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Kernkraftwerk Chmelnyzkyj

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Kernkraftwerk Chmelnyzkyj
Khmelnitskiy 2010-1.jpg
Standort
Land Flag of Ukraine.svg Ukraine
Oblast Chmelnyzkyj
Ort Netischyn
Koordinaten 50° 18′ 13″ N, 26° 38′ 51″ OTerra globe icon light.png 50° 18′ 13″ N, 26° 38′ 51″ O
Reaktordaten
Eigentümer Energoatom
Betreiber Energoatom
Vertragsjahr 1979
Betriebsaufnahme 1987
Im Bau 2 (2070 MW)
Im Betrieb 2 (2000 MW)
Zusatzfunktion Fernwärme
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Chmelnyzkyj (ukrainisch Хмельницька АЕС, russisch Хмельницкая АЭС), ehemals als RGW-Gemeinschaftskernkraftwerk bezeichnet, steht nahe der Stadt Netischyn in der ukrainischen Oblast Chmelnyzkyj. Die ehemals von Ungarn, der Tschechoslowakei und Polen in Kooperation mit der Sowjetunion errichteten Anlage diente zunächst vorrangig zum Export von Elektrizität an die beteiligten Staaten, der jedoch zeitlich begrenzt war.

Geschichte

Im April 1975 verabschiedete das Ministerium für Energie und Elektrifizierung der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken per Resolution den Bau eines neuen Kernkraftwerk nahe Netischyn in der Region Chmelnyzkyj. Der Standort wurde bereits vorher ausfindig gemacht und aus 50 verschiedenen Orten ausgewählt. Die zunächst als Kernkraftwerk West-Ukraine II geplante Anlage (den Namen Kernkraftwerk West-Ukraine trug bereits das Kernkraftwerk Riwne) wurde noch im gleichen Jahr nach der Oblast in Kernkraftwerk Chmelnyzkyj umbenannt. Mit der am vierten Februar 1977 seitens des gleichen Ministeriums geäußerten Anweisung 46a wurde mit Vorarbeiten am Kernkraftwerk begonnen. Die ersten Maschinen für den Bau der ersten Gebäude wurden 1978 am Standort im Empfang genommen und mit den Infrastrukturarbeiten begonnen, so unter anderem mit dem Bau der ersten Straßen und der Vorarbeiten am neuen Stadtteil von Netischyn.[1] Eine Besonderheit an dem Kernkraftwerk selbst stellte die Beteiligung von Bruderstaaten der Sowjetunion dar. Die Idee war, dass die vier Reaktoren finanziell durch Staaten mitfinanziert und erbaut werden, die bereits Erfahrung am Bau von sowjetischen Reaktoranlagen besitzen, so kamen unter anderem Ungarn, Polen, die Tschechoslowakei sowie die Deutsche Demokratische Republik als Teilhaber an dem Projekt infrage. Das Projekt selbst sollte nach der Fertigstellung vollständig in sowjetische Hand zurückgehen. Der Plan war, dass man durch Elektrizitätsexporte aus dem Kernkraftwerk Chmelnyzkyj sowie mit Rohstoffexporten zu begünstigten Konditionen den geleisteten finanziellen und elementaren Beitrag zum Bau der Anlage begleichen würde.[2]

Die Lage des Kernkraftwerks Chmelnyzkyj ist für den Export von Elektrizität vorteilhaft gelegen, da die 750 kV-Hochspannungstrasse zur Schaltanlage Wynnytsa die erste große Exportleitung nach Zentral-Osteuropa ist, dessen elektrischen Bedarf bisher durch das Kernkraftwerk Tschernobyl nach der Inbetriebnahme Anfang 1978 deckte und das einzige Kernkraftwerk in der Sowjetunion war, dass Elektrizität zum Export anbot. Die Leitung endet im ungarischen Albertirsa. Chmelnyzkyj sollte das zweite Kernkraftwerk werden, dass die Exportanforderungen erfüllen kann und über die Schaltanlage West-Ukraine zusammen mit dem Kernkraftwerk Riwne eingebunden werden sollte.[3] Im Jahr 1979 unterzeichneten Ungarn, die Tschechoslowakei und Polen mit der Sowjetunion ein entsprechendes Kooperationsabkommen über die Teilhabe am Aufbau des RGW-Gemeinschaftskernkraftwerks Chmelnyzkyj.[1]

Am 28. November 1979 wurde das technische Projekt des Kernkraftwerks mit einer Leistung von 4000 MW aus vier Kernreaktoren genehmigt.[1] Obwohl sich nur drei Staaten neben der Sowjetunion direkt am Kernkraftwerk beteiligen sind ein großer Teil der anderen Staaten bei weiteren Projekten die in direkten Zusammenhang mit dem Bau des Kernkraftwerks stehen beteiligt,[4] so unter anderem beim Bau einer neuen 750 kV-Anbindung nahe der polnischen Stadt Rzeszów zum neuen Kernkraftwerk nach Chmelnyzkyj, deren Ausrüstung hauptsächlich aus der Deutschen Demokratischen Republik sowie der Tschechoslowakei stammte. Errichtet wurde sie jedoch von polnischen Arbeitern. Am Kernkraftwerk selbst sollte die Hauptausrüstung mit den Reaktorkomponenten aus der Sowjetunion kommen, alle elektrischen Systeme durch Polen geliefert werden und sämtliche Ausrüstungsgegenstände wie Kräne und Pressen sollten aus der Tschechoslowakei stammen. Das gesamte Kommunikationssystem im Kernkraftwerk selber sollte durch Ungarn installiert werden.[5] Im Jahr 1980 waren die ersten Gebäude im Bau.[1]

Die Kosten für das Gesamtprojekt mit vier Reaktoren beliefen sich auf 1,5 Milliarden Rubel.[6] 50 % der Kosten übernahm die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken selbst, als größter zukünftiger Stromabnehmer aus dem Werk übernahm Polen 25 % der Kosten, Die Tschechoslowakei und Ungarn zusammen 12,5 %. Ehemals war geplant, dass der erste Block 1984 den Betrieb aufnehmen könnte und durch die Exporte aus diesem Werk bis zum Jahr 2003 die anderen Länder vollständig ausgezahlt wurden und das Werk in den vollständigen Besitz der Sowjetunion übergeht.[7]

Da die Blöcke 1 & 2, sowie 3 & 4 zwar einem Projekt angehören, sich jedoch geschichtlich sehr unterscheiden, werden Block 1 & 2 in einem Abschnitt geführt, und Block 3 & 4 in einem separaten Abschnitt.

