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Kernkraftwerk Sunan

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Disambig-yellow.svg Dieser Artikel behandelt das Kernkraftwerk Sunan in der Provinz Jiangsu, China. Für das Werk nahe der Ortschaft Sunan, Pakistan siehe Kernkraftwerk Chaschma.
Kernkraftwerk Sunan
Standort
Land Flag of the People's Republic of China.svg Volksrepublik China
Provinz Jiangsu
Ort Jiangyin
Koordinaten 32° 1′ 22″ N, 120° 28′ 7″ OTerra globe icon light.png 32° 1′ 22″ N, 120° 28′ 7″ O
Reaktordaten
Eigentümer Sunan Nuclear Power Development Company
Betreiber Sunan Nuclear Power Development Company
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Die Quellen für diese Angaben sind in der Zusatzinformation einsehbar.

Das Kernkraftwerk Sunan (chinesisch 苏南核电站, ehem. projektiert als Kernkraftwerk Dongnan; auch bekannt unter Kernkraftwerk Jiangsu-Süd, Bedeutung von „Sunan“ (苏南) aus dem Chinesischen für „Süd-Jiangsu“, zusammengesetzt aus „Su“ (苏) und „Nan“ (南)) sollte in der Provinz Jiangsu in der Sonderwirtschaftszone Jiangyin entstehen. Der vorgesehene Standort befindet sich 120 Kilometer nordwestlich von Shanghai, rund 150 Kilometer östlich von Nanjing und je 42 Kilometer von Changzhou, Wuxi und Nantong entfernt. Die Umgebung des Standortes, der direkt am Südufer des Jangtsekiang liegt ist eher flach. Die ehemals vorgesehenen Reaktormodelle sollten importiert werden und die Basis für weitere Kernkraftwerksprojekte in der Volksrepublik China bilden.

Geschichte

Bereits 1978 wurde mit den Planungen an dem Werk begonnen, jedoch aufgrund wirtschaftlicher Gründe auf ein unbestimmtes Datum in der Zukunft verschoben.[1] Im Jahre 1984 wurde das Sunan-Projekt in der Provinz Jiangsu seitens der Volksrepublik China international ausgeschrieben. Das Projekt selbst gehört zum Ausbauprogramm der Kernenergie in der Volksrepublik China bis zum Jahre 2000 Kernkraftwerke mit einer Leistung zwischen 10000 bis 20000 MW in Betrieb zu nehmen. Die Kosten des Projekts sollten sich auf bis zu 1,8 Milliarden Dollar belaufen. Beworben haben die neben Framatome zusammen mit Atstom Atlantiqu auch die westdeutsche Kraftwerk Union AG.[2] Bereits in der ersten Bieterrunde galt die Kraftwerk Union als Favorit. Westinghouse und Combustion Engeneering hatten ebenfalls Angebote für die Anlage abgegeben, die jedoch nicht zugelassen wurden, da beide Unternehmen aufgrund der schlechten Auftragslage in den Vereinigten Staaten, den Heimatland der Unternehmen geradezu aggressiv versuchten ihre Kernkraftwerke international zu vermarkten, allerdings mit geringen Erfolg.[3] Seitens Framatome war die Kraftwerk Union ein starker Konkurrent. Die Ausschreibung sah vor, dass die Volksrepublik bei den ersten vier Reaktoren die nach China geliefert werden sollten, zwei für Sunan, zwei weitere für das Kernkraftwerk Daya Bay, einen Auftragsanteil von 20 % an chinesische Unternehmen gehen sollte. Bei weiteren Reaktoren in der Zukunft sollten 80 % von chinesischen Unternehmen stammen. Anschließend wollte die Volksrepublik einen zusätzlichen Anteil bezahlen um die Reaktortechnologie zu transferieren. Dieser extreme Kostenvorteil und der eventuelle Verlust von zukünftigen Projekten in der Volksrepublik China setze Framatome stark unter Druck, weshalb der Konzern im Falle einer Technologieübernahme vollständig auf etwaige Lizenzrechte verzichten wollte.[4]

Die Reaktormodelle die für Sunan und Daya Bay geboten wurden waren das französische Standardmodell Westinghouse M310, sowie das deutsche Exportmodell KWU-DWR-1000, baugleich mit der vereinfachten Version die für das türkische Kernkraftwerk Akkuyu und das Kernkraftwerk El Dabaa in Ägypten geboten wurden. Zwar war der Sicherheitsstandard und die organisatorischen Systeme mit den Konvoi-Anlagen in Deutschland identisch, sowie in den neusten Siedewasserreaktoren im Land, allerdings entsprach das Design nicht den deutschen Normen hinsichtlich des Schutzes vor Flugzeugabstürzen. Aufgrund der technologischen Fortschrittlichkeit des Designs informierte die Volksrepublik China den französischen Bieter, dass das Angebot als Favorit galt und für Daya Bay der Auftrag nur an Framatom gehen könne, sofern der Preis der deutschen Konkurrenz um fünf Cent je Kilowattstunde unterboten werden könne.[4] Nach ausgiebigen Untersuchungen legte man für das Sunan-Projekt letztlich Changshan in der Region Jiangying als Standort für die Anlage fest.[5] Zur Verwaltung des Kernkraftwerksprojekts wurde im Januar 1985 die Dongnan Nuclear Power Development Company gegründet, die kurz darauf in Sunan Nuclear Power Development Company umbenannt wurde und anschließend als Jiangsu Nuclear Development Company geführt wurde.[6]Da dem Auftrag für das vorausgehende Projekt für die Daya Bay einer höhere Wichtigkeit zugeordnet wurde, hatte man das Sunan-Projekt bis auf weiteres verschoben.[7] Aus dem Fünfjahresplan von 1986 bis 1990 wurde das Projekt gänzlich gestrichen.[8] International wurde das Bauprogramm der Volksrepublik China kritisch bewertet: Es wurde als zu teuer angesehen, in einem solch kurzen Zeitraum 10.000 MW an Kernkraftwerken zuzubauen.[9]

