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Kernkraftwerk Sewersk

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Kernkraftwerk Sewersk
Standort
Land Flag of Russia.svg Russische Föderation
Oblast Tomsk
Ort Sewersk
Koordinaten 56° 48′ 42″ N, 84° 41′ 52″ OTerra globe icon light.png 56° 48′ 42″ N, 84° 41′ 52″ O
Reaktordaten
Eigentümer JSC Konzern Rosenergoatom
Betreiber JSC Konzern Rosenergoatom
Geplant 2 (2510 MW)
Zusatzfunktion Fernwärme
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Sewersk (russisch Северская АЭС) soll unweit der geschlossenen Atomstadt Sewersk in der Russischen Oblast Tomsk entstehen. Es soll als Ersatz für die stillgelegten Reaktoren des Sibirischen Chemiekombinats dienen und neben Elektrizität ebenfalls Nukleare Fernwärme für die Städte Sewersk und Tomsk ausspeisen. Zuvor wurde am selben Ort ein Kernheizwerk geplant, dessen Planungen jedoch nie umgesetzt wurden.

Geschichte

Für die bereits in den 1990er beschlossene Stilllegung der Plutinoumreaktoren im Bergbau- und Chemikombinat Schelesnogorsk und dem Chemiekombinat in Sewersk wurden ehemals Kohlebefeuerte Kraftwerke fociert. Diese sollten die weggefallenen Wärme- und Stromkapazitäten ersetzen. Aufgrund ökonomischer und ökologischer Bedenken war der Bau jedoch nur sehr schwer zu realisieren, weshalb Minatom der örtlichen Verwaltung der Oblast Tomsk den Zubau eines Kernheizwerkes vorschlug.[1] Als Standort wählte man ein Gelände unweit der bestehenden Reaktoren, um die Nähe zur bestehenden Infrastruktur zu schaffen, so wie zum Fernwärmentz, zum Elektrizitätsnetz und bestehenden Laboreinrichtungen. Dadurch diese Infrastruktur bereits vorhanden war, hätte die Bauzeit sich verkürzen können. Daneben wurde die Möglichkeit in Erwägung gezogen, die bereits gefertigten Komponenten des Kernheizwerkes Gorki in Tomsk zu nutzen. Nach Plan wäre das gesamte Werk in Gorki demontiert worden und in Sewersk erneut aufgebaut worden.[2] Obwohl die Planungen vollständig waren[3] wurde die Anlage nie realisiert, was auf finanzielle und sicherheitstechnisches Misstrauen seitens der örtlichen Einwohner zurückzuführen war. Als Alternative strebte Minatom einen Umbau der Reaktoren des anliegenden Chemiekombinats an, sodass lediglich Energie erzeugt werden würde, jedoch kein Plutonium. Dieses Projekt scheiterte anschließend ebenfalls aufgrund finanzieller Probleme.[1]

Die Option mit dem Kernheizwerk wurde mehrere Jahre über das Jahr 1996 hinweg geführt. Nachdem jedoch die Kosten für das Projekt auf die lokale Verwaltung der Oblast Tomsk umgelegt wurde, standen die meisten Abgeordneten einem Kernkraftwerk noch offener gegenüber als einem kleinen Kernheizwerk, dadurch diese Werke über das Staatsbudget der Russischen Föderation finanziert werden.[4] Als eine mögliche Lösung wurde der Einsatz des WWER-640 gesehen, der für viele neue Kernkraftwerksprojekte im europäischen Teil und erste Anlagen im Fernen Osten vorgesehen und das zeitlich modernste Reaktormodell in Russland war.[5] Allerdings handelten im März 2003 die Vereinigten Staaten von Amerika zusammen mit der Russischen Föderation ein Abkommen aus, dass das gesamte Festkapital für das Projekt in konventionelle Kraftwerke als Ersatz für die Plutoniumreaktoren investiert werden, an dessen Hürde die Anlage letztendlich vollständig scheiterte.[4] Im Jahre 2006 wurde das Projekt erneut seitens der Oblast Tomsk wiederbelebt und der Bau eines Kernkraftwerks mit bis zu vier Reaktoren vorgeschlagen, nachdem Schätzungen ausgingen, dass bis zum Jahre 2030 der Stromverbrauch des Landes zwischen 25 und 30 % ansteigen werde und die aktuellen Kapazitäten nicht reichen würden.[6] Seitens der Russischen Föderation gilt dieses Projekt nunmehr mit zwei Reaktoren vom Typ WWER-1200 als AES-2006 als ein kooperatives Demonstrationsobjekt, weshalb die Französische Firma Alstom und das offene Aktienunternehmen Atomenergomasch ein Gemeinschaftsunternehmen gründeten, für die Fertigung der ersten Arabelle-Turbinen, die eine Laufgeschwindigkeit von 1500 Umdrehungen pro Minute erreichen, die in Sewersk zum ersten mal zum Einsatz kommen sollen und später auch in weitere Anlagen.[7] Im Rahmen des Entwurfs für einen WWER-1200 mit zwei Primärkreisen wurden die Planungen für die Anlage 2009 abgeändert zugunsten Reaktoren des Typs WWER-1200/501 als AES-2006M.[8]