Block 1&2

Am 22. Januar 1981 wurde mit dem Aushub der Baugrube des ersten Blocks begonnen, sodass am siebten Juli 1981 die ersten Kubikmeter Beton vergossen werden konnten. Am 22. Oktober wurde mit dem Guss des Fundaments für das Reaktorgebäude begonnen, in dem eine Kapsel mit einer symbolischen Botschaft für zukünftige Generationen vergossen wurde.[1]

Bau

Mit dem eigentlichen Bau des ersten Blocks wurde am ersten November 1981 begonnen.[8] Im Juli 1982 wurden die erste Grundstrukturen des Blocks errichtet. Ab 1983 nahm man den Bau des Reaktorschafts am ersten Block in Angriff und begann mit den ersten Vorarbeiten am zweiten Block. So konnte man unter anderem das Fundamentbett fertigstellen. Ein Meilenstein war im Oktober 1984 die Fertigstellung der neuen Hochspannungsleitung nach Rzeszów (Polen). 1985 begann man um das Reaktorgebäude des ersten Blocks das viereckige Hilfsanlagengebäude zu errichten. Im gleichen Jahr wurde die erste Turbine geliefert.[1] Anders als die Vorgängeranlagen erhielt Chmelnyzkyj anstatt zwei Turbinen oder einer einzelne Niedergeschwindigkeitsturbine (1500 Umdrehungen pro Minute)[9] nur einen einzelnen 1000 MW-Turbosatz mit Hochgeschwindigkeitsturbine (3000 Umdrehungen pro Minute), geliefert von den Leningrader Metallwerken (kurz LMZ).[1] Am 1. Februar 1985 wurde mit dem Bau des zweiten Blocks begonnen,[8] und mit dem Bau der ersten Wände des Reaktorgebäudes.[1] Obwohl die Inbetriebnahme bereits für 1984 vorgesehen war, kam es jedoch zu starken Verzögerungen. Grund dafür waren Plünderungen und unbefugte Entwendung von Baumaterialien seitens der auf der Baustelle ansässigen Arbeiter und Einwohner aus der Umgebung. Dies schien zunächst kein Problem zu sein, stellte sich sich jedoch als eines der Größten auf der Baustelle heraus.[10]

Anfang 1986 wurde mit der Montage der Rohrleitungen im ersten Block begonnen, sowie der Installation des Belüftungssystems. Am 17. März konnte der Reaktordruckbehälter,[1] der von Atommasch aus Wolgodonsk stammte,[11] in das Reaktorgebäude an seinen Bestimmungsort gehoben werden.[1] Bei dem Bau der Rohrleitung des Primärsystems gab es jedoch Komplikationen, da man die Öffnungen für diese zu klein betonierte. Weiter Mängel offenbarten sich im Sekundärsystem. Mehrere dieser Mängel waren auf fehlerhafte Pläne für die WWER-1000/320 zurückzuführen die seitens des Planer nicht behoben und ignoriert wurden. Deshalb wurden diese Mängel direkt an die entsprechenden Kernkraftwerksbaustellen mit diesen Modellen weitergeleitet, sodass sich unter den Bauunternehmen für die Anlagen ein Kommunikationsnetz entwickelte. Seitens des Chefingenieurs A. D. Ischenko des Kernkraftwerks Chmelnyzkyj wurde dies darauf zurückgeführt, dass die verschiedenen Anlageteile von unterschiedlichen Unternehmen unter der Koordination eines Generalunternehmens entworfen wurden.[12] Nachdem sich im Folgemonat der Reaktorunfall von Tschernobyl ereignete, gab es ein großes Stromdefizit in der Nordukraine, dass vornehmlich durch das Kernkraftwerk Kalinin kompensiert wurde.[13] Da sich jedoch der Bau von Block fünf in Tschernobyl um Jahre verzögern würde hatte der Betreiber Sojusatomenergo kurzfristig die finanziellen Rücklagen für diesen Block dem Kernkraftwerk Chmelnyzkyj zugewiesen, um einen Zusammenbruch des Stromnetzes zu umgehen.[14] Im August 1986 konnte die Kuppel des Reaktorgebäudes aufgesetzt werden. Noch im gleichen Jahr wurden erste Testversuche an den Niederdruckzylindern der Turbine vorgenommen. Im Jahr 1987 wurden weitestgehend noch Endmontagen im ersten Block vorgenommen und Systeme des Blocks auf Funktionsfähigkeit getestet, sodass im November der erste Brennstoff in den Reaktor geladen werden konnte. Am zehnten Dezember 1987 nahm der Block un sechs Uhr morgens den physikalischen Betrieb auf und erreichte seine erste Kritikalität. Am 17. Dezember erreichte der Reaktor eine kleine kontrollierbare Leistung.[1]

