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Kernkraftwerk Bohunice

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Kernkraftwerk Bohunice
Die charakteristischen Kühltürme der Anlagen V1 und V2
Die charakteristischen Kühltürme der Anlagen V1 und V2
Standort
Land Flag of Slovakia.svg Slowakei
Landschaftsverband Trnava
Ort Jaslovské Bohunice
Koordinaten 48° 29′ 40″ N, 17° 40′ 50″ OTerra globe icon light.png 48° 29′ 40″ N, 17° 40′ 50″ O
Reaktordaten
Eigentümer A1/V1: JAVYS a.s.
V2: Slovenské elektrárne
Betreiber A1/V1: JAVYS a.s.
V2: Slovenské elektrárne
Vertragsjahr 1956
Betriebsaufnahme 25. Dezember 1972
Geplant 1 (1.200 MW)
Im Betrieb 2 (1010 MW)
Stillgelegt 3 (1.023 MW)
Einspeisung
Eingespeiste Energie im Jahr 2008 9.054 GWh
Eingespeiste Energie seit 25. Dezember 1972 280.348 GWh
Stand der Daten 8. Juli 2009
Zusatzfunktionen Fernwärme
Prozesswärme
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Bohunice (slowakisch Elektrárne Bohunice, kurz EBO, oftmals auch lang als Kernkraftwerk Jaslovské Bohunice bezeichnet) liegt nahe dem Ort Jaslovské Bohunice in der Slowakei. Der Standort ist in drei Kernkraftwerke aufgeteilt. Ein viertes ist bereits in Planung. Es war das erste Kernkraftwerk der ehemaligen Tschechoslowakei.

Geschichte

Das Kernkraftwerk A1 war das erste tschechoslowakische Kernkraftwerk. Die ersten Arbeiten an dem Projekt starteten bereits 1956. Der Reaktor der zum Einsatz kam, war ein experimenteller Kohlendioxid gekühlter Druckröhrenreaktor der als Moderator schweres Wasser in einem Druckkessel verwendete und mit Natururan betrieben wurde.[1] Mit dem Bau des Reaktors wurde am ersten August 1958 begonnen. Die Bruttoleistung des Reaktors betrug 143 MW und 93 MW netto.[2] Der Reaktor vom Typ KS-150 sollte nur auf Basis der tschechoslowakischen Industrie erbaut werden. Der Bau wurde von dem Vertragspartner Hydrostav Bratislava durchgeführt und die technologischen Teile wurden von Škoda Plzeň gebaut. Bei der Wahl des Reaktors, spielten auch die tschechoslowakischen Uranerzreserven eine wichtige Rolle.[1]

Der Reaktor wurde am 25. Dezember 1972 in Betrieb genommen und dem Betreiber übergeben.[2] Jedoch gab es zwei schwere Unfälle. Am 5. Januar 1976 gab es beim Wechsel des Brennstoffs einen technischen Fehler. Ein Brennelement schoss aus der Druckröhre in die Reaktorhalle hinaus. Da der Reaktor nicht abgeschaltet worden war – die Brennelemente wurden wie üblich im Betrieb gewechselt – strömte Kohlendioxid in die Reaktorhalle. Eine schwererer Unfall konnte aber vermieden werden.[1]

Am 22. Februar 1977 kam es zu einen weiteren Unfall. Während des Transport der Brennelemente werden diese in Kieselsäure gelegt um zu verhindern, dass Feuchtigkeit an diese kommt. Nachdem vergessen wurde die Kieselsäure vom Brennelement vor dem Einladen in den Reaktor zu entfernen, wurde das Brennelement mit der Kieselsäure in die Druckröhre gefahren. Dadurch wurde das Kohlendioxid als Kühlmittel wirkungslos und der Reaktor begann sich zu überhitzen. Dadurch kam es zu Schäden an den Druckröhren und den umliegenden Kanälen. Es kam zum Eintritt von schwerem Wasser in den mit Kohlendioxid gefüllten Kühlkreislauf des Reaktors. Dadurch nahmen die Hüllen der Brennelemente Schäden. Der Primär- und Sekundärkreislauf wie auch die Dampferzeuger wurden radioaktiv verstrahlt.[1]

Da die Reparaturkosten sehr hoch waren, wurde die Stilllegung des Reaktors veranlasst. Zudem waren bereits zwei WWER der Anlage V1 in Bau. Deshalb verabschiedete die tschechoslowakische Regierung im Jahr 1979 den Beschluss 135, dass der Betrieb der Anlage nicht verlängert wird und die schrittweise Stillegung durchgeführt werden sollte.[1] Ein zweiter baugleicher Reaktor, Bohunice A2, war in Planung, wurde aber nie verwirklicht.[3]