Als Generalprojektant für das Kernkraftwerk Sewersk wurde Atomenergoprojekt Moskau gewählt, die diese Anlage noch vor dem offiziellen Planungsstand in die Projektion nahmen.[9] Am 11. November 2009 wurde der Standort bewilligt. Obwohl um Sewersk mehrere nukleare Anlagen stehen wird das Kernkraftwerk der erste Komplex sein, der rein zivilen Zwecken dient. Die Anlage wird rund 4,6 Milliarden Dollar kosten.[10] Die Planungsarbeiten für die Anlage sollen bis zum Ende des Jahres 2011 komplett sein. Mit den Erschließungsarbeiten soll im Jahr 2012 begonnen werden. Zusätzlich soll neben dem Standort der Anlage ein Industriepark angesiedelt werden, der nach Ansicht des Bürgermeisters der Stadt Sewersk attraktiv für Investoren sein würde. Dadurch allerdings der Status einer geschlossenen Stadt für viele Investoren außerhalb der Nuklearindustrie unattraktiv scheint, würde der Bau eines offenen Stadtteil diskutiert werden.[11] Am 30. November 2012 gab Rosatom bekannt, den Bau des Kernkraftwerks zu verschieben um den Bau der Kernkraftwerke Kursk II und Smolensk II vorzuziehen. Sewersk sei für das Elektrizitätsnetz nicht sehr wichtig und die regionalen Energiepreise liegen recht niedrig, weshalb sich das Projekt wirtschaftlich nicht sofort lohnen würde, allerdings bleibt das Werk im föderalen Zielprogramm ausnahmslos enthalten.[12]

Bau

Nach Plan sollte der Bau 2015 und 2017 beginnen, allerdings verzögern sich die Bauarbeiten um zwei Jahre, weshalb nicht vor 2017 und 2019 mit einem Baubeginn zurechnen sei. Grund hierfür waren abgestufte Verbrauchsvorhersagen bei der Elektrizitätsnutzung.[10]

Betrieb

Nach Plan soll der erste Block 2018 in Betrieb gehen,[11] der zweite Block zwei bis drei Jahre später.

Technische Details

Die Anlage soll aus zwei Reaktoren vom Typ WWER-1300/510 bestehen. Die elektrische Leistung des ersten Blocks liegt bei 1255 MW brutto und 1115 MW netto.[13][14] Beide Reaktoren sollen zusammen 7,5 Petajoule am Wärmeenergie ausspeisen für Heizzwecke in der lokalen Umgebung.[10]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Sewersk hat zwei Reaktoren, die sich in Planung befinden.

Reaktorblock[15] Reaktortyp Leistung Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Stilllegung
Typ Baulinie Netto Brutto
Sewersk-1[13] DWR WWER-1300/510 1115 MW 1255 MW (Anfang 2016)
Sewersk-2[14] DWR WWER-1300/510 1115 MW 1255 MW (Anfang 2021)

Einzelnachweise

  1. a b George H. Quester: The nuclear challenge in Russia and the new states of Eurasia, Band 6. In: Band 6 von The international politics of Eurasia. M.E. Sharpe, 1995. ISBN 1563243636. Seite 52.
  2. L. V. Gureeva, u.a.: Creation of Nuclear Heating Plants in Russia: Present status and prospects for the Future. OKB Mechanical Engineering, Nischni Nowgorod. Seite 3,4. Abgerufen am 12.10.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  3. International Atomic Energy Agency: Market potential for non-electric applications of nuclear energy. In: Ausgabe 410 von Technical reports series. International Atomic Energy Agency, 2002. ISBN 920115402X. Seite 44. Abgerufen am 12.10.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  4. a b James Clay Moltz, u.a.: Preventing nuclear meltdown: managing decentralization of Russia's nuclear complex. Ashgate Publishing, Ltd., 2004. ISBN 0754642577. Seite 55.
  5. British Library. Lending Division, u.a.: Thermal engineering, Band 43,Ausgaben 9-12. Pergamon Press, 1996. Seite 880.
  6. The petroleum economist, Band 73. Petroleum Press Bureau, 2006. Seite 42.
  7. Eric J. Jeffs: Green energy: sustainable electricity supply with low environmental impact. CRC Press, 2010. ISBN 1439818924. Seite 120.
  8. Рыжов С.Б., u.a.: Развитие технологии ВВЭР в рамках Федеральной Целевой Программы «Развитие атомного энергопромышленного комплекса России на 2007 – 2010 годы и на перспективу до 2015 года» (тезисы), 2009. Abgerufen am 21.02.2013. (Archivierte Version bei WebCite)
  9. Atomenergoprojekt: «Interfax»: Moscow Atomenergoproekt has increased proceeds for 2010 in 1,6 times, up to 27 billion roubles, 12.05.2011. Abgerufen am 13.10.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  10. a b c World Nuclear News: Licence for nuclear heat and power at Seversk, 16.11.2009. Abgerufen am 13.10.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  11. a b Atomenergoprojekt: «Interfax-Siberia»: Construction of an infrastructure at the site of Seversk NPP will begin at the end of 2012, 27.05.2011. Abgerufen am 13.10.2011. (Archivierte Version bei WebCite)
  12. Российское атомное сообщество: Росатом пока откладывает планы по строительству Северской и Нижегородской АЭС, 30.11.2012. Abgerufen am 02.03.2013. (Archivierte Version bei WebCite)
  13. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - SEVERSK-1“ (englisch)
  14. a b Power Reactor Information System der IAEA: „Nuclear Power Reactor Details - SEVERSK-2“ (englisch)
  15. Power Reactor Information System der IAEA: „Russian Federation“ (englisch)

Siehe auch