Im Jahr 1988 änderten sich die politischen Gegebenheiten in der Politik der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken, was erstmals zu größeren Widerstand gegen Großprojekte aus der Bevölkerung führte. Diese kamen als einer der direkten Folgen dieses politischen Umschwungs und als Folge der Katastrophe von Tschernobyl auch in Chmelnyzkyj zutage, indem erstmals Proteste gegen den Bau des zweiten Blocks auftraten.[15] Durch die Stornierung des fünften und sechsten Blocks in Tschernobyl 1988 infolge des Unfalls musste das Personal das Werk dort verlassen und wurde vollständig der Baustelle des Kernkraftwerks Chmelnyzkyj zugewiesen, ebenso wie das Betriebspersonal aus dem verunglückten vierten Block, dass dem zweiten Block in Chmelnyzkyj zugewiesen wurde.[16] Der Block war 1989 bereits zu 95 % fertiggestellt und bereits in der Inbetriebnahmeprozedur.[1] Nach Plan sollte der Block 1990 ans Netz gehen, jedoch gab es ab Mai 1990 aus Protest durch örtliche Unternehmen ein Lieferembargo sowie im Juni größere Protestzüge gegen die Anlage mit Blockierung aller Zufahrtswege zum Werk. Die Spitze de Protestwelle wurde im Sommer erreicht, als mehrfach Personen in den Hungerstreik traten, die Proteste extremer wurden und das Lieferembargo der örtlichen Unternehmen weiter anhielt. Seitens der Oblast Chmelnyzkyj gab es im Parlament der ukrainischen sozialistischen Sowjetrepublik den Vorstoß ein Moratorium über den Bau weiterer Reaktoren zu veranlassen, womit das Problem am Kernkraftwerk Chmelnyzkyj gelöst gewesen wäre, was jedoch in erster Instanz abgelehnt wurde.[15] Erst am dritten August 1990 gab das Parlament dem Anliegen die nötige Stimmen, womit der Bau am zweiten Block vorerst ruhte und die bereits gelieferten Komponenten der Reaktoren eingelagert wurden.[1] Die installierte Kapazität der in Betrieb befindlichen Reaktoren reichte jedoch nicht alleine aus um den Strombedarf zu decken, weshalb die Elektrizität rationiert wurde, und regelmäßig Stromabschaltungen vorgenommen wurden.[17]

Nach dem Zerfall der Sowjetunion plante man im September 1992 als Folge des Unfalls vom 25. Mai 1992 im Kernkraftwerk Leningrad, bei dem radioaktive Gase entwichen, bis 1993 das gesamte Kernkraftwerk Tschernobyl endgültig stillzulegen, womit Ersatzkapazitäten nötig wurden. Als Ersatz für die drei 1000 MW starken Reaktoren in Tschernobyl nannte der Betreiber Ukratomenergo die Fertigstellung der 1000 MW-Reaktoren Block sechs in Saporischschja, Block vier in Riwne und Block zwei in Chmelnyzkyj. Der President Leonid Krawtschuk genehmigte jedoch gegen die Meinung des Parlamentes im Oktober 1992 die Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerks Tschernobyl nach Modernisierung der Absperrventile im Werk. Obwohl das Parlament nachzog und den Betrieb von Tschernobyl bis mindestens 1996 verlängerte[15] wurde am 21. Oktober 1993 das Moratorium über den Bau von Kernkraftwerken aufgehoben, weshalb noch im gleichen Jahr der Generator im zweiten Block installiert wurde.[1] Grund hierfür war die frühzeitige Schaffung von Ersatzkapazitäten für das Kernkraftwerk Tschernobyl. Die Reihenfolge war zuerst die Inbetriebnahme von Block sechs in Saporischschja, gefolgt vom zweiten Blocks in Chmelnyzkyj und dem vierten Block in Rowno, während Süd-Ukraine als am wenigsten fortgeschrittenes Projekt storniert wurde.[18][19] Die bereits getätigten finanziellen Investitionen seitens der RGW-Staaten Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei verfielen mit der Auflösung der Sowjetunion vollständig, wurden aber durch die Ukraine mit minimalen Stromlieferungen aus Solidarität beglichen.[20]

K2/R4

Seitens der G7-Staaten wurde 1995 die Europäischen Kommission gefragt, den Bau zweier neuer Reaktoren in der Ukraine zugunsten der Stilllegung des KKW Tschernobyl finanziell zu unterstützen. Im Dezember 1995 unterzeichneten die G7-Staaten und die Europäische Kommission mit der Ukraine eine Absichtserklärung, finanzielle Mittel für die Fertigstellung des zweiten Blocks in Chmelnyzkyj und des vierten Blocks in Riwne zur Verfügung zustellen, und im Gegenzug das Kernkraftwerk Tschernobyl geordnet vom Netz zunehmen. Die Hilfe für die beiden Projekte war der Öffentlichkeit hauptsächlich unter der Bezeichnung K2/R4 (englisch Khmelnitskiy-2/Rovno-4) bekannt, benannt nach den Bezeichnungen der Blöcke. Der Grund weshalb diese Reaktoren gewählt wurden war der Fertigstellungsgrad von rund je 80 %, während Block sechs des Kernkraftwerks Saporischschja zu diesem Zeitpunkt bereits im Probebetrieb war. Das Geld, insgesamt 1,8 Milliarden Dollar, sollte größtenteils durch die europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und die G7-Staaten zur Verfügung gestellt werden. Doch bereits im Februar 1997 stellte die europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung fest, dass das Geld für dieses Projekt falsch angelegt sei, da die ökonomische Entwicklung und somit der Energieverbrauch nicht so stark stieg, und insgesamt noch Überkapazitäten im Stromnetz vorhanden wären. Ein wichtiger Faktor war auch die Erfahrung beim Bau der Blöcke des Kernkraftwerks Temelín in Tschechien sowie des Kernkraftwerk Mochovce in der Slowakei die demonstrierten, dass es viele Probleme an diesem sowjetischen Design gab und insbesondere im Fall Temelín, dass eine etwaige Nachrüstung ein finanzielles Risiko darstellte. Weiter erreichten diese Blöcke in der Ukraine zwischen 1993 und 1996 eine Verfügbarkeit von nur 59 bis 65 Prozent, was weit unter dem internationalen Durchschnitt liegt. Jedoch stieg die Auslastung der Blöcke von Jahr zu Jahr.[21]

