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Kernkraftwerk Salzgitter

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Kernkraftwerk Salzgitter
Standort
Land Flag of Germany.svg Deutschland
Bundesland Niedersachsen
Ort Salzgitter
Koordinaten 52° 10′ 39″ N, 10° 25′ 14″ OTerra globe icon light.png 52° 10′ 39″ N, 10° 25′ 14″ O
Reaktordaten
Zusatzfunktion Prozesswärme
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Salzgitter war ein Ende der 1960er geplantes Kernkraftwerk im deutschen Bundesland Niedersachsen. Bereits Anfang der 1970er wurde das Projekt nicht weiter erörtert. Es gehörte zu einer Reihe von Industriekernkraftwerken, die in diesem Zeitraum geplant wurden. Auf den einst vorgesehenen Gelände befindet sich heute das Endlager Konrad.

Geschichte

Erstmals im Herbst 1964 empfahl auf Basis eines Gutachten für die Energieversorgung im Raum Salzgitter die Prognos AG aus Basel vor, ein Kernkraftwerk nahe Salzgitter zu errichten.[1] Im März 1968 schlug auch der Bundesschatzmeister Kurt Schmücker auf dem CDU-Parteitag in Niedersachgen vor, ein Kernkraftwerk für den Raum Salzgitter zu errichten. Er forderte zum damaligen einen sofortigen Planungsbeginn für solch eine Anlage, die bis 1972 fertiggestellt werden könnte. Tatsächlich führte die Initiative dazu, dass in der Folgezeit erste Gespräche stattfanden für die Planung einer solche Anlage insbesondere mit der Salzgitter AG, der zusammen mit der Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks AG (kurz VEBA) an dem Bau eines 300 MW starken Kernkraftwerks mit Leichtwasserreaktor oder Druckschwerwasserreaktor interessiert waren.[2] Doch bereits kurz nach Beginn der Diskussionen gab es kritische Stimmen gegen das Projekt, die von der Braunschweigischen Kohlenbergwerke (kurz BKB) kamen, die der Preußeneleketra und der Elektrowerke AG gehörten, da man in dem Kernkraftwerk eine Bedrohung für die dortigen Braunkohlekraftwerke sehe. Hintergrund war, dass das Unternehmen bis 1973 selbst einen weiteren 300 MW-Block auf Braunkohlebasis am Kraftwerk Offleben errichten wollte, sowie langfristig selbst den Bau eines Kernkraftwerks für das Jahr 1983 vorsah.[1] Das Kernkraftwerk Salzgitter war allerdings direkt als Kraftwerk neben dem Hüttenwerk der Salzgitter AG und dem Volkswagen-Werk geplant gewesen. Hintergrund war, dass von der Gesamtleistung von 300 MW nur 150 MW elektrisch erzeugt werden und 220 Tonnen Prozessdampf pro Stunde bereitgestellt werden sollte. Für den Reaktor wurde daher eine thermische Leistung von 750 MW angenommen. Für die Dampfüberhitzung war eine konventionelle Befeuerung vorgesehen, die nicht nutzbare Gichtgase aus dem Hüttenwerk verwerten sollte.[3]

Dem Projekt selber gab man in der Öffentlichkeit 1969 wenig Chancen, obwohl die Salzgitter AG langfristig neben dem Prozessdampf auch 120 MW elektrischen Bedarf hatte, allerdings der Bau eines so kleinen Kernkraftwerks wenig wirtschaftlich erschien, zumal die Abnahme von Strom aus dem Kraftwerk bei Helmstedt der BKB ebenfalls geliefert werden kann.[4]

Während der Informationswoche des Deutschen Atomforums in Salzgitter wurde vorgeschlagen eine Projektgesellschaft für die Anlage ins Leben zu rufen, was man allerdings nicht tat. Im Jahr 1970 folgte die Gründung eines Arbeitskreises, der die Voraussetzungen für den Bau des Kernkraftwerks prüfen und dessen Kosten ermitteln sollte. Federführung in dem Arbeitskreis wurde der Referent für Kerntechnik des niedersächsischen Wirtschaftsministerium, Heinrich Rotermund und Beisitzer der Vorstandsvorsitzende der Preußeneleketra, Kurt Hoffmann, der wissenschaftliche Leitung der Preußenelektra, Wolfgang Gersten, von der BKB, Norbert Jaehne, vom Volkswagenwerk Salzgitter, Franz Wehrberger, sowie ein Vertreter der Salzgitter AG. Zusammen mit der Wirtschaftsberatung AG sollte begonnen werden ein entsprechendes Gutachten für das Kernkraftwerk Salzgitter auszuarbeiten unter Berücksichtigung der Raumordnung.[5] Im Juni 1970 erklärte die Wirtschaftsberatung AG, dass die keinen Auftrag für ein Gutachten erhalten habe.[6] Im Jahr 1973 gab auch die Preußenelektra bekannt, dass sie die ursprünglichen Pläne, ein Kernkraftwerk an ihrem Kraftwerk in Offleben bei Helmstedt zu bauen nach Auslaufen der Braunkohlevorräte in den 1990er, endgültig auf, womit auch das Projekt in Salzgitter seitens der Preußenelektra nicht weiter gestützt wurde.[7][8]

Einzelnachweise

  1. a b Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 13. Handelsblatt GmbH, Juni 1968. Seite 270.
  2. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 13. Handelsblatt GmbH, April 1968. Seite 165.
  3. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 14. Handelsblatt GmbH, April 1969. Seite 173.
  4. Geographische Rundschau, Band 21, G. Westermann., 1969. Seite 38.
  5. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 15. Handelsblatt GmbH, März 1970. Seite 209.
  6. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 15. Handelsblatt GmbH, Juli 1970. Seite 302.
  7. Kerntechnische Gesellschaft (Bonn, Germany), u.a.: Atomwirtschaft, Atomtechnik, Band 18. Handelsblatt GmbH, November 1973. Seite 498.
  8. Hanspeter Ruschepaul: Das helmstedter braunkohlenrevier raumstrukturelle wandlungen u..., 1973. Seite 149.

Siehe auch

Icon NuclearPowerPlant-green.svg Portal Kernkraftwerk