Während mit Westdeutschland bereits ein Abkommen zur Zusammenarbeit unterzeichnet wurde, auch zur Entsorgung von radioaktiven Abfällen aus Deutschland im Endlager Gobi in der gleichnamigen Wüste, gab es mit Frankreich noch kein Abkommen.[10] Deshalb hatte auch Anfang des Jahres 1986 die Kraftwerk Union den Auftrag noch für sich entschieden, für Daya Bay erhielt Frankreich jedoch den Auftrag. Das Sunan-Projekt wurde im gleichen Jahr endgültig storniert. Seitens des Chefarchitekten des Nuklearprogramms wurde bestätigt, dass das Projekt als erstes Kernkraftwerkprojekt im Land vollständig storniert wurde, aber das einzige bleiben sollte. Bei anderen Projekten sollte der Standort erhalten werden, auch wenn diese nicht bis zum Jahr 2000 errichtet werden.[11] Die Volksrepublik China stellte der Kraftwerks Union als Alternative den Bau zweier kleinerer Modelle am Kernkraftwerk Qinshan in Aussicht.[12]

Standortdetails

Der Standort befindet sich an der Südbank des Jangtsekiang nahe dem Berg Changshan und ausgelegt für den Bau von vier Reaktoren. Der Untergrund besteht vornehmlich aus Quartzsandstein der im Devon vor zirka 358,9 Millionen Jahren geschaffen wurde. Bis 1986 waren die Vorarbeiten abgeschlossen. Ursprünglich wurde angenommen, dass die Jangtse-Verwerfungszone über den gesamten Jangtsekiang verläuft und war deshalb einer der elementaren Fragen im Bezug auf die Standortbestimmung des Kernkraftwerks Sunan. Im Rahmen dessen wurde 1983 eine Untersuchung begonnen in der nach intensiver Forschung festgestellt werden konnte, das die Verwerfung östlich der Stadt Zhejiang nicht existiert und ab dem Berg Changshan in einer Geosynklinale etwa 10 Kilometer vom Fluss abweicht und daher keine Gefahr darstellte. Kleinere Verwerfungen am Standort wurden ebenfalls untersucht, die allerdings im Pleistozän vor rund 20.215 Jahre (±285 Jahre) vor Christus entstanden und aufgrund ihrer Spur im Felsgestein nicht aktiv sind. Der Standort war seismisch daher geeignet.[13]

Einzelnachweise

  1. United States. Joint Publications Research Service: China report: science and technology, Ausgaben 1-5. Foreign Broadcast Information Service, 1985. Seite 121.
  2. International Executive Reports, ltd: East Asian executive reports, Bände 7-8. International Executive Reports, 1985. Seite 19.
  3. Business International Corporation: Business international, Band 32. Business International Corp., 1985. Seite 253.
  4. a b Nuclear engineering international, Band 30. Heywood-Temple Industrial Publications Ltd., 1985. Seite 3.
  5. United States. Foreign Broadcast Information Service: Daily report: People's Republic of China, Ausgaben 94-105. Distributed by National Technical Information Service, 1985. Seite 294.
  6. National Council for United States-China Trade: The China business review, Band 12. National Council for US-China Trade, 1985. Seite 27.
  7. United States. Bureau of Industrial Economics, u.a.: U.S. industrial outlook. U.S. Dept. of Commerce, Bureau of Industrial Economics, 1986. Seite 25-1.
  8. United States. Foreign Broadcast Information Service: Daily report: People's Republic of China, Ausgaben 84-94. Distributed by National Technical Information Service, 1986. Seite 36.
  9. Financial Times Business Information Ltd: Energy economist, Ausgaben 51-6. Financial Times Business Information Ltd., 1986. Seite 72.
  10. New scientist, Band 110. New Science Publications, 1986. Seite 21.
  11. Bureau of National Affairs (Arlington, Va.): International trade reporter: Current reports, Band 3,Ausgaben 1-26. Bureau of National Affairs, 1986. Seite 459.
  12. Der Spiegel, Band 41,Ausgaben 28-36. R. Augstein, 1987. Seite 25.
  13. China. Guo jia di zhen ju: Earthquake Research in China: ERC, Band 1. Allerton Press, 1987. Seite 88, 92.

Siehe auch