Seitens der Ukraine wurde am 17. und 18. Januar 1996 ein entsprechender runder Tisch zusammengerufen, um Medien sowie die umliegende Bevölkerung über die geplante Fertigstellung zu unterrichten. Ab 1997 wurde im Rahmen des Umbaus im Energiesektor die Entscheidungsgewalt an den staatlichen Betreiber Energoatom übergeben.[1] Im Jahr 1998 wurde mit einer US-Delegation ein 30 Jahre gültiger Vertrag zur Kooperation im zivilen Nuklearbereich unterzeichnet und im Rahmen dessen die Unterstützung am Bau der beiden neuen Blöcke zugesagt, sowie an der Wartung sämtlicher Reaktoren in der Ukraine.[22] Nachdem gegen Anfang des Jahres 2000 die europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung den Kredit für die beiden Reaktoren vorab zusagte kündigte Leonid Kutschma an, dass der letzte aktive dritte Block in Tschernobyl definitiv noch im Jahr 2000 vom Netz genommen werde.[23] Allerdings änderte sich die Prioritäten bezüglich K2/R4, so machte der Minister für Energie und Brennstoff klar, dass die Fertigstellung der Reaktoren nicht weiter in Zusammenhang mit der Abschaltung stehen werde, da es egal sei, ob die Reaktoren vor oder nach der Stilllegung des letzten Tschernobyl-Blocks fertiggestellt würden. Man erhoffte sich aber trotzdem Unterstützung um einen Übergang zu schaffen, so musste die Ukraine unter anderem mehr konventionelle Rohstoffe für Kraftwerke hinzukaufen.[24] Gegen Ende 2000 unterstrich der französische Präsident Jacques Chirac, dass er es verstehe, dass die Ukraine nicht auf die Kernenergie verzichten will und sprach dem Land Garantien für die Fertigstellung der Blöcke zu. Das Projekt erhielt innerhalb der Europäischen Union nach der endgültigen Entscheidung das KKW Tschernobyl vom Netz zunehmen einen entsprechend großen Rückhalt.[25]

Am 23. Oktober unterzeichnete das Konsortium bestehend aus der französischen Framatome, der deutschen Siemens Nuclear Power (SNP) und der russischen Atomstroiexport den Modernisierungsvertrag für die beiden Blöcke. Der Plan sah vor, dass das Konsortium die Blöcke standardgemäß fertigstellt, diese jedoch in den folgenden Jahren auf westliches Niveau modernisiert werden. Das gleiche Konsortium hatte bereits die ersten beiden Blöcke des Kernkraftwerks Mochovce sowie den siebten und achten Block in Kosloduj modernisiert.[26] Noch im gleichen Monat entschied die europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung einen Kredit in Höhe von 215 Millionen Dollar zu. Nach dieser Entscheidung genehmigte die Europäische Kommission einen weiteren 585 Millionen Dollar Kredit für Energoatom unter der europäische Atomgemeinschaft. Diese finanziellen Mittel wurden kurz vor der Schließung von Tschernobyl am 15. Dezember 2000 als Zeichen der Unterstützung überwiesen. Seitens Russlands gab es bereits vorab einen 225 Millionen Dollar Kredit für die beiden Reaktoren zum Zukauf der Komponenten und des Kernbrennstoffs. Ein entsprechendes Abkommen wurde im Juni unterzeichnet.[27] Im Oktober 2001 beschloss die Ukraine zusammen mit Russland die beiden Reaktoren alleine fertigzustellen. Innerhalb von drei Jahren sollten beide Reaktoren in Betrieb gehen. Dies führte jedoch dazu, dass möglicherweise die Geldzusage seitens der europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung vollständig wegfallen würde, zumal es keine eindeutige Bestätigung für diese Mittel gibt.[28] In der Folge behielt die Bank noch gegen Ende 2001 die finanziellen Mittel ein,[29] auch weil die Ukraine nicht allen Forderungen für die Kredite nachgekommen war. Ebenso wurde ein Teil der Kredite von Russland zurückgewiesen. Die Arbeiten an den Blöcken wurden jedoch unter russischer Leitung fortgesetzt und befanden sich kurz vor der Vollendung.[27]

Im November 2002 wurde seitens der russischen Föderation ein zusätzlicher Kredit für die Vollendung der Reaktoren gewährt.[30] Da die Verhandlungen um den Kredit der europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in einer schier unendlich dauernden Prüfung der Sicherheitsauflagen stecken blieben, wurde im Juli 2003 dem Betreiber Energoatom erlaubt eine Sonderabgabe auf die erzeugte Elektrizität aus Kernkraftwerken zu erheben, sodass die beiden Blöcke in Chmelnyzkyj und Riwne seit 2004 am Netz sind. Da auch durch diese Einnahmen den Geldbedarf nicht deckt werden konnte, wurde weiter ein Kredit beantragt.[31] Am 20. Juli 2004 genehmigte kurz vor der Fertigstellung der Blöcke die europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung den Kredit für die Anlage, jedoch in abgespeckter Form. So werden nur noch 83 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, zu den bereits ausgezahlten 42 Millionen Dollar.[32]