Anlage V1

Das Kernkraftwerk V1 aus der Ferne

Nachdem man das Projekt eines Reaktors der mit schweren Wasser moderiert wird im Kernkraftwerk A1 in den 1970ern beendet wurde, wurde die Neuorientierung auf Reaktoren des sowjetischen Typs WWER-440 beschlossen. Die Wahl von Druckwasserreaktoren hatte sich später als richtig herausgestellt, da diese zu dieser Zeit als einfach, zuverlässig, sicher und kompakt galten.[4] Der Bau der beiden Reaktoren begann am 24. April 1972.[2] Man konnte die bereits zum Bau des Kernkraftwerk A1 verwendeten Hilfsmittel auch zum Bau des Kernkraftwerks V1 nutzen. Ein Jahr später wurde am 25. April 1973 der eigentliche Grundstein für das Reaktorgebäude der beiden Reaktoren gelegt.[4]

Der Bau des Kernkraftwerks V1 wurde von tschechoslowakischen und sowjetischen Fachleuten durchgeführt. Diese waren auch für die Inbetriebnahme verantwortlich. Der nukleare und primäre Kraftwerksteil wurde hauptsächlich von der Sowjetunion geliefert, während der sekundäre Kreislauf und der konventionelle Teil von tschechoslowakischen Staatsunternehmen geliefert wurde. Der Bau von V1 dauerte nicht länger als sechs Jahre.[4]

Betrieb

Der erste Reaktor ging schließlich am 17. Dezember 1978 in Betrieb, am 26. März 1980 folgte Reaktor 2. Die beiden Reaktoren wurden am 1. April 1980 und am 1. Januar 1981 jeweils dem Betreiber übergeben.[2] Das Kernkraftwerk V1 war das erste industriell genutzte Kernkraftwerk der Tschechoslowakei. Zur Erhöhung der Sicherheit der beiden Reaktoren, wurde 1991 bis 1993 eine so genannte "Minor Reconstruction" durchgeführt. Außerdem wurde, um die nukleare Sicherheit zu erhöhen, zwischen 1996 und 2000 ein schrittweiser Wiederaufbau durchgeführt.[4]

Am 14. September 1999 hat die slowakische Regierung die Stillegung der beiden Reaktoren im Rahmen des EU-Beitritts beschlossen. Deshalb wurden am 9. Juni 2000 die Verbesserungsarbeiten an der nuklearen Sicherheit eingestellt und der Brennstoffwechsel beendet. Mit den Aufrüstungen der Reaktoren wurde bewiesen, dass es möglich ist die Reaktoren vom Typ WWER-440/230 zu modernisieren und mit "westlichen Systemen" auszustatten.[4] Der erste Reaktor wurde zum Jahreswechsel 2006/2007 angeschaltet. Der zweite Reaktor folgte zum Jahreswechsel 2008/2009.[2] Zu diesen Jahreswechsel gab es eine Gaskrise in Mittel- und Südeuropa. Deshalb hatte die slowakische Regierung kurz nach der Stillegung des zweiten Reaktors angekündigt, dass der Reaktor wieder angefahren werden sollte. Das war jedoch nicht mit den Beitrittsbestimmungen der EU vereinbar.[5] Nachdem Tschechien Gasreserven in die Slowakei lieferte, hatte die Regierung die Inbetriebnahme wieder abgesagt.[6]

Um die ausgefallenen Kapazitäten weiterhin decken zu können wurde beschlossen, im Kernkraftwerk Mochovce die Reaktoren 3 und 4 fertigzustellen.[7]

Technisches

Die WWER-440/230 im Kernkraftwerk V1 haben eine thermische Leistung von 1375 MW. Wie bei der WWER-Reihe üblich, haben auch die Reaktoren in Bohunice V1 liegende Dampferzeuger, die die Wärmeenergie vom Primär- in den Sekundärkreislauf übertragen. Dort sind zwei 220 MW-Turbosätze installiert. In der aktiven Zone des Reaktors befinden sich 276 Uranoxid-Brennelemente. Mit 37 Steuerstäben kann die Kettenreaktion zusätzlich gesteuert werden. Gekühlt wird das Kühlwasser zusätzlich über je zwei 120 Meter hohe Kühltürme pro Reaktor.[8] Die elektrische Bruttoleistung der beider Reaktoren beträgt 440 MW brutto und 408 MW netto. Der Eigentümer und Betreiber des Kernkraftwerk V1 ist JAVYS.[2]

Anlage V2

Aufgrund eines prognostizierten Defizits in der Stromversorgung der Tschechoslowakei hatte man sich entschlossen in Bohunice das Kernkraftwerk V2 zu errichten. Ursprünglich sollte V2 auch wie V1 mit zwei Reaktoren vom Typ WWER-440/230 ausgestattet werden, mit geringen Abweichungen am Design. Jedoch hatte man das Konzept im Jahr 1976 überarbeitet und sich für Reaktoren vom Typ WWER-440/213 entschieden.[9] Mit dem Bau der Reaktoren wurde am 1. Dezember 1976 begonnen.[2]

