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Kernkraftwerk Marl

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Kernkraftwerk Marl
Standort
Land Flag of Germany.svg Deutschland
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Ort Marl
Koordinaten 51° 41′ 37″ N, 7° 6′ 34″ OTerra globe icon light.png 51° 41′ 37″ N, 7° 6′ 34″ O
Reaktordaten
Eigentümer 50 % Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen
50 % Chemische Werke Hüls AG[1]
Betreiber Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen
Pläne storniert 1 (600 MW)
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Marl sollte in der Stadt Marl im Ortsteil Hüls entstehen. Das Vorhaben, das auch die Chemiewerke Hüls (später Degussa-Hüls AG, heute Evonik Degussa AG) umfasste, wurde allerdings 1971 fallen gelassen und stattdessen ein Kohlekraftwerk am Standort errichtet.

Geschichte

Bereits 1967 zeigte die Badische Anilin- und Sodafabrik ein Interesse, nahe Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) ein Kernkraftwerk (Kernkraftwerk BASF) zu errichten. Anhand dieser Planung zeigten ebenfalls die Chemischen Werke Hüls AG (kurz CWH, teil der BASF) Interesse ein Kernkraftwerk nahe dem Werk in Marl-Hüls zu errichten. Es war das erste Kernkraftwerksprojekt, das im Ruhrgebiet in Planung gegangen war. Die Verwaltung der Stadt Marl bestätigte die Planungen. Als Standort wurde ein Gelände östlich im Raum der Stadt ausgewählt, der nahe der Lippe gelegen sei, jedoch in Reichweite des Chemieparks. Als Leistungsklasse wurde ein 600 MW starker Block angenommen. Während die Elektrizität nicht voll von den CWH genutzt werden sollte – der Großteil der Nutzung sollte Prozessdampf sein – war der Rest für die Einspeisung in das öffentliche Netz der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen (kurz VEW) vorgesehen gewesen. Als Problematisch stellte sich jedoch dar, wie man mit den Ausfallzeiten des einzelnen Blocks umgehen sollte, wenn eine Wartung anstehe oder der Block ungeplant ausfällt.[2] Eine endgültige Entscheidung über die Beteiligung an einem Kernkraftwerk sollte seitens der CWH noch 1968 gefällt werden. Vorbildprojekt hierfür war das von der Dow Chemical Corporation errichtete Kernkraftwerk Midland in den USA nahe der Stadt Michigan, das ebenfalls diesen Zweck dienen sollte, jedoch ebenfalls zu diesem Zeitpunkt nur geplant war.[3] Aufgrund der Lage sicherte sich die VEW 1968 den Standort Marl-Hüls als einen von insgesamt 14 in der gesamten Bundesrepublik für ein Kernkraftwerk der 600 MW-Klasse, das bis 1975 den bis dahin entstandenen Strombedarf decken sollte.[4]

Im Jahr 1968 forderten die VEW und die CWH erstmals das Angebot für ein Kernkraftwerk mit einer Leistung von 600 MW. Angebote wurden von Siemens, der AEG und BBC eingefordert, die insbesondere darauf Acht nehmen sollten, dass von den 600 MW nur 400 MW in das Netz eingespeist werden sollten und die restlichen 200 MW elektrische Leistung in Form von Prozesswärmeauskopplung für das Chemiewerk abgezweigt werden sollten.[5] Die Anforderung war ein Baubeginn 1970 und eine Inbetriebnahme 1975.[6] Im Jahr 1970 wurde aufgrund der Ausfallgefahr des Blocks ein zweiter, 700 MW starker Block angedacht. Jedoch musste die Planung so abgeändert werden, dass beide Blöcke frühstens 1977 zur Verfügung stehen würden,[7] spätestens 1978. Grund hierfür war, dass mehr Erdgas in dieser Region zur Verfügung stand und daher attraktiver als der Bau des kapitalintensiven Kernkraftwerks war.[8] Daher wurde das Projekt 1971 bis auf weiteres zurückgestellt, ebenso wie das alleine VEW-Projekt in Schmehausen.[9] Seitens der Presse wurde 1973 der Bau des Kernkraftwerks weiter angepriesen, jedoch vermeldeten die VEW und CWH, dass kein Bau bevorstehen würde.[10] Das Kernkraftwerk war seither nicht mehr weiter erörtert worden. 1977 wurde anstatt eines Kernkraftwerk ein 750 MW starker Kohleblock errichtet, bauähnlich mit den Kraftwerken Bergkamen, Lünen und die nicht realisierten Blöcke in Rieselfelder Dortmund, in denen ebenfalls ein Gelände für ein etwaiges Kernkraftwerk freigehalten wurde, das jedoch nie realisiert wurde.[11]

Einzelnachweise

  1. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 14. Handelsblatt GmbH, 1969. Seite 173.
  2. Fachverband Kohlechemie: Brennstoff-Chemie: Zeitschrift für Chemie und chemische Technologie der Brenstoffe und ihrer Veredlungsprodukte, Band 48. Verlag W. Girardet., 1967. Seite 27.
  3. Fachverband Kohlechemie: Brennstoff-Chemie: Zeitschrift für Chemie und chemische Technologie der Brenstoffe und ihrer Veredlungsprodukte, Band 49. Verlag W. Girardet., 1968. Seite 19.
  4. Heinrich Kolbenschlag, u.a.: Zentrale Einrichtungen des Gesundheitswesens. Boldt, 1968. Seite 136, 137.
  5. Studiengesellschaft zur Förderung der Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt: Kerntechnik, isotopentechnik und- chemie, Band 10. Karl Thiemig., 1968. Seite 2.
  6. Österreichisches Nationalkomitee, u.a.: ÖZE. Österreichische Zeitschrift für Elektrizitätswirtschaft, Band 22. Springer-Verlag., 1969. Seite 312.
  7. Vereinigung der Technischen Überwachungs-Vereine: TÜ: Sicherheit+ Zuverlässigkeit in Wirtschaft, Betrieb, Verkehr, Band 11. 1970. Seite 186.
  8. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 15. Handelsblatt GmbH, 1970. Seite 168.
  9. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 16. Handelsblatt GmbH, 1971. Seite 175.
  10. Kerntechnik, Band 15. K. Thiemig., 1973. Seite 242.
  11. Verein Deutscher Bergleute: Glückauf, Band 113,Ausgaben 13-18. Verlag Glückauf., 1977. Seite 688.

Siehe auch