Betrieb

Der erste Block sollte ehemals nach Plan 1984 ans Netz gehen, was jedoch seitens des Westens als eher nicht zutreffend eingeschätzt wurde.[7] Da sich die Inbetriebnahme nach Stand 1983 tatsächlich um bis zu drei Jahre verzögern würde und Polen dringend auf Stromimporte angewiesen war, wurde dem Land kurzfristig mit der zusätzlichen Energie aus dem 1983 neu in Betrieb gegangenen vierten Block des Kernkraftwerks Tschernobyl ausgeholfen. Sobald Chmelnyzkyj jedoch ans Netz geht, sollte Polen und auch Ungarn, dass bisher ebenfalls Importstrom aus Tschernobyl bezogt, durch das Gemeinschaftskernkraftwerk versorgt werden, da alle vier Blöcke des Kernkraftwerks Tschernobyl aufgrund der chronisch angespannten Netzsituation in der Nordukraine und Zentralrussland für den stabilen Netzbetrieb dringend benötigt wurden.[33] Noch 1985 rechnete man damit, dass der erste Block 1985 und der zweite 1986 ans Netz gehen würde.[34] Der erste Block nahm schließlich am 31. Dezember 1987 den Betrieb auf[8] und wurde erstmals auf Volllast hochgefahren. Am 17. April wurde der Block zur ersten vorsorglichen Revision wieder abgeschaltet.[1] Am 13. August 1988 wurde der Block in den regulären Betrieb überführt.[8] Die ersten Betriebsjahre zeigten jedoch große Probleme an der Turbine die immer wieder zu Betriebsunterbrechungen führten. Die Turbine selbst ist ein Prototyp der vorher nicht getestet wurde. Diese Probleme wurden durch nicht permanente Behilfslösungen behoben. Da andere Kernkraftwerke mit diesen Reaktoren ebenfalls diese Probleme aufwiesen, wurde zwischen den einzelnen Anlagen ein Erfahrungsnetz aufgebaut, jedoch ohne systematische Sammlung der Betriebserfahrungen. Einen Betriebssimulator für diese Reaktoren existierten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, weshalb sich die Operatoren nur auf ihre Erfahrung verlassen konnten. Bis 1990 hatten sich die Betriebsparameter verbessert, weshalb das Werk einen sowjetischen Orden verliehen bekam.[12]

Block eins im Juli 2007

Block eins alleine konnte das Stromdefizit in der Region nicht unter Kontrolle bringen.[17] Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 konnte der Block den Strombedarf der Region decken. 1994 wurde infolge des aufgehobenen Moratoriums erstmals seitens des Parlaments Nachrüstungen und Modernisierungen für den Block bewilligt. 1997 forderte die Belegschaft eine Nachzahlung ihrer Löhne. Dieses Problem sollte gelöst werden, indem Ukratomenergoprom durch den staatlichen neu gegründeten Betreiber Energoatom ersetzt wurde und die Leitung als neuer Eigentümer das Werks übernahm.[1] Das Problem löste sich aber hierdurch nicht, sondern verschärfte sich. Energoatom vermarktete einen Großteil der Elektrizität für Gegengeschäfte, weshalb das Unternehmen de facto keine größeren Einnahmen vorzuweisen hatte. Nachdem aufgrund einer Entscheidung des ukrainischen Premierministers Walery Pustowuoitenko der Vorstand von Energoatom am 19. Februar 1999 entlassen wurde rückte der Direktor des Kernkraftwerks Chmelnyzkyj, Mykola Dudschenko nach. Die Folge war eine von Leonid Kutschma angeordnete Finanzprüfung des Konzerns.[35]

Am siebten August 2004 speiste der erste Block erstmals Elektrizität in das Netz ein und ist damit in Betrieb gegangen.[8] Am achten August wurde der Block unter Anwesenheit von President Leonid Kutschma feierlich eröffnet.[36] Am 15. Dezember 2005 ging der Block in den kommerziellen Betrieb über.[8] Bis November 2010 wurden sämtliche Modernisierungsoptionen an Block zwei durchgeführt. Da das Budget Überschüsse aufwies, konnten noch zusätzliche Maßnahmen unternommen werden.[37]

Stilllegung

Block eins und zwei sind standardmäßig für einen Betrieb von 30 Jahren ausgelegt. Demnach müsste nach Betriebslizenz der erste Block 2018 und der zweite 2035 vom Netz gehen. Energoatom plant jedoch eine Verlängerung der Laufzeit um 15 Jahre, sodass 2032 der erste Block und 2050 der zweite vom Netz gehen würde. Die staatliche Aufsichtsbehörde der Ukraine garantierte aber für die bereits älteren Reaktoren eins und zwei des Kernkraftwerks Riwne längere Laufzeiten von bis zu 20 Jahren, weshalb Block eins möglicherweise auch bis 2038 und Block zwei bis 2055 am Netz bleiben könnte.[27]

Block 3&4

Im September 1985 wurde mit den ersten Arbeiten am dritten Block begonnen, im Jahr 1986 auch an Block vier.[1] Nach Plan sollten die Blöcke 1988 und 1990 ans Netz gehen.[34]

Bau

Die baulichen Strukturen von Block 3 und 4 (rechts) neben dem Kroll K-10000

Am ersten März 1986 wurde mit dem Bau des dritten Blocks begonnen, am ersten Februar 1987 mit dem Bau des vierten Blocks.[8] Am 19. November 1987 brach ein Feuer auf der Baustelle des dritten Blocks aus, dass der Kraftwerksdirektor Saparonow selbst als „ziemlich extremes Szenario“ bezeichnete. Zwar hatte der zweite Block durch Schutzmaßnahmen keine Schäden davongetragen, jedoch warf dieses Ereignis die Bauarbeiten um mehrere Monate zurück.[38] Durch das am dritten August 1990 im Parlament verabschiedete Moratorium über den weiteren Ausbau der Kernkraftwerke wurd der Bau der Reaktoren eingestellt.[1] Nach dem Aufheben des Moratoriums 1993 durch den eigenständigen ukrainischen Staat wurde ebenso die fortlaufende Konservierung und Wartung des dritten und vierten Blocks wieder aufgenommen. Die beiden Blöcke sollten zusammen zusätzliche Kapazitäten sein und bei steigendem Strombedarf fertiggestellt werden.[19] Im Jahr 2003 gab es erstmals Pläne auch den dritten Block nach dem Zweiten zu errichten.[1] Dies bestätige Energieminister und Vorstand von Energoatom Serhij Tulub am 30. April 2003 auf einer Tagung in Kiew. Erste Planungen gingen von einer etwaigen Betriebsaufnahme im Jahr 2010 bis 2012 vor als Ziel der langfristigen Energieplanungen der Ukraine. Die Planungen gingen jedoch nicht von der Fertigstellung des bisherigen Reaktormodells aus, sondern vom Bau eines neuen in Entwicklung befindlichen Reaktortyps mit passiven Sicherheitssystemen. Langfristig sollte auch Block vier wieder infrage kommen.[39] Am achten August 2004 gab Leonid Kutschma im Rahmen der Inbetriebnahme des zweiten Rektors offiziell bekannt, dass aufgrund der Fertigstellung nun die Arbeiten am dritten Block wiederaufgenommen werden sollen.[36]

