Kernkraftwerk Forked River

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Kernkraftwerk Forked River
Standort
Land Flag of the United States.svg Vereinigte Staaten
Bundesstaat New Jersey
Ort Forked River
Koordinaten 39° 48′ 44″ N, 74° 12′ 44″ WTerra globe icon light.png 39° 48′ 44″ N, 74° 12′ 44″ W
Reaktordaten
Eigentümer Jersey Central Power & Light Company
Betreiber Jersey Central Power & Light Company
Vertragsjahr 1972
Bau storniert 1979
Bau storniert 1 (1123 MW)
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Forked River (englisch Forked River Nuclear Power Plant) sollte nahe Forked River im Lacey-Township im US-Bundesstaat New Jersey entstehen. Die Anlage ging zwar 1973 in Bau, wurde jedoch als Folge des Unfalls in Three Mile Island storniert. Östlich neben dem Werk befindet sich das Kernkraftwerk Oyster Creek.

Geschichte

Der Planungsbeginn für das Kernkraftwerk begann 1968. Die Anlage sollte in direkter Nachbarschaft zum Kernkraftwerk Oyster Creek errichtet werden. Bis 1982 sollte die Anlage in Betrieb gehen.[1] Bauherr war die Jersey Central Power & Light Company, die den Standort bereits durch das anliegende Kernkraftwerk besaß.[2] Allerdings gab es seitens des Department of Conservation bedenken bezüglich der Umweltverträglichkeit der Anlage, die das Wasser der Barnegat Bay auf mehr als 86 °F (30°C) erwärmen würde.[3] Bereits drei Jahre zuvor, 1968 plante Metropolitan Edison einen weiteren Block für das anliegende Werk, der jedoch aufgrund der gleichen Bedenken abgelehnt wurde und daraufhin als zweiter Block am Standort Three Mile Island errichtet wurde.[4] Zwar gab es seitens der Jersey Central Power & Light Company die Alternative eine zusätzliche Kühlanlage in Form eines Kühlturmes zu errichten, der jedoch aufgrund der hohen Kosten von sieben Millionen US-Dollar nicht weiter verfolgt wurde. Seitens des State Board of Public Utilities Commissioners wurde auch die Erwämung des Wassers auf eine Temperatur von 95 °F (35°C) genehmigt, weshalb der Stromkonzern zusätzlich für 75.000 Dollar eine Standortstudie mit den entsprechenden Auswirkungen und Lösungen des erwärmten Kühlwassers des neuen Werkes beantragte.[3]

Obwohl über den Bau des Werkes noch nicht entschieden wurde, ging 1971 eine Bestellung an Babcock & Wilcox für eine Turbogruppe des neuen Kernkraftwerks.[5] Im darauf folgenden Jahr ergab die Studie, dass ein Kühlturm unausweichlich war. In der Folge hatte man den Einsatz eines Kühlturms der für Salzwasser standfest ist erwogen, der auch ökonomisch und technisch realisierbar war. Auch hinsichtlich der Entfernung des Werkes etwa 5 Kilometer von der Barnegat Bay und 11 Kilometer vom atlantischen Ozean ist die Kühlung über dieses System vorteilhafter.[6] Bereits Anfang des Jahres 1973 wurde seitens der Atomic Energy Comission eine Baugenehmigung für das Werk nahegelegt. Für das Werk selbst gab es keine direkte Prüfung der Auswirkungen des Betriebs auf die Umgebung da diese denen des Kernkraftwerks Oyster Creek ähnelten und deshalb die Dokumente übernommen wurden.[7]

