niederamt[14] LWR 1600 MW Planungen am 01.02.2013 storniert

Einzelnachweise

  1. Nuklearforum Schweiz: Atel will Konsortium für neue Kernkraftwerke bilden, 25.02.2007. Abgerufen am 28.08.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  2. Nuklearforum Schweiz: Solothurner Allianz mit Ziel Gösgen-2, 15.03.2007. Abgerufen am 28.08.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  3. Nuklearforum Schweiz: Solothurner Kantonsrat: Ja zu Gösgen-2, 02.11.2007. Abgerufen am 28.08.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  4. Nuklearforum Schweiz: Atel kündigt Rahmenbewilligungsgesuch an, 24.03.2008. Abgerufen am 19.08.2013. (Archivierte Version bei WebCite)
  5. Kernkraftwerk Niederamt AG: KKN AG. Abgerufen am 19.08.2013. (Archivierte Version bei WebCite)
  6. Nuklearforum Schweiz: Atel reicht Rahmenbewilligungsgesuch für Kernkraftwerk Niederamt ein, 10.06.2008. Abgerufen am 19.08.2013. (Archivierte Version bei WebCite)
  7. a b Nuklearforum Schweiz: Überarbeitete Gesuche für neue KKW eingereicht, 02.11.2009. Abgerufen am 23.05.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  8. Nuklearforum Schweiz: Bundesrat äussert sich zu Rahmenbewilligungsgesuchen, 24.05.2009. Abgerufen am 23.05.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  9. Nuklearforum Schweiz: Richtplanverfahren für Kernkraftwerk Niederamt lanciert, 26.04.2010. Abgerufen am 23.05.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  10. Nuklearforum Schweiz: Ensi: grünes Licht für alle drei Schweizer Standorte, 15.11.2010. Abgerufen am 23.05.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  11. Nuklearforum Schweiz: Schweiz: Verfahren um Rahmenbewilligungsgesuche sistiert, 15.03.2011. Abgerufen am 23.05.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  12. Nuklearforum Schweiz: Nationalrat für schrittweisen Kernenergieausstieg der Schweiz, 09.06.2011. Abgerufen am 23.05.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  13. Nuklearforum Schweiz: Regierungsrat Solothurn für schrittweisen Ausstieg, 29.09.2011. Abgerufen am 23.05.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  14. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - NIEDERAMT“ (englisch)
  15. Nuklearforum Schweiz: KKW Niederamt: 620 Arbeitsplätze und 720 Millionen jährlich, 02.02.2011. Abgerufen am 23.05.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  16. Power Reactor Information System der IAEA: „Switzerland“ (englisch)

Siehe auch