Erst im Jahr 2006 wurde der endgültige Beschluss gefasst, die beiden Blöcke fertigzustellen. Seit dem Moratorium wurde der Bau nicht fortgeführt, jedoch Block drei bereits zu 75 % und Block vier zu 28 % fertiggestellt.[27] Am vierten Juni 2007 unterzeichneten Rosatom und Ukratomprom ein entsprechendes Kooperationsabkommen. Laut Sergei Wladilenowitsch Kirijenko, dem ministerialen Vorstand des russischen Konzerns Rosatom ist Russland bereit in den Bau der Werke zu investieren, um diese für den mögliche Stromexporte nach Europa zu nutzen.[40] Nach einer 2008 veröffentlichen Analyse des Kiew Institut Energoprojekt (kurz KIEP) wäre es möglich ein anderes Reaktordesign in die bereits errichteten Gebäude zu integrieren, wobei einige Gebäudeteile ausgetauscht und umgebaut werden müssten. Zwar stand das Design noch nicht fest, Energoatom sprach sich jedoch im Jahr 2007 dafür aus eventuell wieder zwei WWER-1000 zu installieren.[41]

Neuausschreibung

WWER-1000/392B als AES-U87/92

Im März 2008 wurde eine interne Ausschreibung vorgenommen, an der zunächst nur Atomstroiexport und Škoda zugelassen waren. Erst kurze Zeit später wurden neben diesen beiden Anbietern Areva, Westinghouse und Koran Hydro and Nuclear Power zugelassen, von denen aber nur Atomstroiexport und Koran Hydro and Nuclear Power Angebote abgaben. Im September 2008 ging man davon aus, dass man bis 2010 den Bau wieder aufnehmen könnte, sodass die Blöcke 2016 und 2017 in Betrieb gehen würden.[27] Im Präsidentenwahlkampf 2010 zeigte besonders Julija Tymoschenko Engagement für die Fertigstellung der Blöcke, weshalb sie auch die Inbetriebnahme der Blöcke bereits bis 2015 realisieren wollte.[42] Am neunten Juni 2010 wurde zwischen dem Minister für Brennstoff und Energie, Juri Boiko und dem Vorstand von Rosatom, Sergei Kirijenko das Abkommen zur Fertigstellung der Reaktoren unterzeichnet, womit Atomstroiexport als Sieger aus der Ausschreibung hervorging. Anders als bisher projektiert wird das Reaktorsystem aus einem WWER-1000/392B bestehen, der als AES-92 in das bestehende Gebäude der Blöcke integriert wird. Nach Plan sollte bis 2011 das Design vollständig fertiggestellt sein, sodass es noch im gleichen Jahr genehmigt werden könnte. Seitens Juri Boiko wurde dies als der erste Schritt der nuklearen Renaissance in der Ukraine angesehen,[43][44] zumal die Ukraine als Folgeprojekte weitere Neubauten verfolgte.[27]

Im Februar 2011 wurde eine entsprechende Machbarkeitsstudie über die Realisierung der beiden Blöcke seitens dem Kiew Institut Energoprojekt. Die Finanzierung sieht vor, dass sämtliche aus der Ukraine stammenden Komponenten auch vom ukrainischen Budget finanziert werden. Seitens der russischen Sberbank gab es die Bereitschaft einen Kredit für die beiden Blöcke auszustellen, sofern die russische Seite diese mit Garantien absicheren würde.[45] Am neunten Februar 2011 wurde der entsprechende Rahmenvertrag zur Vollendung der Reaktoren mit Atomstroiexport unterzeichnet.[46][47] Am 31. Januar 2013 kündigte Rosatom an mit dem Bau der beiden Blöcke 2014 zu beginnen. Der Generalprojektant des Werkes, Nischni Nowgorod Atomenergoprojekt, teil von Atomstroiexport, wird die Fertigstellung rund zehn Jahre in Anspruch nehmen, womit der erste Block frühstens 2023 ans Netz gehen wird. Die Vollendung der beiden Blöcke wird rund 4,1 Milliarden Dollar kosten, allerdings gibt es seitens der Ukraine mit Russland noch keine Einigung über die Konditionen des geplanten Kredits für die beiden Blöcke.[48]

Aufgrund des Konfliktes mit Russland erklärte Yuriy Nedashkovsky, Vorstand von Energoatom am 26. August 2014, dass man nicht mehr plane mit Russland beim Bau der beiden Blöcke zu kooperieren.[49][50] Vertreter von Rosatom dementierten diese Aussage, da das Unternehmen nach wie vor in Kooperation mit der ukrainischen Seite stehe. Da der Vertrag auf Regierungsebene geschlossen wurde hat Energoatom darauf keinen Einfluss, da es dem Ministerium für Energie und Kohle der Ukraine unterstellt ist. Russland führe mit dem Ministerium nach wie vor Verhandlungen. Eine Mitteilung, dass das Projekt mit Russland gestoppt oder ausgesetzt werde, wurde bisher nicht übermittelt.[51] Am 1. September 2014 begann Westinghouse mit der ukrainischen Regierung über die Verhandlungen zur Privatisierung der ukrainischen Kernkraftwerke. Die Regierung erhoffe sich dadurch eine Entwicklung der ukraninischen Atomwirtschaft und ein Aufheben des Monopols in diesem Energiebereich. Der ukrainische Staat würde daraufhin die Kontrolle der Kernkraftwerke abgeben und diese dem privatisierten Unternehmen Energoatom übergeben. Die Gesetzgebung wurde von Arsenij Jazenjuk und Pavel Shereme vorgeschlagen, was Kritiker als einen Ramschverkauf der Ukraine bemängeln.[52] Am 3. September 2014 kündigte die Ukraine an, bis Jahresende 2014 einen Vertrag über den Bau neuer westlicher Reaktoren abzuschließen, worin auch das Problem über die Fertigstellung der unvollendeten russischen Blöcke behandelt und gelöst werden sollte.[53][54]