Bau

Mit dem Bau des Werkes wurde am ersten August 1973 begonnen.[8] Das Werk wurde von Combustion Engineering errichtet und sollte 510 Millionen Dollar kosten, unter der Voraussetzung, dass die Anlage 1976 oder 1978 den Betrieb aufnahm. Die Planung eines zweiten Blockes wurde bereits zu diesem Zeitpunkt endgültig aufgegeben.[9] Obwohl der Bau der Kühltürme für das Werk sicher war gab es von den Anliegern um das Kernkraftwerk bedenken aufgrund eventueller starker Nebelbildung, dem Betrieb unter Eisbedingungen sowie des visuellen Einflusses.[10] Weiter gab es Bedenken im Falle einer Reaktorschnellabschaltung, da die Wärme dann direkt in den Fluss abgeleitet würde. Ein bereits 1972 veröffentlichtes Dokument zur Auswirkung der warmen Abwässer behauptete, dass dies zu einem plötzlichen Überhitzen der Bay führen könnte und ein Fischsterben auslösen würde.[11] Seitens der Jersey Central Power & Light Company wurden diese Bedenken nicht weiter beachtet und man bestellte weitere Komponenten des Werkes, darunter die Hauptumwälzpumpen bei der Firma Glöckner in Osnabrück.[12] Allerdings gab es einen Bauverzug sowie einen Kostenanstieg bis 1974, so kostete das Werk nunmehr 685 Millionen Dollar und sollte ein Jahr später ans Netz gehen als geplant.[13]

Bis 1978 gab es vermehrt weitere Verzögerungen. Weniger aufgrund von baulichen Problemen, die bei Forked River als Vorzeigeanlage teilweise anfielen, sondern aufgrund von finanziellen Problemen seitens der General Public Utilities, die Muttergesellschaft der Jersey Central Power & Light Company unter der Leitung von Metropolitan Edison. Vom Zeitplan her gesehen lag das Werk am weitesten zurück von allen Kernkraftwerken die sich zu dieser Zeit in den USA im Bau befanden.[14] Um die Kostenfragen zu klären gab die General Public Utilities einen Teil der Anlage zur Investition für andere Betreiber frei.[15] Nach dem Unfall von Three Mile Island im März 1979 wurde die Wichtigkeit des Werkes neu bewertet. Da die Grundlastenergie des zweiten Blocks von TMI vollständig weggefallen war, kam Forked River als langfristiges Ersatzprojekt von Metropolitan Edison in Frage. Bereits Mitte der 1980er hätte die Anlage am Netz sein können.[16] Noch im März 1979 wurde der erste je gefertigte Kroll K-10000 am Standort aufgebaut, der noch 1978 von den General Public Utilities bestellt wurde.[17] Im April 1979 wurden die Arbeiten an dem Werk bis auf weiteres gestoppt,[8] nachdem bereits mehr als 390 Millionen US-Dollar verbaut wurden. Mittlerweile würde das Werk rund 1,2 Milliarden Dollar insgesamt kosten. Der offizielle Grund war der finanzielle Aufwand zur Eindämmung der Unfallfolgen für das Kernkraftwerk Three Mile Island.[18]

Im Jahre 1980 wurde seitens General Public Utilities bestätigt, dass es in naher Zukunft vorerst kein Interesse gebe den Bau dieses Werkes wieder aufzunehmen.[19] Im Jahre 1980 wurde die Stornierung des Projekts bei der Nuclear Regulatory Comission eingereicht.[20][21] Im Juni 1987 wurden die Bauruinen des Werkes vollständig beseitigt.

Technische Details

Das Werk sollte mit einem Druckwasserreaktor[8] von Combustion Engeneering ausgestattet werden. Die Kühlung der Anlage sollte über einen Naturzug-Nasskühlturm erfolgen der für Salzwasser ausgelegt war.[6] Elektrisch sollten 1123 MW brutto erzeugt werden von denen 1070 MW effektiv ins Netz gespeist werden sollten.[8] Die erzeugte Energie des Werkes sollte über eine Hochspannungsleitung abgeleitet werden, die in einem Korridor an die gleiche Schaltanlage geleitet wird wie die Leitung des Kernkraftwerks Oyster Creek.[22]

Daten des Reaktorblocks

Das Kernkraftwerk Forked River sollte aus einem Reaktor bestehen, dessen Bau eingestellt wurde.

