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Kernkraftwerk Počerady

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Kernkraftwerk Počerady
Standort
Land Flag of the Czech Republic.svg Tschechien
Region Ústecký
Ort Počerady
Koordinaten 50° 25′ 47″ N, 13° 40′ 34″ OTerra globe icon light.png 50° 25′ 47″ N, 13° 40′ 34″ O
Reaktordaten
Eigentümer ČEZ
Betreiber ČEZ
Zusatzfunktion Fernwärme
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Počerady (tschechisch Jaderná elektrárna Počerady) sollte nahe der Ortschaft Počerady in Nordböhmen entstehen. Die im Pardubický Kraj gelegene Anlage sollte das vierte tschechische Kernkraftwerk werden und Fernwärme für die umliegenden Ballungsgebiete ausspeisen. Die Planungen für die Anlage wurden in den 1990er Jahren eingefroren.

Geschichte

Für das nordböhmische Kernkraftwerk, dessen Standortsuche in der Tschechoslowakei die größte Aufmerksamkeit bot, kamen drei Standorte infrage: Chotěšov, dessen Lage vorteilhaft für die Speisung der Fernwärmenetze von Ústí nad Labem und Prag war, Sokolov, dessen Standort vorteilhaft für die Speisung der Fernwärmenetze der Städte Cheb und Karlovy Vary war, sowie Počerady, dessen Standort vorteilhaft hinsichtlich der Speisung der Fernwärmenetze von Louny, Žatec, Most, Chomutov und Litvínov war, sowie besonders durch die Lage in einem noch lange nicht ausgeschöpften Kohlerevier. Während für Chotěšov und Sokolov eher zwei Druckwasserreaktoren der 1500 MW-Klasse bis 2020 und zwei weitere bis 2030 infrage kamen, sollte Počerady mit bis zu vier Hochtemperaturreaktoren mit einer Leistung von 600 MW ab 2030 ausgestattet werden, um eine integrierte Systemlösung mit den bestehenden Kohlekraftwerken zu bieten.[1]

Zunächst ging man in der Projektion vom Bau von vier WWER-1000 aus, ähnlich den Kernkraftwerken in Temelín und Tetov. Das Projekte wurde unter den Namen Kernkraftwerk Nordböhmen (tschechisch Jaderná elektrárna severný Čechy, kurz ESEV) geführt. Das primäre Ziel war es die Kohlekraftwerke in Nordböhmen durch ein großes Kernkraftwerk weitestgehend zu ersetzen. Nach den Planungen aus dem Jahr 1989 sollte es das letzte Kernkraftwerksprojekt in Böhmen werden. Als gewünschter Standort war Chotěšov nahe Terezína, südlich von Ústí nad Labem im Gesprüch gewesen mit einer Wärmelast von 3660 MW für die umliegenden Fernwärmenetze, eine Leistung die ansonsten nur das Kernkraftwerk Tetov erreichen sollte. Seismisch war Chotěšov allerdings umstritten, weshalb der Standort von weiteren Evaluierungen ausgeschlossen wurde.[2] Ab 1990 konzentrierte man sich deshalb vornehmlich auf die Hochtemperaturreaktor-Lösung, weshalb im gleichen Zeitraum nur Počerady und Tušimice als mögliche Standorte in Betracht gezogen wurden, mit besonderer Aufmerksamkeit hinsichtlich der seismischen Eigenschaften der Standorte, aktive Brüche in der Umgebung sowie der hydrologischen Eigenschaften. Beide Standorte sind bereits voll erschlossen und mit Kohlekraftwerken ausgestattet gewesen.[3]

Noch im gleichen Jahr wurden die Ergebnisse veröffentlicht aus denen hervorging, dass beide Standorte die Voraussetzungen für ein Kernkraftwerk mit Hochtemperaturreaktoren bieten würden; auch hinsichtlich dar Tatsache, dass beide Standorte weit entfernt von Wasserschutzgebieten liegen. Seismisch gesehen ist die Lage auf dem böhmischen Massiv ähnlich denen des Kernkraftwerks Temelín. Aufgrund der Tatsache, dass aufgrund der Kohlekraftwerke und Kohletagebauten das Gebiet ziemlich engmaschig und stetig überwacht wird, sind die Dokumentationen über die Standorte genauer und lückenloser als für diverse andere Kernkraftwerksstandorte auf dem Gebiet der Tschechoslowakei.[3] Noch 1990 wurde Počerady als Standort für das Nordböhmische Kernkraftwerk bestimmt, aber nie genehmigt.[4] Aufgrund der Tatsache, dass die Region einen großen Überschuss an Energie zur Verfügung hatte, kam der Standort in den Planungen nach 1990 nicht mehr vor.[5]

Einzelnachweise

  1. Využití Tepla t Jaderných Zdrojů, 1990. Seite 55. Abgerufen am 26.02.2013. (Archivierte Version bei WebCite)
  2. Využití Energií z Jaderné Elektrárny Temelín, 1989. Seite 45 bis 45. Abgerufen am 09.09.2012.(Archivierte Version bei WebCite)
  3. a b Ústřední ústav geologický (Czech Republic): Vestník, Band 66. 1991. Seite 197, 198.
  4. Profil, Band 21. Wirtschafts-trend Zeitschriftenverlag, 1990. Seite 73.
  5. OIŽP: Der Staate wird ein neues Temelin bauen - vielleicht auch bei Ihnen, 19.03.2012. Abgerufen am 03.11.2012. (Archivierte Version bei WebCite)

Siehe auch

Icon NuclearPowerPlant-green.svg Portal Kernkraftwerk