Am 23. Juni 2015 wurde bekanntgegeben, dass man ein rechtliches Dokument verfassen werde, um den Bau durch Russland zu stornieren. Desweiteren verfolge man den Auftrag stattdessen an das tschechische Unternehmen Škoda JS zu vergeben, einem nach Ansicht der Ukraine nicht russischen Unternehmen.[55][56] Allerdings wurde bereits im Jahr 2004 Škoda JS an den russischen Maschinenbauer OMZ verkauft, womit es sich de facto nur um eine gefühlte Unabhängigkeit von Russland handle, jedoch die Gelder am Ende im gleichen Land landen werden.[57]

Block 5 bis 7

Am 25. September 2013 gab Nikita Konstantinow, Generaldirektor von Energoatom, bekannt, dass nach der Energiestrategie 2030 die ersten drei neuen Blöcke mit einer Gesamtleistung von 3000 MW, die der Bestandserweiterung und nicht der Erneuerung dienen, am Kernkraftwerk Chmelnizkyj entstehen werden.[58]

Ausbaustufe 2

Um das Jahr 1982 gab es die Überlegung eine zweite Baustufe unter den gleichen Bedingungen mit Beteiligung von RGW-Staaten zu errichten genannt Chmelnizkyj II.[7] Im Jahr 1987 wurden diese Pläne konkretisiert das Werk um einen mit der ersten Ausbaustufe baugleichen Abschnitt auf eine Leistung von insgesamt 8000 MW zu erweitern, ähnlich die das Kernkraftwerk Süd-Ukraine und das Kernkraftwerk Saporischschja.[38] Diese Pläne wurden jedoch nicht realisiert.

Standortdetails

Im Jahr 1980 wurde mit dem Bau des 22 Quadratkilometer großen Kühlsees der Anlage begonnen. Im Jahr 1985 wurde mit der Flutung des Reservoirs begonnen und zeitgleich rund 350 Familien aus den drei Orten Sel’tso (etwa zwei Kilometer östlich des Kernkraftwerks), Dorogoshcha (etwa 1000 Kilometer westlich des östlichen Ufer zwischen Zu- und Ablauf vom Reservoir überflutet worden) und Netishyn (ehem. südliche Ortsende) evakuiert und umgesiedelt. Die Anwohner bekamen eine entsprechende Entschädigung zugesprochen.[1]

Technik Block 1&2

Die ersten beiden Blöcke sind ausgestattet mit Druckwasserreaktoren vom Typ WWER-1000/320. Jeder der Blöcke erreicht je eine Bruttoleitung von 1000 MW von denen 950 MW in das Elektrizitätsnetz gespeist werden.[8]

Technik Block 3&4

Block drei und vier sollten ehemals wie Blocke eins und zwei mit baugleichen WWER-1000/320 ausgestattet werden. Durch die Neuausschreibung sollen beide Blöcke nun als WWER-1000/392B errichtet werden, die die existierenden Strukturen nutzen. Beide Blöcke sollen je eine Bruttoleistung von 1089 MW erreichen von denen 1035 MW netto übrig bleiben.[8]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Chmelnyzkyj besteht aus vier Reaktoren, von denen sich zwei im Betrieb und zwei im Bau befinden.

Reaktorblock[8] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Chmelnyzkyj-1 DWR WWER-1000/320 950 MW 1000 MW 01.11.1981 31.12.1987 13.08.1988
Chmelnyzkyj-2 DWR WWER-1000/320 950 MW 1000 MW 01.02.1985 07.08.2004 15.12.2005
Chmelnyzkyj-3 DWR WWER-1000/392B 1035 MW 1089 MW 01.03.1986
Chmelnyzkyj-4 DWR WWER-1000/392B 1035 MW 1089 MW 01.02.1987