Betrieb

Die Inbetriebnahme des ersten Reaktors erfolgte am 20. August 1984. Am 14. Februar 1985 wurde der Reaktor dem Betreiber übergeben. Der zweite Reaktor nahm seinen Betrieb am 9. August 1985 auf. Noch im gleichen Jahr wurde er am 18. Dezember dem Betreiber übergeben.[2] Das Kernkraftwerk in Jaslovské Bohunice hat mit einer installierten Leistung von 1.760 MW damit seine volle Ausbaustufe erreicht.[9]

Zum Erhalt der Sicherheitsstruktur der Anlage V2 wurden einige Maßnahme durchgeführt. In den 1990er Jahren wurden deshalb internationale Empfehlungen zur Erhöhung der Nuklearsicherheit, Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit durchgeführt. Außerdem wurden Vorschläge zur Verbesserung der Reaktoren für eine längere Betriebserlaubnis über die projektierte Laufzeit hinaus angenommen und durchgeführt. Projektiert wurden die Verbesserungen von der Ingenieur-, Projekt- und Forschungsorganisation VÚJE Trnava. Die Vorschläge sehen einer Verbesserung der seismischen Auslegung des Primärkreislaufes, eine selbständige Notversorgung der Dampferzeuger, Verbesserungen an den Pumpen und anderen Notsystemen und andere Änderungen vor.[10]

Die Abschaltung der Anlage V2 und deren Reaktoren ist für 2025 geplant. Als Ersatz für die dann fehlende Kapazität ist geplant, ein Kernkraftwerk in Kecerovce zu bauen.[11]

Technisches

Die beiden WWER-440/213 im Kernkraftwerk V2 haben eine thermische Leistung von 1375 MW. Die Reaktoren haben beide liegende Dampferzeuger, die die Wärmeenergie vom Primär- in den Sekundärkreislauf übertragen. Dort sind zwei 220 MW-Turbosätze installiert. In der aktiven Zone des Reaktors befinden sich 312 Uranoxid-Brennelemente, wobei der Reaktor mit 37 Steuerstäben zusätzlich kontrolliert werden kann. Wie auch die Anlage V1 wird die Anlage V2 mit jeweils zwei 120 Meter hohen Kühltürmen je Reaktor gekühlt.[12] Die elektrische Bruttoleistung der Blöcke beträgt je 505 MW brutto und 471 MW netto.[2]

Die Anlage V2 speist zusätzlich Fernwärme aus. Abnehmer sind umliegende Städte und Gemeinden.[14]

Anlage V3

Die slowakische Regierung hat beschlossen, bis 2020 das Kernkraftwerk V3 zu errichten.[15] Der fünfte Reaktorblock soll eine Leistung zwischen 1.000 und 1.600 MW haben. Der Reaktor soll Mischoxid-Brennelemente verwenden. Im Mai 2009 wurde eine formelles Joint Venture zwischen den zukünftigen Betreibern CEZ und JAVYS unterzeichnet. Dieses sieht vor, dass der Bau des Reaktors im Jahr 2013 beginnen wird und die Kosten bei etwa 3,3 Milliarden Euro für einen 1.200 MW-Reaktor liegen werden. Möglich ist aber auch den Bau von bis zu zwei Reaktoren. Areva und Westinghouse sollen die Favoriten für den Bau sein.[11]

Sonstiges

Das Kernkraftwerk Bohunice lieferte im Jahr 2001 31% der Energie der Slowakei. Mit der installierten Leistung von damals noch 1.760 MW war es damit der größte Stromerzeuger des Landes. Durch die Stillegung des Kraftwerks V1, ist nun das Kernkraftwerk Mochovce der größte Erzeuger.[14]

Daten der Reaktorblöcke

Der Standort Bohunice besteht aus drei Kernkraftwerken mit fünf Reaktoren. Drei Reaktoren sind bereits stillgelegt und zwei weitere Reaktoren befinden sich in Betrieb.[2]

Reaktorblock[2] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Bohunice A1 HWGCR KS-150 93 MW 143 MW 01.08.1958 25.12.1972 25.12.1972 22.02.1977
Bohunice V1
Bohunice V1-1 DWR WWER-440/230 408 MW 440 MW 24.04.1972 17.12.1978 01.04.1980 31.12.2006
Bohunice V1-2 DWR WWER-440/230 408 MW 440 MW 24.04.1972 26.03.1980 01.01.1981 31.12.2008
Bohunice V2
Bohunice V2-3 DWR WWER-440/213 471 MW 505 MW 01.12.1976 20.08.1984 14.02.1985 (2025)[11]
Bohunice V2-4 DWR WWER-440/213 471 MW 505 MW 01.12.1976 09.08.1985 18.12.1985 (2025)[11]

Einzelnachweise

Weblinks

Siehe auch