Reaktorblock Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Forked River[8] DWR CE 2-loop 1070 MW 1123 MW 01.08.1973 Bau am 01.04.1979 storniert

Einzelnachweise

  1. Corporation annual reports to shareholders. 1971. Seite 9.
  2. United States. Public Health Service, u.a.: Radiological health data and reports, Band 12. U.S. Environmental Protection Agency, Office of Radiation Programs., 1971. Seite 303.
  3. a b Samuel Mines: The last days of mankind: ecological survival or extinction. Simon and Schuster, 1971. Seite 56.
  4. Bonnie A. Osif, Anthony Baratta, Thomas W. Conkling: TMI 25 Years Later: The Three Mile Island Nuclear Power Plant Accident and Its Impact. In: Penn State Press, 2006 ISBN 9780271027432
  5. Schweizerischer Ingenieur- und Architekten-Verein, u.a.: Schweizerische Bauzeitung: Wochenschrift für Architektur, Ingenieurwesen, Maschinentechnik, Band 89. 1971. Seite 678.
  6. a b Air Pollution Control Association: Journal of the Air Pollution Control Association, Band 22. The Association, 1972. Seite 222.
  7. United States. Environmental Protection Agency,: 102 monitor, Band 3,Ausgaben 1-5. Council on Environmental Quality, 1973. Seite 99.
  8. a b c d e Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - FORKED RIVER“ (englisch)
  9. Moody's bond survey, Band 65. Moody's Investors Service., 1973. Seite 1131.
  10. Thomas P. Norman: New Jersey trends: population and economy, natural resources, housing, transportation, energy. Institute for Environmental Studies, Rutgers University, State University of New Jersey, 1974. Seite 583.
  11. International Atomic Energy Agency: Thermal discharges at nuclear power stations : their management and environmental impacts: a report. In: Ausgabe 155 von Technical reports series. International Atomic Energy Agency, 1974. Seite 86.
  12. Kerntechnik, Band 16. K. Thiemig., 1974. Seite 3.
  13. The electrical review, Band 195,Ausgaben 1-11. Electrical Review, Ltd., 1974. Seite 382.
  14. Public Utilities Reports, inc: Public utilities fortnightly, Band 101. Public Utilities Reports, Inc., 1978. Seite 64.
  15. Jack Doyle, u.a.: Lines across the land: rural electric cooperatives, the changing politics of energy in rural America. The Rural Land & Energy Project, Environmental Policy Institute, 1979. Seite 200.
  16. Robert Morris Associates: The Journal of commercial bank lending, Band 62. Robert Morris Associates., 1979. Seite 46.
  17. Phil Bishop: Return of the K–10000, Cranes Today Magazin. Abgerufen am 04.05.2012. (Archivierte Version bei WebCite)
  18. The electrical review, Band 207,Ausgaben 14-22. Electrical Review, Ltd., 1980. Seite 71.
  19. United States. Congress. Senate. Committee on Environment and Public Works. Subcommittee on Nuclear Regulation: Staff studies, nuclear accident and recovery at Three Mile Island. U.S. G.P.O., 1980. Seite 391.
  20. United States. Dept. of Energy. Office of Energy Emergency Operations: Electric power supply and demand for the contiguous United States, 1981-1990. U.S. Dept. of Energy, 1981. Seite 3
  21. Charles Komanoff: Power plant cost escalation: nuclear and coal capital costs, regulation, and economics. In: Band 12 von Textile Collections of the World. Van Nostrand Reinhold, 1981. ISBN 0442249039. Seite 298.
  22. United States. Congress. House. Ad Hoc Select Committee on Outer Continental Shelf: Outer continental shelf lands act amendments of 1977: hearings before the Ad Hoc Select Committee on Outer Continental Shelf, House of Representatives, Ninety-fifth Congress, first session, on H.R. 161. U.S. Govt. Print. Off., 1977. Seite 1002.

Siehe auch

Für kursiv geschriebene Kernkraftwerke gab es zwar Planungen und Anträge bei der AEC oder NRC, diese kamen jedoch nie in die eigentliche Planungsphase; (ausgeklammerte) Standorte wurden für Kernkraftwerke bereits evaluiert, aber keine Planung begonnen.