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Khmelnitsky NPP: Construction History. Abgerufen am 14.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  2. Michael Huxley: The Geographical magazine, Band 52. Geographical Press, 1979. Seite 6.
  3. American Geographical Society of New York: Soviet geography, Band 20. American Geographical Society, 1979. Seite 269.
  4. Harold W. Rood: Kingdoms of the blind: how the great democracies have resumed the follies that so nearly cost them their life. In: Studies in statesmanship of the Winston S. Churchill Association. Carolina Academic Press, 1980. Seite 158.
  5. The electrical review, Band 206,Ausgaben 10-21. Electrical Review, Ltd., 1980.
  6. Peter Summerscale: The East European predicament: changing patterns in Poland, Czechoslovakia, and Romania. Published for the Royal Institute of International Affairs by Gower Publ. Co., 1982. ISBN 0566005182. Seite 65.
  7. a b c William G. Davey: Nuclear Power in the Soviet Bloc. Los Alamos National Laboratory, März 1982. Seite 29, 43, 44, 51, 54. Abgerufen am 15.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  8. a b c d e f g h i j Power Reactor Information System der IAEA: „Ukraine“ (englisch)
  9. Alexander Leyzerovich: Wet-steam turbines for nuclear power plants. PennWell Books, 2005. ISBN 1593700326. Seite 131 bis 135
  10. William Winter: William Winter comments. 1986.
  11. Maud von Ossietzky: Die Weltbühne, Band 36,Ausgaben 1-26. v. Ossietsky., 1981. Seite 198.
  12. a b Khmelnitzky: History of a VVER-1000. In: Nuclear engineering international, Band 39,Ausgaben 474-485. Heywood-Temple Industrial Publications Ltd., 1994. Seite 39, 40, 41.
  13. USSR facts & figures annual, Band 11. Academic International Press., 1987. Seite 5.
  14. Reprints from the Soviet press, Band 43. Compass Publications, 1986. Seite 57.
  15. a b c Charles K. Dodd: Industrial decision-making and high-risk technology: siting nuclear power facilities in the USSR. In: Rowman & Littlefield, 1994 ISBN 9780847678471. Seite 124, 142, 170.
  16. David R. Marples: The social impact of the Chernobyl disaster. Macmillan, 1988. ISBN 0333464214. Seite 31.
  17. a b United States. Foreign Broadcast Information Service: Daily report: Soviet Union, Ausgaben 231-237. The Service, 1990. Seite 64.
  18. International Atomic Energy Agency. Division of Public Information: International assistance to upgrade the safety of Soviet-designed nuclear power plants: selected activities in Eastern and Central Europe and the countries of the former Soviet Union : an overview. International Atomic Energy Agency, 1993. Seite 30.
  19. a b Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany): Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 39. Handelsblatt GmbH, 1994. Seize 714.
  20. Bryan Cartledge, u.a.: Energy and the environment. In: The linacre lectures 1991-2. Oxford University Press, 1993. ISBN 019858413X. Seite 138.
  21. P. Bradford, u.a.: THE CASE FOR COMPLETING THE K2/R4 NUCLEAR PLANTS IN UKRAINE: a critique of the Stone & Webster report of May 1998. Stone & Webster, Mai 1998. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  22. Educational Foundation for Nuclear Science (Chicago, Ill.), u.a.: Bulletin of the atomic scientists, Band 54. Atomic Scientists of Chicago, 1998. Seite 16.
  23. Nuklearforum Schweiz: Tschernobyl soll dieses Jahr vom Netz, 07.02.2000. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  24. Nuklearforum Schweiz: Tschernobyl wird Ende 2000 abgestellt, 30.03.2000. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  25. Nuklearforum Schweiz: EU für Finanzierung ukrainischer KKW-Projekte, 18.09.2000. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  26. Nuklearforum Schweiz: Ukraine: Vorvertrag über Chmelnizki- und Rowno-Modernisierung, 27.09.2000. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  27. a b c d e f World Nuclear Assiociation: Nuclear Power in Ukraine, Februar 2012. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  28. Nuklearforum Schweiz: Ukraine und Russland wollen Tschernobyl-Ersatz allein fertigstellen, 06.10.2001. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  29. Nuklearforum Schweiz: EBRD vertagt Entscheid über Kernkraftwerksfinanzierung in der Ukraine, 10.12.2001. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  30. Nuklearforum Schweiz: Russischer Kredit für Chmelnizki und Rowno ratifiziert, 22.11.2002. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  31. Nuklearforum Schweiz: Ukrainische Finanzierung für Chmelnizki und Rowno, 15.08.2003. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  32. Nuklearforum Schweiz: EU und EBRD bewilligen K2-R4-Darlehen, 02.08.2004. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  33. New scientist, Band 96. New Science Publications, 1982. Seite 408.
  34. a b Kerntechnische Gesellschaft im Deutschen Atomforum: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 30. Handelsblatt GmbH, 1985. Seite 322.
  35. Nuklearforum Schweiz: Arbeiterproteste und Präsidentenwechsel bei ukrainischer Energoatom, 25.02.1999. Abgerufen am 19.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  36. a b Nuklearforum Schweiz: Inbetriebnahme von Chmelnizki-2 und Rowno-4, 13.08.2004. Abgerufen am 21.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
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  47. Nuklearforum Schweiz: Ukraine: Vereinbarung für Chmelnizki-3 und -4, 15.02.2011. Abgerufen am 22.04.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  48. UKRAINIANJOURNAL.com: Rosatom to start on $4.1 billion Khmelnytsky project in 2014, 31.01.2013. Abgerufen am 07.02.2013. (Archivierte Version bei WebCite)
  49. KyivPost: Ukraine not to cooperate with Russia in building new power units at Khmelnytsky NPP, 26.08.2014. Abgerufen am 26.08.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  50. Российской газеты: Украина решила достроить Хмельницкую АЭС без участия России, 27.08.2014. Abgerufen am 04.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  51. Российской газеты: "Росатом": РФ и Украина продолжают переговоры по Хмельницкой АЭС, 27.08.2014. Abgerufen am 04.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  52. Российской газеты: Westinghouse хочет прихватизировать АЭС Украины, 01.09.2014. Abgerufen am 04.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  53. Российской газеты: Яценюк пообещал строить на Украине больше атомных энергоблоков, 04.09.2014. Abgerufen am 04.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  54. World Nuclear News: Ukraine to sign reactor contract in months, 03.09.2014. Abgerufen am 04.09.2014. (Archivierte Version bei WebCite)
  55. Российской газеты: Киев вскоре денонсирует соглашения о достройке Хмельницкой АЭС, 24.06.2015. Abgerufen am 24.06.2015. (Archivierte Version bei WebCite)
  56. World Nuclear News: Ukraine prepares to cancel Khmelnitski agreement with Russia, 24.06.2015. Abgerufen am 24.06.2015. (Archivierte Version bei WebCite)
  57. Škoda JS: Company Profile. Abgerufen am 24.06.2015. (Archivierte Version bei WebCite)
  58. Архив газеты «Дело»: "Энергоатом" дополнит ХАЭС еще тремя блоками, 25.09.2013. Abgerufen am 25.09.2013. (Archivierte Version bei Archive.is)

Siehe auch

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